Doktorierende, Doktorate und Doktorierende mit Hochschulanstellung 2022

Die Zahl der Doktorierenden hat innert zehn Jahren um 17% und innert 20 Jahren um 72% zugenommen. 2022 haben die universitären Hochschulen über 4600 Doktortitel vergeben, doppelt so viele wie Anfang der 1990er-Jahre.

Im Jahr 2022 hatten 80% der doktorierenden Personen (16 826 ohne Medizin) eine Anstellung an einer Schweizer Hochschule, 95% davon an einer universitären Hochschule. 89% der angestellten Doktorierenden verfügten über einen befristeten Vertrag und waren in der Personalkategorie «Assistie­rende und Doktorierende» beschäftigt.

Über die Hälfte der Doktorierenden mit einer Hochschulan­stellung arbeiteten 2022 mit einem Beschäftigungsumfang über 75%.

Die Anzahl der Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer mit Hochschulanstellung ist in den vergangenen zehn Jahren angestiegen. Die Anzahl Frauen ist in dieser Zeit gewachsen (+3,3%), ihr Anteil lag im Jahr 2022 bei 45,3%.

Im Schweizer Hochschulsystem entspricht das Doktorat dem Abschluss der dritten Studienstufe an universitären Hochschulen. Ein Doktorat bietet die Möglichkeit, bei Forschungsarbeiten wissenschaftliche Kompetenzen zu erwerben und die Kenntnisse in einem bestimmten Fachbereich zu vertiefen. Diese wissenschaftlichen Fähigkeiten sind für eine moderne, innovationsorientierte Gesellschaft von entscheidender Bedeutung und können je nach Branche auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sein. Nationale und internationale Institutionen interessieren sich daher für die Entwicklung der Anzahl Doktorierender und verliehener Doktortitel in den nationalen Bildungssystemen. Das erste Kapitel dieser Publikation gibt einen statistischen Überblick über die Doktorierenden und vergebenen Doktortitel.

Ein Doktorat bietet einigen Doktorierenden zudem die Möglichkeit, während des Studiums als Teil des akademischen Personals an einer Hochschule einer Beschäftigung nachzugehen. Bei mehreren nationalen Organen wie dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), aber auch bei internationalen Fachstellen für Bildungsstatistik wie UNESCO-OECD-Eurostat und dem European Tertiary Education Register (ETER) besteht seit einigen Jahren ein verstärkter Bedarf an nationalen Daten zu den angestellten Doktorierenden. Das zweite Kapitel geht auf diese Nachfrage ein und präsentiert Analyseergebnisse, mit denen sich erstmals in der Schweiz die an den Hochschulen angestellten Doktorierenden mit ihren demografischen und beruflichen Merkmalen von den anderen Assistierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitenden unterscheiden lassen.

Folglich werden in dieser Publikation Ergebnisse einerseits zur Gesamtheit der Doktorierenden und Doktortitel und andererseits zur spezifischen Gruppe der Doktorierenden mit Hochschulanstellung präsentiert.

1 Statistisches Porträt der Personen
in Ausbildung und der Abschlüsse
auf Doktoratsstufe

Im Schweizer Hochschulsystem werden Ausbildungen auf Doktoratsstufe von den universitären Hochschulen angeboten. Voraussetzung ist ein Master- oder Diplomabschluss einer Schweizer Hochschule oder ein im Ausland erworbener gleichwertiger Titel. Gemäss den Analysen des Programms LABB https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bildung-wissenschaft/uebertritte-verlaeufe-bildungsbereich/tertiaerstufe-hochschulen.html, Programm LABB, BFS haben 47% der Studierenden, die ein Doktorat in Angriff nehmen, ihren Master oder gleichwertigen Abschluss an einer universitären Hochschule in der Schweiz erlangt und 50% an einer Universität im Ausland. Lediglich 3% kommen über einen anderen Weg zum Doktorat, etwa mit einem Master oder Diplom einer Fachhochschule oder pädagogischen Hochschule.

Ein Doktorat dauert in der Regel drei bis fünf Jahre, wobei die Dauer vom Forschungsbereich und von der Art des Vertrags mit der universitären Hochschule abhängt. Ein Spezialfall ist das Doktorat in Medizin. Es wird in der Regel in zwei bis drei Semestern während der klinischen Spezialisierung (Praktikum, Assistenz) erlangt und beinhaltet eine Dissertation zu den neusten Erkenntnissen im betreffenden Fachgebiet. Der Doktortitel in Medizin lässt sich folglich nur schwer mit einem Doktortitel in den anderen Fachbereichen vergleichen, weshalb das Doktorat in Human-, Zahn- und Veterinärmedizin aus den Analysen in Kapitel 2 ausgeschlossen wird. Die Fachbereichsgruppe Medizin und Pharmazie umfasst dort also nur die Pharmazie. In den allgemeinen Ergebnissen im vorliegenden Kapitel wird das Doktorat in Medizin dagegen berücksichtigt.

Die Analysen im ersten Kapitel beruhen in erster Linie auf der Datenbank der Studierenden und Abschlüsse des Schweizerischen Hochschulinformationssystems (SHIS-studex). Die Ergeb­nisse beziehen sich auf die Anzahl Doktorierender und deren sozio­demografische Merkmale, die Anzahl der von den Hochschulen vergebenen Doktortitel, die entsprechenden Fachbereiche sowie bestimmte Merkmale der Absolventinnen und Absolventen.

1.1 Personen in Ausbildung

Im Studienjahr 2022/23 befanden sich über 27 000 Personen in einer Ausbildung auf Doktoratsstufe an einer Schweizer Hochschule. Dies entspricht 16% aller Studierenden der Schweizer Hochschulen.

Die Zahl der Studierenden auf Doktoratsstufe nimmt generell jedes Jahr zu. Innert zehn Jahren hat sie sich um 17% erhöht, in zwei Jahrzehnten um über 72%. Diese Entwicklung erklärt sich unter anderem mit der Ausweitung des Angebots an Doktorats­studiengängen, dem steigenden Frauenanteil und der stetig wachsenden Attraktivität der Schweizer Doktorate bei Bildungsausländerinnen und Bildungsausländern Als Bildungsausländerinnen und -ausländer gelten alle Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die im Ausland wohnhaft waren, als sie ihren Hochschulzulassungsausweis erwarben. .

Doktorierende nach Hochschule

2022/23 waren ein Fünftel der insgesamt 27 000 Doktorierenden an der Universität Zürich immatrikuliert und rund 17% an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ). Diese beiden Hochschulen verzeichnen nicht nur die grösste Zahl an Doktorierenden, sondern auch die meisten Studierenden insgesamt.

Wird die Anzahl Doktorierende an einer Hochschule mit der Gesamtheit der Studierenden an derselben Hochschule ins Verhältnis gestellt, verzeichnen das Hochschulinstitut für Internationale Studien und Entwicklung (IHEID) und die Universität Basel mit 30% bzw. 23% den grössten Anteil Doktorierender (G1). Die zwischen den einzelnen Hochschulen feststellbaren Unterschiede sind hauptsächlich auf das Studienangebot zurückzuführen, da der Anteil Doktorierender je nach Fachbereich stark variiert. 

G1

Doktorierende nach Geschlecht

Im Studienjahr 2022/23 waren 48,6% der Doktorierenden Frauen. Obwohl die Geschlechterparität immer noch nicht ganz erreicht ist, hat der Frauenanteil auf Doktoratsstufe laufend zugenommen (+21 Prozentpunkte seit dem Studienjahr 1990/91; G2). 

G2

G3

Wie auf den anderen Studienstufen schwankt der Anteil der Doktorandinnen je nach Fachbereich stark. 2022/23 lag er zwischen 23% in Exakten Wissenschaften und 82% in Veterinärmedizin (G3).

Doktorierende nach Bildungsherkunft

Für Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer, d. h. Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die ihren Hochschulzulassungsausweis im Ausland erworben haben, ist das Doktorat sehr attraktiv. Während sie 1990/91 weniger als ein Viertel ausmachten, sind sie seit 2013/14 in der Mehrheit. Ihr Anteil nimmt jedes Jahr zu und lag 2022/23 bei 56%. Der Anteil der Schweizer Studierenden belief sich auf 42% und jener der ausländischen Staatsangehörigen, die beim Erwerb des Hochschulzulassungsausweises in der Schweiz wohnten (Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer), lediglich auf 2% (G4). 

G4

Besonders beliebt bei Bildungsausländerinnen und Bildungsausländern sind die Technischen sowie die Exakten und Naturwissenschaften. In den Fachbereichen Maschinen- und Elektroingenieurwissenschaften (79%), Exakte Wissenschaften (77%) sowie Bauwesen und Geodäsie (77%) kommen drei Viertel der Doktorierenden aus dem Ausland. In den medizinischen Fachbereichen und im Recht sind sie dagegen weniger stark vertreten (G5). 

G5

Doktorierende nach Durchschnittsalter beim Eintritt

2022/23 wurde das Doktorat mit durchschnittlich 28,4 Jahren begonnen. Dabei ist ein kleiner Unterschied zwischen Männern (28,3 Jahre) und Frauen (28,6 Jahre) festzustellen.

Nach Fachbereich fallen die Abweichungen deutlich grösser aus. Beispielsweise sind Studierende in Theologie (36,2 Jahre) beim Eintritt ins Doktorat durchschnittlich zehn Jahre älter als ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen in den Exakten Wissenschaften (26,1 Jahre).

Im Zeitverlauf ist das Durchschnittsalter beim Eintritt ins Doktorat insgesamt stabil geblieben. 1990/91 lag es bei 28,6 Jahren (28,4 bei den Männern und 29,1 bei den Frauen). Nach Fachbereich aufgeschlüsselt sind dagegen zwischen 1990/91 und 2022/23 einige deutliche Unterschiede zu beobachten. In Theologie (+3,5 Jahre) und Recht (+2,2 Jahre) waren die Doktorierenden 2022/23 im Durchschnitt älter als 1990/91. Umgekehrt hat sich das Eintrittsalter 2022/23 in den Fachbereichen Geistes- und Sozialwissenschaften übergreifend/übrige (–3,6 Jahre), Sozial­wissenschaften (–2,4 Jahre), Maschinen- und Elektroingenieurwissenschaften (–2,1 Jahre) sowie Bauwesen und Geodäsie (–2,0 Jahre) gegenüber 1990/91 verringert (T1).

Durschnittsalter bei Studienbeginn auf Doktoratsstufe nach Geschlecht und FachbereichT1

1990/91 2022/23
Total 28,6 28,4
Geschlecht
Männer 28,4 28,3
Frauen 29,1 28,6
Fachbereich
1.1 Theologie 32,7 36,2
1.2 Sprach- und Literaturwissenschaften 29,9 30,2
1.3 Historische und Kulturwissenschaften 30,6 30,9
1.4 Sozialwissenschaften 33,0 30,6
1.5 Geistes- und Sozialwissenschaften
übergreifend/übrige
33,8 30,2
2 Wirtschaftswissenschaften 26,7 27,9
3 Recht 27,5 29,7
4.1 Exakte Wissenschaften 27,4 26,1
4.2 Naturwissenschaften 27,2 26,8
4.3 Exakte und Naturwissenschaften
übergreifend/übrige
27,9 27,3
5.1 Humanmedizin 29,9 30,0
5.2 Zahnmedizin 28,2 29,6
5.3 Veterinärmedizin 28,0 28,1
5.4 Pharmazie 27,1 27,3
5.5 Medizin und Pharmazie übergreifend/übrige NA 28,7
6.1 Bauwesen und Geodäsie 30,3 28,3
6.2 Maschinen- und Elektroingenieurwissenschaften 28,5 26,4
6.3 Agrar- und Forstwissenschaften 28,8 28,9
6.4 Technische Wissenschaften übergreifend/übrige 26,9 26,5
7 Interdisziplinäre und Andere NA 28,2

Quelle: BFS – Studierende und Abschlüsse an Hochschulen (SHIS-studex)

© BFS 2024

1.2 Abschlüsse

Dieses Kapitel befasst sich mit den Doktortiteln, die in einem Kalenderjahr von den universitären Hochschulen vergeben werden. Da eine Person im gleichen Kalenderjahr mehrere Abschlüsse nacheinander oder parallel erwerben kann, wird jeweils der Abschluss berücksichtigt und nicht die Person.

Verteilung und Entwicklung der Doktorate

Zwischen 1990 und 2022 ist die Zahl der vergebenen Doktortitel laufend gewachsen und hat sich mehr als verdoppelt (von 2176 auf 4611).

Im Jahr 2022 wurden 19% der Abschlüsse in Humanmedizin Das Doktorat in der Medizin ist ein Sonderfall, da es in der Regel weniger lange dauert als die anderen Doktorate. vergeben, gefolgt von den Naturwissenschaften mit 18%. Auf die Maschinen- und Elektroingenieurwissenschaften entfielen 10%, auf die Exakten Wissenschaften 9% und auf die Sozialwissenschaften 7% der Doktortitel. Die Verteilung der Fachbereiche hat sich im Zeitverlauf nicht gross verändert. Am meisten geschrumpft ist der Anteil zwischen 1990 und 2022 in der Humanmedizin (–16,2 Prozentpunkte), am stärksten zugelegt hat er im Fachbereich Maschinen- und Elektroingenieurwissenschaften (+6,7 Prozentpunkte; T2).

Verteilung der auf Doktoratsstufe vergebenen Abschlüsse nach Fachbereich und Bildungsherkunft,
1990 und 2022T2

Total Davon an Bildungsausländer/-innen
1990 2022 1990 2022
% N % N % N % N
Total 100 2 176 100 4 611 100 331 100 2 633
1.1 Theologie 1,0 21 0,8 39 3,3 11 0,7 19
1.2 Sprach- und Literaturwissenschaften 2,8 62 2,3 104 3,6 12 2,1 54
1.3 Historische und Kulturwissenschaften 3,0 65 3,1 145 1,5 5 2,2 59
1.4 Sozialwissenschaften 3,7 80 7,0 321 7,9 26 5,5 146
1.5 Geistes- und Sozialwissenschaften übergreifend/übrige 0,0 0 0,6 27 0,0 0 0,7 18
2 Wirtschaftswissenschaften 5,9 129 4,6 213 13,3 44 5,4 141
3 Recht 6,8 147 3,2 148 2,1 7 1,2 31
4.1 Exakte Wissenschaften 7,0 153 8,9 412 10,9 36 11,6 305
4.2 Naturwissenschaften 17,7 385 17,7 816 29,0 96 22,1 583
4.3 Exakte und Naturwissenschaften übergreifend/übrige 0,5 10 4,2 193 0,9 3 5,3 140
5.1 Humanmedizin 34,7 756 18,6 856 8,8 29 9,5 249
5.2 Zahnmedizin 4,8 105 2,4 110 1,2 4 1,1 29
5.3 Veterinärmedizin 2,9 63 2,2 100 2,1 7 1,4 36
5.4 Pharmazie 2,3 50 1,3 58 3,3 11 1,4 36
5.5 Medizin und Pharmazie übergreifend/übrige 0,0 0 5,7 261 0,0 0 6,4 169
6.1 Bauwesen und Geodäsie 0,9 19 3,1 143 2,4 8 4,3 114
6.2 Maschinen- und Elektroingenieurwissenschaften 3,8 82 10,5 483 5,7 19 14,7 386
6.3 Agrar- und Forstwissenschaften 1,6 34 1,1 50 2,1 7 0,9 24
6.4 Technische Wissenschaften übergreifend/übrige 0,7 15 2,4 111 1,8 6 3,2 85
7 Interdisziplinäre und Andere 0,0 0 0,5 21 0,0 0 0,3 9

Quelle: BFS – Studierende und Abschlüsse an Hochschulen (SHIS-studex)

© BFS 2024

An Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer
vergebene Doktorate

Wie im vorangehenden Unterkapitel erwähnt, machen ausländische Personen, die ihren Hochschulzulassungsausweis im Ausland erworben haben, die Mehrheit der Doktorierenden aus (56%). Dasselbe gilt für die vergebenen Abschlüsse, die sich bei dieser Personengruppe zwischen 1990 und 2022 verachtfacht haben (von 331 auf 2633), während sie bei den Schweizerinnen und Schweizern sowie den Bildungsinländerinnen und Bildungsinländern konstant bei knapp 2000 geblieben sind (G6).  

G6

An sechs Hochschulen ist der Anteil der an Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer vergebenen Doktortitel besonders hoch, namentlich am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung (IHEID, 93%), an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL, 83%), der Universität der italienischen Schweiz (USI, 78%), der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ, 74%), der Universität St. Gallen (71%) und der Universität Genf (59%).

Eine Betrachtung der Herkunftsländer (Staatsangehörigkeit) der Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer auf Doktoratsstufe zeigt, dass die überwiegende Mehrheit aus den Nachbarländern stammt (Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich oder Liechtenstein). Zwischen 1990 und 2022 wurden 60% aller an Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer vergebenen Doktortitel an Personen mit Staatsangehörigkeit eines dieser Länder ausgestellt. 1990 lag dieser Anteil bei 50%, Anfang der 2000er-Jahre stieg er auf rund 70%, bevor er 2022 langsam wieder auf rund 50% zurückging (T3).

Doktoratsabschlüsse von ausländischen
Doktorierenden1 nach Herkunftsland, 1990–2022T3

Jahr Nachbarländer (DE, FR, IT, AT, LI)
1990 50,2%
1995 60,1%
2000 67,3%
2005 59,7%
2010 60,7%
2015 56,3%
2020 50,1%
2022 49,2%
1Bildungsausländer/-innen

Quelle: BFS – Studierende und Abschlüsse an Hochschulen (SHIS-studex)

© BFS 2024

Bei den Herkunftsländern ausserhalb Europas handelte es sich 2022 vor allem um asiatische Länder – hauptsächlich China (6%), Indien (4%) und Iran (3%) – und um amerikanische Länder, hauptsächlich die USA (2%). Mit Blick auf die zeitliche Entwicklung zeigt sich das stärkste Wachstum bei den asiatischen Ländern, allen voran Indien (48-mal mehr vergebene Titel: 2 im Jahr 1990, 96 im Jahr 2022). Darauf folgen die europäischen Länder, bei denen die an italienische Doktorierende ausgestellten Abschlüsse am meisten zugenommen haben (29-mal mehr Titel: 12 im Jahr 1990, 343 im Jahr 2022; G7). 

G7

Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer erlangten 2022 am häufigsten Doktorate in Naturwissenschaften (nahezu ein Viertel bzw. 22% aller an Bildungsausländer/-innnen vergebenen Abschlüsse; T2). Auf Ebene der Fachbereichsgruppen machte der Anteil der an Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer vergebenen Abschlüsse in den Technischen Wissenschaften (Fachbereiche 6.1–6.4), Exakten und Naturwissenschaften ­(4.1–4.3) sowie Wirtschaftswissenschaften (2) mit 77%, 72% bzw. 66% sogar die Mehrheit aus. In diesen Fachbereichsgruppen haben die an Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer vergebenen Doktortitel seit 1990 im Übrigen am stärksten zugenommen. Den grössten Zuwachs zwischen 1990 und 2022 verzeichneten die Naturwissenschaften (+487 Abschlüsse), gefolgt von den Maschinen- und Elektroingenieurwissenschaften (+367 Abschlüsse).

Alter bei Erwerb des Doktorats

Zwischen 1990 und 2022 blieb das Alter bei Erlangen des Doktortitels stabil bei rund 32 Jahren (1990: 32,0; 2022: 32,4). Der Unterschied zwischen Männern und Frauen liegt im Dezimalbereich. Durchschnittlich waren die Doktorierten bei Erhalt ihres Abschlusses 2022 vier Jahre älter als die eintretenden Doktorandinnen und Doktoranden.

Die Altersunterschiede zwischen den verschiedenen Fachbereichen bei Doktoratsbeginn bestehen auch beim Abschluss. 2022 waren die Doktorierten in den Exakten Wissenschaften am jüngsten (30,5 Jahre), diejenigen in Theologie am ältesten (39,7 Jahre). Die Doktorierten in den Fachbereichen Sozial- und Geisteswissenschaften, Recht sowie Interdisziplinäre und Wirtschaftswissenschaften waren älter als jene in Exakten Wissenschaften, Technischen Wissenschaften sowie Medizin und Pharmazie.

Bei der Entwicklung des Durchschnittsalters sind zwischen 1990 und 2022 deutliche Unterschiede nach Fachbereich festzustellen. Die Doktorierten in Recht (+3,0 Jahre), Historischen und Kulturwissenschaften (+2,9 Jahre) und Medizin (+2,0 Jahre) waren im Jahr 2022 bei Erhalt ihres Abschlusses im Durchschnitt wesentlich älter als jene von 1990, während sie im Fachbereich Agrar- und Forstwirtschaft deutlich jünger waren (–2,7 Jahre, T4).

Durchschnittsalter beim Erwerb des Doktorats
nach Geschlecht und Fachbereich, 1990 und 2022T4

1990 2022
Total 32,0 32,4
Geschlecht
Männer 32,1 32,5
Frauen 31,7 32,3
Fachbereich
1.1 Theologie 38,0 39,7
1.2 Sprach- und Literaturwissenschaften 34,4 35,8
1.3 Historische und Kulturwissenschaften 33,8 36,7
1.4 Sozialwissenschaften 35,7 35,4
1.5 Geistes- und Sozialwissenschaften
übergreifend/übrige
NA 32,8
2 Wirtschaftswissenschaften 31,7 33,1
3 Recht 31,8 34,9
4.1 Exakte Wissenschaften 31,4 30,5
4.2 Naturwissenschaften 31,3 31,2
4.3 Exakte und Naturwissenschaften
übergreifend/übrige
31,5 32,1
5.1 Humanmedizin 32,2 32,5
5.2 Zahnmedizin 29,9 31,9
5.3 Veterinärmedizin 30,4 30,9
5.4 Pharmazie 30,6 31,1
5.5 Medizin und Pharmazie übergreifend/übrige NA 32,9
6.1 Bauwesen und Geodäsie 32,7 31,8
6.2 Maschinen- und Elektroingenieurwissenschaften 31,9 31,2
6.3 Agrar- und Forstwissenschaften 34,3 31,5
6.4 Technische Wissenschaften übergreifend/übrige 30,9 31,4
7 Interdisziplinäre und Andere NA 33,3

Quelle: BFS – Studierende und Abschlüsse an Hochschulen (SHIS-studex)

© BFS 2024

2 Hochschulanstellung während
des Doktorats

Wie einleitend erwähnt analysiert dieses Kapitel die Doktorierenden, die über eine Hochschulanstellung verfügen Im Gegensatz zum ersten Kapitel werden die Doktorate der Human-, Zahn-, Veterinärmedizin und der interdisziplinären medizinischen Fächer ausgeschlossen, da diese mehrheitlich eine kürzere Doktoratsdauer umfassen. Zudem sind nur 24% der Doktorierenden in der Medizin an einer Hochschule angestellt, verglichen mit den Doktorierenden in den anderen Fachbereichen (80%). Angestellte, die in der Fachbereichsgruppe Medizin und Pharmazie arbeiten, werden berücksichtigt, wenn sie ein Doktorat in einem nicht-medizinischen Fachbereich verfolgen. . Wie im ersten Kapitel werden die Zahlen nach den Merkmalen Alter, Geschlecht, Bildungsherkunft und Fachbereich betrachtet. Ausserdem, da diese Personen angestellt sind, werden auch die Variablen Personalkategorie, Beschäftigungsumfang, Leistungsart und Anstellungsstatus berücksichtigt. Im Gegensatz zum vorigen Kapitel bezieht sich das Alter nicht auf das durchschnittliche Eintrittsalter oder auf das Alter beim Erwerb des Doktorats, sondern auf das eigentliche Alter der doktorierenden Personen.

Die angestellten Doktorierenden machen 80% der Gesamtzahl der Personen aus, die an einer universitären Hochschule in der Schweiz einen Doktortitel anstreben. Der Beobachtungszeitraum ist das Jahrzehnt von 2013 bis 2022.

Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene besteht der Bedarf, die Doktorierenden, die an Hochschulen angestellt sind, separat auszuweisen. Bei der Hochschulpersonaldatenerhebung im schweizerischen Hochschulinformationssystem (SHIS-PERS) werden die Doktorierenden nicht gesondert erfasst. Sie erscheinen meistens in der Personalkategorie «Assistierende und Doktorierende». In diese Kategorie fallen auch Studierende anderer Studienstufen (Bachelor, Master), die während dem Studium eine Anstellung an der Hochschule haben.

Durch die Verknüpfung der Studierenden mit Studienstufe Doktorat mit dem Datensatz der Hochschulpersonaldaten können die Doktorierenden identifiziert werden, die an einer Hochschule angestellt sind.

2.1 Doktorierende Personen mit Hochschulanstellung

Zunächst erfolgt eine generelle Auswertung zu Alter, Geschlecht, Bildungsherkunft und Fachbereich, um mehr über die Situation der Doktorierenden, die an einer Hochschule angestellt sind, zu erfahren. Hinzu kommt die Betrachtung der Personalkategorien, um herauszufinden, ob insbesondere die Kategorie «Assistierende und Doktorierende» die Hauptkategorie der Doktorierenden darstellt.

Zwischen 2013 und 2022 ist die Anzahl der doktorierenden Personen (ohne medizinische Fachbereiche) von 19 731 um 6,7% auf 21 049 angestiegen. Im Jahr 2022 hatten 16 826 dieser doktorierenden Personen eine Anstellung an einer Schweizer Hochschule. Im Vergleich zum Jahr 2013 entspricht das einer Steigerung um 11% für die Doktorierenden mit Hochschulanstellung. In Vollzeitäquivalenten (VZÄ Einem Vollzeitäquivalent entspricht ein 100% besetzter Arbeitsplatz (Beispiel: eine Anstellung von 50% ergibt 0,5 VZÄ). ) liegt in der gleichen Zeitperiode eine Zunahme von 25% auf 12 316 VZÄ vor, was sowohl auf dem hohen Anteil an Teilzeitanstellungen, als auch auf dem durchschnittlich höheren Beschäftigungsumfang bei den Teilzeitangestellten beruht (G8). Die Zunahme der angestellten Doktorierenden in VZÄ ist höher als die Zunahme der Anzahl der angestellten Doktorierenden in Personen und diese wiederum höher als die Zunahme der Anzahl der Doktorierenden insgesamt. Somit hatte 2022 im Vergleich zum Jahr 2013 ein grösserer Anteil der Doktorierenden im Durchschnitt eine Anstellung an einer Hochschule mit einem durchschnittlich höheren Beschäftigungsgrad.

Die meisten dieser Personen waren an einer universitären Hochschule beschäftigt (95%, inkl. Mehrfachanstellungen); die restlichen 5% arbeiteten an einer Fachhochschule oder an einer Pädagogischen Hochschule oder beides, während sie an einer universitären Hochschule als Doktorierende immatrikuliert waren. Zu einem Anteil von 4% waren Doktorierende an zwei oder mehr Hochschulen beschäftigt; dieser Anteil blieb während des Untersuchungszeitraums konstant.  

G8

Altersklassen

Im Jahr 2022 machten Personen im Alter zwischen 30 und 32 Jahren 36% der Doktorierenden mit Hochschulanstellung aus (G9). Zusammen mit den Personen im Altersintervall 27 bis 29 Jahren kamen diese beiden Altersklassen auf 62%. Unter 27-Jährige machten weniger als 5% aus. Ungefähr jede siebte Person war über 35 Jahre alt, 18% waren 33 bis 35 Jahre alt. Die Anteile der verschiedenen Altersklassen sind über die beobachteten Jahre stabil geblieben. 

G9

Geschlecht

Der Anteil der Frauen unter den angestellten Doktorierenden stieg von 2013 bis 2022 um 3,3 Prozentpunkte auf 45,0% und in VZÄ um 3,7 Prozentpunkte auf 43,4%. Dieser kleinere Prozentsatz der VZÄ resultiert daraus, dass die Beschäftigungsgrade der Frauen weiterhin kleiner als die der Männer sind (siehe Kapitel 2.2).

Der Anteil der Mehrfachanstellung nach Geschlecht zeigt, dass leicht mehr Frauen (5%) als Männer (4%) an mehr als einer Hochschule angestellt sind. Diese beiden Prozentsätze blieben zwischen 2013 und 2022 nahezu unverändert.

Bildungsherkunft

Doktorierende mit Hochschulanstellung können nach Bildungsherkunft differenziert werden: Schweizerinnen und Schweizer, Bildungsinländerinnen und -inländer sowie Bildungsausländerinnen und -ausländer.

Betrachtet man die Daten nach Bildungsherkunft, so zeigt sich, dass die Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer in der Mehrheit sind (62% bzw. 10 470 Personen im Jahr 2022). Dazu ist der Anteil der Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer mit Hochschulanstellung in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen (+23% gegenüber 2013).

Werden die Daten in VZÄ berechnet (G10), erbrachten die Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer im Jahr 2022 64% der VZÄ. Der Anstieg beträgt 39% gegenüber 2013. 

G10

Die Frauenquoten (G11) der Schweizer Staatsangehörigen und ausländischen Personen mit einem Schweizer Hochschulzulassungsausweis zusammen (42%) und der ausländischen Personen mit einem ausländischen Hochschulzulassungsausweis (41%) lagen im Jahr 2013 nahe beieinander. Im Jahr 2022 lagen diese Prozentsätze bei 47% bzw. 44%. In beiden Gruppen der Bildungsherkunft ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichener geworden, wobei der Anteil der Frauen in der Kategorie «Schweizer/-innen und Bildungsinländer/-innen» stärker wuchs als bei den «Bildungsausländer/-innen». 

G11

In den jüngeren Altersintervallen finden sich mehr Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer (G12). Etwas mehr als 35% der Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer sind höchstens 29 Jahre alt, während es bei den Schweizerinnen und Schweizern sowie Bildungsinländerinnen und Bildungsinländern 22,1% sind. Ab 33 Jahren kehrt sich das Verhältnis um, hier kommen die Schweizerinnen und Schweizer sowie Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer auf 44,2% und die Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer auf 27,1%. 

G12

Fachbereich

Die überwiegende Mehrheit der Doktorierenden, die eine Anstellung an einer universitären Hochschule haben, arbeiten in der gleichen Fachbereichsgruppe, in der sie auch immatrikuliert sind. Dieser Anteil beläuft sich in VZÄ auf 87% und blieb über die Jahre 2013–2022 stabil. Der Prozentsatz der Doktorierenden, die in der Fachbereichsgruppe Exakte und Naturwissenschaften doktorieren und in der Fachbereichsgruppe Medizin und Pharmazie angestellt sind, sowie diejenigen die im Fachbereich Pharmazie doktorieren und in der Fachbereichsgruppe Exakte und Naturwissenschaften arbeiten, schwankt im Laufe der Jahre zwischen 5% und 7%.

Bei der Minderheit der Doktorierenden (5%), die an einer Fachhochschule (davon 67%) oder einer PH (davon 33%) beschäftigt sind, gibt es aufgrund der unterschiedlichen Organisation der verschiedenen Hochschultypen keine direkte Entsprechung. Die an einer PH angestellten Personen doktorieren grösstenteils (92%) in der Fachbereichsgruppe der Sozial- und Geisteswissenschaften (Codes 1.1 – 1.5., siehe Kapitel 1; T4).

Frauen machen unter den Doktorierenden mit Hochschulanstellung 45% aus (G13), während ihr Anteil unter allen Doktorierenden fast 49% ausmacht.

Im Vergleich zu den Anteilen der Geschlechter pro Fachbereich gibt es vor allem in den Fachbereichen Theologie und Recht deutliche Unterschiede. In diesen beiden Fachbereichen haben Frauen unter den Doktorierenden mit Hochschulanstellung einen Anteil, der grösser als 50% ist, wohingegen dieser Wert über alle Doktorierenden des jeweiligen Fachbereichs unter 50% liegt (siehe Kapitel 1; G3).  

G13

Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer machen unter den Doktorierenden mit Hochschulanstellung 62% aus, während ihr Anteil unter allen Doktorierenden bei fast 56% liegt (G14).

Im Vergleich zu den Anteilen der Bildungsherkunft pro Fachbereich gibt es vor allem im Fachbereich Theologie einen grösseren Unterschied. Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer machen 43% der Doktorierenden mit Hochschulanstellung aus gegenüber mehr als 60% unter allen Doktorierenden (siehe Kapitel 1; G5). Auch bei den Sprach- und Literaturwissenschaften kommt die Differenz auf fast 10% (36% der Doktorierenden mit Hochschulanstellung und über 45% aller Doktorierenden sind Bildungsausländer/-innen).  

G14

Personalkategorie

Im Jahr 2022 gehörten 89% der Doktorierenden mit Hochschulanstellung der Personalkategorie Assistierende und Doktorierende an (G15). Weitere 9% verteilten sich auf die Kategorien Wissenschaftliche Mitarbeitenden (6%) und übrige Dozierende (3%), während die restlichen 2% dem administrativen und technischen Personal zugeordnet sind. Diese Verteilung ändert sich nur gering, wenn man die Daten in VZÄ betrachtet (91% Assistierende und Doktorierende, 5% wissenschaftliche Mitarbeitende, 2% übrige Dozierende und 2% administratives und technisches Personal). Die Anteile der Personalkategorien blieben zwischen 2013 und 2022 gleichfalls nahezu unverändert. 

G15

Im beobachteten Zeitraum waren zwei Drittel oder mehr der Doktorierenden, die in die Kategorie «Assistierende und Doktorierende» eingestuft wurden, zwischen 27 und 32 Jahre alt. Nur rund 10% dieser Kategorie waren älter als 35 Jahre. Das Alter verschiebt sich bei den Doktorierenden in der Personalkategorie «Wissenschaftliche Mitarbeitende» nach oben: Der Anteil der 27- bis 32-Jährigen sinkt auf unter 30% (seit 2015), während die Quote der über 32-Jährigen nach 2015 auf über 70% und mehr ansteigt. Noch älter sind die Doktorierenden, die als «übrige Dozierende» arbeiten: Rund 77% von ihnen sind über 35 Jahre alt (G16).  

G16

2.2 Beschäftigungsumfang

Über die Hälfte der Doktorierenden mit einer Hochschulanstellung arbeitete 2022 mit einem Beschäftigungsumfang Der Beschäftigungsumfang wird in dieser Publikation anhand der eigent­lichen Anzahl der Vollzeitäquivalente gemessen, die in einem Kalenderjahr erbracht werden. über 75%. Dieser Beschäftigungsumfang wächst tendenziell, im Jahr 2013 hatten 37% der Personen eine entsprechende Anstellung. Die Anstellungen bis 50% nehmen hingegen ab, 35% im Jahr 2013 gegenüber 22% im Jahr 2022. Rund jede vierte doktorierende Person ist mit einem Beschäftigungsgrad zwischen 50% und 75% angestellt.

Betrachtet man die nach Geschlecht aufgeschlüsselten Daten zum Beschäftigungsumfang, so fällt auf, dass Frauen im Intervall 75–100% im Vergleich zu den Männern untervertreten und im Intervall 50–75% übervertreten sind (G17). Allgemein ist festzustellen, dass Frauen tendenziell während des Doktorats mit kleineren Pensen arbeiten als ihre männlichen Kollegen.  

G17

2.3 Leistungsarten

Die Arbeitszeit des Personals der Hochschulen, die in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) gemessen wird, lässt sich nach verschiedenen Leistungsarten aufschlüsseln. Die betrachteten Leistungsarten sind die folgenden: Lehre Grundausbildung, Lehre Vertiefte Ausbildung, Forschung und Entwicklung (F+E), Weiterbildung und Dienstleistung.

Eine Auswertung nach Leistungsart ist nützlich, um zu verstehen, in welchen Tätigkeiten die Doktorierenden mit einer Hochschulanstellung eingesetzt werden.

Der grösste Teil der Arbeitszeit der Doktorierenden wird für die F+E aufgewendet (G18). Im Jahr 2022 erbrachten männliche Doktorierende im Schnitt 54% VZÄ in der F+E. Bei den Frauen ist der Anteil etwas geringer und liegt bei 50% VZÄ.

Nach der F+E werden die meisten Zeitressourcen für die Lehre Grundausbildung aufgewendet; dies bedeutet, dass die Doktorierenden neben dem Studium für ihr Forschungsprojekt auch in Bachelor- und Masterstudiengängen unterrichten.

Im Jahr 2022 hatten Männer und Frauen eine ähnliche Quote ihrer Leistungen, d. h. 14% VZÄ bzw. 13% VZÄ der Lehre Grundaus­bildung gewidmet. Die verbleibende Arbeitszeit verteilt sich der Reihe nach auf folgende Tätigkeiten: Lehre Vertiefte Ausbildung (durchschnittlich 4% VZÄ für Männer und Frauen), Dienstleistung (2 bis 3% VZÄ) und schliesslich Weiterbildung (1% VZÄ für beide Geschlechter).

Die bereits erwähnte Differenz zwischen Frauen und Männern lässt sich auf die Differenz in der F+E zurückführen.

Die Daten nach Bildungsherkunft zeigen deutlich auf, dass Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer proportional mehr Arbeitszeit für F+E Tätigkeiten (55%) aufwenden als Schweizerinnen und Schweizer sowie Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer (46% VZÄ). Die Differenz ist geringer in der Lehre Grundausbildung, mit 16% VZÄ bei den Schweizerinnen und Schweizern sowie Bildungsinländerinnen und Bildungsinländern und 12% VZÄ bei den Bildungsausländerinnen und Bildungsausländern (G19).

   

G18

G19

2.4 Anstellungsstatus

Eine Untersuchung nach Anstellungsstatus gibt Aufschluss über die Arbeitsbedingungen der Personen während des Doktorats. Die Kategorien des Anstellungsstatus sind: Fest angestellt, befristet angestellt, auf Mandatsbasis angestellt und sonstige Anstellungsform.  

G20

Fast alle Doktorierende sind befristet angestellt (92% im Jahr 2022, nahezu unverändert zwischen 2013 und 2022). Dies ist weitgehend zu erwarten, da Doktorierende meist einen Vertrag für die offizielle Dauer des Promotionsprogramms oder -projekts erhalten.

Zwischen 6% und 7% hatten im Zeitraum 2013–2022 eine Festanstellung. Die anderen Anstellungskategorien sind marginal vertreten.

Betrachtet man die Minderheit der Festangestellten gesondert, so zeigt sich, dass die ältesten Doktorierenden (>35 Jahre) am häufigsten eine Festanstellung haben (46% im Jahr 2022). Das können Personen sein, die ein Doktorat beginnen und bereits als wissenschaftliche Mitarbeitende fest angestellt waren (G20), oder Personen, die in der Endphase ihres Promotionsprogramms eine Festanstellung erhalten.

3 Zusammenfassung

Die überwiegende Mehrheit der angestellten Doktorierenden hatte über den gesamten Zeitraum hinweg einen befristeten Vertrag und war in der Personalkategorie «Assistierende und Doktorierende» angestellt.

In den letzten Jahrzehnten haben sich sowohl der Anteil der doktorierenden Personen mit Hochschulanstellung als auch deren Beschäftigungsgrade erhöht.

Der Unterschied zwischen Männern und Frauen bezogen auf die Tätigkeitsanteile ist geringer geworden. Das gilt für jede Bildungsherkunft, wobei diese Entwicklung bei den Bildungsausländerinnen und Bildungsausländern weniger stark ausgeprägt ist. Der bestehende Unterschied lässt sich auf eine geringere F+E Tätigkeit bei den Frauen zurückführen. Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer sind gegenüber den Schweizerinnen und Schweizern sowie den Bildungsinländerinnen und Bildungsinländern jünger, arbeiten insgesamt und in der F+E mit einem höheren Pensum.

Die Anzahl der Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer mit Hochschulanstellung ist in den vergangenen zehn Jahren angestiegen.

4 Methode

Die Erhebung der Doktorierenden erfolgt nach dem akademischen Jahr. Die Hochschulpersonalstatistik basiert auf dem Kalenderjahr. Für die vorliegende Datenbasis sind die Daten der Hochschulpersonalstatistik pro Kalenderjahr mit dem jeweiligen Frühjahrssemester (Februar bis Juli) und Herbstsemester (August bis Januar) der Studierendenstatistik verknüpft worden. Personen, die im Januar noch für das zu Ende gehende Herbstsemester eingeschrieben waren, wurden nicht berücksichtigt (T5).

Verknüpfung des akademischen Jahres mit dem KalenderjahrT5

Kalenderjahr 2021
Monat 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Semester HS 2020/2021 FS 2020/21 HS 2021/22
Immatrikulation als Doktorierende
nicht berücksichtigt berücksichtigt

Quelle: BFS – Studierende und Abschlüsse an Hochschulen (SHIS-studex), Hochschulpersonal (SHIS-PERS)

© BFS 2024

5 Definitionen

Personal UH, FH und PH

Als Personal der UH, FH und PH gelten alle Personen, die während dem Kalenderjahr (Referenzjahr) an einer schweizerischen universitären Hochschule (UH), Fachhochschule (FH) oder päda­gogische Hochschule (PH) beschäftigt waren.

Vollzeitäquivalente (VZÄ)

Einem Vollzeitäquivalent entspricht ein 100% besetzter Arbeitsplatz (Beispiel: eine Anstellung von 50% ergibt 0,5 VZÄ).

SHIS-Personalkategorien

UH

Professor/innen unterteilt in Ordentliche Professor/innen, Ausserordentliche und assoziierte Professor/innen, Assistenzprofessor/innen mit tenure-track und Assistenzprofessor/innen ohne tenure-track, Übrige Dozierende unterteilt in Dozierende, in Lehre und Forschung tätig und nebenberuflich tätige Dozierende, Assistierende und wissenschaftliche Mitarbeitende, Direktion, administrativ-technisches Personal.

FH/PH

Dozierende mit Führungsverantwortung für eine organisatorische Einheit, Übrige Dozierende, Assistierende und wissenschaftliche Mitarbeitende, Direktion, administrativ-technisches Personal.

Leistungsarten des Hochschulpersonals

Unterschieden werden folgende Leistungsarten:

UH

Lehre Grundausbildung, Lehre vertiefte Ausbildung, Forschung und Entwicklung (F+E), Weiterbildung und Dienstleistung.

FH/PH

Lehre Grundausbildung, Weiterbildung, angewandte Forschung und Entwicklung, Dienstleistung und Übrige (Administration und zentrale Dienste).