Todesursachenstatistik 2022
Todesursachenstatistik 2022

Todesursachenstatistik 2022

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Sterblichkeit und Todesursachen in der Schweiz

Während der Covid-19-Pandemie kam es in der Schweiz in den Jahren 2020 bis 2022 in der Altersgruppe 65-Jährig und älter zu mehreren Perioden von Übersterblichkeit. Covid-19 wurde zum ersten Mal im Jahr 2020 als eine der häufigsten Todesursachen an dritter Stelle nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs berichtet (BFS, 2022a). Hier werden die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Verteilung der häufigsten Todesursachen in der Schweiz für die Jahre 2020 bis 2022 dargestellt.

Im Jahr 2020, dem ersten Jahr der Covid-19-Pandemie, und auch in den beiden darauffolgenden Jahren 2021 und 2022 sind erstmals jährlich mehr als 70 000 Personen der Schweizer Wohnbevölkerung gestorben. Im Jahr 2020 gab es 76 195 Todesfälle, 71 192 Todesfälle im Jahr 2021 und 74 425 Todesfälle im Jahr 2022. Im Rahmen des Mortalitätsmonitorings (BFS, 2022b) wurde basierend auf den Wochen mit Übersterblichkeit die erwartete Anzahl der Todesfälle für das Jahr 2020 (68 441 Todesfälle) um 12,8%, für das Jahr 2021 (67 058 Todesfälle) um 5,6% und für das Jahr 2022 (66 357 Todesfälle) um 9,5% überschritten. In der gesamten Dreijahresperiode sind somit ca. 19 000 Personen (davon ca. 250 unter 65-Jährige) mehr als erwartet gestorben Datenstand der Todesfallmeldungen für die Kalenderjahre 2020–2022:03. Oktober 2023 .

Ursachen der Übersterblichkeit während der Pandemie.

Die ersten beiden Perioden von Übersterblichkeit in 2020 und 2021 können durch die Anzahl der berichteten Todesfälle aufgrund von Covid-19 erklärt werden (G1). Im weiteren Verlauf der Pandemie hat die Anzahl der Covid-19-Todesfälle abgenommen und bereits ab der dritten Periode von Übersterblichkeit Ende 2021 kann die Übersterblichkeit nicht mehr vollständig mit der Anzahl der berichteten Covid-19-Todesfälle erklärt werden (G1). Im Jahr 2022 kommen auch die Hitze im Sommer und Grippefälle am Jahresende als Ursachen für die erhöhte Sterblichkeit in Frage.

Hitzebedingte Todesfälle werden nur selten, z. B. im Falle eines Hitzschlags, im ärztlichen Todesursachenzertifikat direkt berichtet. Die tatsächliche Anzahl der Todesfälle aufgrund von Hitze ist daher unbekannt, da als Todesursache in der Regel die Grundkrankheit berichtet wird. Von den gesundheitlichen Auswirkungen der Hitze sind insbesondere vulnerable Gruppen mit Vorerkrankungen betroffen. Deshalb macht sich ein Anstieg der Todesfälle während Hitzeperioden tendenziell durch einen Anstieg der Todesfälle aufgrund von Grundkrankheiten wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankung und Demenz bemerkbar.

Die Folgen einer Grippewelle zeigen sich vor allem in einem Anstieg der Todesfälle aufgrund von Atemwegserkrankungen. Auch hier sind vulnerable Gruppen am stärksten betroffen.

Sterblichkeit aufgrund der häufigsten ­Todesursachen

In den letzten zehn Jahren vor der Covid-19-Pandemie haben die Todesfälle aufgrund des Bevölkerungswachstums zwar stetig zugenommen. Das Sterberisiko, das mit einer standardisierten Sterberate dargestellt wird, hat dabei aber kontinuierlich abgenommen (T1). Diese Entwicklung, die mit einer verlängerten Lebenserwartung einher geht, spiegelt sich vor allem in den ursachenspezifischen standardisierten Sterberaten der beiden häufigsten Todesursachen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, wider. Während der Covid-19-Pandemie ist die standardisierte Sterberate pro 100 000 Einwohner und Einwohnerinnen für alle Todesursachen im Jahr 2020 (Männer: 542,7, Frauen: 364,5) zwar vorübergehend wieder auf das Niveau von 2015 (Männer: 547,2, Frauen: 367,2) angestiegen, aber der mehrjährige abnehmende Trend bei Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs ist in den beiden Folgejahren im Wesentlichen intakt geblieben. Bei Atemwegserkrankungen, Demenz und äusseren Ursachen (Unfälle und Gewalteinwirkungen) gab es in den letzten zehn Jahren vor der Pandemie über alle Altersgruppen hinweg nur leichte Schwankungen in den standardisierten Sterberaten (T1).

Definitionen

Altersspezifische Sterberate

Die altersspezifische Sterberate bezieht sich auf die Anzahl der Todesfälle in einer spezifischen Altersgruppe und wird pro 100 000 Einwohner und Einwohnerinnen angegeben.

Standardisierte Sterberate

Die standardisierte Sterberate wird basierend auf der ­Altersverteilung der europäischen Standardpopulation der WHO von 1976 berechnet und pro 100 000 Einwohner und Einwohnerinnen angegeben.

Proportionale Mortalität (in %)

Die proportionale Mortalität (PM) wird als die Anzahl der Todesfälle mit einer bestimmten Haupttodesursache (d) geteilt durch die Anzahl aller Todesfälle (D) innerhalb eines Statistikjahres berechnet und mit 100 multipliziert, um diese als prozentualen Anteil darzustellen.


Während im Jahr 2020 die standardisierte Sterberate der Covid-19-Todesfälle pro 100 000 Einwohnerinnen bei Frauen (35,5) an dritter Stelle nach Krebs (96,2) und Herz-Kreislauf­erkrankungen (87,3) lag und ungefähr so hoch wie die standardisierte Sterberate der Demenz-Todesfälle (32,3) war, war sie im Jahr 2021 (24,1) bereits wieder niedriger als die standardisierte Sterberate der Demenz-Todesfälle (28,7).

Bei Männern lag die standardisierte Sterberate der Covid-19-­Todesfälle pro 100 000 Einwohner im Jahr 2020 (64,8) ebenfalls an dritter Stelle nach Krebs (138,1) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (131,0) sowie vor äusseren Ursachen (38,1), Atemwegserkrankungen (27,2) und Demenz (26,6). Erst im Jahr 2022 ist die standardisierte Sterberate der Covid-19-Todesfälle (28,0) bei Männern soweit gesunken, dass sie unter der von äusseren Ursachen (38,3) und Atemwegserkrankungen (30,5) lag, während sie immer noch höher war als die standardisierte Sterberate der Demenz-Todesfälle (24,3) (T1).

Indikatoren der häufigsten Todesursachen, 2010–2022 T1

Männer Frauen
Todesursache Jahr Anzahl PM (%)1 Rohe Rate Stand. Rate2 Alter ­(Jahre)3 Anzahl PM (%)1 Rohe Rate Stand. Rate2 Alter ­(Jahre)3
Alle Todes­ursachen 2010 30 283 100,0 786,4 576,7 75,0 32 366 100,0 814,5 376,4 81,2
2011 30 094 100,0 771,7 565,4 75,0 31 997 100,0 797,4 370,0 81,2
2012 30 697 100,0 778,0 560,8 75,4 33 476 100,0 826,3 375,7 81,6
2013 31 257 100,0 782,3 554,9 75,5 33 704 100,0 823,2 370,7 81,7
2014 30 950 100,0 764,6 534,2 75,6 32 988 100,0 796,7 356,1 81,8
2015 32 646 100,0 796,7 547,2 75,9 34 960 100,0 835,4 367,2 82,1
2016 31 283 100,0 754,3 508,0 76,2 33 681 100,0 797,0 351,5 81,8
2017 32 405 100,0 773,4 512,9 76,2 34 566 100,0 811,0 348,6 82,3
2018 32 398 100,0 767,4 498,2 76,5 34 690 100,0 808,1 347,2 82,1
2019 32 756 100,0 770,2 488,3 76,8 35 024 100,0 810,3 341,9 82,4
2020 37 624 100,0 877,9 542,7 77,5 38 571 100,0 886,2 364,5 82,9
2021 35 105 100,0 812,5 501,7 76,8 36 087 100,0 823,1 342,2 82,5
2022 36 442 100,0 836,0 504,3 77,4 37 983 100,0 859,7 351,7 82,8
Herz-Kreislauf-Erkrankungen 2010 9 924 32,8 257,7 181,2 79,2 12 035 37,2 302,9 115,9 86,0
2011 9 470 31,5 242,8 170,4 79,4 11 494 35,9 286,5 110,4 86,1
2012 9 745 31,7 247,0 170,5 79,6 11 929 35,6 294,4 111,8 86,2
2013 9 719 31,1 243,3 164,3 80,0 11 793 35,0 288,1 108,7 86,2
2014 9 483 30,6 234,3 156,1 79,8 11 489 34,8 277,5 103,0 86,5
2015 9 715 29,8 237,1 154,5 80,3 11 878 34,0 283,8 103,7 86,7
2016 9 357 29,9 225,6 144,3 80,4 11 355 33,7 268,7 98,1 86,6
2017 9 589 29,6 228,9 143,4 80,5 11 453 33,1 268,7 96,0 86,8
2018 9 418 29,1 223,1 136,6 80,7 11 178 32,2 260,4 92,2 86,9
2019 9 114 27,8 214,3 128,1 80,8 10 787 30,8 249,6 87,4 87,0
2020 9 568 25,4 223,3 131,0 80,9 10 943 28,4 251,4 87,3 87,1
2021 9 114 26,0 211,0 122,6 80,8 10 531 29,2 240,2 83,3 87,1
2022 9 512 26,1 218,2 123,2 81,4 10 951 28,8 247,9 84,1 87,4
Krebs­erkrankungen 2010 9 054 29,9 235,1 176,3 72,7 7 223 22,3 181,8 110,8 72,9
2011 9 202 30,6 236,0 176,3 72,8 7 258 22,7 180,9 109,3 73,2
2012 9 024 29,4 228,7 168,3 73,0 7 466 22,3 184,3 109,8 73,5
2013 9 200 29,4 230,3 166,8 73,1 7 475 22,2 182,6 107,1 73,8
2014 9 297 30,0 229,7 163,8 73,2 7 468 22,6 180,4 105,3 73,8
2015 9 571 29,3 233,6 163,7 73,5 7 690 22,0 183,8 106,4 73,9
2016 9 371 30,0 225,9 155,6 73,8 7 830 23,2 185,3 105,8 74,0
2017 9 523 29,4 227,3 154,2 74,0 7 772 22,5 182,4 101,9 74,5
2018 9 545 29,5 226,1 150,8 74,0 7 815 22,5 182,1 101,8 74,3
2019 9 322 28,5 219,2 142,8 74,5 7 870 22,5 182,1 99,5 74,8
2020 9 224 24,5 215,2 138,1 74,6 7 706 20,0 177,1 96,2 74,8
2021 9 265 26,4 214,4 136,3 74,5 7 615 21,1 173,7 92,9 75,0
2022 9 310 25,5 213,6 133,2 74,7 7 910 20,8 179,0 94,8 75,0
Atemwegs­erkrankungen 2010 2 007 6,6 52,1 36,0 80,2 1 719 5,3 43,3 18,6 83,4
2011 1 969 6,5 50,5 34,8 80,0 1 764 5,5 44,0 18,9 83,4
2012 2 057 6,7 52,1 35,4 80,6 1 849 5,5 45,6 19,5 83,4
2013 2 167 6,9 54,2 36,4 79,9 1 949 5,8 47,6 20,4 83,3
2014 1 965 6,3 48,5 32,2 80,0 1 869 5,7 45,1 19,1 83,4
2015 2 315 7,1 56,5 36,7 80,4 2 299 6,6 54,9 22,6 84,0
2016 2 183 7,0 52,6 33,4 80,3 1 925 5,7 45,6 18,9 83,6
2017 2 328 7,2 55,6 34,5 80,7 2 321 6,7 54,5 22,3 83,8
2018 2 395 7,4 56,7 34,3 80,8 2 228 6,4 51,9 21,3 83,3
2019 2 366 7,2 55,6 33,0 80,5 2 195 6,3 50,8 20,8 83,2
2020 1 983 5,3 46,3 27,2 80,2 1 774 4,6 40,8 16,5 83,2
2021 1 937 5,5 44,8 25,8 80,5 1 675 4,6 38,2 15,9 82,4
2022 2 351 6,5 53,9 30,5 80,2 2 166 5,7 49,0 19,6 83,2
Demenz 2010 1 610 5,3 41,8 27,6 85,4 3 602 11,1 90,6 31,7 87,8
2011 1 620 5,4 41,5 27,4 85,6 3 588 11,2 89,4 31,3 88,2
2012 1 762 5,7 44,7 29,0 85,4 4 009 12,0 99,0 34,1 88,3
2013 1 819 5,8 45,5 28,8 85,5 4 130 12,3 100,9 34,7 88,2
2014 1 897 6,1 46,9 29,2 85,7 3 908 11,8 94,4 32,1 88,4
2015 1 990 6,1 48,6 29,5 85,6 4 421 12,6 105,6 35,5 88,3
2016 1 832 5,9 44,2 26,2 85,9 4 020 11,9 95,1 31,9 88,3
2017 2 079 6,4 49,6 28,9 85,7 4 509 13,0 105,8 34,8 88,6
2018 2 004 6,2 47,5 26,8 85,8 4 450 12,8 103,7 33,8 88,4
2019 2 079 6,3 48,9 26,6 86,0 4 524 12,9 104,7 33,8 88,7
2020 2 135 5,7 49,8 26,6 86,1 4 389 11,4 100,8 32,3 88,7
2021 1 842 5,2 42,6 22,6 85,6 3 953 11,0 90,2 28,7 88,7
2022 2 047 5,6 47,0 24,3 85,6 4 499 11,8 101,8 32,2 88,6
Äussere ­Ursachen 2010 2 112 7,0 54,8 45,6 60,4 1 454 4,5 36,6 20,4 73,9
2011 2 141 7,1 54,9 45,3 61,3 1 499 4,7 37,4 20,6 74,4
2012 2 151 7,0 54,5 44,7 61,6 1 499 4,5 37,0 20,4 74,6
2013 2 177 7,0 54,5 44,0 62,4 1 642 4,9 40,1 21,0 76,2
2014 2 122 6,9 52,4 41,3 63,7 1 574 4,8 38,0 20,1 75,7
2015 2 299 7,0 56,1 44,3 63,2 1 528 4,4 36,5 19,1 75,9
2016 2 173 6,9 52,4 40,6 64,3 1 542 4,6 36,5 18,6 76,8
2017 2 189 6,8 52,2 40,6 63,5 1 545 4,5 36,3 18,7 76,4
2018 2 233 6,9 52,9 40,3 64,5 1 687 4,9 39,3 20,5 75,7
2019 2 158 6,6 50,7 38,3 64,9 1 619 4,6 37,5 18,3 77,8
2020 2 178 5,8 50,8 38,1 64,6 1 647 4,3 37,8 18,9 76,9
2021 2 277 6,5 52,7 39,3 64,6 1 644 4,6 37,5 18,6 77,3
2022 2 320 6,4 53,2 38,3 66,8 1 812 4,8 41,0 20,0 77,6
COVID-19 2020 4 902 13,0 114,4 64,8 82,2 4 392 11,4 100,9 35,5 86,2
2021 3 156 9,0 73,0 42,5 80,0 2 801 7,8 63,9 24,1 84,7
2022 2 207 6,1 50,6 28,0 82,1 1 907 5,0 43,2 16,0 85,2

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Häufigkeit von Covid-19 als Todesursache

Bis zum Jahr 2019 waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Atemwegserkrankungen, Demenz und äussere Ursachen auch anteilig (proportionale Mortalität, PM) die häufigsten Todes­ursachen bei Männern und Frauen, mit unterschiedlichen prozentualen Anteilen in den verschiedenen Altersgruppen. Während der Pandemie gehörte auch Covid-19 zu den häufigsten Todesursachen (T2). Wenn Covid-19 auf dem Todesursachenzertifikat berichtet wird, wird entsprechend den WHO-Richtlinien ein ­Todesfall auch beim Vorliegen einer Grundkrankheit (z.B. Krebs) mit Covid-19 als Haupttodesursache kodiert (WHO, 2020, BFS, 2022b). Damit ist gewährleistet, dass sich die populationsbezogene Krankheitslast, welche durch Covid-19 verursacht wird, in den Todesursachenstatistiken widerspiegelt.

Im Jahr 2020 war Covid-19 bei Männern (13%) und Frauen (11,4%) nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Männer: 25.4%, Frauen: 28.4%) und Krebs (Männer: 24,5%, Frauen: 20%) die dritthäufigste Todesursache. Im Jahr 2021 lag Covid-19 mit 9,0% bei den Männern immer noch an dritter Stelle der häufigsten Todesursachen und bei Frauen mit 7.8% an vierter Stelle nach Demenz mit einem Anteil von 11,0%.

Im Jahr 2022 befand sich Covid-19 sowohl bei Männern mit 6,1% als auch bei Frauen mit 5,0% an fünfter Stelle der häufigsten Todesursachen. Dahingegen waren die Atemwegserkrankungen im Jahr 2022 bei Männern nun mit einem Anteil von 6,5% und bei Frauen mit einem Anteil von 5,7% an dritter und vierter Stelle vertreten (T2).

Häufigsten Todesursachen, 2020–2022 T2

2020
Todesursache (%)
2021
Todesursache (%)
2022
Todesursache (%)
Total
HKE (26,9%) HKE (27,6%) HKE (27,5%)
Krebs (22,2%) Krebs (23,7%) Krebs (23,1%)
COVID-19 (12,2%) COVID-19 (8,4%) Demenz (8,8%)
Demenz (8,6%) Demenz (8,1%) Atemwegserkr. (6,1%)
Äussere U. (5,0%) Äussere U. (5,5%) COVID-19 (5,5%)
Atemwegserkr. (4,9%) Atemwegserkr. (5,1%) Äussere U. (5,6%)
Männer
HKE (25,4%) Krebs (26,4%) HKE (26,1%)
Krebs (24,5%) HKE (26,0%) Krebs (25,5%)
COVID-19 (13,0%) COVID-19 (9,0%) Atemwegserkr. (6,5%)
Äussere U. (5,8%) Äussere U. (6,5%) Äussere U. (6,4%)
Demenz (5,7%) Atemwegserkr. (5,5%) COVID-19 (6,1%)
Atemwegserkr. (5,3%) Demenz (5,2%) Demenz (5,6%)
Frauen
HKE (28,4%) HKE (29,2%) HKE (28,8%)
Krebs (20,0%) Krebs (21,1%) Krebs (20,8%)
COVID-19 (11,4%) Demenz (11,0%) Demenz (11,8%)
Demenz (11,4%) COVID-19 (7,8%) Atemwegserkr. (5,7%)
Atemwegserkr. (4,6%) Atemwegserkr. (4,6%) COVID-19 (5,0%)
Äussere U. (4,3%) Äussere U. (4,6%) Äussere U. (4,8%)

HKE = Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Atemwegserkr. = Atemwegserkrankungen
Äussere U.= Äussere Ursachen

Quelle: BFS – Todesursachenstatistik (CoD)

© BFS 2023

Altersabhängige Sterblichkeit durch Covid-19

Die Übersterblichkeit während der Pandemie war fast ausschliesslich in der Altersgruppe 65-Jährig und älter zu beobachten. Auch der grösste Anteil der Covid-19-Todesfälle ist in dieser Altersgruppe zu finden. Während die altersspezifische jährliche Sterberate für Covid-19 bei den 0–64-Jährigen noch bei ungefähr 5 Männern und Frauen pro 100 000 Einwohner und Einwohnerinnen lag, stieg sie in den darüberliegenden Altersgruppen steil an und war bei den über 85-Jährigen mit ca. 3000 Männern und 2000 Frauen pro 100 000 Einwohner und Einwohnerinnen im Jahr 2020 am ausgeprägtesten (G2).

Im Jahr 2020 lag das Durchschnittsalter der Covid-19-Todesfälle für Männer bei 82,2 Jahren und für Frauen bei 86,2 Jahren. In den beiden folgenden Jahren hat das Sterbealter bei Männern mit Covid-19 als Haupttodesursache zunächst leicht abgenommen (2021: 80,0 Jahre), um anschliessend wieder anzusteigen (2022: 82,1 Jahre).

Bei Frauen mit Covid-19 als Haupttodesursache ist das Sterbealter aufgrund von Covid-19 in den Jahren 2021 und 2022 etwas gesunken und lag bei ca. 85 Jahren (2021: 84,7 Jahre; 2022: 85,2 Jahre) (T1).

Wie die altersspezifischen Sterberate ist auch die prozentuale Verteilung der Todesursachen (proportionale Mortalität) bei Männern und Frauen stark altersabhängig. Während generell in der Altersgruppe der 0–64-Jährigen bei Männern und Frauen der Krebs dominiert, gewinnen in der Altersgruppe der 65–79-Jährigen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen zunehmend an Bedeutung und liegen dann in der Altersgruppe der Über-80-Jährigen an erster Stelle. Mit dem erstmaligen Auftreten von Covid-19 im Jahr 2020 zeigten sich altersabhängig in einzelnen Todesursachen leichte Veränderungen in den prozentualen Anteilen.

Bei beiden Geschlechtern zeigte sich im Jahr 2020 im Vergleich zu den Vorjahren bei den Todesursachen der 65–79-Jährigen anteilig ein Rückgang der Krebserkrankungen (G4) und bei den Über-80Jährigen anteilig ein Rückgang bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Demenz (G5). Bei den 0–64-jährigen Frauen und Männern erkennt man ebenfalls eine Abnahme des Anteils der Krebserkrankungen an der Gesamtmortalität während der Pandemie (G3).


Begleiterkrankungen der Covid-19 Todesfälle

Neben der Zunahme der Covid-19 Todesfälle mit dem Alter starben vor allem auch Männern und Frauen mit Begleiterkrankungen. Bei den Begleiterkrankungen ist oft nicht klar, ob es sich um eine vorbestehende Kranheit (wie z. B. Demenz) oder um eine Folgekranheit (wie z. B. Pneumonie) handelt. Für mehr als 95% der Männer und Frauen, die an Covid-19 gestorben sind, wurde auf dem Todesursachenzertifikat mindestens eine Begleiterkrankung bescheinigt. Die häufigsten Begleiterkrankungen waren in diesen Fällen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (2020: 69,0%, 2021: 67,5%, 2022: 69,9%) und Atemwegserkrankungen (2020: 68,8%, 2021: 76,0%, 2022: 69,6%) (T3). Dabei war der Anteil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Begleiterkrankung bei Männern und Frauen im Verlauf der Pandemie ähnlich und der Anteil der Atemwegserkrankungen als Begleiterkrankung bei den Männern etwas höher als bei den Frauen. Der Anteil der Atemwegserkrankungen als Begleiterkrankung war in 2021 mit 83,0% bei den Männern und 68,1% bei den Frauen im Vergleich zu 2020 (Männer: 75,9%, Frauen: 60,8%) und 2022 (Männer: 75,5%, Frauen: 62,7%) am höchsten.

Weitere häufige Begleiterkrankungen bei Covid-19-Todesfällen waren Demenz (2020: 22,5%, 2021: 15,9%, 2022: 17,5%), Diabetes mellitus (2020: 13,5%, 2021: 13,3%, 2022: 10,5%) und Krebs­erkrankungen (2020: 9,8%, 2021: 11,6%, 2022: 14,4%). Die Rolle von Demenz als Begleiterkrankung bei Covid-19-Todesfällen hat im Laufe der Pandemie tendenziell abgenommen, während Diabetes mellitus als Begleiterkrankung erst im Jahr 2022 um fast ein Drittel niedriger war als im Jahr 2020. Demgegenüber hat der Anteil von Krebserkrankungen als Begleiterkrankung bei Covid-19-­Todesfällen im Pandemieverlauf bei beiden Geschlechtern zugenommen (T3).

Begleiterkrankungen von Sterbefällen mit COVID-19
als HaupttodesursacheT3

2020 2021 2022
Anzahl % Anzahl % Anzahl %
Total
Sterbefälle mit COVID-19 als Haupt­todesursache 9 294 100,0 5 957 100,0 4 114 100,0
davon mit mindestens einer Begleiterkrankung 8 948 96,3 5 724 96,1 4 043 98,3
Begleiterkrankungen  1) 2)
Herz-Kreislauf-E. 6 412 69,0 4 018 67,5 2 876 69,9
Atemwegs­erkrankungen 6 393 68,8 4 526 76,0 2 863 69,6
Demenz 2 095 22,5 946 15,9 722 17,5
Diabetes mellitus 1 256 13,5 792 13,3 432 10,5
Krebserkrankungen 913 9,8 693 11,6 592 14,4
Männer
Sterbefälle mit COVID-19 als Haupt­todesursache 4 902 100,0 3 156 100,0 2 207 100,0
davon mit mindestens einer Begleiterkrankung 4 721 96,3 3 042 96,4 2 167 98,2
Begleiterkrankungen  1) 2)
Herz-Kreislauf-E. 3 433 70,0 2 092 66,3 1 497 67,8
Atemwegs­erkrankungen 3 722 75,9 2 620 83,0 1 667 75,5
Demenz 851 17,4 391 12,4 327 14,8
Diabetes mellitus 738 15,1 465 14,7 245 11,1
Krebserkrankungen 601 12,3 456 14,4 367 16,6
Frauen
Sterbefälle mit COVID-19 als Haupt­todesursache 4 392 100,0 2 801 100,0 1 907 100,0
davon mit mindestens einer Begleiterkrankung 4 227 96,2 2 682 95,8 1 876 98,4
Begleiterkrankungen  1) 2)
Herz-Kreislauf-E. 2 979 67,8 1 926 68,8 1 379 72,3
Atemwegs­erkrankungen 2 671 60,8 1 906 68,1 1 196 62,7
Demenz 1 244 28,3 555 19,8 395 20,7
Diabetes mellitus 518 11,8 327 11,7 187 9,8
Krebserkrankungen 312 7,1 237 8,5 225 11,8

Herz-Kreislauf-E. = Herz-Kreislauf-Erkrankungen
1 Ein COVID-19 Fall kann eine oder mehrere Begleiterkrankungen haben. Bei Begleiterkrankungen kann es sich sowohl um Vorerkrankungen als auch um Folgeerkrankungen handeln.
2 Anteil der Begleiterkrankungen in Prozent wird berechnet basierend auf allen Sterbefällen mit COVID-19 als Haupttodesursache.

Quelle: BFS – Todesursachenstatistik (CoD)

© BFS 2023

Für die veränderten Anteile der Begleitkrankheiten im Verlauf der Pandemie gibt es eine Reihe von Erklärungsansätzen. So ist nicht auszuschliessen, dass der Anteil an Atemwegserkrankungen als Begleiterkrankung bei Covid-19-Todesfällen im Jahr 2021 höher war als im Jahr 2020 und 2022, weil im Jahr 2021 mehr Covid-19-Tests durchgeführt wurden und so Covid-19 als Haupttodesursache möglicherweise häufiger erkannt wurde. Dieses veränderte Testverhalten könnte im übrigen auch den Rückgang des Anteils an Atemwegserkrankungen als Haupttodesursache im Jahr 2021 erkären.

Die Abnahme von Demenz als Begleiterkrankung bei Covid-19-­Todesfällen könnte damit zusammenhängen, dass das Risiko an Covid-19 zu versterben aufgrund des überwiegend fortgeschrittenen Alters von Demenzkranken gerade zu Beginn der Pandemie besonders hoch war. In ähnlicher Weise könnte es sein, dass Diabeteskranke im Jahr 2022 anteilig weniger betroffen waren, weil viele dieser Patientinnen und Patienten aufgrund ihres erhöhten Risikos für einen schweren Krankheitsverlauf bereits in den beiden Vorjahren verstorben sind. Bei beiden Diagnosen könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass im Jahr 2022 insgesamt weniger Covid-19-­Tests als im Vorjahr durchgeführt wurden. Möglicherweise wurden bei bestimmten Diagnosegruppen aus medizinischen Gründen aber auch in 2022 weiterhin viele Covid-19-­Tests durchgeführt. Hierdurch könnten sich die im Jahr 2021 und 2022 im Vergleich zu 2020 beobachteten höheren Anteile von Krebs als Begleitdiagnose von Covid-19-Todesfällen erklären.

Covid-19 Todesfälle in den Kantonen

Der Verlauf der Covid-19-Pandemie war nicht in allen Kantonen gleich. Gerade zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 sind in den Kantonen Genf, Waadt, Neuchâtel, Fribourg und Wallis sowie im Tessin mit einer standardisierten Sterberate von 65 und mehr Fällen pro 100 000 Einwohner und Einwohnerinnen die meisten Covid-19-Todesfälle aufgetreten. Im zweiten Jahr der Pandemie lag die standardisierte Sterberate in den meisten Kantonen bereits unter 50 Fällen pro 100 000 Einwohner und Einwohnerinnen. In den Kantonen Glarus (73,1), Schwyz (53,1) und Thurgau (52,1) wurden dagegen höhere Raten beobachtet. Im Jahr 2022 lag die standardisierte Sterberate in allen Kantonen bei weniger als 35 Fällen pro 100 000 Einwohner und Einwohnerinnen.


Resume

Die Covid-19-Pandemie ist im Zeitraum 2020 bis 2022 regional unterschiedlich verlaufen. Zeitlich kam es insbesondere in den Jahren 2020 und 2021 zu Perioden mit ausgeprägter Übersterblichkeit durch Covid-19. Inwieweit die in dieser Zeit ergriffenen Schutzmassnahmen und Impfkampagnen den Verlauf der Pandemie in der Schweiz beeinflusst haben, kann anhand der vorliegenden Daten nicht beurteilt werden.

Durch die im Zeitverlauf unterschiedliche Verfügbarkeit und Anwendung von Covid-19-Tests ist es besonders zu Beginn und Ende der Berichtsperiode 2020 bis 2022 vermutlich zu einer Untererfassung von Covid-19 als Todesursache gekommen. Todesfälle sind vermehrt bei älteren Personen, bei Männern und bei Personen mit Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Demenz, Diabetes und Krebs aufgetreten.

Literaturverzeichnis

BFS (2022a): BFS Medienmitteilung 29.08.2022, «Covid-19 war 2020 die dritthäufigste Todesursache in der Schweiz»,

www.statistik.ch → Statistiken finden → Gesundheit → Gesundheitszustand → Sterblichkeit, Todesursachen → Spezifische Todesursachen

BFS (2022b): Methodische Erläuterungen. Öffentliche Statistiken zu Todesfällen, Übersterblichkeit, Todesursachen und meldepflichtigen Erkrankungen. Fünfte, überarbeitete Version vom
16.05.2022, www.statistik.ch → Statistiken finden → Gesundheit → Gesundheitszustand → Sterblichkeit, Todesursachen

WHO (2020): COVID-19: Surveillance, case investigation and epidemiological protocols 7. 06.2020, Medical certification, ICD mortality coding, and reporting mortality associated with COVID-19, https://www.who.int/publications/i/item/WHO-2019-nCoV-mortality-reporting-2020-1