1 Gesundheitszustand der Bevölkerung

1.1 Allgemeiner Gesundheitszustand
und Behinderungen

Männer Frauen
Lebenserwartung bei Geburt, in Jahren (2022) 81,6 85,4
Lebenserwartung bei guter Gesundheit bei Geburt,
in Jahren (2022)
70,7 71,1
(Sehr) guter selbst wahrgenommener Gesundheits­zustand1 (2022) 85,7% 84,0%
Dauerhaftes Gesundheitsproblem1 (2022) 33,7% 38,2%
Funktionelle Einschränkungen (2022)
 Sehvermögen: starke oder vollständige Einschränkung1 1,7% 2,4%
 Hörvermögen: starke oder vollständige Einschränkung1 1,4% 1,1%
 Gehvermögen: kann nicht allein gehen
 oder nur ein paar Schritte1
0,7% 1,0%
 Sprechvermögen: starke oder vollständige Einschränkung1 0,5% 0,4%
Menschen mit Behinderungen2 (2021) 673 000 899 000
 davon stark eingeschränkt 152 000 186 000

1 Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten
2 Bevölkerung ab 16 Jahren in Privathaushalten

Quellen: BFS – SGB, BEVNAT, STATPOP, SILC

© BFS 2024

Die Lebenserwartung bei Geburt in der Schweiz ist eine der höchsten der Welt. Sie hat zwischen 1990 und 2022 bei den Männern um 7,6 Jahre und bei den Frauen um 4,6 Jahre zugenommen. Die ­Lebenserwartung bei guter Gesundheit beträgt rund 71 Jahre und ist bei Männern und Frauen praktisch gleich hoch.  

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86% der Männer und 84% der Frauen schätzen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Mit zunehmendem Alter sinken diese Anteile und der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert sich. Ab 65 Jahren ist die Hälfte der Bevölkerung von einem dauerhaften Gesundheitsproblem betroffen.

Einschränkungen bei gewöhnlichen Aktivitäten nehmen mit zunehmendem Alter ebenso zu wie funktionelle Einschränkungen des Seh-, Hör- Geh und Sprechvermögens. 2022 waren 8% der Personen ab 65 Jahren seit mindestens sechs Monaten in ihren gewöhnlichen Aktivitäten stark eingeschränkt. Rund 1 572 000 Personen bzw. 22% der Bevölkerung gelten nach der Definition des Behindertengleichstellungsgesetzes als behindert. 339 000 von ihnen sind bei Alltagsaktivitäten stark eingeschränkt.

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1.2 Psychische Gesundheit

Männer Frauen
Glücklich, immer oder meistens (2022) 84,4% 82,6%
Mittlere oder hohe psychische Belastung1 (2022) 14,4% 21,1%
Mittlere bis schwere Depression1 (2022) 7,9% 11,7%
Behandlung infolge psychischer Probleme1 (2022) 6,0% 9,5%
Hospitalisierungen wegen psychischen
und Verhaltensstörungen (2022)
35 699 40 699

1  Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten

Quellen: BFS – SGB, MS

© BFS 2024

Die grosse Mehrheit der Bevölkerung empfindet sehr viel häufiger positive als negative Gefühle. 84% bezeichnen sich als glücklich und nur 3% als entmutigt oder deprimiert. 90% der Bevölkerung erhalten zudem ausreichend soziale Unterstützung, um die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern. Dennoch weisen 18% der Bevölkerung Symptome einer mittleren (14%) oder hohen (4%) psychischen ­Belastung auf. Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. 8% der Männer und 12% der Frauen litten 2022 an einer mittleren bis schweren Depression. 15- bis 24-Jährige sind am stärksten betroffen.

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2022 wurden 8% der Bevölkerung wegen psychischer Belastung behandelt und 9% nahmen mindestens ein psychotropisches Medikament (Antidepressiva, Schlafmittel, Beruhigungsmittel) ein. Frauen nehmen häufiger Psychotropen zu sich als Männer und ältere Personen deutlich öfter als jüngere. Zudem nahm etwas mehr als 1% der 15- bis 24-Jährigen 2022 Medikamente zur Steigerung der Aufmerksamkeit ein.

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2022 wurden 111 840 Hospitalisierungen wegen psychischen und Verhaltensstörungen gemeldet. Es kommt häufig vor, dass die gleiche Person innerhalb eines Jahres mehrmals wegen verschiedenen psychischen Beschwerden oder Verhaltensstörungen stationär behandelt wird. Affektive Störungen (hauptsächlich Depression) sind die häufigste Ursache solcher Hospitalisierungen (30%). 14% der Spitaleinweisungen erfolgen aufgrund von psychotischen Störungen wie Schizophrenie. Am häufigsten betreffen sie 25- bis 44-jährige Männer. Störungen im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol oder anderen psychotropen Substanzen sind für 22% dieser Hospitalisierungen verantwortlich, wobei Männer 2,0-mal häufiger aus diesem Grund stationär behandelt werden als Frauen.

1.3 Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes

Männer Frauen
Wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen hospitalisierte Personen (2022) 66 554 46 759
Todesfälle infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (2022) 9 512 10 951
Akuter Myokardinfarkt (Anzahl Fälle 2022) 12 757 6 777
Schlaganfall (Anzahl Fälle 2022) 11 821 9 976
Bluthochdruck1 (2022) 22,4% 16,8%
Zu hoher Cholesterinspiegel1 (2022) 17,4% 12,2%
Diabetes1 (2022) 6,9% 4,0%

1  Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten

Quellen: BFS – MS, CoD, SGB

© BFS 2024

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind der dritthäufigste Hospitalisierungsgrund und die häufigste Todesursache. Seit 2002 ist die Zahl der Spitaleinweisungen infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 18% angestiegen. Diese Entwicklung ist vermutlich in erster Linie auf die Bevölkerungszunahme und -alterung zurückzuführen. Die Todesfälle infolge dieser Erkrankungen gingen im gleichen Zeitraum um 14% zurück. 2022 erlitten 19 534 Personen, zwei Drittel davon Männer, einen akuten Myokardinfarkt und 2250 starben an dessen Folgen. 21 797 Personen, davon etwas mehr als die Hälfte Männer, wurden Opfer eines Schlaganfalls; 2535 starben daran.  

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2022 litten 20% der Bevölkerung an Bluthochdruck. Bis ins Alter von 75 Jahren sind Männer stärker betroffen als Frauen. Ab 75 Jahren hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung einen zu hohen Blutdruck. Der Anteil der Personen mit einem zu hohen Cholesterinspiegel lag 2022 bei 15%.

2022 lebten in der Schweiz 6% der Männer und 4% der Frauen mit Diabetes. Bildungsschwache Personen haben nahezu ein dreimal höheres Risiko, an Diabetes zu erkranken, wie Personen mit einem hohen Bildungsniveau (11% gegenüber 4%).

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1.4 Krebs

Jahresdurchschnitt
(für den Zeitraum 2016–2020)
Männer Frauen
neue Fälle Todesfälle neue Fälle Todesfälle
Alle Krebsarten 24 899 9 397 20 683 7 799
Lunge, Bronchien, Luftröhre 2 825 1 930 2 056 1 334
Brust 6 485 1 377
Prostata 7 361 1 356
Dickdarm 2 544 912 1 990 739
Hautmelanom 1 721 170 1 474 117
Krebserkrankungen bei Kindern1 (alle Arten) 138 13 108 12

1  0–14 Jahre

Quelle: BFS, NKRS, KiKR – Nationale Krebsstatistik

© BFS 2024

Jedes Jahr werden über 45 000 neue Krebsdiagnosen gestellt. Mehr als jede fünfte Person erkrankt vor dem 70. Altersjahr an Krebs. Männer sind stärker betroffen als Frauen und sterben auch häufiger daran. Im Beobachtungszeitraum (1991–2020) stieg die Neuerkrankungsrate bei den Männern bis 2005 und verringerte sich anschliessend. Auch bei den Frauen nahm sie bis 2015 zu und war dann im letzten Beobachtungszeitraum tendenziell rückläufig. Die Krebssterblichkeit nimmt bei beiden Geschlechtern ab.  

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Bei Männern ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung, die meisten Todesfälle verursacht allerdings Lungen-, Bronchien- und Luftröhrenkrebs. Bei Frauen tritt Brustkrebs am häufigsten auf. Er führt neben Lungenkrebs auch zu den meisten Todesfällen.

Im Zeitraum von 2016 bis 2020 sind im Jahresdurchschnitt rund 246 Kinder zwischen 0 und 14 Jahren an Krebs erkrankt und 25 ­daran gestorben. Leukämien (30%) und Tumore des zentralen Nervensystems (24%) sind die zwei häufigsten Krebsarten bei Kindern.

1.5 Infektionskrankheiten

2022
Neue HIV-Diagnosen 346
Neue Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis 388
Neue Tuberkulosefälle 354

Quelle: BAG – Meldesystem der meldepflichtigen Infektionskrankheiten

© BFS 2024

Die Zahl der neu diagnostizierten Fälle des humanen Immundefi­zienz-Virus (HIV) ist seit 2009 stark gesunken. Andere sexuell übertragbare Krankheiten nehmen hingegen nicht ab.

Die beiden häufigsten von Zecken übertragenen Krankheiten sind Borreliose (8000 bis 15 000 geschätzte Fälle pro Jahr) und Frühsommer-Meningoenzephalitis (388 Fälle im Jahr 2022). Letztere betrifft Männer rund 1,5-mal häufiger als Frauen.

Die Zahl der neuen Tuberkulosefälle ist in den letzten zehn Jahren zurückgegangen. Die grosse Mehrheit der Tuberkulosefälle tritt bei ausländischen Personen aus Ländern mit hohen Tuberkuloseraten auf.

Bis zum Ausbruch von Covid-19 war die Grippe die häufigste saisonale Infektionskrankheit. Sie kann vor allem bei älteren Personen einen Spitalaufenthalt erfordern (3850 Fälle im Jahresdurchschnitt von 2018 bis 2022). Winter mit starken Grippe-Epidemien führen zu einer Übersterblichkeit.

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1.6 Atemwegserkrankungen

2022
Wegen Asthma hospitalisierte Personen 2 391
Wegen chronischer obstruktiver Lungen- oder Bronchien­erkrankung hospitalisierte Personen 8 513
Wegen Lungenentzündung hospitalisierte Personen 28 644
Wegen akuter Bronchitis oder Bronchiolitis hospitalisierte Personen 8 667

Quellen: BFS – Medizinische Statistik der Krankenhäuser

© BFS 2024

Atemwegserkrankungen können chronisch oder akut sein. Bei den chronischen Erkrankungen litten im Jahr 2022 insgesamt 6% der Bevölkerung an Asthma und 2,5% an einer chronischen obstruktiven Lungen- oder Bronchienerkrankung. Asthma tritt am häufigsten bei Personen unter 35 Jahren auf. Personen ab 75 Jahren leiden hingegen vermehrt an chronischen obstruktiven Erkrankungen. Ihnen liegen nicht nur mehr Hospitalisierungen zugrunde als Asthma, sie führen auch deutlich öfter zum Tod (2022: 1958 gegenüber 68 Todesfälle).

Bei den akuten Atemwegserkrankungen sind Lungenentzündungen die häufigste Ursache für einen stationären Spitalaufenthalt (2022: 28 644) und auch die häufigste Todesursache (2022: 1312). Akute Atemwegserkrankungen sind hauptsächlich saisonal bedingt und beanspruchen die Gesundheitsversorgung im Winter stark.

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1.7 Erkrankungen des Bewegungsapparats

Männer Frauen
Personen mit Rücken- oder Kreuzschmerzen (2022) 40,1% 50,0%
Personen mit Arthrose oder Arthritis (2022) 11,8% 19,6%
Personen mit Osteoporose1 (2022) 1,4% 9,7%
Wegen Erkrankungen des Bewegungsapparats
hospitalisierte Personen (2022)
70 000 83 396
 Hüftgelenkprothese 12 771 15 681
 Kniegelenkprothese 10 751 14 537

1 ab 45 Jahre

Quelle: BFS – Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB), Medizinische Statistik der Krankenhäuser (MS)

© BFS 2024

Rücken- oder Kreuzschmerzen sind die beiden häufigsten körperlichen Beschwerden: 45% der Bevölkerung sind davon betroffen. Arthrose und Arthritis nehmen mit steigendem Alter stark zu und betreffen 42% der Personen ab 75 Jahren.

Erkrankungen des Bewegungsapparats sind nach den Verletzungen der zweithäufigste Hospitalisierungsgrund. Von diesen Spitaleinweisungen sind 53% auf Gelenkerkrankungen der Gliedmassen (Arthrosen, Arthritis) und 23% auf Rückenleiden zurückzuführen. Manchmal muss eine Prothese eingesetzt werden. 2022 wurden 28 452 Personen für die Implantation einer Hüftgelenkprothese hospitalisiert. Das sind 36% mehr als im Jahr 2010. Kniegelenkprothesen werden etwas seltener eingesetzt (25 288).

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1.8 Geburten und Gesundheit der Neugeborenen

2022
Lebendgeburten 82 371
Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt 32,3
Kaiserschnittrate 33,0%
Frühgeburten (< vollendete 37. Schwangerschaftswoche) 6,3%
Neugeborene mit niedrigem Gewicht (< 2500 g) 6,0%
Totgeburten 4,3‰
Säuglingssterblichkeit (im ersten Lebensjahr) 3,8‰
Zwillingsgeburten 3,0%

Quellen: BFS – BEVNAT, MS, CoD

© BFS 2024

Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt steigt seit 1970 kontinuierlich an. 2022 entfielen 25% der Geburten auf Frauen unter 30 Jahren, 1970 waren es noch knapp 70%. 95% der Geburten erfolgen im Spital, ein Drittel davon per Kaiserschnitt. Die Kaiserschnitt­rate variiert regional stark. Sie ist in bestimmten Regionen doppelt so hoch wie in anderen.

2022 sind 311 Säuglinge im ersten Lebensjahr gestorben, was einer Sterberate von 3,8 auf 1000 Lebendgeburten entspricht. Fast 60% dieser Todesfälle ereigneten sich innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt. Betroffen waren vor allem Säuglinge mit sehr tiefem Geburtsgewicht und deutlich zu früh Geborene. Im gleichen Jahr wurden 359 Kinder tot geboren.

3,0% der Kinder kommen als Zwilling, 0,07% als Drilling zur Welt. 2487 Kinder wurden infolge einer im Jahr 2021 durchgeführten In-vitro-Behandlung geboren, was rund 2,8% aller Lebendgeburten entspricht.

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1.9 Todesursachen

Männer Frauen
Todesfälle, Total (2022) 36 442 37 983
 Herz-Kreislauf-Erkrankungen 9 512 10 951
 Krebs 9 310 7 910
 Covid-19 2 207 1 907
 Demenz 2 047 4 499
 Unfälle 1 480 1 443
 Suizid (ohne assistierten Suizid) 695 263
 Assistierter Suizid 649 945

Quellen: BFS – BEVNAT, CoD

© BFS 2024

2022 wurden 74 425 Todesfälle registriert. Das sind 5% mehr als 2021. Covid-19 verursachte im Jahr 2022 insgesamt 5,5% der Todes­fälle und lag damit bei den Todesursachen hinter den Atemwegs­erkrankungen (6,1%) an fünfter Stelle. Die Grafik zeigt die wichtigsten Todesursachen, deren Häufigkeit je nach Altersgruppe stark variiert. Die Flächen entsprechen der Anzahl Todesfälle.

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Im ersten Lebensjahr überwiegen die perinatalen Todesursachen, gefolgt von angeborenen Krankheiten als Todesursache. Im Alter von 1 bis 14 Jahren verteilen sich die sehr seltenen Todesfälle auf eine Vielzahl von Todesursachen. Von 15 bis ungefähr 45 Jahren überwiegen die Unfälle und der Suizid. Danach ist Krebs die häufigste Todesursache. Dieser wird ab etwa dem 80. Altersjahr von Herz-Kreislauf-Krankheiten abgelöst. Im Jahr 2020 zeigte sich bei den Todesfällen infolge Covid-19 auch eine altersspezifische Verteilung: Ältere Personen ab dem 65. Lebensjahr starben häufiger an Covid-19 als junge Menschen.

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Im Jahr 2022 starben 958 Personen durch Suizid. Die grosse Mehrheit waren Männer (73%) und knapp die Hälfte (44%) war jünger als 55 Jahre. Im gleichen Jahr starben 1594 Personen durch assistierten Suizid. Frauen sind in der Mehrheit (59%) und nahezu neun von zehn Personen (88%) sind älter als 64 Jahre. Assistierten Suizide gehen meist mit schwerwiegenden unheilbaren Erkrankungen wie Krebs (39%) oder einer neurodegenerativen Krankheit (13%) einher. Ab 65 Jahren sind assistierte Suizide häufiger als Suizide.