Schweizerische Gesundheitsbefragung
Schweizerische Gesundheitsbefragung

Schweizerische Gesundheitsbefragung

Arbeitsbedingungen und Gesundheitszustand, 2012–2022

Der Stress bei der Arbeit hat sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern seit 2012 zugenommen. 2022 waren 23% der Erwerbstätigen betroffen. Mehr als die Hälfte der gestressten Personen fühlt sich bei der Arbeit emotional erschöpft und weist folglich ein höheres Burnout-Risiko auf. Die Exposition gegenüber psychosozialen Risiken hat sich bei den Frauen zwischen 2012 und 2022 verstärkt, bei den Männern hingegen nicht wesentlich verändert. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Personen, die bei der Arbeit physischen Risiken ausgesetzt sind, leicht zurückgegangen. 83% der Befragten sind mit ihrer Arbeit zufrieden, wobei dieser Anteil bei Personen, die mit physischen oder psychosozialen Risiken konfrontiert sind, tiefer ausfällt.

Die Arbeitsbedingungen haben einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit. Mit der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) wird in Erfahrung gebracht, wie sich diese Einflussfaktoren zwischen 2012 und 2022 entwickelt haben. Dazu wurden in den letzten drei Erhebungen (2012, 2017 und 2022) jeweils dieselben Fragen gestellt.

Die vorliegende, auf den SGB-Daten basierende Publikation des Bundesamtes für Statistik (BFS) ist die vierte zu diesem Thema. Die früheren Publikationen sind: BFS (2010), Arbeit und Gesundheit. Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2007; BFS (2014), Arbeit und Gesundheit. Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2012; BFS (2019), Arbeitsbedingungen und Gesundheitszustand, 2012–2017. Darin wird zunächst untersucht, ob und wie sich die Häufigkeit der physischen und psychosozialen Risiken zwischen 2012 und 2022 verändert hat. In einem zweiten Teil wird analysiert, wie stark die Befragten nach verschiedenen soziodemografischen Kriterien, insbesondere Alter und Wirtschaftsbranche, diesen Risiken ausgesetzt sind. Abschliessend wird eruiert, ob zwischen gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen und dem Gesundheitszustand bzw. der Arbeitszufriedenheit der Erwerbstätigen ein Zusammenhang besteht.

Bei den Zahlen zur Häufigkeit der Risiken ist zu beachten, dass die Daten der SGB auf den Aussagen der Befragten basieren. Entwicklungen im Zeitverlauf können daher durchaus auf veränderte Arbeitsbedingungen zurückzuführen sein, aber auch in deren Wahrnehmung durch die Personen, möglicherweise beeinflusst vom gesellschaftlichen Diskurs, begründet liegen.

Physische Risiken

2022 waren 43% der Frauen und 47% der Männer bei ihrer Arbeit mindestens drei von zehn möglichen physischen Risiken ausgesetzt (vgl. G1 und T2 am Ende der Publikation). Diese Anteile sind gegenüber 2012 und 2017 leicht gesunken, bei den Männern etwas mehr als bei den Frauen, aber ohne statistisch signifikante Unterschiede.

Von beiden Geschlechtern am häufigsten genannt wurden stets gleiche Arm- oder Handbewegungen. Dieses physische Risiko hat zwischen 2012 und 2022 als einziges zugenommen – von 59% auf 64% bei den Männern und von 57% auf 61% bei den Frauen.

Am zweithäufigsten erwähnt wurden schmerzhafte und ermüdende Körperhaltungen. Sie werden auch am ehesten mit einem schlechteren Gesundheitszustand in Zusammenhang gebracht (siehe unten). Frauen müssen öfter unter solchen Bedingungen arbeiten als Männer (50% gegenüber 45%). Gleich verhält es sich beim Tragen oder Bewegen von Personen (15% gegenüber 8%). Jede vierte befragte Frau arbeitet im Gesundheits- und Sozialwesen, wo diese Risiken stark verbreitet sind.

Ein Viertel bis ein Drittel der Männer sind mit anderen physischen Risiken wie dem Tragen schwerer Lasten, starkem Lärm, extremen Temperaturen oder Vibrationen konfrontiert. Mit Ausnahme des Risikos «Stehen» treten diese anderen physischen Risiken bei Männern häufiger auf als bei Frauen.

Die Exposition gegenüber giftigen oder schädlichen Stoffen verringerte sich bei den Männern im Jahr 2022 als einziges physisches Risiko gegenüber 2012 signifikant (von 28% auf 23%). Dennoch betrifft es sie weiterhin häufiger als Frauen (2012: 15%; 2022: 14%).  

G1

Psychosoziale Risiken

2022 waren 49% der erwerbstätigen Frauen und 46% der erwerbstätigen Männer mindestens von drei der insgesamt neun Typen psychosozialer Risiken betroffen (siehe Kasten «Die Messung psychosozialer Risiken»). Damit waren Frauen erstmals seit 2012 stärker von psychosozialen Risiken betroffen als Männer (G2). Ihr Anteil hatte sich zwischen 2012 und 2017 bei beiden Geschlechtern im gleichen Ausmass erhöht. Zwischen 2017 und 2022 blieb er bei den Frauen stabil und sank bei den Männern wieder auf den Stand von 2012.

In Prozentpunkten gemessen nahm bei den Frauen zwischen 2012 und 2022 Stress am meisten zu. Der Anteil Frauen, die an ihrem Arbeitsplatz meistens oder immer Stress erleben, erhöhte sich von 17% im Jahr 2012 auf 25% im Jahr 2022. Auch bei den Männern war in diesem Zeitraum an Anstieg zu beobachten, dieser fiel allerdings geringer aus (von 18% auf 21%; T1). Stress gehört zu den psychosozialen Risiken, die am häufigsten mit gesundheitlichen Problemen in Zusammenhang gebracht werden (siehe unten).

Frauen gaben 2022 auch häufiger an als 2012, dass sie zu wenig Anerkennung oder soziale Unterstützung erfahren (20% gegenüber 17%), während dieser Risikotyp bei den Männern leicht rückläufig ist. Insbesondere Frauen befinden häufiger, dass ihre Arbeit zu wenig gewürdigt wird (12% im Jahr 2022 gegenüber 9% im Jahr 2012).  

Diese Typen basieren weitgehend auf der Typologie des Collège d’expertise sur le suivi des risques psychosociaux au travail (2011), Mesurer les facteurs psychosociaux de risque au travail pour les maîtriser, Paris, La documentation française.

Die Messung psychosozialer Risiken

Psychosoziale Risiken stehen in Zusammenhang mit der Arbeitsorganisation. Die SGB erhebt 32 solcher Risiken. Zur Vereinfachung der Analyse wurden sie in neun Typen gegliedert. Diese Typen basieren weitgehend auf der Typologie des Collège d’expertise sur le suivi des risques psychosociaux au travail (2011), Mesurer les facteurs psychosociaux de risque au travail pour les maîtriser, Paris, La documentation française. Eine Person gilt als einem Risikotyp ausgesetzt, wenn sie angibt, mindestens mit einem der darunter zusammengefassten Risiken konfrontiert zu sein. Die 32 Risiken sind mit ihrer Häufigkeit in den Jahren 2012, 2017 und 2022 nach Typ zusammengefasst in Tabelle T1 aufgeführt.

Frauen standen im Vergleich zu 2012 zudem öfter unter hohem Zeitdruck, Männer hingegen seltener. Zwischen 2012 und 2022 erhöhte sich der Anteil Frauen, die unter Termindruck arbeiten, von 30% auf 34%, jener der Männer verringerte sich von 40% auf 36%.

Der Anteil Frauen, die mindestens eine Form von Diskriminierung oder Gewalt erlebt haben, nahm zwischen 2012 und 2022 leicht von 19% auf 21% zu, der Unterschied ist jedoch nicht signifikant. Deutlich gestiegen ist hingegen der Anteil Frauen, die nach eigenen Angaben in den zwölf Monaten vor der Erhebung sexuell belästigt wurden. Er hat sich nahezu verdreifacht – von 0,6% im Jahr 2012 auf 1,7% im Jahr 2022. Die Zunahme ist statistisch signifikant. Auch der Anteil Frauen, die aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert wurden, war 2022 höher als 2012 (8% gegenüber 6%).

G2

Am häufigsten treten bei den Frauen wie bei den Männern die mit hohen psychologischen Arbeitsanforderungen verbundenen psychosozialen Risiken auf. 2022 waren anteilsmässig in etwa gleich viele Erwerbstätige mindestens einem dieser Risiken ausgesetzt wie 2012: 62% der Frauen und 64% der Männer. Zwei dieser Risiken sind allerdings in den letzten zehn Jahren häufiger geworden. Erstens müssen immer mehr Frauen (49% im Jahr 2022 gegenüber 43% im Jahr 2012) und Männer (49% gegenüber 45%) an zu viele Dinge gleichzeitig denken. Zweitens hatten 12% der Frauen 2022 Mühe, Arbeit und Familienpflichten zu vereinbaren. 2012 lag dieser Anteil noch bei 7%. Auch bei den Männern ist ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen (12% gegenüber 8%).

Zwischen 2012 und 2022 nicht signifikant verändert hat sich dagegen der Anteil der Personen, die bei ihrer Arbeit über einen geringen Gestaltungsspielraum verfügen oder emotional beansprucht sind. In beiden Fällen sind Frauen stärker betroffen als Männer (geringer Gestaltungsspielraum: 35% gegenüber 28%; emotionale Beanspruchung: 25% gegenüber 22%).

Als einziges psychosoziales Risiko zurückgegangen ist die Angst um den Arbeitsplatz. Auf seinem Höchststand im Jahr 2017 lag der entsprechende Anteil bei 16% und sank dann bei den Frauen auf 10% und bei den Männern auf 11% (beide Geschlechter zusammengenommen: 13% im Jahr 2012).

Sämtliche psychosozialen Risiken bei der Arbeit nach Geschlecht, 2012, 2017 und 2022

Erwerbstätige von 15 bis 64 Jahren

T1

Männer Frauen
2012 2017 2022 2012 2017 2022
% ± % ± % ± % ± % ± % ±
Hohe psychologische Anforderungen (mindestens eine)umfasst: 64,9 1,7 67,2 1,5 63,9 1,6 60,6 1,8 62,9 1,5 62,0 1,6
 an zu viele Dinge gleichzeitig denken (meistens, immer) 45,4 1,8 50,4 1,6 49,0 1,7 43,1 1,8 49,1 1,6 49,5 1,6
 sich beeilen müssen (meistens, immer) 39,9 1,7 40,1 1,5 36,0 1,7 36,8 1,8 37,8 1,5 35,2 1,6
 störende Unterbrechungen (häufig oder sehr häufig) 20,0 1,4 18,4 1,2 18,3 1,3 16,3 1,3 16,6 1,2 16,9 1,2
 widersprüchliche Anordnungen (meistens, immer) 8,3 1,0 9,8 1,0 9,6 1,1 7,3 1,0 8,2 0,9 8,7 0,9
 Mühe, Arbeit und Familienpflichten zu vereinbaren
(meistens, immer)
7,6 1,0 10,2 0,9 11,9 1,2 6,6 0,9 8,8 0,9 12,3 1,1
Hoher Zeitdruck (mindestens einer)umfasst: 54,7 1,8 53,5 1,6 51,2 1,7 48,6 1,8 50,0 1,6 50,5 1,6
 hohes Arbeitstempo (drei Viertel der Arbeitszeit oder mehr) 47,5 1,8 45,8 1,6 44,5 1,7 43,2 1,8 44,2 1,6 45,4 1,6
 Arbeiten unter Termindruck (drei Viertel der Arbeitszeit oder mehr) 39,5 1,8 38,5 1,5 35,5 1,7 30,1 1,7 33,2 1,5 33,6 1,6
Wertekonflikte (mindestens einer)
umfasst:
22,3 1,5 26,6 1,4 27,9 1,6 21,6 1,6 23,2 1,3 26,1 1,4
 Aufgaben gegen Überzeugungen (meistens, immer) 18,2 1,4 21,2 1,3 23,1 1,5 16,8 1,5 18,7 1,2 19,5 1,3
 Gefühl, sinnvolle Arbeit zu erledigen (selten, nie) 3,9 0,7 4,7 0,7 4,5 0,7 4,5 0,9 4,3 0,6 5,7 0,8
 Mittel, gute Arbeit zu leisten (selten, nie) 1,7 0,4 2,0 0,4 1,9 0,5 1,7 0,5 1,5 0,4 2,8 0,6
Geringer Gestaltungsspielraum (mindestens einer)umfasst: 29,1 1,6 30,0 1,4 27,6 1,6 37,5 1,8 37,4 1,5 35,4 1,6
 Pause, wann selber gewünscht (selten, nie) 18,1 1,3 18,0 1,2 17,2 1,4 25,2 1,6 25,1 1,4 23,4 1,4
 sehr wenig Mitbestimmung, wie Arbeit zu erledigen ist
(meistens, immer)
8,1 1,0 9,4 0,9 8,4 0,9 9,5 1,2 10,5 1,0 9,6 1,0
 kann bei der Arbeit etwas Neues lernen (selten, nie) 6,8 0,9 6,9 0,8 6,3 0,9 9,6 1,1 8,7 0,9 8,6 0,9
 kann Fähigkeiten voll einsetzen (selten, nie) 5,7 0,8 5,4 0,7 5,0 0,8 7,0 1,0 6,1 0,8 6,4 0,8
Emotionale Beanspruchung (mindestens eine)
umfasst:
23,3 1,6 23,4 1,3 21,9 1,5 24,8 1,6 26,6 1,4 25,2 1,4
 Gefühle verbergen (meistens, immer) 16,4 1,5 17,0 1,2 16,4 1,3 19,4 1,5 22,0 1,3 20,1 1,3
 Spannungen im Umgang mit Leuten (meistens, immer) 9,8 1,1 10,1 1,0 9,0 1,0 8,2 1,0 10,0 1,0 9,8 1,0
 Angst bei der Arbeit (um Sicherheit) (meistens, immer) 3,2 0,8 3,6 0,6 3,2 0,6 2,2 0,7 2,1 0,5 2,9 0,6
Stress erleben (meistens, immer) 18,0 1,5 20,9 1,3 21,1 1,4 17,0 1,5 21,6 1,3 24,9 1,4
Geringe Würdigung oder soziale Unterstützung (mindestens eine)umfasst: 19,7 1,5 20,9 1,3 18,5 1,3 16,8 1,4 18,4 1,2 19,7 1,4
 Unterstützung durch Vorgesetzte (selten, nie) 9,7 1,1 9,9 1,0 7,9 0,9 8,1 1,0 7,7 0,8 8,1 1,0
 angemessene Würdigung der Arbeit (selten, nie) 9,0 1,1 10,7 1,0 10,4 1,1 8,8 1,1 10,0 1,0 11,8 1,1
 von Vorgesetzten ernst genommen (selten, nie) 7,2 0,9 8,1 0,9 6,7 0,9 6,8 1,0 6,6 0,8 7,1 0,9
 Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen (selten, nie) 7,0 0,9 7,0 0,8 6,7 0,9 5,4 0,8 6,3 0,8 5,9 0,9
Diskriminierung, Gewalt (mindestens eine)umfasst: 15,9 1,4 17,8 1,3 16,2 1,3 18,6 1,5 21,4 1,3 20,9 1,4
 Einschüchterung, Belästigung, Mobbing (ja) 6,6 1,0 6,7 0,8 5,9 0,8 7,3 0,9 7,8 0,9 6,8 0,8
 verbale Gewalt (ja) 4,9 0,9 5,5 0,7 5,3 0,8 4,9 0,8 6,1 0,8 5,2 0,7
 Benachteiligung aufgrund des Alters (ja) 4,4 0,7 5,4 0,7 4,6 0,7 4,4 0,8 5,7 0,7 5,8 0,9
 Benachteiligung aufgrund der Staatsangehörigkeit,
ethnischen Zugehörigkeit oder Hautfarbe (ja)
4,2 0,9 4,2 0,7 4,7 0,8 2,8 0,8 3,7 0,6 3,6 0,8
 Drohungen und Erniedrigungen (ja) 3,5 0,7 4,7 0,7 4,1 0,8 4,2 0,8 4,0 0,6 4,3 0,7
 körperliche Gewalt (ja) 1,0 0,6 1,3 0,4 0,9 0,4 1,0 0,6 1,1 0,4 0,9 0,3
 Benachteiligung aufgrund einer Behinderung (ja) 0,7 0,3 0,9 0,3 0,7 0,3 0,8 0,4 0,6 0,3 0,3 0,2
 Benachteiligung aufgrund des Geschlechts (ja) 0,4 0,2 1,1 0,4 1,5 0,5 5,7 0,9 7,0 0,8 8,4 0,9
 sexuelle Belästigung (ja) 0,2 0,2 0,3 0,2 0,4 0,3 0,6 0,2 1,1 0,4 1,7 0,5
Angst um den Arbeitsplatz (ziemlich, sehr stark) 12,6 1,2 15,8 1,1 10,8 1,1 12,9 1,4 16,0 1,2 10,0 1,0
Psychosoziale Risiken (≥ 3 Typen) 46,3 1,8 50,2 1,6 46,1 1,7 45,7 1,8 50,0 1,6 49,3 1,6

± Vertrauensintervall zu 95%

Quelle: BFS – Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB)

© BFS 2024

Stress und andere psychosoziale Risiken

Stress entspricht einerseits einem äusseren Umstand – insbesondere Zeitdruck – und andererseits einem Empfinden. Er nimmt durch die Exposition gegenüber bestimmten psychosozialen Risikotypen stark zu (G3). Im Jahr 2022 litten 50% der emotional beanspruchten Personen meistens oder immer unter Stress. Bei den Personen, die sich nicht als emotional beansprucht bezeichneten, waren es 14%. Am stärksten steigt der Anteil der gestressten Personen, wenn sie hohe psychologische Arbeitsanforderungen erfüllen müssen. In diesem Fall stehen 35% der Personen unter Stress, gegenüber nur 3% der Erwerbstätigen, die keinen hohen psychologischen Arbeitsanforderungen ausgesetzt sind.

Das einzige physische Risiko, das mit erhöhtem Stress am Arbeitsplatz in Zusammenhang steht, sind schmerzhafte und ermüdende Körperhaltungen. 31% der Personen in einer solchen Situation bezeichnen sich als gestresst. Bei den Personen, die keine schmerzhafte oder ermüdende Körperhaltung einnehmen müssen, sind es 16%.  

G3

Gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen nach Alter

Verglichen mit den anderen Altersklassen sind Personen unter 30 Jahren deutlich häufiger mindestens drei physischen Risiken ausgesetzt. 15- bis 29-jährige Frauen sind auch öfter mit mindestens drei psychosozialen Risiken konfrontiert als ältere Frauen, während bei den Männern zwischen den beiden jüngsten Altersklassen keine signifikanten Unterschiede festzustellen sind. 50- bis 64-Jährige sind grundsätzlich seltener von gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen betroffen. Einzige Ausnahme bilden die Frauen in Bezug auf die physischen Risiken (G4). Die alters­spezifischen Unterschiede haben sich zwischen 2012 und 2022 nicht signifikant verändert.  

G4

Bei Männern unter 30 Jahren treten praktisch alle physischen Risiken häufiger auf als bei älteren Männern, bei Frauen gilt dies für eine grosse Mehrheit der Risiken.

In Bezug auf die psychosozialen Risiken zeigt sich ein differenzierteres Bild. Frauen zwischen 15 und 29 Jahren sind mehreren psychosozialen Risikotypen stärker ausgesetzt als Frauen ab 30. Sie haben öfter einen geringen Gestaltungsspielraum (41% gegenüber 33% bei den 30- bis 49-Jährigen und 36% bei den 50- bis 64-Jährigen), erleben häufiger Stress (32% gegenüber 26% bzw. 19%) und geben häufiger an, Diskriminierung oder Gewalt erfahren zu haben (32% gegenüber 20% bzw. 16%). Dieser Unterschied zeigt sich insbesondere bei Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts (13% gegenüber 9% bzw. 4%) oder des Alters (14% gegenüber 3% bzw. 6%), bei verbaler Gewalt (9% gegenüber 4% bzw. 4%) und bei sexueller Belästigung (4,1% gegenüber 1,5% bzw. 0,4%). Zudem befinden 15- bis 29-jährige Frauen häufiger, dass ihre Arbeit nicht angemessen gewürdigt wird (16% gegenüber 11% bzw. 10% in den anderen Altersklassen).

Männer im Alter von 15 bis 29 Jahren wiederum beklagen häufiger einen Mangel an Gestaltungsspielraum (36% gegenüber 25% bei den 30- bis 49-Jährigen bzw. 26% bei den 50- bis 64-Jährigen) sowie Wertekonflikte (36% gegenüber 29% bzw. 21% in den beiden nächsthöheren Altersklassen). Hohe psychologische Arbeitsanforderungen werden hingegen von 30- bis 49-jährigen Männern am häufigsten genannt (68% gegenüber 63% bei den 15- bis 29-Jährigen bzw. 59% bei den 50- bis 64-Jährigen). Diese altersspezifischen Unterscheide zeigen sich vor allem bei den Risiken, an zu viele Dinge gleichzeitig denken zu müssen (55% gegenüber 43% bei den 15- bis 29-Jährigen bzw. 44% bei den 50- bis 64-Jährigen) und durch Unterbrechungen gestört zu werden (22% gegenüber 13% bzw. 16%), sowie bei der Mühe, Arbeit und Familienpflichten zu vereinbaren (15% gegenüber 10% bzw. 9%).

Gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen nach Wirtschaftsbranche

Wie stark die Personen physischen oder psychosozialen Risiken ausgesetzt sind, hängt stark mit der Wirtschaftsbranche zusammen (G5). Auf Basis der Ergebnisse lassen sich die Branchen in drei Gruppen gliedern:

– Branchen mit sehr hohen physischen Risiken

– Branchen mit hohen physischen und psychosozialen Risiken

– Branchen mit geringen physischen Risiken und moderaten psychosozialen Risiken 

G5

Branchen mit sehr hohen physischen Risiken

Die Beschäftigungen in dieser Gruppe entsprechen der traditionellen Auffassung von gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen. Sie betreffen Männer und Frauen in der Landwirtschaft (2% der im Rahmen der SGB befragten Erwerbstätigen Die im Rahmen der SGB befragten Erwerbstätigen verteilen sich ähnlich auf die verschiedenen Branchen wie in der Erwerbstätigenstatistik (ETS). Die Anteile weichen in keiner Branche um mehr als 1 oder 2 Prozentpunkte voneinander ab. ) sowie Männer im Baugewerbe (9% der erwerbstätigen Männer; die 2% Frauen im Baugewerbe haben ein anderes Profil). Rund vier Fünftel der Personen mit einer solchen Beschäftigung gaben an, bei der Arbeit mindestens drei physischen Risiken ausgesetzt zu sein. Deutlich weniger nannten mindestens drei psychosoziale Risikotypen. Ihr Anteil war mit 33% bei den Männern und 18% bei den Frauen insbesondere in der Landwirtschaft markant tiefer.

Baugewerbe

Die Situation der Männer im Baugewerbe, das allgemein als körperlich anstrengend gilt, unterscheidet sich von jener der Personen in anderen Branchen mit hohen physischen Risiken. 50% der im Baugewerbe tätigen Männer gaben an, dass sie mindestens drei psychosozialen Risikotypen ausgesetzt sind.

Sie sind demnach im Vergleich zur Gesamtheit der erwerbstätigen Männer nicht nur überdurchschnittlich häufig mit sämtlichen physischen Risiken konfrontiert (ausgenommen das Tragen und Bewegen von Personen; G6), sondern auch mit zwei psychosozialen Risikotypen. Erstens geben sie überdurchschnittlich häufig an, unter hohem Zeitdruck zu stehen (62% gegenüber 51% im Durchschnitt), und berichten besonders oft, dass sie während mindestens drei Viertel der Arbeitszeit ein hohes Arbeitstempo einhalten müssen (57% gegenüber 45% im Durchschnitt). Zweitens bemängeln sie häufiger als der Durchschnitt, dass sie bei der Arbeit nur wenig Gestaltungsspielraum haben (36% gegenüber 28%). Der Anteil der unter Stress stehenden Personen ist im Baugewerbe ebenfalls höher als im Durchschnitt (28% gegenüber 21%), der Unterschied ist aber statistisch nicht signifikant.  

G6

Branchen mit hohen physischen und psychosozialen Risiken

Unter diese Gruppe fallen vier Branchen: Handel sowie Reparatur von Motorfahrzeugen (11% der im Rahmen der SGB befragten Erwerbstätigen), Gastgewerbe (4%), Verkehr und Lagerei (4%) sowie Gesundheits- und Sozialwesen (16%). In diesen vier Branchen ist der Anteil der Personen, die mehreren physischen Risiken ausgesetzt sind, in etwa gleich hoch wie jener der Personen, die mit mehreren psychosozialen Risiken konfrontiert sind. In beiden Fällen übersteigt der Anteil 50%. Die Branche «Verarbeitendes Gewerbe» (13% der Erwerbstätigen) weist ähnliche Zahlen auf, allerdings sind hier besonders bei den Männern physische Risiken deutlich stärker vertreten als psychosoziale Risiken.

Gastgewerbe

Im Gastgewerbe treten sowohl physische als auch psychosoziale Risiken so häufig auf wie in keiner anderen Branche. 69% der in diesem Wirtschaftszweig tätigen Personen haben mindestens drei physische Risiken und 67% mindestens drei psychosoziale Risikotypen angegeben. Im Gastgewerbe sind Erwerbstätige überdurchschnittlich häufig fünf von zehn physischen Risiken und sechs von neun psychosozialen Risikotypen ausgesetzt (G7). Diese Häufung von gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen ist in keiner anderen Branche anzutreffen. Dies war bereits 2017 und 2012 so.

  

G7

Gesundheits- und Sozialwesen

Im Gesundheits- und Sozialwesen sind besonders viele Frauen beschäftigt. 25% aller im Rahmen der SGB befragten erwerbstätigen Frauen arbeiten in dieser Branche. Sie umfasst Tätigkeiten für die Gesundheit, für Heime sowie für das Sozialwesen ohne Heime (darunter Kinderkrippen und Kinderhorte).

56% der in diesem Wirtschaftszweig tätigen Frauen sind von mindestens drei physischen Risiken und 55% von mindestens drei psychosozialen Risikotypen betroffen. Sie sind zudem überdurchschnittlich oft fünf von zehn physischen Risiken und drei von neun psychosozialen Risikotypen ausgesetzt (G8). Männer sind in dieser Branche (7% aller erwerbstätigen Männer) etwa gleich häufig mit gesundheitsgefährdenden Risiken konfrontiert wie Frauen: 57% mit mindestens drei physischen Risiken und 60% mit mindestens drei psychosozialen Risikotypen.

Dass Frauen insbesondere bei der Erbringung von Pflegeleistungen und der Kinderbetreuung vermehrt physische Belastungen ertragen müssen, zeigt sich bei der überdurchschnittlich häufigen Nennung von schmerzhaften Körperhaltungen (59% gegenüber 50% im Durchschnitt) wie dem Tragen schwerer Lasten (32% gegenüber 26%) oder dem Tragen und Bewegen von Personen (45% gegenüber 15%). Gleichzeitig sind diese Tätigkeiten mit einer hohen emotionalen Beanspruchung verbunden. Die Betroffenen geben oft an, dass sie Gefühle unterdrücken müssen (25% gegenüber 20% im Durchschnitt) oder im Umgang mit Leuten Spannungen auftreten (14% gegenüber 10% im Durchschnitt).

Ebenso erleben die im Gesundheits- und Sozialwesen tätigen Frauen im Vergleich zum Durchschnitt der Frauen öfter Stress (31% gegenüber 25%). Dieser Anteil ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen: 2012 lag er noch bei 18% und 2017 bei 23%. Zudem beklagen die Frauen in dieser Branche häufiger, dass sie bei der Arbeit über zu wenig Gestaltungsspielraum verfügen (41% gegenüber 35% im Durchschnitt).  

G8

Branchen mit geringen physischen Risiken und
moderaten psychosozialen Risiken

Unter diese dritte Gruppe fallen die restlichen Branchen des Dienstleistungssektors: Finanz- und Versicherungswesen (6% der im Rahmen der SGB befragten Erwerbstätigen), öffentliche Ver­waltung (6%), Erziehung und Unterricht (9%) sowie sonstige Dienstleistungen (22%). Hier sind anteilsmässig deutlich weniger Personen am Arbeitsplatz mindestens drei physischen Risiken ausgesetzt als im Durchschnitt. Ihr Anteil reicht von 10% im Finanz- und Versicherungswesen bis 32% in der Branche Erziehung und Unterricht. Auch der Anteil der Personen, die mindestens drei psychosoziale Risikotypen genannt haben, liegt unter dem Durchschnitt. Er variiert zwischen 42% in der öffentlichen Verwaltung und 47% im Finanz- und Versicherungswesen. In diesen Wirtschaftszweigen ist die Exposition gegenüber gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen am geringsten.

Finanz- und Versicherungswesen

Die Situation der im Finanz- und Versicherungswesen tätigen Frauen (5% aller erwerbstätigen Frauen) sticht insofern hervor, als sehr viele (60%) mindestens drei Kategorien psychosozialer Risikotypen angegeben haben. Ihr Anteil übertrifft den Durchschnitt der erwerbstätigen Frauen (49%) und liegt sogar merklich über jenem der in dieser Branche tätigen Männer (38%). Grund für diesen Unterschied ist unter anderem, dass Frauen und Männer im Versicherungs- und Finanzwesen unterschiedliche Berufe ausüben: Beispielsweise sind 48% der Frauen und nur 25% der Männer Bürokräfte.

Frauen, die im Finanz- und Versicherungswesen arbeiten, müssen erstens sehr häufig mit hohen psychologischen Arbeitsanforderungen zurechtkommen (74% gegenüber 62% im Durchschnitt aller erwerbstätigen Frauen). Viele geben an, dass sie sich beeilen müssen (47% gegenüber 35%) oder durch Unterbrechungen gestört werden (28% gegenüber 17%). Zweitens stehen erwerbstätige Frauen in dieser Branche überdurchschnittlich häufig unter hohem Zeitdruck (66% gegenüber 51% im Durchschnitt), sie müssen insbesondere unter Termindruck arbeiten (48% gegenüber 34%). Drittens erfahren sie bei der Arbeit überdurchschnittlich oft Stress (32% gegenüber 25%) und viertens geben sie doppelt so häufig an wie der Durchschnitt, dass sie aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden (16% gegenüber 8%).

Arbeitsbedingungen nach Berufsgruppe

Die Exposition gegenüber physischen Risiken ist je nach Berufsgruppe sehr unterschiedlich, nicht so bei den psychosozialen Risiken (G9).

Der Anteil der Personen, die mindestens drei physischen Risiken ausgesetzt sind, reicht von 20% bei den Führungskräften bis zu 84% bei den Handwerks- und verwandten Berufen. Bei den Fachkräften in der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei schlägt er mit 93% oben aus.

Demgegenüber unterscheidet sich der Anteil der von mindestens drei psychosozialen Risikotypen betroffenen Personen zwischen den Berufsgruppen mit einer Spannbreite von 44% bis 54% nur wenig. Einzige Ausnahme bilden mit lediglich 37% die Fachkräfte in der Land- und Forstwirtschaft.  

G9

Arbeitsbedingungen und Zufriedenheit mit
der Arbeit

2022 waren 83% der Erwerbstätigen generell ziemlich, sehr oder extrem zufrieden mit ihrer Arbeit, 10% waren weder zufrieden noch unzufrieden und 7% ziemlich, sehr oder extrem unzufrieden. Signifikante geschlechterspezifische Unterschiede sind keine festzustellen. Der Anteil der mit ihrer Arbeit zufriedenen Personen nimmt mit dem Alter leicht zu, die Differenz ist aber nicht signifikant. In der Land- und Forstwirtschaft (92%) und in der öffentlichen Verwaltung (90%) liegt er über dem Durchschnitt, in der Branche «Verkehr und Lagerei» darunter (75%).

Personen, die mindestens drei physischen Risiken oder drei psychosozialen Risikotypen ausgesetzt sind, äussern sich seltener zufrieden mit ihrer Arbeit. Erwerbstätige mit mindestens drei physischen Risiken sind zu 79% mit ihrer Arbeit zufrieden, jene mit höchstens zwei solcher Risiken hingegen zu 87% (G10). Bei den psychosozialen Risiken sind die Unterschiede noch grös­ser. ­Lediglich 72% der von mindestens drei psychosozialen Risiko­typen betroffenen Personen erklären sich mit ihrer Arbeit zufrieden, gegenüber 93% der Personen, die höchsten zwei Risiken angeben. Am eindeutigsten ist der Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und sozialer Unterstützung. Nur 55% der Personen mit geringer sozialer Unterstützung sind mit ihrer Arbeit zufrieden, bei den sozial ausreichend unterstützten Erwerbstätigen sind es 90%.  

G10

Emotionale Erschöpfung und
Arbeitsbedingungen

2022 gaben 22% der Erwerbstätigen an, dass sie sich bei der Arbeit zunehmend emotional verbraucht fühlen. Diese emotionale Erschöpfung gilt als Warnsignal für ein hohes Burnout-Risiko.

Wer sich bei der Arbeit emotional verbraucht fühlt, stuft den eigenen Gesundheitszustand in der Regel weniger gut ein. Im Vergleich zu den anderen Erwerbstätigen zeigen emotional erschöpfte Personen beispielsweise deutlich häufiger Anzeichen einer mittelschweren bis schweren Depression (27% gegenüber 5%).

Frauen leiden häufiger unter emotionaler Erschöpfung als Männer (25% gegenüber 19%). 2022 waren anteilsmässig mehr Frauen emotional erschöpft als 2017 (21%) und 2012 (20%). Bei den Männern ist dies nicht der Fall. Frauen zwischen 15 und 29 Jahren (30%) und im Gesundheits- und Sozialwesen tätige Frauen (30%) fühlen sich bei der Arbeit öfter emotional verbraucht als der Durchschnitt der Frauen (G11). Bei den Männern zeigt sich nach Alter oder Branche kein signifikanter Unterschied, ausser in der Land- und Forstwirtschaft, in der anteilsmässig weniger Männer betroffen sind.  

G11

Personen, die von mindestens drei psychosozialen Risikotypen betroffen sind, geben deutlich öfter an, dass sie sich bei der Arbeit emotional erschöpft fühlen, als jene, die höchstens zwei solcher Risiken angeben (38% gegenüber 7%). Bei den Erwerbstätigen, die meistens oder immer unter Stress stehen, erreicht dieser Anteil sogar 53%, was ein Mehrfaches über dem Wert Personen liegt, die keinen Stress erleben (13%; G12). Auch bei mehreren anderen psychosozialen Risikotypen ist die Wahrscheinlichkeit der emotionalen Erschöpfung höher. Dieser Zusammenhang bleibt auch bestehen, wenn alle Arbeitsbedingungen und soziodemografischen Merkmale gleichzeitig berücksichtigt werden (bei ansonsten unveränderten Bedingungen).

Zwischen der Exposition gegenüber physischen Risiken und der emotionalen Erschöpfung bei der Arbeit lässt sich im Allgemeinen kein Zusammenhang ableiten – mit einer Ausnahme: 30% der Personen, die schmerzhafte oder ermüdende Körperhaltungen einnehmen müssen, bezeichnen sich als emotional erschöpft, bei den anderen, die diesem Risiko nicht ausgesetzt sind, beläuft sich der entsprechende Anteil lediglich auf 14%.  

G12

Gesundheitszustand und Arbeitsbedingungen

Personen, die mindestens drei physischen Risiken oder drei psychosozialen Risikotypen ausgesetzt sind, fühlen sich gesundheitlich weniger gut als Personen mit anderen Arbeitsbedingungen. Während 12% der Personen, die mindestens drei physische Risiken angeben, ihren Gesundheitszustand nicht als gut bezeichnen, sind es bei den Personen mit höchstens zwei solcher Risiken lediglich 7% (G13). Bei den psychosozialen Risiken sind die Anteile ähnlich.

In beiden Fällen besteht kein signifikanter Unterschied zwischen Männern und Frauen. Der stärkste Zusammenhang zwischen gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen und einem weniger guten Gesundheitszustand besteht bei den 50- bis 64-Jährigen. 20% der Personen dieser Altersklasse, die mindestens mit drei physischen Risiken konfrontiert sind, stufen ihren Gesundheitszustand nicht als gut ein. Bei den Personen mit höchstens zwei Risiken beläuft sich dieser Anteil auf 9%. In Bezug auf die psychosozialen Risiken sind die Anteile ähnlich.

Werden alle zehn physischen Risiken, alle neun psychosozialen Risikotypen und die soziodemografischen Merkmale gleichzeitig berücksichtigt (bei ansonsten unveränderten Bedingungen), erhöhen ein physisches Risiko und drei psychosoziale Risikotypen die Wahrscheinlichkeit, dass der eigene Gesundheitszustand als mittelmässig oder (sehr) schlecht wahrgenommen wird. Es handelt sich um schmerzhafte oder ermüdende Körperhaltungen (12% gegenüber 6% der nicht von diesem Risiko betroffenen Personen), Stress (15% gegenüber 7%), emotionale Beanspruchung (14% gegenüber 8%) und Angst um den Arbeitsplatz (20% gegenüber 8%).

Die SGB ist eine Querschnitts-, keine Längsschnitterhebung. Die anhand ihrer Daten aufgezeigten statistischen Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Gesundheitszustand sind folglich nicht zwingend kausal bedingt. 

G13

Datenquelle

Die Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB) wird seit 1992 alle fünf Jahre vom Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt. Die siebte Erhebung fand 2022 bei einer repräsentativen Stichprobe der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten statt. 21 930 Personen (36% der Stichprobe) haben an der telefonischen Befragung teilgenommen und 90% haben auch den anschlies­senden schriftlichen Fragebogen, der die meisten der Fragen zu den Arbeitsbedingungen enthielt, beantwortet. Die Fragen ohne Angabe zum berücksichtigten Zeitraum beziehen sich grundsätzlich auf die «aktuelle Erwerbstätigkeit». Die Fragen zur Diskriminierung und Gewalt beziehen sich auf die zwölf Monate vor der Befragung.

Untersucht wurden erwerbstätige Personen (Arbeitnehmende und Selbstständigerwerbende) im Alter von 15 bis 64 Jahren mit einem Arbeitspensum von mindestens 20%, die den schriftlichen Fragebogen beantwortet haben, d. h. insgesamt 10 962 Personen (5614 Frauen und 5348 Männer).

Zur Beschreibung der Arbeitsbedingungen wurden weitgehend die gleichen Indikatoren und die gleichen Analysemethoden verwendet wie bei der BFS-Publikation (2014), Arbeit und Gesundheit. Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2012, Neuchâtel. Es gab zwei Änderungen: Erstens wurde der Grossteil der Fragen zur Arbeitszeit 2022 nicht gestellt. Dieser Aspekt wird daher in dieser Publikation nicht behandelt. Zweitens konnte «Tragen und Bewegen von Personen» in die physischen Risiken aufgenommen werden. Die entsprechende Frage wurde sowohl 2022 als auch 2017 und 2012 gestellt (aber nicht 2007).

Physische Risiken bei der Arbeit nach Geschlecht, 2012, 2017 und 2022

Erwerbstätige von 15 bis 64 Jahren

T2

Männer Frauen
2012 2017 2022 2012 2017 2022
% ± % ± % ± % ± % ± % ±
Stets gleiche Bewegungen 59,2 1,7 61,1 1,5 63,7 1,6 57,0 1,8 60,9 1,5 60,8 1,6
Schmerzhafte Körperhaltungen 44,4 1,8 45,9 1,6 44,7 1,7 48,2 1,8 50,4 1,6 50,3 1,6
Tragen schwerer Lasten 37,6 1,8 36,1 1,5 34,5 1,7 27,7 1,7 27,5 1,4 25,8 1,5
Stehen 35,4 1,7 35,5 1,5 32,5 1,6 37,5 1,8 36,4 1,5 34,7 1,6
Hohe Temperaturen 32,7 1,7 34,2 1,5 31,9 1,6 18,9 1,5 21,6 1,3 21,0 1,4
Starker Lärm 33,3 1,7 33,2 1,5 31,3 1,6 15,4 1,4 16,7 1,2 17,7 1,3
Vibrationen 28,2 1,7 27,7 1,4 28,1 1,6 8,9 1,1 9,8 1,0 9,4 1,0
niedrige Temperaturen 29,1 1,7 28,7 1,4 26,8 1,6 14,2 1,3 16,8 1,2 15,5 1,2
Schädliche oder giftige Produkte 27,5 1,7 26,1 1,4 23,0 1,5 15,5 1,5 15,1 1,1 13,5 1,1
Tragen und Bewegen von Personen 6,8 1,1 7,8 0,9 7,8 1,0 15,9 1,4 16,0 1,2 15,5 1,2
Physische Risiken (≥ 3) 50,1 1,8 48,9 1,6 47,3 1,7 43,7 1,8 45,0 1,5 43,0 1,6

Anmerkung: Ein Viertel der Arbeitszeit oder mehr (Stehen: 3/4)
± Vertrauensintervall zu 95%

Quelle: BFS – Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB)

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