Die Entwicklung der erwerbstätigen Bevölkerung in den letzten 50 Jahren: Demografie, Teilzeiterwerbstätigkeit und Berufe
Zusammenfassung
Die erwerbstätige Bevölkerung der Schweiz ist zwischen 1970 und 2023 von 2,843 Millionen auf 4,848 Millionen Personen gewachsen. Gleichzeitig hat auch die Arbeitsmarktbeteiligung der Frauen konstant zugenommen. Ihr Anteil stieg von 33,9% im Jahr 1970 auf 46,7% im Jahr 2023. Auch der Anteil der erwerbstätigen Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit erhöhte sich in diesem Zeitraum von 19,2% auf 27,5%. Parallel dazu war eine kontinuierliche Verlagerung der gewerblich-industriellen Tätigkeiten hin zu den Dienstleistungsberufen zu beobachten. 1970 übte ein Viertel der Erwerbstätigen (25,1%) einen «Handwerks- oder verwandten Beruf» aus, 18,8% waren als «Bürokräfte oder in einem verwandten Beruf» tätig und 11,6% in einem «Dienstleistungsberuf oder als Verkäuferin bzw. Verkäufer». Im Jahr 2023 arbeiteten mehr als ein Viertel (26,8%) der erwerbstätigen Bevölkerung in einem «intellektuellen oder wissenschaftlichen Beruf» und 17,0% als «Techniker/-in oder in einem gleichrangigen nichttechnischen Beruf». Der Anteil der in einem «Handwerks- oder verwandten Beruf» tätigen Personen ist auf 9,5% geschrumpft. Das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen in der Schweiz ist von 38,4 auf 42,4 Jahre gestiegen. Ebenfalls zugenommen hat die Teilzeiterwerbstätigkeit. Ihr Anteil ist von 12,7% auf 37,6% gestiegen. Teilzeitarbeit ist vor allem bei den Frauen stark verbreitet (1970: 29,4%, 2023: 58,0%), sie hat aber auch bei den Männern zugenommen (1970: 4,1%, 2023: 19,6%).
1. Einleitung
Diese Publikation blickt zurück auf die Entwicklung der erwerbstätigen Bevölkerung in den letzten fünf Jahrzehnten. Sie untersucht den Anstieg der Erwerbstätigenzahl, die Feminisierung des Arbeitsmarkts, den steigenden Anteil der ausländischen Arbeitskräfte, die Erhöhung des Durchschnittsalters und die zunehmende Bedeutung der Teilzeitarbeit. Um diese Trends näher zu beleuchten, werden in Kapitel 2 die demografischen Merkmale Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter analysiert. Kapitel 3 befasst sich mit der Entwicklung der Teilzeiterwerbstätigkeit im Allgemeinen sowie differenziert nach Geschlecht.
Im Weiteren veranschaulicht die Publikation, wie in modernen Industriestaaten, die aufgrund des technischen Fortschritts einen grossen Anteil an höherqualifizierten Beschäftigungen aufweisen, einfache Tätigkeiten ins Ausland abwandern, und wie sich die Berufswelt tertiarisiert, d. h. sich die Beschäftigung von den gewerblich-industriellen Tätigkeiten hin zu den Dienstleistungsberufen verschiebt. George Sheldon (2010). Der Schweizer Arbeitsmarkt seit 1920: Langfristige Tendenzen. In: Die Volkswirtschaft, 1. Januar 2010. Nähere Informationen: www.dievolkswirtschaft.ch/de/2010/01/sheldon-3/ Hierzu werden in Kapitel 4 die arbeitsmarktlichen Veränderungen der Berufe in Bezug auf Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Alter und Teilzeitarbeit betrachtet. Der Dissimilaritätsindex von Duncan und Duncan Duncan, O. D. and Duncan, B. (1955), A methodological analysis of segregation indexes, American Sociological Review, 20(2): 210–17. liefert zudem Informationen zur Ausübung der Berufe nach Geschlecht und Staatsangehörigkeit sowie zur entsprechenden Entwicklung in den letzten fünfzig Jahren. Die Daten für die Analysen stammen aus den Volkszählungen (VZ) von 1970 und 1980 und aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) von 1991 bis 2023.
2. Demografische Merkmale
Zwischen 1970 und 2023 nahm die erwerbstätige Bevölkerung in der Schweiz stark zu. Sie stieg von 2,843 auf 4,848 Millionen Personen (siehe Grafik G1). Im Zeitraum von 1970 bis 1980 erhöhte sich die erwerbstätige Bevölkerung nur leicht von 2,843 auf 2,968 Millionen (+126 000 Personen), was der Rezession infolge der Ölkrisen von 1973/74 und 1979/80 und der anschliessenden schwachen Erholung geschuldet war. In den darauffolgenden, vom wirtschaftlichen Aufschwung geprägten Jahren legte die Erwerbstätigenzahl dann zwischen 1980 und 1991 massiv von 2,968 auf 3,768 Millionen zu (+800 000). Die schwächelnde Wirtschaft in den 1990er-Jahren machte sich in einem geringen Anstieg der Erwerbstätigenzahl zwischen 1991 und 2000 bemerkbar (von 3,768 auf 3,879 Millionen; +111 000). Danach entwickelte sich die Wirtschaft wieder positiv und auch die Zahl der Erwerbstätigen nahm zu: um 329 000 Personen zwischen 2000 und 2010 von 3,879 auf 4,208 Millionen und um 641 000 Personen zwischen 2010 und 2023 auf 4,848 Millionen.
Die erwerbstätige Bevölkerung nach Geschlecht
Die starke Zunahme der erwerbstätigen Bevölkerung geht mit einem konstant steigenden Frauenanteil auf dem Arbeitsmarkt einher. Zwischen 1970 und 2023 erhöhte sich die Zahl der erwerbstätigen Männer von 1,878 auf 2,584 Millionen (+706 000), während sich jene der Frauen von 964 000 auf 2,264 Millionen mehr als verdoppelte (+1,300 Millionen).
1970 waren nahezu zwei Drittel der Erwerbstätigen Männer (66,1%) und nur ein Drittel Frauen (33,9%). 2023 ist die Situation mit 53,3% Männern und 46,7% Frauen nahezu ausgeglichen (siehe Tabelle T1).
Anteil der Erwerbstätigen nach Geschlecht
In %, ab 15 Jahren
T1
| Männer | Frauen | |
|---|---|---|
| 1970 | 66,1 | 33,9 |
| 1980 | 63,7 | 36,3 |
| 1991 | 57,4 | 42,6 |
| 2000 | 56,0 | 44,0 |
| 2010 | 54,4 | 45,6 |
| 2023 | 53,3 | 46,7 |
Quelle: BFS – Volkszählung (VZ) und Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE)
© BFS 2024
Die erwerbstätige Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit
Die Zahl der Erwerbstätigen mit schweizerischer Staatsangehörigkeit stieg von 2,298 Millionen im Jahr 1970 auf 3,513 Millionen im Jahr 2023 (+1,215 Millionen; siehe Grafik G2). Bei den ausländischen Arbeitskräften wurde zwischen 1970 und 2023 eine Zunahme von 545 000 Personen auf 1,336 Millionen Personen verzeichnet (+791 000). Ohne die Einbürgerungen hätte die Zahl der Schweizer Erwerbstätigen weniger stark zugenommen und die der ausländischen Erwerbstätigen wäre stärker gestiegen. Zwischen 1970 und 1980 war die Zahl der Erwerbstätigen mit ausländischer Staatsangehörigkeit aufgrund der restriktiven Migrationspolitik Mahnig, Hans, «La politique migratoire de 1970 au milieu des années 1980», in Mahnig, Hans et al. Histoire de la politique de migration, d’asile et d’intégration en Suisse depuis 1948, 2005, Zürich, Seismo Verlag, Sozialwissenschaften und Gesellschaftsfragen, 2005, S. 135–159. jedoch rückläufig (–54 000).
1970 hatten 80,8% der Erwerbstätigen einen Schweizer Pass, 2023 waren es 72,5%. Der Ausländeranteil an den Erwerbstätigen erhöhte sich in diesem Zeitraum von 19,2% auf 27,5% (siehe Tabelle T2).
Anteil der Erwerbstätigen nach Staatsangehörigkeit
In %, ab 15 Jahren
T2
| schweizerische Staatsangehörigkeit |
ausländische Staatsangehörigkeit |
|
|---|---|---|
| 1970 | 80,8 | 19,2 |
| 1980 | 83,5 | 16,5 |
| 1991 | 80,7 | 19,3 |
| 2000 | 79,9 | 20,1 |
| 2010 | 77,8 | 22,2 |
| 2023 | 72,5 | 27,5 |
Quelle: BFS – Volkszählung (VZ) und Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE)
© BFS 2024
Die erwerbstätige Bevölkerung nach Alter
Die Zahl der Erwerbstätigen hat nahezu in allen Altersklassen zugenommen: bei den 25- bis 39-Jährigen von 954 000 im Jahr 1970 auf 1,587 Millionen im Jahr 2023, bei den 40- bis 54-Jährigen von 745 000 auf 1,599 Millionen, bei den 55- bis 64-Jährigen von 383 000 auf 917 000 und bei den 65-Jährigen und Älteren von 129 000 auf 200 000. Einzig bei den 15- bis 24-Jährigen ist die Erwerbstätigenzahl zwischen 1970 und 2023 gesunken, von 631 000 auf 546 000. Gründe für diese Entwicklungen sind die längere Ausbildungsdauer und die Bevölkerungsalterung (siehe Grafik G3).
Der Anteil der 15- bis 24-Jährigen ist zwischen 1970 und 2023 um 10,9 Prozentpunkte von 22,2% auf 11,3% gesunken, während jener der 40- bis 54-Jährigen um 6,8 Prozentpunkte von 26,2% auf 33,0% und jener der 55- bis 64-Jährigen um 5,5 Prozentpunkte von 13,5% auf 18,9% gestiegen ist (siehe Tabelle T3). Demgegenüber ist der Anteil der 25- bis 39-Jährigen und der Personen ab 65 Jahren relativ stabil geblieben.
Anteil der Erwerbstätigen nach Alter
In %, ab 15 Jahren
T3
| 15–24 Jahre | 25–39 Jahre | 40–54 Jahre | 55–64 Jahre | 65+ Jahre |
|
|---|---|---|---|---|---|
| 1970 | 22,2 | 33,6 | 26,2 | 13,5 | 4,6 |
| 1980 | 21,2 | 35,7 | 28,3 | 12,4 | 2,5 |
| 1991 | 17,0 | 35,8 | 31,5 | 11,8 | 3,8 |
| 2000 | 13,9 | 37,0 | 33,8 | 12,7 | 2,7 |
| 2010 | 13,7 | 31,8 | 36,9 | 14,8 | 2,9 |
| 2023 | 11,3 | 32,7 | 33,0 | 18,9 | 4,1 |
Quelle: BFS – Volkszählung (VZ) und Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE)
© BFS 2024
3. Teilzeit
Auch der Anteil der Teilzeiterwerbstätigen Definition von Teilzeit: Volkszählungen (VZ) 1970 und 1980: Selbsteinstufung der Personen in Vollzeit- und Teilzeiterwerbstätige nach der Vorgabe «Arbeitszeit kürzer als betriebs- oder branchenübliche Arbeitszeit», Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE): Bei der Haupterwerbstätigkeit angegebener Beschäftigungsgrad <90% oder Normalarbeitszeit <90% der betriebsüblichen Arbeitszeit hat in den letzten fünf Jahrzehnten zugenommen: von 12,7% im Jahr 1970 auf 37,6% im Jahr 2023, was einem Anstieg um 24,9 Prozentpunkte entspricht (siehe Grafik G4).
Vor allem Frauen arbeiten Teilzeit. 2023 hatten mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen ein Teilzeitpensum. Ihr Anteil hat sich zwischen 1970 und 2023 nahezu verdoppelt – um 28,6 Prozentpunkte von 29,4% auf 58,0% –, jener der Männer hingegen fast verfünffacht (siehe Grafik G4). Bei den Frauen wurde das grösste Plus zwischen 1980 und 1991 beobachtet, als der Anteil der teilzeiterwerbstätigen Frauen in Zuge ihrer allgemein markant zunehmenden Erwerbsbeteiligung von einem Drittel auf fast die Hälfte anstieg (+15,8 Prozentpunkte). Bei den Männern stieg der Anteil der Teilzeiterwerbstätigen ebenfalls an: um 15,5 Prozentpunkte von 4,1% im Jahr 1970 auf 19,6% im Jahr 2023. Am stärksten erhöhte er sich bei den Männern zwischen 2010 und 2023, als er um 6,2 Prozentpunkte von 13,4% auf 19,6% zunahm.
4. Entwicklung in den Berufshauptgruppen
Der Anteil der Erwerbstätigen in den verschiedenen Berufshauptgruppen Schweizer Berufsnomenklatur CH-ISCO-19. Weiterführende Informationen: www.statistik.ch → Statistiken → Arbeit und Erwerb → Schweizer Berufsnomenklatur CH-ISCO-19 hat sich zwischen 1970 und 2023 stark verändert. Es sind anteilsmässig mehr Personen in einem hochqualifizierten Beruf Als hochqualifiziert gelten die Berufe der Berufshauptgruppen 1. Führungskräfte, 2. intellektuelle und wissenschaftliche Berufe, 3. Techniker/-innen und gleichrangige nichttechnische Berufe. tätig als noch vor gut fünfzig Jahren (Anstieg von 22,6% auf 52,5%). So stieg der Anteil der Erwerbstätigen in einem «intellektuellen und wissenschaftlichen Beruf» zwischen 1970 und 2023 deutlich an (von 7,3% auf 26,8%; +19,5 Prozentpunkte) und auch bei den «Techniker/-innen und gleichrangigen nichttechnischen Berufen» (+6,4 Prozentpunkte von 10,6% auf 17,0%) sowie bei den «Führungskräften» (+3,9 Prozentpunkte von 4,7% auf 8,7%; siehe Grafik G5) war ein klares Plus zu verzeichnen. Diese Entwicklung deckt sich mit dem steigenden Bildungsniveau. Der Anteil der «Dienstleistungsberufe und Verkäufer/-innen» wuchs hingegen nur schwach (+1,8 Prozentpunkte von 11,6% auf 13,4%), jener der «Hilfsarbeitskräfte» blieb nahezu unverändert (–0,3 Prozentpunkte von 6,2% auf 5,9%). Umgekehrt sanken die Anteile der «Bediener/-innen von Anlagen und Maschinen und Montageberufe» (–4,8 Prozentpunkte von 8,5% auf 3,8%) und der «Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei» (–4,9 Prozentpunkte von 7,1% auf 2,2%), ebenso wie die «Bürokräfte und verwandten Berufe» (–6,1 Prozentpunkte von 18,8% auf 12,7%). Den stärksten Rückgang verzeichneten die «Handwerks- und verwandten Berufe» mit einem Minus von 15,7 Prozentpunkten (von 25,1% auf 9,5%).
4.1 Berufe nach Geschlecht
Der grösste Frauenanteil war unverändert bei den «Dienstleistungsberufen und Verkäufer/-innen» anzutreffen. In dieser Berufshauptgruppe waren rund zwei Drittel der Erwerbstätigen Frauen, wobei sich ihr Anteil im Zeitraum von 1970 bis 2023 von 69,3% auf 65,9% verringert hat (–3,4 Prozentpunkte; siehe Grafik G6). Am stärksten stieg der Frauenanteil in den letzten fünf Jahrzehnten mit einem Plus von 22,5 Prozentpunkten bei den «Techniker/-innen und gleichrangigen nichttechnischen Berufen» (von 27,0% auf 49,4%), gefolgt von den «Bürokräften und verwandten Berufen» (+16,1 Prozentpunkte von 46,8% auf 62,9%), wo sie mittlerweile in der Mehrheit sind, sowie den «intellektuellen und wissenschaftlichen Berufen», in denen die Verteilung 2023 fast gleichmässig ausfiel (+14,7 Prozentpunkte von 34,5% auf 49,3%). Hier zeigt sich, dass das Bildungsniveau vor allem bei den Frauen stark gestiegen ist. Dennoch sind Frauen bei den «Hilfsarbeitskräften» nach wie vor stark vertreten. Ihr Anteil hat sich um 12,4 Prozentpunkte von 41,2% auf 53,5% erhöht. Den tiefsten Frauenanteil haben «Handwerks- und verwandte Berufe». Er ist zwischen 1970 und 2023 sogar um 5,4 Prozentpunkte von 18,3% auf 12,9% gesunken. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich mit einem Minus von 1,6 Prozentpunkten (von 16,7% auf 15,0%) bei den «Bediener/-innen von Anlagen und Maschinen und Montageberufen». Diese beiden Berufshauptgruppen sind nach wie vor Männerdomänen.
Wie erwähnt gibt es mehr Männer als Frauen auf dem Arbeitsmarkt (siehe Grafik G1) und die beiden Geschlechter sind nicht gleichmässig auf die Berufshauptgruppen verteilt. Mithilfe des Dissimilaritätsindexes von Duncan und Duncan (siehe Formel auf Seite 9) kann die berufliche Geschlechtersegregation auf dem Arbeitsmarkt synthetisch gemessen werden. Er stellt den Anteil der erwerbstätigen Frauen und Männer dar, die den Beruf wechseln müssten, damit die beiden Geschlechter in jeder Berufshauptgruppe gleich stark vertreten sind. Der Wert 0 entspricht einer vollkommen gleichmässigen Verteilung, der Wert 1 der maximal segregativen Verteilung. Somit würde Wert 1 bedeuten, dass alle Männer in Berufen tätig wären, in denen keine einzige Frau beschäftigt wäre, und umgekehrt.
Die Geschlechtersegregation nahm zwischen 1970 und 1991 von 0,318 auf 0,358 leicht zu (siehe Tabelle T4). Ab dem Jahr 2000 (Index von 0,315) verringerte sie sich und blieb bis ins Jahr 2023 rückläufig (Index von 0,250).
Dissimilarität in den Berufen nach Geschlecht
Dissimilaritätsindex Duncan & Duncan
T4
| Jahr | 1970 | 1980 | 1991 | 2000 | 2010 | 2023 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Index | 0,318 | 0,334 | 0,358 | 0,315 | 0,295 | 0,250 |
Quelle: BFS – Volkszählung (VZ) und Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE)
© BFS 2024
1970 traten insbesondere bei den «Handwerks- und verwandten Berufen» Unterschiede auf (31,0% der Männer und 13,6% der Frauen, siehe Grafiken G7 und G8), bei den «Dienstleistungsberufen und Verkäufer/-innen» (5,4% der Männer und 23,8% der Frauen) sowie bei den «Bürokräften und verwandten Berufen» (15,1% der Männer und 26,1% der Frauen). 2023 hatten sich die Unterschiede in diesen Berufshauptgruppen zwar verringert, waren aber nicht verschwunden: Bei den «Handwerks- und verwandten Berufen» waren 15,4% der Männer und 2,6% der Frauen vertreten, bei den «Dienstleistungsberufen und Verkäufer/-innen» 8,6% der Männer und 18,9% der Frauen und bei den «Bürokräften und verwandten Berufen» 8,8% der Männer und 17,2% der Frauen. In anderen Berufsgruppen hatte die Dissimilarität zugenommen, z.B. bei den «intellektuellen und wissenschaftlichen Berufen» (1970: 7,2% der Männer und 7,5% der Frauen; 2023: 25,5% der Männer und 28,4% der Frauen).
4.2 Berufe nach Staatsangehörigkeit
Betrachtet man den Anteil der ausländischen Erwerbstätigen in den verschiedenen Berufshauptgruppen, fällt auf, dass er zwischen 1970 und 2023 in allen Gruppen gestiegen ist (siehe Grafik G9). 1970 verzeichneten die «Hilfsarbeitskräfte» (29,2%), die «Handwerks- und verwandten Berufe» (28,0%) sowie die «Bediener/-innen von Anlagen und Maschinen und Montageberufe» (25,9%) den höchsten Ausländeranteil, den tiefsten hingegen die «Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei» (2,8%) sowie die «Bürokräfte und verwandten Berufe» (10,2%). Gut fünfzig Jahre später waren Ausländerinnen und Ausländer bei den «Hilfsarbeitskräften» mit 55,4% nicht nur weiterhin am stärksten vertreten, ihr Anteil hatte sich auch am deutlichsten erhöht (+26,2 Prozentpunkte). An zweiter Stelle standen mit 42,5% und einem Plus von 16,6 Prozentpunkten die «Bediener/-innen von Anlagen und Maschinen und Montageberufe». Ebenfalls erheblich zugenommen hat der Anteil der ausländischen Arbeitskräfte bei den «Führungskräften». Dort ist er um 14,7 Prozentpunkte von 11,0% auf 25,7% gestiegen. Den bei Weitem geringsten Ausländeranteil weisen nach wie vor die «Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei» auf (7,8%).
Wie bereits dargelegt, gibt es mehr Schweizerinnen und Schweizer auf dem Arbeitsmarkt als ausländische Staatsangehörige (siehe Grafik G2). Die beiden Gruppen verteilen sich allerdings nicht gleichmässig auf die verschiedenen Berufshauptgruppen. Mithilfe des Dissimilaritätsindexes von Duncan und Duncan (siehe Formel auf Seite 9) kann die berufliche Nationalitätensegregation auf dem Arbeitsmarkt gemessen werden. Dabei zeigt sich, dass die Dissimilarität zwischen schweizerischen und ausländischen Erwerbstätigen in den Berufshauptgruppen zwischen 1970 und 2023 von 0,249 auf 0,152 zurückgegangen ist (siehe Tabelle T5).
Dissimilarität in den Berufen nach Nationalität
Dissimilaritätsindex Duncan & Duncan
T5
| Jahr | 1970 | 1980 | 1991 | 2000 | 2010 | 2023 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Index | 0,249 | 0,208 | 0,215 | 0,190 | 0,182 | 0,152 |
Quelle: BFS – Volkszählung (VZ) und Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE)
© BFS 2024
1970 erwiesen sich die Unterschiede in den «Handwerks- und verwandten Berufen» als besonders ausgeprägt. In dieser Berufshauptgruppe waren 37,9% aller ausländischen Erwerbstätigen tätig, gegenüber 22,2% der schweizerischen Erwerbstätigen. Ebenfalls deutliche Unterschiede waren bei den «Bürokräften und verwandten Berufen» mit 10,3% bzw. 20,7% sowie bei den «Fachkräften in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei» mit 8,4% bzw. 1,1% zu verzeichnen (siehe Grafiken G10 und G11). 2023 sind diese Unterschiede abgeflacht, insbesondere bei den «Handwerks- und verwandten Berufen», wo 8,9% der Erwerbstätigen mit schweizerischer und 10,8% jener mit ausländischer Staatsangehörigkeit tätig sind. Zudem arbeiteten im Jahr 2023 insgesamt 8,9% der Schweizer Erwerbtätigen und 8,1% der ausländischen Erwerbstätigen als «Führungskraft». Nach wie vor vorhanden sind die Unterschiede hingegen bei den «Hilfsarbeitskräften» mit 12,0% der Ausländerinnen und Ausländer und 3,6% der Schweizerinnen und Schweizer, sowie bei den «Techniker/-innen und gleichrangigen nichttechnischen Berufen» (12,9% bzw. 18,5%).
4.3 Berufe nach Alter
Das Durchschnittsalter der erwerbstätigen Bevölkerung hat sich zwischen 1970 und 2023 von 38,4 auf 42,4 Jahre erhöht. Dieser Anstieg deckt sich mit der Bevölkerungsalterung und der längeren Ausbildungsdauer (siehe Grafik G12). Am stärksten gestiegen ist das Durchschnittsalter bei den «Bediener/-innen von Anlagen und Maschinen und Montageberufen» (+6,8 Jahre), gefolgt von den «Hilfsarbeitskräften» (+6,3 Jahre). Zurückgegangen ist es hingegen bei den «Fachkräften in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei» (–0,4 Jahre). In dieser Berufshauptgruppe lag das Durchschnittsalter 1970 mit 45,7 Jahren am höchsten, gefolgt von den «Führungskräften» mit 43,0 Jahren. Damals war das tiefste Durchschnittsalter bei den «Dienstleistungsberufen und Verkäufer/-innen» zu beobachten (36,0 Jahre). 53 Jahre später wiesen die «Führungskräfte» das höchste Durchschnittsalter auf (47,0 Jahre), das tiefste wurde mit 38,7 Jahren bei den «Handwerks- und verwandten Berufen» registriert.
4.4 Teilzeiterwerbstätigkeit in den Berufen
Der Anteil der Teilzeiterwerbstätigkeit hat zwischen 1970 und 2023 in allen Berufshauptgruppen zugenommen (siehe Grafik G13), am stärksten bei den «Hilfsarbeitskräften» mit einem Anstieg um 33,4 Prozentpunkte von 19,8% auf 53,2%, am zweitstärksten bei den «Dienstleistungsberufen und Verkäufer/-innen» mit einem Plus von 31,4 Prozentpunkten von 21,4% auf 52,7%. Diese beiden Gruppen wiesen 2023 auch die höchsten Anteile an Teilzeitpensen auf: Über die Hälfte der Erwerbstätigen arbeiteten Teilzeit. Auch bei den «intellektuellen und wissenschaftlichen Berufen» nahm die Teilzeiterwerbstätigkeit markant zu (+30,3 Prozentpunkte von 12,0% auf 42,3%), ebenso wie bei den «Bürokräften und verwandten Berufen» (+29,0 Prozentpunkte von 13,8% auf 42,8%) und den «Techniker/-innen und gleichrangigen nichttechnischen Berufen» (+27,1 Prozentpunkte von 8,4% auf 35,5%). Weniger stark erhöht hat sich die Teilzeitarbeit bei den «Führungskräften» (+11,0 Prozentpunkte von 8,7% auf 19,7%), bei den «Bediener/-innen von Anlagen und Maschinen und Montageberufen» (+12,6 Prozentpunkte von 6,3% auf 18,9%) und bei den «Handwerks- und verwandten Berufen» (+5,4 Prozentpunkte von 7,8% auf 13,2%). In den beiden letztgenannten Berufshauptgruppen war der Anteil der Teilzeiterwerbstätigen sowohl 1970 als auch 2023 am tiefsten. Weniger stark zugenommen hat er hingegen bei den «Fachkräften in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei» (+1,6 Prozentpunkte von 24,1% auf 25,7%). Sie wiesen 1970 den höchsten Anteil an Teilzeiterwerbtätigen auf.
Erhebungen:
Die Eidgenössischen Volkzählungen (VZ) 1970 und 1980 waren obligatorische Vollerhebungen per Fragebogen. Die Grundgesamtheit der harmonisierten Daten umfasst die ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren.
Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung (SAKE) ist eine Befragung, die seit 1991 bei der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren durchgeführt wird.
Definition der erwerbstätigen Bevölkerung:
VZ, 1970 und 1980: Als erwerbstätig gelten alle Personen, die mindestens sechs Stunden pro Woche arbeiten.
SAKE 1991 bis 2023: Als erwerbstätig gelten alle Personen, die mindestens eine Stunde pro Woche arbeiten.
Definition von Teilzeiterwerbstätigkeit:
– In der VZ 1970 und 1980 basierte die Definition auf einer Selbsteinstufung der Personen nach der Vorgabe «Arbeitszeit kürzer als betriebs-. bzw. branchenübliche Arbeitszeit».
– In der SAKE gelten als Teilzeiterwerbstätige alle Personen, die in ihrer Haupterwerbstätigkeit weniger als zu 90% tätig sind, oder, wenn die Angabe des Beschäftigungsgrads fehlt, eine wöchentliche Normalarbeitszeit von weniger als 90% der betriebsüblichen Arbeitszeit angeben.
Umwandlung der Variable «Beruf» der VZ 1970 und 1980:
Zur Umwandlung der International Standard Classification of Occupations ISCO-88 in die ISCO-08 wurde auf Basis der Datei der VZ 1990 ein Umwandlungsschlüssel erstellt.
Beispiel für die Berechnung des Dissimilaritätsindex von Duncan und Duncan:
Mi und Fi entsprechen der Anzahl Männer und Frauen, die einen Beruf i ausüben, und M und F der Gesamtzahl der erwerbstätigen Männer und Frauen, wobei n für die Anzahl der Berufe steht.