Längsschnittanalysen im Bildungsbereich
Längsschnittanalysen im Bildungsbereich

Längsschnittanalysen im Bildungsbereich

Einkommensentwicklung von Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung

Sechs Jahre nach Erwerb eines Abschlusses der höheren Berufsbildung (HBB) beträgt das standardisierte monatliche Bruttomedianeinkommen der Absolventinnen und Absolventen rund 7800 Franken für ein Vollzeitpensum. Personen mit ­einem eidgenössischen Diplom (ED) verdienen mehr als jene mit ­einem Eidgenössischen Fachausweis (EF) oder einem ­Diplom einer höheren Fachschule (HF): 10 100 Franken gegenüber 7800 Franken bzw. 7500 Franken.

Personen, die eine Ausbildung im Bereich der HBB in Angriff nehmen, sind vor Ausbildungsbeginn häufig seit mehreren Jahren erwerbstätig. Bei der Mehrheit geht das Einkommen während der Ausbildung verglichen mit der Zeit davor nicht zurück. Drei Bildungsfelder, die an den HF angeboten werden und auf die 15% aller Personen mit einem Abschluss der HBB entfallen, bilden eine Ausnahme: «Pflegepersonal», «Gesundheit, ohne Humanmedizin und Pflegepersonal» sowie «persönliche Dienstleistungen» mit einem Medianeinkommen während der Ausbildung von 1330 Franken, 1420 Franken bzw. 2320 Franken.

Da die HBB sehr heterogen ist, weist die Entwicklung des standardisierten Einkommens je nach Bildungsfeld grosse Unterschiede auf. So zählen beispielsweise die Bildungs­felder «Rechnungswesen, Marketing und Sekretariatsarbeit», ­«Finanz-, Bank- und Versicherungswesen» sowie «Management und Verwaltung» mehrere Jahre nach Abschluss der HBB zu jenen mit den höchsten Einkommen.

Gleich wie in der Schweizer Gesellschaft lassen sich auch nach einem Abschluss der HBB Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen beobachten. Fünf Jahre nach dem Abschluss beträgt das standardisierte Bruttomedianeinkommen der Frauen mit einem HF-Diplom für ein Vollzeitpensum mehr als 1200 Franken weniger als jenes der Männer.

Einleitung

Mit mehr als 25 000 Abschlüssen im Jahr 2020 (BFS, 2022a) spielt die höhere Berufsbildung (HBB) eine wichtige Rolle im Schweizer Bildungssystem. Die ohne Maturität zugängliche HBB bietet Personen mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) die Möglichkeit, einen Tertiärabschluss zu erwerben. Sie können sich beruflich weiterentwickeln, beispielsweise in Richtung einer Management-, Fachspezialisten- oder Leitungsfunktion. Zu diesem Bildungsweg gehören drei Arten von Abschlüssen Die HBB umfasst auch Nachdiplome von höheren Fachschulen sowie nicht reglementierte Abschlüsse. Diese beiden Abschlusstypen werden in den hier präsentierten Analysen nicht berücksichtigt. :
Diplom einer höheren Fachschule (HF), eidgenössischer Fachausweis (EF) und eidgenössisches Diplom (ED). Grundsätzlich ist der vorgängige Erwerb eines EF Voraussetzung für die Erlangung eines ED. Für eine detaillierte Darstellung der HBB siehe Website des SBFI: www.sbfi.admin.ch R Bildung R Berufs- und Weiterbildung R Höhere Berufsbildung

Nach einer ersten Analyse der Einkommen fünf Jahre nach ­einem Abschluss der beruflichen Grundbildung (BFS, 2012b) folgen hier neue Analysen, die sich ausschliesslich mit der Entwicklung der Erwerbseinkommen von Absolventinnen und Absolventen der HBB befassen. In dieser Publikation werden die Einkommen der Absolventinnen und Absolventen der HBB nur punktuell mit jenen der Absolventinnen und Absolventen eines EFZ verglichen (siehe BFS, 2021b), da für eine Interpretation dieser Unterschiede vertiefte Analysen erforderlich sind. Aus ähnlichen Gründen müssen Vergleiche mit den Hochschulabsolvent/innen in einen breiteren Kontext gestellt werden, damit sie aussagekräftig sind, was über den Rahmen dieser Publikation hinausgeht. Erstmals wird hier über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren die Einkommensentwicklung von der Zeit vor Ausbildungsbeginn, über die Ausbildungszeit bis mehrere Jahre nach dem Abschluss dokumentiert.

Die meisten Personen, die eine Ausbildung im Bereich der HBB absolvieren, sind seit mehreren Jahren erwerbstätig. Dies hängt damit zusammen, dass der Erwerb eines Abschlusses der HBB oft mehrere Jahre Berufserfahrung voraussetzt, insbesondere bei den EF und ED. Daher ist das Medianalter beim Erwerb eines Abschlusses der HBB trotz der im Vergleich zu den Hochschulausbildungen Die Mediandauer der Ausbildung für ein HF-Diplom beträgt 2 Jahre und 11 Monate und für einen EF oder ein ED 1 Jahr und 8 Monate (BFS, 2019a). kurzen Ausbildungsdauer relativ hoch. Bei den ­HF-Diplomen beträgt es 26 Jahre, bei den EF 29 Jahre und bei den ED 32 Jahre (beim Erwerb eines Bachelors bzw. eines Masters einer Hochschule liegt es bei 24 bzw. 27 Jahren). Zudem sind die Personen, die eine Ausbildung im Bereich der HBB absolvieren, während der Ausbildung normalerweise weiterhin erwerbstätig.

Die in den nachfolgenden Abschnitten vorgestellten Erwerbseinkommen ergänzen die ersten Ergebnisse zu diesem Thema, die im Rahmen der Erhebung zur höheren Berufsbildung (eHBB) publiziert wurden (BFS, 2019b). Hier wird die Entwicklung sowohl des standardisierten als auch des nicht standardisierten Einkommens über mehr als zehn Jahre detailliert dargestellt, wobei das Augenmerk auf die Heterogenität der Verläufe in den verschiedenen Bildungsfeldern gerichtet ist.

Aus Gründen der Datenverfügbarkeit betreffen die hier vorgestellten Analysen nur arbeitnehmende Personen. Alle Personen mit einem Status als Selbstständigerwerbende werden hier nicht berücksichtigt (für Einzelheiten siehe Anhang).

  

Kasten 1: Einkommensermittlung

Es wurden zwei sich ergänzende Einkommensmessungen verwendet, um für die Nicht-Selbstständigerwerbenden Aus Gründen der Datenverfügbarkeit betreffen die hier vorgestellten Analysen nur arbeitnehmende Personen. Alle Personen mit einem Status als Selbstständigerwerbende werden hier nicht berücksichtigt (für Einzelheiten siehe Anhang). mit einem Abschluss der HBB einerseits die Höhe der Löhne für ein Vollzeitpensum und andererseits die effektiv ausbezahlten Löhne zu beschreiben.

Das standardisierte Einkommen entspricht dem Monatseinkommen der arbeitnehmenden Personen mit Vollzeitpensum. Das standardisierte Einkommen einer arbeitnehmenden Person mit einem Beschäftigungsgrad von 80% und einem Lohn von 4000 Franken beläuft sich beispielsweise auf 5000 Franken (so viel würde sie bei einem 100%-Pensum verdienen). Mit dieser Messung kann das Lohnniveau auf einer gemeinsamen Grundlage verglichen werden.

Das nicht standardisierte Einkommen beschreibt, wie viel die Personen am Ende des Monats tatsächlich erhalten (im Beispiel oben sind das 4000 Franken). Mit dieser Messung kann über das erzielte Erwerbseinkommen die wirtschaftliche Situation der Personen eingeschätzt werden.

Die meisten in dieser Publikation präsentierten Analysen basieren auf dem standardisierten Einkommen. Für einige wird jedoch das nicht standardisierte Einkommen verwendet, beispielsweise um das Einkommen während der Ausbildung oder den Umfang der Teilzeitbeschäftigten zu beschreiben.

Alle dargestellten Einkommen entsprechen dem monatlichen Bruttoeinkommen, meistens dem Medianeinkommen, und sind inflationsbereinigt, wobei als Referenzmonat der Dezember 2020 gilt.

Weiterführende Informationen zu den Daten und der Methodik stehen im Anhang zur Verfügung.

Diese Publikation liefert erste Antworten auf folgende Fragen: Wie entwickelt sich das standardisierte Einkommen von Absolventinnen und Absolventen der HBB in der Zeit vor bis nach dem Abschluss? Nimmt das nicht standardisierte Einkommen während der Ausbildung ab? Wie unterscheidet sich die Entwicklung des standardisierten Einkommens je nach Bildungsfeld? Wie hoch sind die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen bei den Neu-Absolventinnen und -Absolventen der HBB, sowohl beim standardisierten Einkommen als auch beim nicht standardisierten Einkommen?

Mit diesen Bündelungen können die Bestände vergrössert werden, wodurch sich die Schätzungen der verschiedenen Analysedimensionen insbesondere bei der Ermittlung des standardisierten Einkommens verbessern lassen. Die Situation zum Zeitpunkt «t+7» wird aus diesem Grund nicht berücksichtigt. Für Einzelheiten siehe Anhang.   

Kasten 2: Analysepopulation und -modell

Die Analysepopulation setzt sich aus allen Personen zusammen, die von 2013 (2012 für die Absolventinnen und Absolventen einer HF) bis 2021 einen Abschluss der HBB erworben haben und zum Referenzzeitpunkt nicht selbstständigerwerbend waren (siehe Kasten 1).

Um die Einkommensentwicklung der Absolventinnen und Absolventen der HBB über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren zu erfassen, wurde ein Mehrkohorten-Analysemodell entwickelt (für Einzelheiten siehe «Datenquellen und Methodik» im Anhang). Die hier durchgeführten Analysen konzentrieren sich auf die Situation der Absolventinnen und Absolventen der HBB in der Zeit von fünf Jahren vor («t–5») bis sieben Jahre nach dem Abschluss («t+7»). Bestimmte Analysen fokussieren sich jedoch auf «Zeiträume», die sich auf den Zeitpunkt des Abschlusses der HBB beziehen, und nicht auf alle verfügbaren Jahre. Mit diesen Bündelungen können die Bestände vergrössert werden, wodurch sich die Schätzungen der verschiedenen Analysedimensionen insbesondere bei der Ermittlung des standardisierten Einkommens verbessern lassen. Die Situation zum Zeitpunkt «t+7» wird aus diesem Grund nicht berücksichtigt. Für Einzelheiten siehe Anhang. Es wurden vier grosse Zeiträume unterschieden:

– Situation vor der Ausbildung der HBB, zwischen vier und fünf Jahren vor dem Abschluss («t–5/t–4»)

– Situation während der Ausbildung der HBB, zwischen einem und zwei Jahren vor dem Abschluss («t–2/t–1»)

– Situation direkt nach der Ausbildung der HBB, zwischen einem und zwei Jahren nach dem Abschluss («t+1/t+2»)

– Situation mehrere Jahre nach der Ausbildung der HBB, zwischen fünf und sechs Jahren nach dem Abschluss («t+5/t+6»)

Steigendes Einkommen nach dem Erwerb
eines Abschlusses der HBB

Werden alle Personen mit einem Abschluss der HBB berücksichtigt, zeigt sich, dass das standardisierte monatliche Bruttoeinkommen über den Beobachtungszeitraum ansteigt (siehe Grafik G1). Während das Medianeinkommen fünf Jahre vor dem Abschluss 5240 Franken beträgt, liegt es sieben Jahre nach dem Abschluss bei fast 8000 Franken. Allerdings bestehen zwischen den drei Abschlussarten der HBB grosse Unterschiede.

Von den Absolventinnen und Absolventen einer HF hatte knapp ein Drittel fünf Jahre vor dem Abschluss ein standardisiertes monatliches Bruttoeinkommen von weniger als 4000 Franken. Im Jahr nach dem Erwerb eines HF-Diploms übersteigt das Medianeinkommen 6300 Franken. In den darauffolgenden Jahren nimmt es weiter zu und beträgt sieben Jahre nach dem Abschluss 7600 Franken. Bei den HF-Absolventinnen und Absolventen fällt jedoch auf, dass der Anteil der Einkommen zwischen 1000 Franken und 1999 Franken während der Ausbildung wächst. Diese Besonderheit, auf die im folgenden Abschnitt näher eingegangen wird, steht im Zusammenhang mit bestimmten Bildungsfeldern.

Bei den Absolventinnen und Absolventen eines EF beträgt das standardisierte monatliche Bruttomedianeinkommen fünf Jahre vor dem Abschluss 5280 Franken. Ein Jahr nach dem Erwerb eines EF liegt es bei 6790 Franken und sieben Jahre danach bei mehr als 8000 Franken. Der Anteil der standardisierten Einkommen von mindestens 9000 Franken nimmt schrittweise zu: Während er ein Jahr nach dem Erwerb eines EF bei 12% liegt, beträgt er drei Jahre danach 17%, fünf Jahre danach 24% und sieben Jahre danach 31%. Manche Personen erwerben einige Jahre nach einem EF auch ein ED.

Das Einkommensniveau der Personen mit einem ED steigt im Beobachtungszeitrum deutlich an. So beträgt das standardisierte monatliche Bruttomedianeinkommen fünf Jahre vor dem Erwerb eines ED 6330 Franken, sieben Jahre danach hingegen mehr als 10 830 Franken. Werden diese Medianwerte aufgeschlüsselt, zeigt sich, dass fast die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen eines ED bereits drei Jahre nach dessen Erwerb ein standardisiertes monatliches Bruttoeinkommen von 9000 Franken oder mehr erzielte. Sieben Jahre nach dem Erwerb eines ED beläuft sich das standardisierte Einkommen bei 75% der Absolventinnen und Absolventen auf 9000 Franken oder mehr.

Dieser erste Überblick belegt, dass das standardisierte Einkommen der Absolventinnen und Absolventen der HBB im Beobachtungszeitraum insgesamt stetig zunimmt. Es gibt jedoch keinen Zeitraum, in dem sich ein «sprunghafter Anstieg» des Medianeinkommens beobachten lässt, insbesondere nicht nach dem Abschluss der HBB. Dies ist sicher darauf zurückzuführen, dass die Einkommensänderungen oft mit einem Stellen- oder Funktionswechsel einhergehen. Die derzeit verfügbaren Daten lassen diesbezüglich keine detaillierten ­Analysen zu. Ein solcher erfolgt jedoch nicht bei allen Absolventinnen und Absolventen der HBB zur gleichen Zeit statt, insbesondere weil viele zum Zeitpunkt des Abschlusses bereits seit vielen Jahren erwerbstätig sind. Eine andere Erklärung dafür ist, dass der Erwerb eines Abschlusses der HBB zwischen dem Arbeitgeber und der arbeitnehmenden Person bei der Anstellung oder bei einer Beförderung vorgängig verhandelt wird

Zudem zeigen die Analysen, dass die Personen mit einem Abschluss der HBB im Durchschnitt eher hohe Einkommen erzielen. Zum Vergleich: Das Medianeinkommen für die gesamte Wohnbevölkerung zwischen 30 und 39 Jahren belief sich 2020 Diese Zahlen stammen aus der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung: Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert und Quartilbereich) nach Lebensalter, beruflicher Stellung und Geschlecht – Privater und öffentlicher Sektor zusammen (T9_b)– 2012, 2014, 2016, 2018, 2020 (www.statistik.ch R Statistiken finden R Kataloge und Datenbanken R Tabellen). Für Einzelheiten zu den konzeptuellen Unterschieden zu dem hier verwendeten Erwerbseinkommen siehe BFS (2021a). auf 6665 Franken, während es bei den Personen mit einem EFZ fünfeinhalb Jahre nach Erwerb dieses Abschlusses 5270 Franken beträgt (BFS, 2021b).

Hinter diesen allgemeinen Tendenzen verbergen sich jedoch teilweise sehr heterogene Situationen. Darauf wird in den folgenden Abschnitten näher eingegangen.  

15% der Absolventinnen und Absolventen
der HBB haben während der Ausbildung ein geringeres Einkommen

Wie entwickelt sich das nicht standardisierte Erwerbseinkommen In diesem Abschnitt wird das nicht standardisierte Einkommen verwendet, um die wirtschaftliche Situation einzuschätzen. Sie wird anhand des erzielten Erwerbseinkommens der Absolventinnen und Absolventen der HBB während der Ausbildung ermittelt. der Absolventinnen und Absolventen der HBB zwischen der Zeit vor und während der Ausbildung? Und wie unterscheiden sich diese Tendenzen nach Bildungsfeld?

Grafik G2 zeigt, dass das während der Ausbildung (also im Zeitraum «t–2/t–1») erzielte nicht standardisierte Medianeinkommen in den meisten Fällen höher ist als jenes vor der Ausbildung (also zum Zeitpunkt «t–5»). Dies bedeutet, dass der Lebensstandard der Absolventinnen und Absolventen der HBB während der Ausbildung im Allgemeinen weiter ansteigt. Dies trifft insbesondere auf alle Absolventinnen und Absolventen eines EF oder eines ED zu.  

Bei den Absolventinnen und Absolventen einer HF geht jedoch das nicht standardisierte Einkommen während der Ausbildung in drei Bildungsfeldern im Vergleich zur Zeit vor der Ausbildung zurück. Dabei handelt es sich um die Felder «Pflegepersonal» (Rückgang des nicht standardisierten Medianeinkommens von 3100 Franken auf 1360 Franken; –56%), «Gesundheit, ohne Humanmedizin und Pflegepersonal Dieses Bildungsfeld besteht grösstenteils aus den Ausbildungen «Rettungssanität HF», «Biomedizinische Analytik HF» und «Medizinisch-technische Radiologie HF». » (von 3900 Franken auf 1450 Franken; –63%) und «persönliche Dienstleistungen Dieses Bildungsfeld besteht grösstenteils aus den Ausbildungen «Hotellerie und Gastronomie HF» und «Tourismus HF». » (von 3120 Franken auf 2360 Franken; –24%). Diese Beobachtungen legen nahe, dass die Personen in den drei genannten Bildungsfeldern während ihrer Ausbildung häufiger auf eine externe finanzielle Unterstützung angewiesen sind als die anderen. Es liegen zwar keine genauen Informationen zu diesem Thema vor, aber die eHBB Durchschnittliche Finanzierungsanteile pro Kandidat/in – 2016, 2018, 2020(www.statistik.ch R Statistiken finden R Bildung und Wissenschaft R Personen in Ausbildung R Tertiärstufe R Höhere Berufsbildung R Ausbildungssituation in der höheren Berufsbildung R Ausbildungskosten in der HBB und deren Finanzierung) liefert einige Angaben zu den Ausbildungskosten, d.h. den Prüfungskosten, den Semester-/Kurskosten und den Materialkosten. Daraus ist ersichtlich, dass die Familienbeiträge in diesen drei Bildungsfeldern tendenziell höher sind.

Insgesamt entfallen 15% aller Personen mit einem Abschluss der HBB auf die drei Bildungsfelder, in denen das Einkommen während der Ausbildung zurückgeht. Werden nur die Absolventinnen und Absolventen einer HF betrachtet, beträgt diese Zahl 40%.

Für diesen Einkommensrückgang gibt es mehrere Erklärungen. Hier zwei von verschiedenen möglichen:

– Ausbildungen werden in diesen drei Bildungsfeldern im Gegensatz zu den meisten anderen Bildungsfeldern mehrheitlich in einem Vollzeitpensum absolviert, was wenig Zeit lässt für eine Erwerbstätigkeit neben der Ausbildung.

– Einige dieser Vollzeit-Ausbildungen sehen in ihrem Lehrplan Praktika vor, für die nur ein beschränkter Lohn bezahlt wird. Ebenso sind Personen in Ausbildung in bestimmten Fällen, insbesondere im Gesundheitsbereich, während der gesamten Ausbildungsdauer in ihrer Bildungsinstitution (Spital, Gesundheitszentrum) angestellt sind und einen eher tiefen Lohn erhalten.

Unterschiedliche Entwicklungen
des Medianeinkommens je nach Bildungsfeld

Wie verändert sich das standardisierte Einkommen in der Zeit vor bis nach dem Abschluss der HBB in den einzelnen Bildungsfeldern?

Das standardisierte monatliche Medianeinkommen steigt in allen Bildungsfeldern an (siehe G3). Es erhöht sich innerhalb der fünf Jahre vor Durchschnitt der Jahre «t–5/t–4». Weitere Details zur Definition der in diesem Abschnitt verwendeten Zeitspannen sind in der Bemerkung zu Grafik G3 zu finden. und der zwei Jahre nach dem Abschluss der HBB um rund 30% (HF: +32%; EF: +29%; ED: +36%). Auch danach setzt sich die Einkommenssteigerung fort: um rund +15% zwischen dem zweiten und dem sechsten Jahr nach dem Abschluss (HF: +16%; EF: + 13%; ED: +17%). Die Zunahmen unterscheiden sich jedoch je nach Bildungsfeld deutlich.  

Bei den Personen mit einem HF-Diplom hatten diejenigen, die eine Ausbildung in den Bildungsfeldern «Management und Verwaltung» sowie «Informatik und Kommunikationstechnologie» absolvierten, verglichen mit den Personen der anderen Bildungsfelder schon vor der Ausbildung hohe Einkommen. Bereits in den ersten Jahren nach dem Erwerb ihres HF-Diploms lässt sich eine Einkommenssteigerung erkennen, die sich auch mehrere Jahre danach fortsetzt (in den beiden erwähnten Bildungsfeldern ist innerhalb der fünf Jahre davor und der sechs Jahre danach eine Zunahme des Medianeinkommens von 5170 Franken auf 8530 Franken und von 5670 Franken auf 8480 Franken zu ­beobachten).

In den Bildungsfeldern «Pflegepersonal» und «Sozialwesen» steigt das Einkommen in den zwei Jahren nach dem Abschluss verglichen mit der Zeit vor der Ausbildung ebenfalls deutlich an (um +60% bzw. +50%), aber diese starke Zunahme ist darauf zurückzuführen, dass das standardisierte Medianeinkommen vor der Ausbildung relativ niedrig war (rund 3770 Franken). ­Ausserdem zeichnen sich diese beiden Berufsfelder sechs Jahre nach dem Abschluss mit monatlichen Medianeinkommen von rund 6600 Franken durch eine geringere Zunahme des Medianeinkommens aus (+8% bzw. +10%).

Interessanterweise zählten diese beiden Bildungsfelder in der Studie zum Einkommensverlauf nach einem Abschluss der beruflichen Grundbildung (2021b) fünfeinhalb Jahre nach dem Erwerb eines EFZ oder einer Berufsmaturität Modell 1 während der Berufslehre (BM1) zu jenen mit den höchsten Einkommen. Während diese Tendenz hauptsächlich auf die Tatsache zurückzuführen war, dass ein Tertiärabschluss erworben wurde, legen die hier präsentierten Analysen nahe, dass das Einkommen in diesen beiden Bildungsfeldern nach dem Erwerb eines HF-Diploms tendenziell nur noch wenig ansteigt.

Bei den Absolventinnen und Absolventen eines EF ist der Anstieg des Medianeinkommens im Bildungsfeld «Rechnungswesen, Marketing und Sekretariatsarbeit» am grössten (+61% innerhalb der fünf Jahre vor und der sechs Jahre nach dem Abschluss). In diesem Feld sowie in den Bildungsfeldern «Finanz-, Bank- und Versicherungswesen» sowie «Management und Verwaltung» übersteigt das standardisierte monatliche Bruttomedianeinkommen sechs Jahre nach dem Abschluss 8000 Franken. Auch im Bildungsfeld «Gross- und Einzelhandel» lässt sich nach dem Erwerb eines EF eine starke Zunahme des Medianeinkommens beobachten. In anderen Bildungsfeldern steigt das Medianeinkommen in den zwei bis sechs Jahren nach dem Abschluss weniger stark an. Dies trifft auf die Felder «Architektur und Baugewerbe» (+8%) und «persönliche Dienstleistungen» (+9%) zu, in denen das Medianeinkommen sechs Jahre nach dem Abschluss 7480 Franken bzw. 6590 Franken beträgt.

Bei den Absolventinnen und Absolventen eines ED im Bildungsfeld «Rechnungswesen, Marketing und Sekretariats­arbeit» lässt sich zwischen dem Einkommen fünf Jahre vor und jenem sechs Jahre nach dem Abschluss fast eine Verdoppelung erkennen (das Medianeinkommen steigt von 6250 Franken auf 11 460 Franken an, was einer Zunahme von 84% entspricht). Von allen Absolventinnen und Absolventen eines ED steigt der Anteil der Arbeitnehmenden mit einer Leitungsfunktion in diesem Bildungsfeld am stärksten an (für Einzelheiten siehe BFS, 2022b, TA1).

Frauen verdienen nach dem Abschluss
weniger als Männer

Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in der Schweiz gut dokumentiert, doch wie sieht es bei den Absolventinnen und Absolventen der HBB aus? Dieser Frage wird in der Grafik G4 nachgegangen, in der die Entwicklung des standardisierten und nicht standardisierten Medianeinkommens von Frauen und Männern und die Entwicklung des Anteils Vollzeitbeschäftigter dargestellt ist.  

Da mehr als 90% der Männer mit einem Abschluss der HBB Vollzeit arbeiten, decken sich ihre standardisierten und nicht standardisierten Einkommen weitgehend. Bei den Frauen, die einen Abschluss der HBB erwerben, lässt sich hingegen ein Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Einkommensermittlung erkennen: Während ihr standardisiertes Einkommen nach dem Abschluss tendenziell zunimmt, verändert sich ihr nicht standardisiertes Einkommen eher nicht. Wie aus dem zweiten Teil der Grafik G4 ersichtlich ist, steht diese Stagnation im Zusammenhang mit dem schrittweisen Rückgang des Anteils Vollzeitbeschäftigter bei den Frauen. Diese Tendenzen lassen sich nicht nur bei dem Absolventinnen der HBB erkennen, sondern sind weitgehend auf die Familienphase zurückzuführen, in der viele erwerbstätige Frauen in der Schweiz ihren Beschäftigungsgrad reduzieren (BFS, 2022c).

Das nicht standardisierte monatliche Bruttomedianeinkommen stagniert nach dem Erwerb eines HF-Diploms bei rund 6000 Franken. Bei den Frauen mit einem EF oder einem ED Die Werte der Frauen mit einem ED sind weniger stabil, da nur wenige Frauen ein ED erwerben. Sie sind daher in den Daten nur schwach vertreten, ganz besonders in jenen für die Analysen zum standardisierten Medianeinkommen. liegt es bei rund 6700 Franken bzw. 8100 Franken.

Das standardisierte Einkommen steigt im Verlauf der Jahre sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern an. Bei den Absolventinnen und Absolventen eines EF beträgt der Gesamtunterschied zwischen Männern und Frauen nahezu null und bei jenen eines ED liegt er innerhalb der Fehlermarge der Berechnungen. Analysen mittels linearer Quantilsregression auf dem standardisierten monatlichen Bruttomedianeinkommen fünf Jahre nach dem Abschluss zeigen jedoch für diese beiden Abschlüsse, dass das standardisierte Medianeinkommen der Frauen 440 Franken nach der Kontrolle bestimmter Dimensionen wie dem Bildungsfeld und der Teilzeitbeschäftigung unter jenem der Männer liegt (siehe Tabelle TA1). Das «Bildungsfeld» spielt allerdings eine wichtige Rolle bei der Erklärung dieser Unterschiede, da der Einkommensunterschied kleiner ist, wenn diese Variable aus dem Modell entfernt wird. Verglichen mit der Schweizer Gesamt­bevölkerung erweist sich dieser Unterschied beim standardisierten Medianeinkommen jedoch eher als gering Lohnunterschied (www.statistik.ch R Statistiken finden R Arbeit und Erwerb R Löhne, Erwerbseinkommen und Arbeitskosten R Lohnniveau – Schweiz R Lohnunterschied) .

Frauen mit einem HF-Diplom haben hingegen ein deutlich tieferes standardisiertes Monatseinkommen als Männer. Fünf Jahre nach dem Erwerb eines HF-Diploms beläuft sich das standardisierte Medianeinkommen der Männer auf 7900 Franken und ­jenes der Frauen auf 6650 Franken. Diese Unterschiede sind stark von den Bildungsfeldern abhängig. Die Analysen mittels Quantilsregression zeigen nämlich, dass sich der Unterschied beim Medianeinkommen zwischen Männern und Frauen um mehr als die Hälfte reduziert, wenn viele Variablen, darunter das Bildungsfeld, berücksichtigt werden (siehe Tabelle TA1). Die Einkommensunterschiede sind teilweise darauf zurückzuführen, dass die Frauen häufiger Ausbildungen in Bildungsfeldern absolvieren, die zu Wirtschaftssektoren mit unterdurchschnittlichen standardisierten Einkommen zählen (z. B. im Gesundheits­bereich). Zusätzliche Analysen zeigen jedoch, dass Frauen auch in den bestbezahlten Bildungsfeldern im Allgemeinen tiefere standardisierte Medianeinkommen erzielen als Männer.

Andere Faktoren beeinflussen
das Einkommensniveau

Neben den Einkommensunterschieden zwischen Männern und Frauen weisen die Ergebnisse der Quantilsregressionen darauf hin, dass Faktoren wie das Alter, die Wohngrossregion, das ­Bildungsfeld und der Wirtschaftsabschnitt die Höhe des Median­einkommens ebenfalls beeinflussen (siehe Tabelle TA1).

So ist das Medianeinkommen von Absolventinnen und Absolventen eines EF oder eines ED umso höher, je älter sie zum Zeitpunkt des Abschlusses sind. Bei den Personen mit einem HF-Diplom lässt sich bis auf ein Detail die gleiche Tendenz beobachten: Personen, die ihr Diplom nach 40 Jahren erwerben, haben tendenziell ein etwas tieferes Einkommen als diejenigen, die es zwischen 36 und 40 Jahren erlangen.

Auch die Wohngrossregion hat einen Einfluss auf das Niveau der Medianeinkommens. Personen, die im Tessin wohnen, haben in der Regel ein tieferes Medianeinkommen als Personen in den anderen Grossregionen. Diese Tendenz betrifft nicht nur die HBB, zeigt doch die Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) seit vielen Jahren, dass die monatlichen Medianlöhne im Tessin um mehr als 1000 Franken tiefer sind. www.statistik.ch R Statistiken finden R Arbeit und Erwerb R  Löhne, ­Erwerbseinkommen und Arbeitskosten R Lohnniveau – Grossregionen Die Analysen zum Einkommen nach einem Abschluss der beruflichen Grundbildung (BGB) lassen ebenfalls einen Unterschied erkennen (BFS, 2021b).

Wie oben erläutert, unterscheiden sich die Einkommen nach Bildungsfeld deutlich. Die Ergebnisse der Quantilsregressionen decken sich weitgehend mit den bereits beschriebenen Ergebnissen (siehe Grafik G3).

Unterschiede lassen sich auch nach Wirtschaftsabschnitt beobachten, wobei sie meistens statistisch nicht signifikant sind. Bei den Absolventinnen und Absolventen einer HF sind die Einkommen in den Wirtschaftsabschnitten «Verkehr und Lagerei», «Information und Kommunikation», «Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen» sowie «Erziehung und Unterricht» am höchsten. Bei den Personen mit einem EF oder einem ED verzeichnen die Wirtschaftsabschnitte «Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen» sowie «Baugewerbe/Bau» die höchsten Löhne. Umgekehrt zählen die Medianeinkommen in den Wirtschaftsabschnitten «Verkehr und Lagerei» sowie «Gesundheits- und Sozialwesen» zu den tiefsten. Diese Einkommensunterschiede widerspiegeln die Lohnstruktur im ganzen Land. Für weiterführende Informationen siehe: www.statistik.ch R Statistiken finden R Arbeit und Erwerb R Löhne, Erwerbseinkommen und Arbeitskosten

Ferner beeinflussen gewisse Faktoren das Niveau des monatlichen Bruttomedianeinkommens nur wenig. So hat der Umstand, im Ausland und nicht in der Schweiz geboren zu sein Analysen mit einer detaillierteren Kategorisierung bestätigten dieses Ergebnis. oder den Wohnsitz in einer ländlichen oder einer städtischen Gemeinde zu haben, kaum Auswirkungen Auch ein späterer Erwerb eines anderen Tertiärabschlusses (einer Hochschule oder der HBB) wirkt sich nur geringfügig auf das Medianeinkommen aus.

Referenzen

BFS (2019a). Die Ausbildungssituation der Kandidatinnen und Kandidaten der höheren Berufsbildung. Neuchâtel.

BFS (2019b). Berufliche Situation von Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung. Neuchâtel.

BFS (2021a). Berechnung eines neuen Erwerbseinkommens anhand der ZAS- und SE-Daten. Neuchâtel.

BFS (2021b). Einkommen nach einem Abschluss der beruflichen Grundbildung. Entwicklung in den fünf Jahren nach dem Abschluss. Neuchâtel.

BFS (2022a). Bildungsstatistik 2021. Neuchâtel.

BFS (2022b). Berufliche Situation von Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung 2020, vier Jahre nach dem Abschluss. Neuchâtel.

BFS (2022c). Mütter auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2021. Neuchâtel.