1.1 Allgemeiner Gesundheitszustand
und Behinderungen
| Männer | Frauen | |
|---|---|---|
| Lebenserwartung bei Geburt, in Jahren (2021) | 81,6 | 85,7 |
| Lebenserwartung bei guter Gesundheit bei Geburt, in Jahren (2017) | 69,8 | 70,8 |
| (Sehr) guter selbst wahrgenommener Gesundheits zustand1 (2017) | 85,9% | 83,5% |
| Dauerhaftes Gesundheitsproblem1 (2017) | 30,5% | 34,7% |
| Funktionelle Einschränkungen (2017) | ||
| Sehvermögen: starke oder vollständige Einschränkung1 | 0,9% | 1,4% |
| Hörvermögen: starke oder vollständige Einschränkung1 | 1,0% | 1,2% |
| Gehvermögen: kann nicht allein gehen oder nur ein paar Schritte1 | 0,7% | 1,2% |
| Sprechvermögen: starke oder vollständige Einschränkung1 | 0,5% | 0,3% |
| Menschen mit Behinderungen2 (2020) | 652000 | 836000 |
| davon stark eingeschränkt | 132000 | 183000 |
1 Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten
2 Bevölkerung ab 16 Jahren in Privathaushalten
Quellen: BFS – SGB, BEVNAT, STATPOP, SILC
© BFS 2023
Die Lebenserwartung bei Geburt in der Schweiz ist eine der höchsten der Welt. Sie hat zwischen 1990 und 2021 bei den Männern um 7,6 Jahre und bei den Frauen um 4,9 Jahre zugenommen. Die Lebenserwartung bei guter Gesundheit beträgt rund 70 Jahre und ist bei Männern und Frauen praktisch gleich hoch.
86% der Männer und 84% der Frauen schätzen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Mit zunehmendem Alter sinken diese Anteile und der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert sich. Ab 75 Jahren ist die Hälfte der Bevölkerung von einem dauerhaften Gesundheitsproblem betroffen.
Funktionelle Einschränkungen nehmen mit dem Alter stark zu. 45% der Personen mit stark oder vollständig eingeschränktem Sehvermögen sind mindestens 65 Jahre alt. Rund 1 500 000 Personen bzw. 20% der Bevölkerung gelten nach der Definition des Behindertengleichstellungsgesetzes als behindert. 315 000 von ihnen sind bei Alltagsaktivitäten stark eingeschränkt.
1.2 Psychische Gesundheit
| Männer | Frauen | |
|---|---|---|
| Glücklich, immer oder meistens (2017) | 86,3% | 84,7% |
| Mittlere oder hohe psychische Belastung1 (2017) | 11,7% | 18,3% |
| Mittlere bis schwere Depression1 (2017) | 7,8% | 9,5% |
| Behandlung infolge psychischer Probleme1 (2017) | 4,4% | 7,7% |
|
Hospitalisierungen wegen psychischen und Verhaltensstörungen (2021) |
34 643 | 39 472 |
1 Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten
Quellen: BFS – SGB, MS
© BFS 2023
Die grosse Mehrheit der Bevölkerung empfindet sehr viel häufiger positive als negative Gefühle. 85% bezeichnen sich als glücklich und nur 3% als entmutigt oder deprimiert. 90% der Bevölkerung erhalten zudem ausreichend soziale Unterstützung, um die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern. Dennoch weisen 15% der Bevölkerung Symptome einer mittleren (11%) oder hohen (4%) psychischen Belastung auf. Depression ist die am häufigsten auftretende psychische Erkrankung. 8% der Männer und 10% der Frauen litten 2017 an einer mittleren bis schweren Depression. 15- bis 24-Jährige sind am stärksten betroffen.
2017 wurden 6% der Bevölkerung wegen psychischer Belastung behandelt und 9% nahmen mindestens ein psychotropisches Medikament (Antidepressiva, Schlafmittel, Beruhigungsmittel) ein. Frauen nehmen häufiger Psychotropen zu sich als Männer und ältere Personen deutlich öfter als jüngere. Zudem nahm etwas mehr als 1% der 15- bis 24-Jährigen 2017 Medikamente zur Steigerung der Aufmerksamkeit ein.
2021 wurden 109 135 Hospitalisierungen wegen psychischen und Verhaltensstörungen gemeldet. Es kommt häufig vor, dass die gleiche Person innerhalb eines Jahres mehrmals wegen verschiedenen psychischen Beschwerden oder Verhaltensstörungen stationär behandelt wird. Affektive Störungen (hauptsächlich Depression) sind die häufigste Ursache solcher Hospitalisierungen (30%). 14% der Spitaleinweisungen erfolgen aufgrund von psychotischen Störungen wie Schizophrenie. Am häufigsten betreffen sie 25- bis 44-jährige Männer. Störungen im Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol oder anderen psychotropen Substanzen sind für 21% dieser Hospitalisierungen verantwortlich, wobei Männer 2,0-mal häufiger aus diesem Grund stationär behandelt werden als Frauen.
1.3 Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes
| Männer | Frauen | |
|---|---|---|
| Wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen hospitalisierte Personen (2020) | 62 367 | 44 753 |
| Todesfälle infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (2020) | 9 568 | 10 943 |
| Akuter Myokardinfarkt (Anzahl Fälle 2020) | 12 413 | 6 499 |
| Schlaganfall (Anzahl Fälle 2020) | 11 359 | 9 682 |
| Bluthochdruck1 (2017) | 19,2% | 16,0% |
| Zu hoher Cholesterinspiegel1 (2017) | 14,3% | 10,8% |
| Diabetes1 (2017) | 5,4% | 3,5% |
1 Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten
Quellen: BFS – MS, CoD, SGB
© BFS 2023
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind der dritthäufigste Hospitalisierungsgrund und die häufigste Todesursache. Seit 2002 ist die Zahl der Spitaleinweisungen infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 12% angestiegen. Diese Entwicklung ist vermutlich in erster Linie auf die Bevölkerungszunahme und -alterung zurückzuführen. Die Todesfälle infolge dieser Erkrankungen gingen im gleichen Zeitraum um 14% zurück. 2020 erlitten 18 912 Personen, zwei Drittel davon Männer, einen akuten Myokardinfarkt und 2349 starben an dessen Folgen. 21 041 Personen, davon etwas mehr als die Hälfte Männer, wurden Opfer eines Schlaganfalls; 2790 starben daran.
2017 litten 18% der Bevölkerung an Bluthochdruck. Bis ins Alter von 75 Jahren sind Männer stärker betroffen als Frauen. Ab 75 Jahren hat die Hälfte der Bevölkerung einen zu hohen Blutdruck. Der Anteil der Personen mit einem zu hohen Cholesterinspiegel lag 2017 bei 13%.
2017 lebten in der Schweiz 5% der Männer und 3% der Frauen mit Diabetes. Bildungsschwache Personen haben ein doppelt so hohes Risiko, an Diabetes zu erkranken, wie Personen mit einem hohen Bildungsniveau (8% gegenüber 4%).
1.4 Krebs
| Jahresdurchschnitt (für den Zeitraum 2015–2019) |
Männer | Frauen | ||
|---|---|---|---|---|
| neue Fälle | Todesfälle | neue Fälle | Todesfälle | |
| Alle Krebsarten | 24 486 | 9 466 | 20 496 | 7 795 |
| Lunge, Bronchien, Luftröhre | 2 807 | 1 971 | 1 988 | 1 301 |
| Brust | 6 489 | 1 400 | ||
| Prostata | 7 105 | 1 362 | ||
| Dickdarm | 2 542 | 925 | 1 995 | 752 |
| Hautmelanom | 1 668 | 175 | 1 439 | 125 |
| Krebserkrankungen bei Kindern1 (alle Arten) | 126 | 11 | 104 | 12 |
1 0–14 Jahre
Quelle: BFS, NKRS, KiKR – Nationale Krebsstatistik
© BFS 2023
Jedes Jahr werden über 40 000 neue Krebsdiagnosen gestellt. Mehr als jede fünfte Person erkrankt vor dem 70. Altersjahr an Krebs. Männer sind stärker betroffen als Frauen und sterben auch häufiger daran. Seit Ende der 1980er-Jahre steigt die Neuerkrankungsrate bei den Frauen langsam an. Bei den Männern nahm sie bis Anfang der 2000er-Jahre leicht zu und ist seitdem tendenziell rückläufig. Die Krebssterblichkeit nimmt bei beiden Geschlechtern ab.
Bei Männern ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung, die meisten Todesfälle verursacht allerdings Lungen-, Bronchien- und Luftröhrenkrebs. Bei Frauen tritt Brustkrebs am häufigsten auf. Er führt neben Lungenkrebs auch zu den meisten Todesfällen.
Im Zeitraum von 2015 bis 2019 sind im Jahresdurchschnitt rund 230 Kinder zwischen 0 und 14 Jahren an Krebs erkrankt und 23 daran gestorben. Leukämien (31%) und Tumore des zentralen Nervensystems (24%) sind die zwei häufigsten Krebsarten bei Kindern.
1.5 Infektionskrankheiten
| 2021 | |
|---|---|
| Neue HIV-Diagnosen | 328 |
| Neue Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis | 285 |
| Neue Tuberkulosefälle | 360 |
Quelle: BAG – Meldesystem der meldepflichtigen Infektionskrankheiten
© BFS 2023
Die Zahl der neu diagnostizierten Fälle des humanen Immundefizienz-Virus (HIV) ist seit 2009 stark gesunken. Im Jahr 2021 betrafen 41% der neuen Diagnosen Männer, die Sex mit Männern hatten. Andere sexuell übertragbare Krankheiten nehmen hingegen nicht ab.
Die beiden häufigsten von Zecken übertragenen Krankheiten sind Borreliose (8000 bis 15 000 geschätzte Fälle pro Jahr) und Frühsommer-Meningoenzephalitis (285 Fälle im Jahr 2021). Letztere betrifft Männer rund 1,5-mal häufiger als Frauen.
Die Zahl der neuen Tuberkulosefälle ist in den letzten zehn Jahren zurückgegangen. Die grosse Mehrheit der Tuberkulosefälle tritt bei ausländischen Personen aus Ländern mit hohen Tuberkuloseraten auf.
Bis zum Ausbruch von Covid-19 war die Grippe die häufigste saisonale Infektionskrankheit. Sie kann vor allem bei älteren Personen einen Spitalaufenthalt erfordern (4100 Fälle im Jahresdurchschnitt von 2017 bis 2021). Winter mit starken Grippe-Epidemien führen zu einer Übersterblichkeit.
1.6 Covid-19 (SARS-CoV-2)
| 2021 | |
|---|---|
| Neue Covid-19-Fälle (SARS-CoV-2) | 896 767 |
| Hospitalisierungen von Personen mit Covid-19-Diagnose1 | 43 293 |
| Gegen Covid-19 geimpfte Personen-192 | 5 955 684 |
1 Medizinische Statistik der Krankenhäuser (MS)
2 mindestens eine Impfdosis
Quelle: BAG, BFS – Medizinische Statistik der Krankenhäuser (MS)
© BFS 2023
Das neue Coronavirus (SARS-CoV-2, «Coronavirus 2 des schweren akuten respiratorischen Syndroms») ist in der Schweiz im Februar 2020 erstmals aufgetreten. 2021 wurden rund 897 000 Coronafälle gemeldet. Das sind fast doppelt so viele wie 2020. Im Jahr 2021 wurden 43 293 Hospitalisierungen mit einer Covid-19-Diagnose registriert (2020: 40 871). 37 770 Personen waren betroffen. 33% davon waren mindestens 75 Jahre alt. 2021 wurden knapp sechs Millionen Menschen mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft. 5887 Menschen sind im selben Jahr an Covid-19 gestorben (provisorische Daten).
1.7 Erkrankungen des Bewegungsapparats
| Männer | Frauen | |
|---|---|---|
| Personen mit Rücken- oder Kreuzschmerzen (2017) | 38,0% | 48,6% |
| Personen mit Arthrose oder Arthritis (2017) | 10,2% | 18,6% |
| Personen mit Osteoporose (2017) | 0,8% | 5,4% |
|
Wegen Erkrankungen des Bewegungsapparats hospitalisierte Personen (2021) |
67 442 | 80 855 |
| Hüftgelenkprothese | 11 988 | 14 924 |
| Kniegelenkprothese | 9 399 | 13 193 |
Quelle: BFS – Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB), Medizinische Statistik der Krankenhäuser (MS)
© BFS 2023
Rücken- oder Kreuzschmerzen sind die beiden häufigsten körperlichen Beschwerden: Zwei von fünf Personen sind davon betroffen. Arthrose und Arthritis nehmen mit steigendem Alter stark zu und betreffen 40% der Personen ab 75 Jahren.
Erkrankungen des Bewegungsapparats sind nach den Verletzungen der zweithäufigste Hospitalisierungsgrund. Von diesen Spitaleinweisungen sind 52% auf Gelenkerkrankungen der Gliedmassen (Arthrosen, Arthritis) und 24% auf Rückenleiden zurückzuführen. Manchmal muss eine Prothese eingesetzt werden. 2021 wurden 26 912 Personen für die Implantation einer Hüftgelenkprothese hospitalisiert. Das sind 28% mehr als im Jahr 2010. Kniegelenkprothesen werden etwas seltener eingesetzt (22 592).
1.8 Geburten und Gesundheit der Neugeborenen
| 2021 | |
|---|---|
| Lebendgeburten | 89 644 |
| Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt | 32,3 |
| Kaiserschnittrate | 33,1% |
| Frühgeburten (< vollendete 37. Schwangerschaftswoche) | 6,4% |
| Neugeborene mit niedrigem Gewicht (< 2500 g) | 5,9% |
| Totgeburten | 4,4‰ |
| Säuglingssterblichkeit (im ersten Lebensjahr) | 3,1‰ |
| Zwillingsgeburten | 2,9% |
Quellen: BFS – BEVNAT, MS, CoD
© BFS 2023
Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt steigt seit 1970 kontinuierlich an. 2021 entfielen 25% der Geburten auf Frauen unter 30 Jahren, 1970 waren es noch knapp 70%. 95% der Geburten erfolgen im Spital, ein Drittel davon per Kaiserschnitt. Die Kaiserschnittrate variiert regional stark. Sie ist in bestimmten Regionen doppelt so hoch wie in anderen.
2021 sind 280 Säuglinge im ersten Lebensjahr gestorben, was einer Sterberate von 3,1 auf 1000 Lebendgeburten entspricht. Fast 60% dieser Todesfälle ereigneten sich innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt. Betroffen waren vor allem Säuglinge mit sehr tiefem Geburtsgewicht und deutlich zu früh Geborene. Im gleichen Jahr wurden 395 Kinder tot geboren.
2,9% der Kinder kommen als Zwilling, 0,04% als Drilling zur Welt. 2207 Kinder wurden infolge einer im Jahr 2020 durchgeführten In-vitro-Behandlung geboren, was rund 2,6% aller Lebendgeburten entspricht.
1.9 Todesursachen
| Männer | Frauen | |
|---|---|---|
| Todesfälle, Total (2020) | 37 624 | 38 571 |
| Herz-Kreislauf-Erkrankungen | 9 568 | 10 943 |
| Krebs | 9 224 | 7 706 |
| Covid-19 | 4 902 | 4 392 |
| Demenz | 2 135 | 4 389 |
| Unfälle | 1 347 | 1 283 |
| Suizid (ohne assistierten Suizid) | 696 | 276 |
| Assistierter Suizid | 510 | 741 |
Quellen: BFS – BEVNAT, CoD
© BFS 2023
2020 wurden 76 195 Todesfälle registriert. Das sind 12% mehr als 2019. Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs war Covid-19 die dritthäufigste Todesursache. Die Grafik zeigt die wichtigsten Todesursachen, deren Häufigkeit je nach Altersgruppe stark variiert. Die Flächen entsprechen der Anzahl Todesfälle.
Im ersten Lebensjahr überwiegen die perinatalen Todesursachen, gefolgt von angeborenen Krankheiten als Todesursache. Im Alter von 1 bis 14 Jahren verteilen sich die sehr seltenen Todesfälle auf eine Vielzahl von Todesursachen. Von 15 bis ungefähr 45 Jahren überwiegen die Unfälle und der Suizid. Danach ist Krebs die häufigste Todesursache. Dieser wird ab etwa dem 80. Altersjahr von Herz-Kreislauf-Krankheiten abgelöst. Im Jahr 2020 zeigte sich bei den Todesfällen infolge Covid-19 auch eine altersspezifische Verteilung: Ältere Personen ab dem 65. Lebensjahr starben häufiger an Covid-19 als junge Menschen.
Im Jahr 2020 starben 972 Personen durch Suizid. Die grosse Mehrheit waren Männer (72%) und knapp die Hälfte (47%) war jünger als 55 Jahre. Im gleichen Jahr starben 1251 Personen durch assistierten Suizid. Frauen sind in der Mehrheit (59%) und nahezu neun von zehn Personen (88%) sind älter als 64 Jahre. Assistierten Suizide gehen meist mit schwerwiegenden unheilbaren Erkrankungen wie Krebs (38%) oder einer neurodegenerativen Krankheit (12%) einher. Ab 65 Jahren sind assistierte Suizide häufiger als Suizide.