Themenbericht der Erhebung 2020 zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden
Praktika während des Studiums
Das Praktikum ist an den Schweizer Hochschulen als Ausbildungsform zum Sammeln von Praxiserfahrung weit verbreitet. 38% der Studierenden geben an, seit dem Beginn ihres Hochschulstudiums mindestens ein Praktikum absolviert zu haben. Die Häufigkeit von Praktika während des Studiums ist stark vom Fachbereich abhängig. Dies gilt auch für die Orte, an denen die Praktika absolviert werden.
Praktikum ist auch nicht gleich Praktikum: Es kann obligatorisch oder freiwillig, bezahlt
oder unbezahlt sein und auch die Dauer variiert. Kombiniert man diese Merkmale, lassen sich
fachbereichsspezifische Praktikumstypen definieren. Für
FH- und PH-Studierende in den
Fachbereichen Soziale Arbeit und Angewandte Psychologie sind Praktika überdurchschnittlich
häufig obligatorisch, bezahlt und von langer Dauer, während sie in den Fachbereichen Gesundheit
und Lehrkräfteausbildung öfter obligatorisch, nicht bezahlt und kurz sind.
Insgesamt zeigen sich die Studierenden mittelmässig zufrieden mit der Bezahlung ihres Praktikums, sind sich aber fast durchgehend darin einig, dass ein berufliches Netzwerk aufgebaut, Kompetenzen entwickelt und Selbstvertrauen gewonnen werden konnten.
In der Öffentlichkeit sind Praktika häufig Gegenstand von Debatten: Das eine Lager sieht das Praktikum als unterstützenden Faktor für die Arbeitsmarktfähigkeit, die Gegenseite ist der Meinung, dass Praktikantinnen und Praktikanten häufig als billige Arbeitskräfte ausgenützt werden. Befürwortet werden Praktika beispielsweise von den Ministerkonferenzen des Europäischen Hochschulraums siehe z. B. die Erklärung von Jerewan, 2015 (https://www.ehea.info/Upload/document/ministerial_declarations/YerevanCommuniqueFinal_613707.pdf) , die Praktika in ihren Zielen als Brückenbauer zwischen den Hochschulen und dem Arbeitsmarkt sowie als Mittel für die Erweiterung von Kompetenzen betrachten. Kritik kommt dagegen häufig aus der Politik und bezieht sich auf die unzureichende Entlöhnung und Betreuung der Praktikantinnen und Praktikanten siehe z. B. das Postulat 16.3997 «Umfassender Überblick über die Praktikumssituation in der Schweiz» (https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20163997) .
Unabhängig von den Meinungsunterschieden ist das Praktikum während des Studiums heute ein wichtiges Element der Hochschulausbildung. Aus diesem Grund soll die vorliegende Analyse einen Überblick über die Praktika geben, die während des Studiums an Schweizer Hochschulen absolviert werden. Die Publikation liefert Antworten auf folgende Fragen: Wie lange dauern die während des Studiums absolvierten Praktika im Durchschnitt? Wie gross ist der Anteil der Praktika, die in einer anderen Schweizer Sprachregion oder im Ausland absolviert werden? In welchen Fachbereichen sind Praktika obligatorisch? Wie hoch ist die Zufriedenheit mit der Bezahlung und wie wird das Gelernte beurteilt?
Während im ersten Kapitel aufgezeigt wird, wie stark Praktika verbreitet sind und wo sie durchgeführt werden, geht ein zweites Kapitel auf die Merkmale des zuletzt absolvierten Praktikums ein. Das dritte Kapitel zeigt, wie die Studierenden ihr Praktikum in Bezug auf Qualität, Entlöhnung und Berufserfahrung bewerten.
1 Realisierung von Praktika während
des Studiums
1.1 Absolvierte Praktika und Praktikumsabsichten
Dieses Kapitel vermittelt ein Bild darüber, wie viele Studierende ein Praktikum während ihres Studiums absolvieren. Aufgezeigt wird auch, wie gross der Anteil Studierender ist, der zwar noch kein Praktikum gemacht, aber bereits konkrete Vorbereitungen für eines getroffen hat. Darüber hinaus wird auch ersichtlich, wie viele Studierende sich ein Praktikum (eher) nicht vorstellen können oder noch unentschlossen sind.
Absolvierte Praktika und Praktikumsabsichten:
Die Messung der absolvierten Praktika und der Praktikumsabsichten basiert auf zwei Indikatoren. Beim ersten Indikator wurden die Studierenden gefragt, ob sie seit Studienbeginn an einer Schweizer Hochschule ein oder mehrere Praktika absolviert haben. Der Begriff «Praktika/Praktikum» wurde im Fragebogen nicht präzisiert oder näher definiert. D.h. Es wurde den Befragten überlassen, was für sie als Praktikum galt. Das trifft auf den gesamten vorliegenden Themenbericht zu. Es standen folgende Antwortmöglichkeiten zur Auswahl: «ja, in der gleichen Sprachregion der Schweiz in der ich studiere», ja, in einer anderen Sprachregion der Schweiz», «ja, in einem anderen Land», «ich habe vor Studienbeginn ein Praktikum absolviert» und «nein». Mehrfachantworten waren möglich. Für die Analyse werden die ersten drei Antwortmöglichkeiten zusammengefasst (zu «Praktikum absolviert»). Studierende, die «ich habe vor Studienbeginn ein Praktikum absolviert» oder «nein» ankreuzten, wurden in einer Folgefrage gefragt, ob sie im Verlaufe ihres aktuellen Studiums planen, ein Praktikum zu absolvieren (zweiter Indikator). Als Antwortmöglichkeiten standen «ja, habe schon konkrete Vorbereitungen getroffen», «ja, wahrscheinlich», «weiss noch nicht», «nein, wahrscheinlich nicht» und «nein» zur Verfügung. Für die Analyse werden letztere zwei Antwortkategorien zusammengefasst. Schliesslich werden die Antworten aus den beiden Indikatoren zu einem einzelnen Indikator kombiniert.
Rund vier von zehn Studierenden machen ein Praktikum
38% der Studierenden geben an, während ihres bisherigen Studiums an einer Schweizer Hochschule mindestens ein Praktikum absolviert zu haben oder gerade zu durchlaufen. 7% haben zum Befragungszeitpunkt konkrete Vorbereitungen für ein Praktikum getroffen, während 18% die Absicht äussern, im weiteren Verlaufe ihres Studiums ein Praktikum machen zu wollen. 9% der Befragten sind noch unentschlossen (Kategorie «weiss nicht»). Für rund einen Drittel (27%) der Studierenden kommt ein Praktikum (eher) nicht in Frage.
Anzahl absolvierte Praktika:
Die Anzahl absolvierter Praktika wird in der Erhebung zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden nicht abgefragt. Diese Information ist aber in der Hochschulabsolventenbefragung (EHA), aufgeschlüsselt nach Bachelor- und Master-Studium, enthalten. Die folgenden Zahlen stammen aus der Erstbefragung 2021 Befragt wurden Personen, die zwischen dem 1. Januar und 31. Dezember 2020 an einer Schweizer Hochschule einen Bachelor- oder Masterabschluss erlangt haben. Weitere Informationen zur Erhebung sind hier zu finden: www.statistik.ch → Grundlagen und Erhebungen → Erhebungen, Statistiken → Absolventenstudien Hochschulen (EHA) und zeigen, dass unter den Absolventinnen und Absolventen mit Praktika die Mehrheit während des Studiums mehr als ein einziges Praktikum absolviert hat: Von denjenigen die im Verlaufe Ihres Bachelor-Studiums mindestens ein Praktikum gemacht haben 45% der Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen haben im Verlaufe Ihres Bachelor-Studiums mindestens ein Praktikum absolviert. 51% der Master-Absolventinnen und -Absolventen haben im Verlaufe ihres Master-Studiums mindestens ein Praktikum durchlaufen. , geben 39% an, ein einziges Praktikum durchlaufen zu haben. 20% haben zwei Praktika, 11% haben 3 Praktika und 30% haben mehr als 3 Praktika gemacht (siehe Tabelle TA.1 im Anhang). Unter den Absolventinnen und Absolventen, die im Verlaufe Ihres Master-Studiums mindestens ein Praktikum gemacht haben, nennen 52% ein einziges Praktikum. 22% haben zwei Praktika, 8% haben drei Praktika und 18% haben mehr als 3 Praktika absolviert. In einigen Studienfächern sind Praktika ein obligatorischer Bestandteil der Ausbildung. Zum Teil müssen mehrere Praktika von kurzer Dauer absolviert werden.
Acht von zehn PH-Studierenden absolvieren ein Praktikum
An den universitären Hochschulen (UH) haben mit 33% gleich viel Studierende wie an den Fachhochschulen (FH) ein Praktikum absolviert. Allerdings kommt ein Praktikum für 44% der FH-Studierenden (eher) nicht in Frage, während es bei den UH-Studierenden 21% sind. An den UH äussern ausserdem 26% der Befragten die Absicht, im Verlaufe ihres Studiums ein Praktikum absolvieren zu wollen. An den Fachhochschulen (FH) fällt dieser Anteil mit 9% deutlich geringer aus. Bei den PH-Studierenden hat zum Befragungszeitpunkt die grosse Mehrheit (83%) mindestens ein Praktikum durchlaufen.
An den UH kommen Praktika in der Fachbereichsgruppe Exakte und Naturwissenschaften seltener vor
An den universitären Hochschulen (UH) geben die Studierenden der Fachbereichsgruppen Medizin und Pharmazie (56%) sowie Technische Wissenschaften (44%) häufiger an, im Verlaufe Ihres Studiums mindestens ein Praktikum absolviert zu haben als die Gesamtheit aller UH-Studierenden (33%). Über dem UH-Durchschnitt von 8% liegen in diesen Fachbereichsgruppen auch die Anteile jener Studierenden, die zum Befragungszeitpunkt konkrete Vorbereitungen für ein Praktikum getroffen haben (12% bzw. 11%). Studierende, die noch unentschlossen sind oder für die ein Praktikum gemäss eigener Auskunft (eher) nicht in Frage kommt, kommen in diesen zwei Fachbereichsgruppen verglichen mit dem UH-Durchschnitt seltener vor.
Studierende der Fachbereichsgruppen Geistes- und Sozialwissenschaften (30%), Recht (23%)
Die Praktika, die Studierende der Fachbereichsgruppe Recht während ihres
Studiums absolvieren umfassen nicht das Anwaltspraktikum, das nach Erhalt des Diploms
absolviert wird.
sowie Exakte und Naturwissenschaften (22%) haben seltener als das Total aller
UH-
Studierenden (33%) ein oder mehrere Praktika gemacht. Unter dem UH-Durchschnitt von 8%
liegen in der erst- und letztgenannten Fachbereichsgruppe auch die Anteile jener Studierenden, die
konkrete Pläne für ein Praktikum äussern (je 6%). Ausserdem sind die Anteile derjenigen
Studierenden, die von einem Praktikum (eher) absehen, in diesen zwei Fachbereichsgruppen (Geistes-
und Sozialwissenschaften: 25%; Exakte und Naturwissenschaften: 30%) grösser als im UH-Durchschnitt
(21%). Studierende der Fachbereichsgruppe Recht geben mit 36% überdurchschnittlich häufig an, im
weiteren Verlaufe ihres Studiums ein Praktikum absolvieren zu wollen (UH-Durchschnitt: 26%).
Die Unterschiede nach Fachbereich hängen sowohl an den UH wie auch an den FH/PH unter anderem damit zusammen, dass in einigen Studienfächern das Absolvieren von Praktika ein Bestandteil der Ausbildung ist (siehe hierzu Kap. 2.1 zu den obligatorischen Praktika). Zum Teil müssen mehrere Praktika von kurzer Dauer absolviert werden.
An den FH/PH kommen Praktika im Fachbereich Technik
und IT seltener vor
An den Fachhochschulen und den pädagogischen Hochschulen (FH/PH) geben die Studierenden der Fachbereiche Lehrkräfteausbildung (83%), Gesundheit (82%) sowie Soziale Arbeit (64%) öfters als der Durchschnitt der FH/PH-Studierenden (44%) an, im Verlaufe ihres Studiums eines oder mehrere Praktika absolviert zu haben. Darüber hinaus sind in diesen drei Fachbereichen die Anteile derjenigen Studierenden, die ein Praktikum (eher) ausschliessen oder die noch unentschlossen sind kleiner als im FH/PH-Durchschnitt.
Studierende in den Fachbereichen Angewandte Psychologie (30%), Land- und Forstwirtschaft (28%), Design (27%), Architektur, Bau- und Planungswesen (26%), Musik, Theater und andere Künste (25%), Angewandte Linguistik (23%), Chemie und Life Science (23%), Wirtschaft und Dienstleistungen (22%) sowie Technik und IT (15%) haben seltener als das Total aller FH/PH-Studierenden (44%) ein Praktikum durchlaufen. Diese Fachbereiche weisen - abgesehen von Angewandter Psychologie, Design, Musik, Theater und andere Künste - überdurchschnittliche Anteile von Studierenden auf, die noch unentschlossen sind oder für die ein Praktikum (eher) nicht in Frage kommt.
Überdurchschnittliche Anteile von Studierenden, die zum Befragungszeitpunkt konkrete Vorbereitungen für ein Praktikum getroffen haben sind insbesondere in den Fachbereichen Soziale Arbeit (21%), Sport (19%), Angewandte Psychologie (14%) sowie Angewandte Linguistik (10%) auszumachen (Durchschnitt FH/PH: 5%).
In den Fachbereichen Angewandte Linguistik (26%), Sport (24%), Design (18%), Chemie und Life Science (17%) sowie Angewandte Psychologie (17%) liegen die Prozentanteile von Studierenden, die beabsichtigen, im weiteren Verlaufe ihres Studiums ein Praktikum machen zu wollen, über dem FH/PH-Durchschnitt von 8%.
Frauen und Männer absolvieren gleich häufig Praktika
Aufgeschlüsselt nach Fachbereich(sgruppe) sind keine statistisch signifikanten Geschlechtsunterschiede feststellbar (siehe Tabelle TA.2 im Anhang). Oder in anderen Worten: pro Fachbereich(sgruppe) haben Studentinnen gleich häufig wie Studenten ein Praktikum während des Studiums absolviert. Die einzige Ausnahme betrifft den Fachbereich Wirtschaft und Dienstleistungen an den FH. Die Studentinnen dieses Fachbereichs geben mit 25% häufiger an, ein Praktikum während des Studiums gemacht zu haben als die Studenten mit 19%.
Praktika vor dem Studium:
Die Studierenden wurden in der Erhebung auch gefragt, ob sie vor dem Eintritt ins Hochschulstudium bereits ein Praktikum absolviert haben. Insgesamt geben 15% der Studierenden an, ein solches vor Studienbeginn gemacht zu haben. Dieser Anteil ist an den FH (21%) höher als an den PH (15%) und den UH (12%). Für die Zulassung zu einem Bachelorstudium an einer Fachhochschule wird eine Berufs- oder Arbeitswelterfahrung (z. B. Berufslehre, Praktikum) verlangt. Personen mit einer gymnasialen Maturität müssen in der Regel über eine einjährige Arbeitswelterfahrung verfügen.
Es zeigen sich auch Unterschiede nach Fachbereich(sgruppe). So haben FH/PH-Studierende in den Fachbereichen Land- und Forstwirtschaft (41%), Soziale Arbeit (38%), Gesundheit (27%), Architektur, Bau- und Planungswesen (25%) sowie Chemie und Life Science (24%) häufiger als im FH/PH-Durchschnitt (19%) ein Praktikum vor Studienbeginn absolviert. Unterdurchschnittliche Anteile sind insbesondere in den Fachbereichen Lehrkräfteausbildung (15%), Technik und IT (14%), Angewandte Psychologie (13%), Musik, Theater und andere Künste (11%) sowie Sport (11%) zu beobachten. An den UH haben die Studierenden in der Fachbereichsgruppe Medizin und Pharmazie (17%) öfter als im UH-Durchschnitt 12%) vor Aufnahme des Studiums ein Praktikum gemacht. Anteile unter dem UH-Schnitt zeigen sich lediglich in der Fachbereichsgruppe Recht (9%).
Von denjenigen Studierenden, die vor Studienbeginn ein Praktikum machten, haben 37% zum Befragungszeitpunkt mindestens ein Praktikum auch während des Studiums absolviert. Dieser Anteil ist bei jenen ohne Praktikum vor dem Studium gleich hoch (38%).
1.2 Ort des Praktikums
Dieses Kapitel geht der Frage nach, wo die Studierenden das Praktikum während des Studiums absolvieren. Es wird aufgezeigt, wie häufig Praktika in der Schweiz oder im Ausland gemacht werden. Bei den Praktika in der Schweiz wird zusätzlich nach Sprachregion unterschieden. Der Ort des Praktikums ist insofern von Interesse, da damit zusammenhängend unter anderem Sprachkenntnisse erworben, praktiziert und vertieft werden können.
Ort des Praktikums:
Die Studierenden wurden gefragt, ob sie seit Studienbeginn an einer Schweizer Hochschule ein oder mehrere Praktika absolviert haben. Es standen folgende Antwortmöglichkeiten zur Auswahl: «ja, in der gleichen Sprachregion der Schweiz in der ich studiere», ja, in einer anderen Sprachregion der Schweiz», «ja, in einem anderen Land», «ich habe vor Studienbeginn ein Praktikum absolviert» und «nein». Mehrfachantworten waren möglich. Die Analysen in diesem Kapitel beziehen sich auf die ersten drei Antwortmöglichkeiten, das heisst auf Studierende, die mindestens ein Praktikum während des Studiums absolviert haben.
Praktika vor allem in der Schweiz
Unter denjenigen Studierenden, die während ihres bisherigen Studiums an einer Schweizer Hochschule mindestens ein Praktikum absolviert haben, gibt die überwiegende Mehrheit an, das Praktikum/die Praktika in derselben Sprachregion der Schweiz, in der sie studieren (85%) durchlaufen zu haben. An zweiter Stelle folgen mit 18% die Praktika im Ausland und an dritter Stelle die Praktika in einer anderen Sprachregion der Schweiz (10%).
An den PH seltener Praktika im Ausland als an den UH und den FH
An den PH haben beinahe sämtliche Praktika (98%) in der gleichen Sprachregion der Schweiz stattgefunden. An den FH und den UH liegt dieser Anteil mit 85% bzw. 80% tiefer. Praktika in einem anderen Land machen an den PH einen Anteil von 8% aus. An den FH und den UH ist der Anteil an Auslandspraktika höher (18% bzw. 21%). Praktika in einer anderen Sprachregion der Schweiz erreichen an den PH und den FH einen Anteil von 8% bzw. 7%, während er an den UH mit 12% höher ausfällt.
Eines von drei Praktika in der UH-Fachbereichsgruppe
Wirtschaftswissenschaften im Ausland
absolviert
An den UH geben die Studierenden der Fachbereichsgruppe Medizin und Pharmazie (90%) überdurchschnittlich häufig an, das Praktikum in der gleichen Sprachregion der Schweiz in der sie studieren absolviert zu haben. Werte unter dem UH-Durchschnitt von 80% sind lediglich in den Wirtschaftswissenschaften (72%) feststellbar. Die restlichen Fachbereichsgruppen unterscheiden sich statistisch nicht vom UH-Durchschnitt. Praktika im Ausland kommen überdurchschnittlich oft in den beiden Fachbereichsgruppen Wirtschaftswissenschaften (31%) und Technische Wissenschaften (28%) vor (UH-Durchschnitt: 21%). Ein Anteil unter dem UH-Durchschnitt ist bei den Geistes- und Sozialwissenschaften (16%) zu beobachten. Alle anderen Fachbereichsgruppen unterscheiden sich statistisch nicht vom UH-Durchschnitt. Bei den Praktika in einer anderen Sprachregion der Schweiz unterscheidet sich keine der Fachbereichsgruppen statistisch vom UH-Durchschnitt von 12%.
Eines von zwei Praktika im FH/PH-Fachbereich
Design im Ausland absolviert
An den FH/PH geben die Studierenden der Fachbereiche Lehrkräfteausbildung (98%), Angewandte Psychologie (97%), Soziale Arbeit (96%) sowie Gesundheit (96%) überdurchschnittlich häufig an, das Praktikum in der gleichen Sprachregion der Schweiz in der sie studieren absolviert zu haben. Werte unter dem FH/PH-Durchschnitt von 91% sind unter anderem in den Fachbereichen Wirtschaft und Dienstleistungen (68%) sowie Design (57%) zu beobachten. Praktika im Ausland kommen überdurchschnittlich oft in den Fachbereichen Design (48%), Angewandte Linguistik (32%), Wirtschaft und Dienstleistungen (36%) sowie Musik, Theater und andere Künste (22%) vor (FH/PH-Durchschnitt: 14%). Anteile unter dem Durchschnitt sind in den Fachbereichen Gesundheit (11%), Lehrkräfteausbildung (8%), Angewandte Psychologie (7%) sowie Soziale Arbeit (6%) auszumachen. Alle anderen Fachbereiche unterscheiden sich statistisch nicht vom FH/PH-Durchschnitt. Praktika in einer anderen Sprachregion der Schweiz werden verglichen mit dem FH/PH-Durchschnitt (7%) häufiger von Studierenden in den Fachbereichen Land- und Forstwirtschaft (33%), Sport (28%) sowie Angewandte Linguistik (14%), genannt. In den zwei Fachbereichen Soziale Arbeit (3%) sowie Angewandte Psychologie (1%) kommen Praktika in einer anderen Sprachregion der Schweiz seltener vor. Alle anderen Fachbereiche unterscheiden sich statistisch nicht vom FH/PH-Durchschnitt.
2 Merkmale der Praktika
Merkmale der Praktika in der Schweiz:
Es gibt für Praktika während des Studiums weder eine ein-heitliche Definition noch eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen den Schweizer Hochschulen. Jede Hochschule entscheidet frei, ob sie freiwillige Praktika begünstigen und/oder obligatorische Praktika – ggf. einschliesslich deren Dauer und Entlöhnung – in die Lehrpläne integrieren will.
In diesem Kapitel werden drei Merkmale der während des Studiums absolvierten Praktika betrachtet: die Verbindlichkeit (obligatorisch vs. freiwillig), die Dauer und die Entlöhnung. Anhand der Analyse dieser Merkmale sollen Unterschiede zwischen den Fachbereichen aufgezeigt werden.
Fokus auf das zuletzt absolvierte Praktikum:
Die Studierenden, die ein Praktikum absolviert haben, geben mehrheitlich an, während ihrer Hochschulausbildung mehrere Praktika zu machen (vgl. Kapitel 1.1). Die Merkmale der Praktika (Verbindlichkeit, Entlöhnung, Dauer) können je nach Praktikum variieren. Damit die Studierenden nicht zu jedem einzelnen Praktikum Auskunft geben mussten, wurden sie gebeten, ausschliesslich zum letzten absolvierten Praktikum detaillierte Angaben zu machen. Die potenzielle Einzigartigkeit einzelner Praktika wird durch die Aggregation der Ergebnisse aufgehoben. Deshalb werden die auf Basis des letzten absolvierten Praktikums erstellten Analysen auf aggregierter Ebene präsentiert Die Analysen wurden anhand eines Vergleichs mit den Daten zu den Praktika während des Studiums aus der Erstbefragung 2021 der Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen (EHA) geprüft, wobei sich eine Konvergenz der Ergebnisse zeigte. .
2.1 Obligatorische und freiwillige Praktika
Ein Praktikum wird als obligatorisch eingestuft, wenn es in den Lehrplan der von den befragten Studierenden besuchten Ausbildung integriert ist. Es gilt dagegen als freiwillig, wenn es nicht Teil des Lehrplans ist und auf eigenen Wunsch absolviert wurde. Die Verbindlichkeit von Praktika unterscheidet sich sowohl an den UH als auch an den FH/PH deutlich je nach Fachbereich.
Verbindlichkeit der Praktika:
Die Studierenden, die während ihrer Ausbildung ein Praktikum absolviert haben, wurden gefragt, ob ihr letztes Praktikum «obligatorisch» oder «freiwillig» war.
An den UH ist jedes zweite Praktikum obligatorisch
An den UH beläuft sich der Anteil der obligatorischen Praktika durchschnittlich auf 49%. In den Fachbereichen Medizin und Pharmazie (81%), Technische Wissenschaften (65%) sowie Interdisziplinäre und andere (62%) liegt er über dem Mittel, in den Fachbereichen Recht (11%) und Wirtschaftswissenschaften (17%) darunter. In den Fachbereichen Exakte und Naturwissenschaften (46%) sowie Geistes- und Sozialwissenschaften (45%) weicht der Anteil nicht signifikant vom UH-Durchschnitt ab.
An den FH/PH sind Praktika sehr häufig obligatorisch
Der durchschnittliche Anteil der obligatorischen Praktika ist an den FH/PH deutlich höher als an den UH (85% gegenüber 49%). In den Fachbereichen Gesundheit (98%), Lehrkräfteausbildung (98%) sowie Soziale Arbeit (94%) geben nahezu alle Studierenden, die ein Praktikum absolviert haben, an, dass dieses obligatorisch war. Demgegenüber liegt der Anteil der obligatorischen Praktika.in den Fachbereichen Angewandte Linguistik (25%), Architektur, Bau- und Planungswesen (34%), Design (43%) sowie Technik und IT (45%) deutlich unter dem Durchschnitt. Ebenfalls unterdurchschnittlich ist der Anteil der obligatorischen Praktika in den FH/PH-Fachbereichen Musik, Theater und andere Künste (64%), Chemie und Life Sciences (64%), Land- und Forstwirtschaft (66%), Wirtschaft und Dienstleistungen (68%) sowie Angewandte Psychologie (76%). Keine signifikante Abweichung ist beim Sport festzustellen (86%).
2.2 Dauer der Praktika
Die Praktikumsdauer gibt Auskunft über die Art der praktischen Erfahrungen während der Ausbildung. Beispielsweise deuten Praktika, die mehr als sechs Monate dauern, auf eine längere und durchgängige Erfahrung ausserhalb der Hochschule hin Langzeitpraktika können sich z. B. über das Semester und die Ferien hinaus erstrecken und somit vom akademischen Kalender abweichen. Die Analyse zeigt, dass Praktika, die länger als sechs Monate dauern, mehrheitlich sowohl während des Semesters als auch in den Semesterferien stattfinden. .
Dauer der Praktika:
Die Studierenden wurden gefragt, wie lange ihr letztes absolviertes Praktikum in Anzahl Wochen gedauert hat. Für die Analyse wurden diese Werte in Monate konvertiert und zu drei Kategorien gruppiert: «bis 1 Monat», «mehr als 1 Monat bis 6 Monate» und «mehr als 6 Monate».
Die meisten Praktika dauern mehr als einen Monat
und bis zu sechs Monaten
Insgesamt absolviert die Mehrheit der Studierenden Praktika mit einer Dauer von mehr als einem Monat bis zu sechs Monaten (UH: 51%; FH/PH: 52%). Darauf folgen Kurzpraktika von höchstens einem Monat (27% bzw. 30%) und am wenigsten verbreitet sind Langzeitpraktika von mehr als sechs Monaten (22% zw. 18%). Die Unterschiede nach Hochschultyp sind statistisch nicht signifikant, ausser bei der Kategorie «mehr als 6 Monate». Es gilt zu unterstreichen, dass sowohl an den UH als auch an den FH/PH 92% der Studierenden angaben, dass ihr letztes Praktikum drei oder mehr Wochen gedauert hat.
UH-Studierende in Medizin und Pharmazie absolvieren
selten Praktika von mehr als sechs
Monaten
Im Folgenden wird der Fokus auf die Kategorie der Praktika von mehr als sechs Monaten gelegt. An den UH absolvieren Studierende im Fachbereich Technische Wissenschaften (33%) häufiger ein Langzeitpraktikum als der UH-Durchschnitt (22%), während der Anteil in den Fachbereichen Recht (13%) sowie Medizin und Pharmazie (12%) unter dem UH-Durchschnitt liegt. In Letzterem sind Kurzpraktika mit 66% deutlich übervertreten (UH-Durchschnitt 27%).
Die Hälfte der Praktika in Sozialer Arbeit
dauert mehr als sechs Monate
An den FH/PH variiert der Anteil der Studierenden, deren letztes Praktikum gemäss eigenen Angaben mehr als sechs Monate gedauert hat, deutlich stärker nach Fachbereich als an den UH. Verglichen mit dem Durchschnitt der FH/PH (18%) ist er in den Fachbereichen Soziale Arbeit (50%), Land- und Forstwirtschaft (43%), Architektur, Bau- und Planungswesen (39%), Wirtschaft und Dienstleistungen (34%), Angewandte Psychologie (34%) sowie Technik und IT (29%) höher, in den Fachbereichen Lehrkräfteausbildung (8%) und Gesundheit (4%) dagegen tiefer. An den FH/PH zeigt sich zudem besonders deutlich, dass der praktische Teil der Ausbildung je nach Fachbereich in einem unterschiedlichen Rahmen stattfindet. Beispielsweise absolviert jede zweite Person im Fachbereich Soziale Arbeit ein Praktikum von mehr als sechs Monaten, während es im Fachbereich Gesundheit weniger als jede zwanzigste Person ist. Es gilt anzumerken, dass es anhand der Indikatoren zur Dauer des letzten absolvierten Praktikums nicht möglich ist, das Gewicht des praktischen Anteils für die gesamte Ausbildung zu ermitteln, da in vielen Fachbereichen mehrere Praktika absolviert werden (vgl. Kapitel 1.1). In diesen Fachbereichen ist das letzte Praktikum zwar kurz, die Gesamtdauer aller Praktika dagegen lang.
2.3 Entlöhnung der Praktika
Praktika können bezahlt oder unbezahlt sein, da nicht alle praktischen Erfahrungen, die von den Studierenden als Praktikum bezeichnet werden, durch einen Arbeitsvertrag mit Lohnanspruch geregelt sind.
Entlöhnung der Praktika:
Die Studierenden wurden zur Entlöhnung ihres letzten Praktikums befragt. Die Antwortmöglichkeiten waren «bezahlt», «unbezahlt» oder «unbezahlt, aber ich erhielt eine Studienförderung von meiner Hochschule». Die beiden letzten Kategorien wurden in der Analyse zusammengefasst.
Jedes zweite Praktikum ist bezahlt,
aber der Anteil variiert je nach Fachbereich
Werden alle Studierenden zusammen betrachtet, beläuft sich der Anteil der bezahlten Praktika auf
55% (UH: 65%; FH/PH: 45%). Mit anderen Worten gab die Mehrheit der UH-Studierenden an, dass ihr
letztes Praktikum bezahlt war, während bei den
FH/PH-Studierenden das Gegenteil der Fall war.
Die Entlöhnung des Praktikums unterscheidet sich sehr stark je nach Fachbereich.
In den Wirtschaftswissenschaften sind
bezahlte Praktika nahezu die Regel
An den UH schwankt der Anteil der bezahlten Praktika zwischen 51% im Fachbereich Medizin und Pharmazie und 90% im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Die Abweichung vom UH-Durchschnitt (65%) ist in sämtlichen Fachbereichen ausser Recht (62%) sowie Exakte und Naturwissenschaften (60%) signifikant.
Bezahlte Praktika sind in der Lehrkräfteausbildung selten, in der Sozialen Arbeit weit verbreitet
An den FH/PH fällt der Anteil der bezahlten Praktika noch unterschiedlicher aus: Während er in der Lehrkräfteausbildung lediglich 8% beträgt, liegt er im Fachbereich Soziale Arbeit bei 94%. Die Abweichung vom FH/PH-Durchschnitt (45%) ist in allen Fachbereichen ausser Design (53%) signifikant. Diese äusserst grossen Differenzen zeigen, wie verschieden die Anstellungsbedingungen bei Praktika je nach Fachbereich ausfallen.
2.4 Zusammenfassung
Die Analyse der Verbindlichkeit, der Dauer und der Entlöhnung von Praktika hat gezeigt, dass «ein Praktikum machen» je nach Fachbereich sehr unterschiedlichen Gegebenheiten entspricht. Durch eine Verknüpfung der einzelnen Merkmale lassen sich die Ergebnisse kondensiert nach Fachbereich darstellen.
Insgesamt sind obligatorische, unbezahlte Praktika von höchstens einem Monat am stärksten verbreitet (18%). Darauf folgen obligatorische, unbezahlte Praktika von mehr als einem Monat bis zu sechs Monaten (17%), obligatorische, bezahlte Praktika von mehr als einem Monat bis zu sechs Monaten (16%) und freiwillige, bezahlte Praktika von mehr als einem Monat bis zu sechs Monaten (15%). Die anderen Praktikumstypen machen jeweils 10% oder weniger der Studierenden aus (vgl. TA.3 im Anhang).
Nachfolgend werden die verschiedenen Praktikumstypen nach Fachbereich betrachtet. Grafik G2.7 zeigt den Anteil der obligatorischen Praktika (horizontale Achse), den Anteil der bezahlten Praktika (vertikale Achse) und die durchschnittliche Praktikumsdauer in Monaten (Grösse der Kreise) für jeden Fachbereich. Der Schnittpunkt zwischen der horizontalen und vertikalen Achse entspricht dem durchschnittlichen Anteil der obligatorischen (67%) und der bezahlten (55%) Praktika für die Gesamtheit der Studierenden.
Als Erstes lässt sich feststellen, dass die Fachbereiche über die gesamte Grafik verteilt sind, was von ihrer grossen Vielfalt hinsichtlich der Praktikumsmerkmale zeugt. Weiter zeigt die Grafik einen Zusammenhang zwischen der Entlöhnung und der Dauer der Praktika. Fachbereiche, in denen Praktika tendenziell kürzer ausfallen als im Durchschnitt (kleine Kreise), befinden sich im unteren Bereich in der Grafik, wo Praktika unterdurchschnittlich oft bezahlt sind. Umgekehrt verteilen sich Fachbereiche, in denen Langzeitpraktika häufiger sind (grosse Kreise), eher im oberen Bereich der Grafik, wo der Anteil der bezahlten Praktika überdurchschnittlich ausfällt Eine Analyse auf individueller Ebene (Studierende) zeigt ausserdem einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Entlöhnung und der Dauer der Praktika. . Schliesslich lassen sich anhand der Grafik hauptsächlich drei Praktikumstypen erkennen: a) obligatorische, lange, bezahlte Praktika (Quadrant oben rechts), die in den Fachbereichen Soziale Arbeit und Angewandte Psychologie signifikant übervertreten sind; b) obligatorische, kurze, unbezahlte Praktika (Quadrant unten rechts), die in den Fachbereichen Gesundheit und Lehrkräfteausbildung signifikant häufiger vorkommen; und c) nicht obligatorische (freiwillige), lange, bezahlte Praktika (Quadrant oben links), die insbesondere in den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften, Architektur, Bau- und Planungswesen, Angewandte Linguistik sowie Technik und IT überdurchschnittlich häufig absolviert werden. Die Fachbereiche im Quadranten unten links (nicht obligatorische, kurze, unbezahlte Praktika) weisen keine signifikanten Differenzen zum Durchschnitt auf (Diagrammachsen).
Insgesamt fasst diese synthetische Grafik die Vielfalt der Durchführungsarten von Praktika je nach Fachbereich gut zusammen und zeigt die Heterogenität der Studienbedingungen an den Hochschulen.
3 Beurteilung der Praktika
In diesem Kapitel wird untersucht, wie die Studierenden ihr Praktikum bezüglich der Qualität, der Zufriedenheit mit der Entlöhnung und den beruflichen Erfahrungen beurteilen. Die Perspektive der Studierenden vervollständigt die in diesem Bericht präsentierte Bestandesaufnahme der während des Studiums absolvierten Praktika.
3.1 Qualität der Praktika
Nahezu vier von zehn Studierenden absolvieren während ihrer Ausbildung ein oder mehrere Praktika (siehe Kapitel 1), wobei es sich bei rund jedem Fünften um ein Langzeitpraktikum handelt (siehe Kapitel 2.3). Es ist somit sinnvoll, zu untersuchen, wie die Studierenden die Qualität ihrer Praktika einschätzen.
Beurteilung der Qualität der Praktika:
Im Rahmen dieser Publikation wird die Qualität der Praktika anhand von zwei Indikatoren beschrieben: Betreuung und Anwendung der Kompetenzen. Die Studierenden wurden gefragt, inwiefern folgende zwei Aussagen zu ihrem zuletzt absolvierten Praktikum auf einer Skala von 1 = «trifft über-haupt nicht zu» bis 5 = «trifft völlig zu» zutreffen:
– «Mein/-e Betreuer/-in im Praktikum hilft mir weiter»
– «Ich kann die während meines Studiums erworbenen Kompetenzen anwenden»
Die Antworten 4 und 5 wurden in der Analyse für jeden Indikator zusammengefasst.
Grafik 3.1 stellt die beiden Qualitätsindikatoren zueinander in Beziehung: Auf der horizontalen Achse wird der Anteil der Studierenden abgebildet, die im Praktikum gemäss eigenen Angaben gut betreut werden, auf der vertikalen Achse der Anteil jener, die ihre im Studium erworbenen Kompetenzen anwenden können. Die Kreuzung zwischen den beiden Achsen entspricht jeweils dem Durchschnitt der beiden Indikatoren (73% bzw. 69%). In diesem Koordinatensystem sind die verschiedenen Fachbereiche verteilt.
Praktika werden insgesamt gut beurteilt
Als erstes fällt auf, dass die Studierenden ihre Praktika insgesamt positiv beurteilen. Der Anteil der Studierenden, die angeben, dass ihre Betreuungsperson ihnen hilft, schwankt zwischen 61% (Recht) und 82% (Gesundheit); der Durchschnitt beläuft sich auf 73%. Beim Indikator «Ich kann die während meines Studiums erworbenen Kompetenzen anwenden» liegen diese Anteile zwischen 53% (Wirtschaftswissenschaften) und 89% (Gesundheit), der Durchschnitt beträgt 69%. Anders gesagt schätzt die Mehrheit der Studierenden in allen Fachbereichen ihr zuletzt absolviertes Praktikum positiv ein Eine Analyse der eingeschätzten Praktikumsqualität nach Geschlecht in jedem Fachbereich zeigt, dass zwischen Frauen und Männern keine signifikanten Unterschiede bestehen. Mit anderen Worten finden Studentinnen innerhalb der einzelnen Fachbereiche nicht signifikant häufiger (oder seltener), dass ihre Betreuungsperson ihnen hilft oder dass sie ihre Kompetenzen anwenden können, als Studenten. .
Weiter zeigt die Grafik einen positiven Zusammenhang zwischen den beiden Qualitätsindikatoren auf Ebene der Fachbereiche: Je besser die Studierenden bei ihrem Praktikum betreut werden, desto besser beurteilen sie die Anwendung der im Studium erworbenen Kompetenzen. Dieser Zusammenhang zeigt sich in den FH/PH-Fachbereichen noch stärker.
FH/PH-Studierende können häufig im Praktikum
ihre Kompetenzen anwenden
Schliesslich zeigt sich, dass FH/PH-Studierende im Vergleich zu UH-Studierenden häufiger angeben, dass sie die beim Studium erworbenen Kompetenzen im Praktikum anwenden können. Die Mehrheit der FH/PH-Fachbereiche ist im oberen Bereich der Grafik zu finden, d. h. über dem Durchschnittswert dieses Indikators (69%). Die Studierenden im Fachbereich Gesundheit heben sich durch eine sehr positive Einschätzung ihrer Praktika ab und sind in der Grafik ganz oben rechts zu finden. Umgekehrt liegen alle UH-Fachbereiche im unteren Bereich der Grafik, was bedeutet, dass die Studierenden in diesen Fachbereichen unterdurchschnittlich häufig angeben, die im Studium erworbenen Kompetenzen im Praktikum anwenden zu können. Studierende im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften beurteilen ihre Praktika weniger gut als jene in den anderen Fachbereichen und positionieren sich in der Grafik eher unten links.
3.2 Zufriedenheit mit der Entlöhnung
Zur Beurteilung der Entlöhnung der Praktika wird die von den Studierenden angegebene Zufriedenheit mit der Bezahlung ihres Praktikums analysiert. Mit diesem Ansatz lässt sich die Beurteilung der finanziellen Komponente der Praktika beleuchten.
Mit einem Durchschnitt von 3,3 auf einer Skala von 1 bis 5 liegt die Zufriedenheit mit der Entlöhnung insgesamt in der Nähe des zentralen Werts. Je nach Fachbereich sind jedoch grosse Unterschiede festzustellen.
Beurteilung der Entlöhnung der Praktika:
Die Studierenden wurden gefragt, inwiefern folgende Aussage zur Entlöhnung ihres zuletzt absolvierten Praktikums auf einer Skala von 1 = «trifft überhaupt nicht zu» bis 5 = «trifft völlig zu» zutrifft: «Ich bin mit der Bezahlung meines Praktikums zufrieden». In der Analyse werden die Durchschnittswerte präsentiert.
Mittelmässige Zufriedenheit mit der Entlöhnung der Praktika
An den UH liegen die durchschnittlichen Zufriedenheitswerte hinsichtlich der Entlöhnung in den Fachbereichen Exakte und Naturwissenschaften (3,9), Recht (3,7) und Technische Wissenschaften (3,6) über dem Durchschnittswert von 3,4, in den Fachbereichen Medizin und Pharmazie (2,7) sowie Geistes- und Sozialwissenschaften (3,1) darunter. Die übrigen Fachbereiche weichen nicht signifikant vom Durchschnittswert ab.
Auch an den FH/PH fällt die durchschnittliche Zufriedenheit je nach Fachbereich unterschiedlich aus. In der Lehrkräfteausbildung (3,8) und im Fachbereich Chemie und Life Sciences (3,7) liegt sie über dem Durchschnittswert von 3,1, während die Entlöhnung in den Fachbereichen Angewandte Psychologie (2,8), Gesundheit (2,8) und Soziale Arbeit (2,9) unterdurchschnittlich gut beurteilt wird. Die übrigen Fachbereiche weichen nicht signifikant vom Durchschnittswert ab.
Zwischen dem Anteil der entlöhnten Praktika und der durchschnittlichen Zufriedenheit mit der Entlöhnung ist auf Ebene der Fachbereiche kein positiver (bzw. negativer) Zusammenhang festzustellen. Ein grosser Anteil entlöhnter Praktika in einem Fachbereich deutet somit nicht auf eine hohe (oder tiefe) Zufriedenheit hin.
Beurteilung der beruflichen Erfahrungen:
Die Studierenden, die während ihres Studiums ein oder mehrere Praktika absolviert haben, wurden gefragt, ob sie dadurch insgesamt ein berufliches Netzwerk aufbauen, neue Kompetenzen entwickeln und Selbstvertrauen gewinnen konnten. Die Antwortmöglichkeiten zu diesen drei Aspekten waren jeweils «ja» oder «nein».
3.3 Berufliche Erfahrungen
Der letzte Aspekt der Beurteilung betrifft die beruflichen Erfahrungen, die beim Praktikum gesammelt werden konnten.
Die grosse Mehrheit der Studierenden konnte
berufliche Erfahrungen sammeln
Insgesamt sind die Studierenden der Meinung, dass ihnen Praktika viel bringen: 74% geben an, ein berufliches Netzwerk aufgebaut zu haben, 94% konnten neue Kompetenzen entwickeln und 89% haben dank ihres Praktikums bzw. ihrer Praktika an Selbstvertrauen gewonnen.
Die Analyse des Aspekts «berufliches Netzwerk aufbauen» zeigt grosse Differenzen je nach Fachbereich. Bei den UH-Fachbereichen geben Studierende in Wirtschaftswissenschaften häufiger an, ein berufliches Netzwerk aufgebaut zu haben, als der Durchschnitt (81% gegenüber 73%), während der Anteil bei jenen in Medizin und Pharmazie dagegen bei 62% liegt. In den übrigen Fachbereichen weichen die Anteile nicht signifikant vom Durchschnittswert ab.
FH/PH-Studierende in den Fachbereichen Sport (95%), Soziale Arbeit (85%) und Gesundheit (82%) konnten dank ihrer Praktika öfter ein berufliches Netzwerk aufbauen als der Durchschnitt (76%). Im Fachbereich Angewandte Linguistik (63%) war dies deutlich seltener der Fall. Die restlichen FH/PH-Fachbereiche unterscheiden sich nicht signifikant vom Durchschnitt Wird die Beurteilung des Aspekts «berufliches Netzwerk aufbauen» in jedem Fachbereich nach Geschlecht analysiert, zeigen sich insgesamt keine signifikanten Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Einzige Ausnahme ist der Fachbereich Angewandte Psychologie, in dem Frauen häufiger angeben, ein berufliches Netzwerk aufgebaut zu haben, als Männer. Dieses auf bivariater Ebene signifikante Ergebnis wurde anhand eines multivariaten Analysemodells überprüft (logistische Regression für die Teilpopulation der Studierenden in Angewandter Psychologie) und fällt unter Kontrolle von Alter, Elternschaft, höchstem Bildungsabschluss der Eltern, Migrationsstatus, Studienstufe, Erwerbstätigkeit und wöchentlicher Anzahl Unterrichtsstunden ebenfalls signifikant aus. .
Die anderen beruflichen Erfahrungen – «Kompetenzen entwickeln» und «Selbstvertrauen gewinnen» – unterscheiden sich kaum je nach Fachbereich (siehe Anhänge TA.4 und TA.5).
Die Analyse der beruflichen Erfahrungen vervollständigt die vorliegende Bestandesaufnahme zu den Praktika während des Studiums, die die Vielfalt der Praktikumsbedingungen nach Fachbereich aufzeigt.
A.1 Tabellen
Anzahl absolvierte Praktika nach Studienstufe,
in % der Hochschulabsolventen/innen mit
PraktikaTA.1
| Anzahl absolvierte Praktika | Bachelor | Master | ||
|---|---|---|---|---|
| % | +/– | % | +/– | |
| 1 | 38,6 | 0,65 | 51,7 | 0,88 |
| 2 | 20,2 | 0,55 | 22,1 | 0,73 |
| 3 | 11,1 | 0,41 | 8,3 | 0,48 |
| 4 | 8,5 | 0,35 | 4,5 | 0,34 |
| 5 | 6,1 | 0,30 | 3,0 | 0,27 |
| 6 | 8,5 | 0,34 | 2,7 | 0,26 |
| 7 | 3,5 | 0,23 | 1,5 | 0,19 |
| 8 | 1,8 | 0,16 | 1,3 | 0,19 |
| 9 | 0,7 | 0,10 | 0,9 | 0,15 |
| 10 | 0,8 | 0,11 | 2,7 | 0,27 |
| 11 | 0,2 | 0,06 | 0,8 | 0,14 |
| 12 | ** | ** | 0,3 | 0,10 |
| 13 | ** | ** | ** | ** |
| 14 | ** | ** | ** | ** |
| 17 | – | – | ** | ** |
| 18 | ** | ** | – | – |
| 20 | – | – | ** | ** |
** Zellhäufigkeit < 25 Anmerkung: In einigen Studienfächern ist das Absolvieren von Praktika ein obligatorischer Bestandteil der Ausbildung. Zum Teil müssen mehrere Praktika von kurzer Dauer absolviert werden.
Quellen: BFS – Erstbefragung 2021 der Hochschulabsolvent/innen (EHA)
© BFS 2023
Absolviertes Praktikum nach Hochschultyp, Fachbereich(sgruppe) und Geschlecht, in %TA.2
| Hochschultyp | Fachbereich(sgruppe) | Geschlecht | % | +/– |
|---|---|---|---|---|
| UH | Total | Männer | 32 | 1,6 |
| Frauen | 34 | 1,5 | ||
| Geistes- und Sozialwissenschaften | Männer | 28 | 3,5 | |
| Frauen | 32 | 2,3 | ||
| Wirtschaftswissenschaften | Männer | 35 | 3,5 | |
| Frauen | 32 | 4,6 | ||
| Recht | Männer | 25 | 5,2 | |
| Frauen | 23 | 3,6 | ||
| Exakte und Naturwissenschaften | Männer | 19 | 2,9 | |
| Frauen | 25 | 3,9 | ||
| Medizin und Pharmazie | Männer | 57 | 5,9 | |
| Frauen | 56 | 4,2 | ||
| Technische Wissenschaften | Männer | 42 | 4,5 | |
| Frauen | 47 | 6,6 | ||
| Interdisziplinäre und andere | Männer | 36 | 5,5 | |
| Frauen | 39 | 5,9 | ||
| FH/PH | Total | Männer | 30 | 1,4 |
| Frauen | 55 | 1,2 | ||
| Architektur, Bau- und Planungswesen | Männer | 24 | 3,8 | |
| Frauen | 30 | 5,7 | ||
| Technik und IT | Männer | 15 | 1,9 | |
| Frauen | 21 | 6,0 | ||
| Chemie und Life Sciences | Männer | 20 | 3,7 | |
| Frauen | 27 | 4,2 | ||
| Land- und Forstwirtschaft | Männer | 28 | 4,3 | |
| Frauen | 30 | 5,1 | ||
| Wirtschaft und Dienstleistungen | Männer | 19 | 2,1 | |
| Frauen | 25 | 2,2 | ||
| Design | Männer | 23 | 5,6 | |
| Frauen | 28 | 4,2 | ||
| Sport | Männer | 40 | 4,2 | |
| Frauen | 49 | 6,3 | ||
| Musik, Theater und andere Künste | Männer | 22 | 5,1 | |
| Frauen | 28 | 4,5 | ||
| Angewandte Linguistik | Männer | 22 | 5,3 | |
| Frauen | 23 | 2,2 | ||
| Soziale Arbeit | Männer | 62 | 6,7 | |
| Frauen | 64 | 3,7 | ||
| Angewandte Psychologie | Männer | 22 | 5,9 | |
| Frauen | 31 | 3,3 | ||
| Gesundheit | Männer | 80 | 4,7 | |
| Frauen | 82 | 2,0 | ||
| Lehrkräfteausbildung | Männer | 81 | 4,7 | |
| Frauen | 84 | 2,6 |
Quellen: BFS – SSEE 2020
© BFS 2023
Typologie des letzten absolvierten Praktikums,
in % der Studierenden mit PraktikumTA.3
| bis 1 Monat | mehr als 1 Monat bis 6 Monate |
mehr als 6 Monate | ||
|---|---|---|---|---|
| obligatorisch | unbezahlt | 18 | 17 | 2 |
| bezhalt | 3 | 16 | 10 | |
| freiwillig | unbezahlt | 4 | 4 | 0 |
| bezhalt | 4 | 15 | 7 | |
Quellen: BFS – SSEE 2020
© BFS 2023
Berufliche Erfahrung aus den Praktika: Kompetenzen entwickeln nach Fachbereich(sgruppe),
in % der Studierenden mit PraktikumTA.4
| % | +/- | |
|---|---|---|
| Total | 94 | 0,6 |
| Total UH | 93 | 1,0 |
| Geistes- und Sozialwissenschaften | 95 | 1,5 |
| Wirtschaftswissenschaften | 91 | 2,9 |
| Recht | 90 | 4,0 |
| Exakte und Naturwissenschaften | 93 | 2,9 |
| Medizin und Pharmazie | 90 | 2,8 |
| Technische Wissenschaften | 94 | 2,7 |
| Interdisziplinäre und andere | 93 | 3,5 |
| Total FH/PH | 96 | 0,6 |
| Architektur, Bau- und Planungswesen | 97 | 2,2 |
| Technik und IT | 91 | 3,2 |
| Chemie und Life Sciences | 96 | 2,3 |
| Land- und Forstwirtschaft | 95 | 2,9 |
| Wirtschaft und Dienstleistungen | 92 | 2,2 |
| Design | 91 | 4,3 |
| Sport | 98 | 1,3 |
| Musik, Theater und andere Künste | 90 | 4,6 |
| Angewandte Linguistik | 94 | 2,3 |
| Soziale Arbeit | 99 | 1,0 |
| Angewandte Psychologie | 90 | 3,8 |
| Gesundheit Technik und IT | 99 | 0,6 |
| Lehrkräfteausbildung Chemie und Life Sciences | 97 | 1,0 |
Quellen: BFS – SSEE 2020
© BFS 2023
Berufliche Erfahrung aus den Praktika: Selbstvertrauen gewinnen nach Fachbereich(sgruppe),
in % der Studierenden mit PraktikumTA.5
| % | +/- | |
|---|---|---|
| Total | 89 | 0,8 |
| Total UH | 88 | 1,3 |
| Geistes- und Sozialwissenschaften | 87 | 2,5 |
| Wirtschaftswissenschaften | 90 | 2,9 |
| Recht | 88 | 4,5 |
| Exakte und Naturwissenschaften | 88 | 3,7 |
| Medizin und Pharmazie | 87 | 3,1 |
| Technische Wissenschaften | 88 | 3,8 |
| Interdisziplinäre und andere | 85 | 4,7 |
| Total FH/PH | 90 | 1,0 |
| Architektur, Bau- und Planungswesen | 80 | 5,6 |
| Technik und IT | 83 | 4,5 |
| Chemie und Life Sciences | 88 | 4,1 |
| Land- und Forstwirtschaft | 89 | 4,2 |
| Wirtschaft und Dienstleistungen | 87 | 2,7 |
| Design | 86 | 5,0 |
| Sport | 97 | 2,0 |
| Musik, Theater und andere Künste | 84 | 5,5 |
| Angewandte Linguistik | 86 | 3,5 |
| Soziale Arbeit | 94 | 2,1 |
| Angewandte Psychologie | 85 | 4,2 |
| Gesundheit | 93 | 1,4 |
| Lehrkräfteausbildung | 91 | 1,9 |
Quellen: BFS – SSEE 2020
© BFS 2023
A.2 Methodische Anmerkungen
Grundgesamtheit und Stichprobe
Der Stichprobenrahmen besteht aus allen an einer Schweizer Hochschule immatrikulierten Studierenden, die im Herbstsemester 2019/20 für ein Studium auf den Stufen Bachelor und Master oder mit einem anderen Studienziel (Lehrkräfteausbildung der Sekundarstufe II, Studienleistungen zwischen Bachelor und Master, Lizenziatsstudium) eingeschrieben waren. Nicht einbezogen wurden Personen in Weiterbildungs- oder Doktoratsstudien.
Zum Zeitpunkt der Stichprobenziehung beinhaltete diese Population 216 780 Personen, davon 123 077 Studierende an einer Universität oder Eidgenössischen Technischen Hochschule (UH), 72 429 Studierende an einer Fachhochschule (FH) und 21 274 an einer Pädagogischen Hochschule (PH).
Die Stichprobe umfasste schliesslich 37 153 Personen, 17 548 UH-Studierende, 18 879 FH-Studierende (inklusive der in die FH integrierten PH) und 726 Studierende der Anderen Pädagogischen Hochschulen und Institutionen der Lehrkräfteausbildung.
Erhebungsablauf und Antwortquote
Die Erhebung fand im Frühjahrssemester vom 25. März bis zum 31. Mai 2020 mittels Online-Fragebogen (Internet) statt. 26 685 Studierende nahmen an der Erhebung teil, was einer Nettoantwortquote von 75% entspricht.
Anmerkung zur Covid-19-Pandemie
Die Erhebung wurde vom 25. März bis zum 31. Mai 2020 durchgeführt, d. h. während des «Lockdowns» im Frühjahr 2020. Allerdings wurden die Befragten zu Beginn des Fragebogens gebeten, den Fragebogen in Bezug auf eine typische Studienwoche auszufüllen und nicht hinsichtlich der Ausnahmesituation infolge der Pandemie. Folgender Text wurde eingeblendet: «Bitte beziehen Sie sich bei der Beantwortung der Fragen auf eine typische Woche Ihres Studiums und nicht auf die aktuelle aussergewöhnliche Situation (Covid-19)». Die Daten repräsentieren also die Situation der Studierenden vor dem «Lockdown» im Frühjahr 2020. Dennoch können die Pandemie und die Pandemie-Massnahmen einen punktuellen Einfluss auf die Antworten der Studierenden gehabt haben.
Fragebogen
Der Fragebogen ist im Internet verfügbar (www.studierende-stat.admin.ch ). Für den vorliegenden Bericht wurden folgende Fragen verwendet: 2.7, 2.7a, 2.8, 2.9, 2.10, 2.11, 2.12, 2.13 sowie 2.14.
Datenaufbereitung und Gewichtung der Daten
Im Rahmen des statistischen Datenaufbereitungsprozesses wurden die Antworten der Studierenden auf ihre Gültigkeit und Konsistenz geprüft. Beobachtungen mit fehlenden Angaben zu den drei Schlüsselfragen der Erhebung wurden nicht weiter berücksichtigt.
Es erfolgte eine Gewichtung der Daten auf der Basis der Stichprobenraten (Schichtung nach Hochschulen und Fachbereich(sgruppen) und einer Korrektur der Antwortausfälle. Zudem wurde anhand von bekannten Populationsmerkmalen (Geschlecht, Altersgruppen, Wohnort vor Studienbeginn sowie Studienstufe) eine Kalibrierung vorgenommen. Anhand dieser Gewichtung lassen sich die Ergebnisse für die Grundgesamtheit schätzen.
Präsentation der Ergebnisse
Sämtliche Analysen dieses Berichtes basieren auf gewichteten Daten. Die Summe relativer Häufigkeiten kann geringfügig von 100% abweichen. Dies ist auf Rundungsdifferenzen zurückzuführen.
Genauigkeit der Resultate
Da Stichprobenerhebungen nur einen Teil der interessierenden Population (Grundgesamtheit) einschliessen, sind ihre Ergebnisse immer mit einer Unsicherheit behaftet. Sie kann quantifiziert werden, indem ein Vertrauensintervall berechnet wird. Je weiter die Grenzen des Vertrauensintervalls auseinanderliegen, desto grösser ist das Vertrauensintervall und desto ungenauer sind die Resultate. Ein Vertrauensintervall hängt von seinem «Konfidenz-Niveau» (oder Vertrauensniveau) ab, das meistens bei 95% festgelegt wird. Wenn wir annehmen, dass sich der Parameter, der zu schätzen ist, innerhalb des Vertrauensintervalls befindet, dann ist das Fehlerrisiko auf 5% beschränkt. Die Definition des Vertrauensintervalls bedeutet also, dass es zwar unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen ist, dass der Parameter nicht im berechneten Vertrauensintervall liegt. Die Berechnung der Genauigkeit der Resultate erfolgte mit einem Vertrauensintervall mit einem Konfidenz-Niveau von 95%.
Fallzahlen
Liegen die Fallzahlen bei einer Kategorie unter 25, werden im Bericht keine Ergebnisse ausgewiesen. Stattdessen wird die Kategorie mit zwei Sternen (**) markiert.
Statistische Signifikanz
Nicht alle in den Grafiken und Tabellen erkennbaren Unterschiede zwischen Gruppen sind statistisch signifikant. Werden im Text Unterschiede beschrieben, so sind diese auch statistisch signifikant. Umgekehrt können jedoch nicht alle statistisch signifikanten Unterschiede im Text kommentiert werden.
A.3 Datenquellen
Die verwendeten Daten stammen aus den folgenden Erhebungen des BFS:
Soziale und wirtschaftliche Lage der Studierenden (SSEE), BFS
Weiterführende Informationen:
Schweizerisches Hochschulinformationssystem (SHIS), BFS
Weiterführende Informationen: www.statistik.ch → Grundlagen und Erhebungen → Erhebungen, Statistiken → Studierende und Abschlüsse an Hochschulen (SHIS-studex)
Hochschulabsolventenbefragung (EHA), BFS
Weiterführende Informationen: www.statistik.ch → Grundlagen und Erhebungen → Erhebungen, Statistiken → Absolventenstudien Hochschulen (EHA)