Ausländische Arbeitskräfte in der Schweiz: Analyse der 25 häufigsten Nationalitäten, Durchschnittswerte 2018–2022

Zusammenfassung

Die vorliegende Publikation betrachtet die Arbeitsmarktsituation von ausländischen Staatsangehörigen in der Schweiz, mit Fokus auf die 25 häufigsten Nationalitäten: Italien, Deutschland, Portugal, Frankreich, Kosovo, Spanien, Türkiye, Nordmazedonien, Serbien, Österreich, das Vereinigte Königreich, Polen, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Sri Lanka, Eritrea, Brasilien, die Niederlande, die Slowakei, China, Griechenland, die Vereinigten Staaten und Russland.

Der Vergleich zwischen den untersuchten Nationalitäten ergibt ein sehr kontrastreiches Bild. Bei Personen aus EU-Staaten sind für gewisse Nationalitäten hohe Erwerbstätigenquoten von 85% oder mehr hervorzuheben (Deutschland, Österreich, Slowakei, Frankreich und Griechenland). Auch Frauen aus diesen Staaten weisen hohe Erwerbstätigenquoten auf. Erwerbstätige aus den Niederlanden, Griechenland, Deutschland, Frankreich und Österreich sind mit Anteilen von mehr als 30% vergleichsweise oft in Führungspositionen vertreten. Ebenfalls sind bei den Erwerbstätigen aus den EU-Staaten Niederlande, Griechenland, Frankreich und Deutschland überdurchschnittliche Anteile an Hochqualifizierten zu verzeichnen, dies in Bezug auf die Ausbildung auf Tertiärstufe bzw. den ausgeübten Beruf.

Bei Ausländerinnen und Ausländern aus den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich sind anteilsmässig noch mehr Hochqualifizierte festzuhalten als bei den Europäerinnen und Europäern. Entsprechend besetzt diese Ausländergruppe in der Schweiz am häufigsten eine Führungsposition.

Auch Russinnen und Russen zählen in der Schweiz zu den Erwerbstätigen mit den höchsten Anteilen an Hochqualifizierten, allerdings weisen sie unter den analysierten Nationalitäten die tiefste Erwerbsbeteiligung auf.

Erwerbstätige aus Staaten Ex-Jugoslawiens verfügen weitaus seltener über eine Ausbildung auf Tertiärstufe oder üben einen hochqualifizierten Beruf aus. Im Vergleich mit den anderen untersuchten ausländischen Nationalitäten sind sie häufig im Industriesektor und deutlich seltener im Dienstleistungssektor tätig.

Personen aus Eritrea und Sri Lanka weisen zum einen prozentual die wenigsten Hochqualifizierten auf, zum anderen sind sie am häufigsten als Hilfsarbeitskräfte tätig. Im Weiteren ist der Anteil der Arbeitnehmenden mit Führungsfunktion bei diesen Nationalitäten am tiefsten.

1 Einleitung

Personen ausländischer Nationalität nehmen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle ein. Im Jahr 2022 belief sich ihr Anteil gemäss Schweizerischer Arbeitskräfteerhebung (SAKE) auf 26,9% der 15-jährigen und älteren Erwerbstätigen, bei den ­25- bis 64-jährigen Erwerbstätigen waren es gar 28,5%. Bei Analysen zur Arbeitsmarktsituation werden Ausländerinnen und Ausländer oftmals als eine Gruppe oder allenfalls differenziert nach EU/EFTA und Drittstaaten betrachtet und kommentiert, jedoch selten nach detaillierter Nationalität. Die vorliegende Publikation widmet sich der Situation der einzelnen ausländischen Nationalitäten auf dem Arbeitsmarkt: Erwerbsbeteiligung, Merkmale und Qualifikationen der Erwerbstätigen sowie ihre Arbeitsbedingungen. Der Fokus liegt bei den 25 häufigsten ausländischen Nationalitäten in der Schweiz. gemäss Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP) 2021

Datengrundlage bildet die SAKE. Sämtliche Ergebnisse beziehen sich auf die 25- bis 64-Jährigen, um den Effekt der Ausbildung oder der Pensionierung und dem Ruhestand auszuschliessen.
Da die Fallzahlen für gewisse ausländische Nationalitätengruppen tief sind, wurden Durchschnittswerte von fünf Jahren analysiert (2018–2022). Ergebnisse, die auf wenig Beobachtungen basieren und aus diesem Grund mit grosser Vorsicht zu interpretieren sind, werden im Text mit einem hochgestellten u gekennzeichnet (u: unzuverlässiger Wert).

Die grössten Anteile in der ständigen Wohnbevölkerung von 15 Jahren und älter machten im Jahr 2021 Ausländerinnen und Ausländer aus Italien (3,9%), Deutschland (3,6%) und Portugal (2,9%) aus, gefolgt von Frankreich (1,7%), Kosovo (1,2%) und Spanien (1,0%; vgl. G1). Die restlichen untersuchten Nationalitäten entsprechen jeweils weniger als einem Prozent der ständigen Wohnbevölkerung.


2 Erwerbsbeteiligung

In den Jahren 2018 bis 2022 Sämtliche Ergebnisse beziehen sich auf die Durchschnittswerte 2018–2022. (Durchschnitt) waren in der Schweiz 3,980 Millionen 25- bis 64-jährige Personen erwerbstätig. Die Erwerbstätigenquote belief sich auf 83,5%. Die Betrachtung der detaillierten Nationalitäten zeigt, dass Personen aus dem EU-Raum sowie Schweizerinnen und Schweizer mit Quoten von 85% oder mehr die höchste Erwerbsbeteiligung aufweisen (Deutschland: 89,9%; Österreich: 89,5%; Slowakei: 86,4%; Frankreich: 86,3%; Griechenland: 85,0%; Schweizerinnen und Schweizer: 85,5%; vgl. G2). Unter den 25 untersuchten ausländischen Nationalitäten ist die tiefste Erwerbsbeteiligung mit weniger als 60% für Russland (59,0%), Eri­trea (59,2%) und Türkiye (59,8%) festzuhalten.

Markante Unterschiede zwischen Männern und Frauen aus Eritrea, Nordmazedonien und Türkiye

Unter allen untersuchten Nationalitäten ist die Erwerbstätigenquote der Männer höher als jene der Frauen. Bei den bereits erwähnten ausländischen Nationalitäten mit tiefen Gesamterwerbstätigenquoten sind die Unterschiede besonders ausgeprägt. So beträgt die Differenz zwischen Männern und Frauen aus Eritrea, Nordmazedonien und Türkiye mehr als 25 Prozentpunkte und die Erwerbstätigenquote der Frauen liegt bei weniger als 50% (Eritrea: 38,9%u gegenüber 75,6% bei den Männern; Türkiye: 44,9% gegenüber 72,1%: Nordmazedonien: 47,6% gegenüber 82,6%). Analog zu den Gesamterwerbstätigenquoten ist die höchste Erwerbsbeteiligung der Frauen bei Personen aus Österreich (87,5%: Männer: 91,3%), Deutschland (85,5%: Männer: 93,4%), Frankreich (82,3%: Männer: 89,4%) und der Slowakei (81,7%: Männer: 91,8%) zu verzeichnen. Auch bei Frauen aus Portugal und den Niederlanden beläuft sich die Erwerbstätigenquote auf über 80% (81,6% bzw. 80,5%: Männer: 87,2% bzw. 88,0%). Schweizerinnen weisen ebenfalls eine vergleichsweise hohe Quote auf (81,7%: Schweizer: 89,4%).

3 Erwerbstätige nach Geschlecht und Alter

Je nach Herkunftsland unterscheiden sich die soziodemografischen Merkmale der erwerbstätigen Bevölkerung und die Voraussetzungen für die Beteiligung am Arbeitsmarkt stark. Dieses Kapitel beleuchtet die Geschlechts- und Altersstruktur der Erwerbstätigen nach Nationalität. Die Qualifikationen werden im darauffolgenden Kapitel behandelt.

Hoher Frauenanteil bei Erwerbstätigen aus Brasilien und Russland

Bei den Erwerbstätigen insgesamt beläuft sich der Frauenanteil in der Schweiz auf 46,7% und der Männeranteil auf 53,3%. Nach detaillierter Nationalität betrachtet bilden Männer in der jeweiligen Erwerbstätigenbevölkerung die Mehrheit, mit Ausnahme von vier Nationalitäten. Bei Erwerbstätigen aus Brasilien und Russland liegt der Frauenanteil deutlich über 50% (68,5% gegenüber einem Männeranteil von 31,5% bzw. 66,5% gegenüber einem Männeranteil von 33,5%). Rumäninnen und Chinesinnen machen unter der entsprechenden Erwerbstätigenbevölkerung etwas mehr als die Hälfte aus (52,7% gegenüber 47,3% bzw. 52,1% gegenüber 47,9%). Auch bei Personen aus Österreich, der Slowakei und der Schweiz ist das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen (vgl. G3), während sich der Anteil der Frauen aus Türkiye, dem Vereinigten Königreich und Eritrea auf ein Drittel oder weniger beläuft.

Knapp 70% der Erwerbstätigen aus Rumänien
und Russland sind 25- bis 39-jährig

Die deutliche Mehrheit der untersuchten ausländischen Nationalitäten weist eine jüngere Erwerbstätigenbevölkerung auf als die Schweizerinnen und Schweizer. Der Anteil der 25- bis 39-jährigen Erwerbstätigen beläuft sich bei Schweizerinnen und Schweizern auf 35,8% (vgl. G4). Einzig Erwerbstätige aus Sri Lanka (27,1%), dem Vereinigten Königreich (30,1%) und den Niederlanden (30,8%) weisen tiefere Anteile dieser Altersgruppe auf, während sich die entsprechenden Werte bei vier ausländischen Nationalitäten auf mehr als 60% beläuft (Rumänien: 69,1%; Russland: 68,0%; Nordmazedonien: 61,2%; Kosovo: 60,4%).

Entsprechend ist der Anteil der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen aus Rumänien, Russland und Eritrea sowie aus China und der Slowakei vergleichsweise tief (weniger als 4%), während die höchsten Anteile dieser Altersgruppe für Erwerbstätige aus den Niederlanden (23,7%) und der Schweiz (24,3%) hervorzuheben sind, gefolgt von jenen aus Italien (18,3%), Sri Lanka (17,9%), Österreich und den Vereinigten Staaten (je 17,8%) und Kroatien (17,6%).i


4 Qualifikationen der Erwerbstätigen

Im Zeitraum 2018–2022 verfügten insgesamt 47,4% der Erwerbstätigen in der Schweiz über eine tertiäre Ausbildung, und 53,4% der Erwerbstätigen übten einen hochqualifizierten Beruf aus (Führungskräfte, intellektuelle und wissenschaftliche Berufe, Techniker/-innen und gleichrangige nichttechnische Berufe), wobei auch hier festzuhalten ist, dass sich die Qualifikationsstruktur je nach Nationalität stark unterscheidet.

Rund 90% der Erwerbstätigen aus den Vereinigten Staaten und Russland mit tertiärer Ausbildung

92,5% der Erwerbstätigen aus den Vereinigten Staaten bzw. 87,8% jener aus Russland verfügen über eine Ausbildung auf tertiärer Stufe. Auch die ausländischen Arbeitskräfte aus dem Vereinigten Königreich (80,4%), den Niederlanden (76,3%) und Griechenland (72,7%) haben ausgesprochen oft eine tertiäre Ausbildung absolviert. Wie aus Grafik G5 ersichtlich wird, geht dies mit einer Tätigkeit in einem hochqualifizierten Beruf einher. Diese ausländischen Staatsangehörigen weisen hohe Anteile hochqualifizierter Erwerbstätiger auf (von 76,7% der Russinnen und Russen bis zu 88,6% der US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner; bei Personen aus Griechenland liegt der Anteil mit 67,5% etwas tiefer). Ebenfalls über einen hohen Anteil an tertiär Ausgebildeten verfügen Erwerbstätige aus gewissen weiteren EU-Staaten (Frankreich: 69,9%; Polen: 68,6%; Deutschland: 66,1%); Franzosen und Deutsche sind zu über 70% in einem hochqualifizierten Beruf tätig (Polen: 55,0%). Im Vergleich dazu haben 48,2% der Schweizer Erwerbstätigen eine tertiäre Ausbildung absolviert bzw. üben 56,0% einen hochqualifizierten Beruf aus. Abgesehen von Kroatien sind Erwerbstätige aus Ex-Jugoslawien mit Anteilen zwischen 12% und 20% deutlich seltener tertiär ausgebildet, und mit Anteilen auf demselben Niveau auch verhältnismässig selten in einem hochqualifizierten Beruf tätig.

50% der Personen aus Sri Lanka arbeiten
als Hilfsarbeitskräfte

Personen aus Eritrea und Sri Lanka sind seltener hochqualifiziert (weniger als 10% mit tertiärer Ausbildung bzw. in hochqualifiziertem Beruf tätig). Stattdessen sind sie wesentlich häufiger als andere Nationalitäten als Hilfsarbeitskräfte tätig (Sri Lanka: 47,5%; Eritrea: 37,5%). Mit Anteilen von mehr als 20% arbeiten ausländische Erwerbstätige aus Nordmazedonien (28,3%), Kosovo (24,4%), Brasilien (23,7%), Portugal (21,2%) und Serbien (20,9%) ebenfalls überdurchschnittlich oft als Hilfsarbeitskräfte. Bei Schweizerinnen und Schweizern beläuft sich der entsprechende Anteil auf 3,3%.


5 Teilzeiterwerbstätigkeit

Die Teilzeiterwerbstätigkeit (Beschäftigungsgrad von weniger als 90%) ist in der Schweiz weit verbreitet. Insgesamt arbeitet etwas mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen zu einem reduzierten Beschäftigungsgrad. Nebst der Nationalität hat vor allem das Geschlecht einen bedeutenden Einfluss auf diese Arbeitsform.

Vier von fünf Frauen aus Sri Lanka arbeiten Teilzeit

Die höchsten Teilzeitquoten weisen Erwerbstätige aus Brasilien (46,5%) und Sri Lanka (42,4%) auf, Schweizerinnen und Schweizer folgen mit 40,5% an dritter Stelle. Auf der Gegenseite arbeiten weniger als 20% der Griechinnen und Griechen in der Schweiz Teilzeit (15,9%).

Diese Arbeitsform ist weiblich dominiert – Frauen aller untersuchten Nationalitäten sind häufiger teilzeiterwerbstätig als Männer (vgl. G6). Die höchste Teilzeitquote der Frauen ist bei Sri-Lankerinnen vorzufinden (79,0%; Männer: 15,2%u), gefolgt von Kosovarinnen (70,5%; Männer: 8,6%u), Eritreerinnen (66,3%u; Männer: 20,7%u) und Schweizerinnen (65,2%; Schweizer: 17,2%). Demgegenüber arbeiten lediglich 30,8%u der Griechinnen bzw. 34,9% der Rumäninnen in der Schweiz Teilzeit (entsprechende Männer: 8,1% u bzw. 8,6% u ). Die Geschlechterdifferenzen sind insbesondere bei Personen aus Nordmazedonien und Portugal frappant. Bei diesen beiden Nationalitäten ist der Teilzeitanteil bei den Frauen rund zehnmal höher als bei den Männern (Nordmazedonien: 61,0% gegenüber 6,0%u; Portugal: 45,4% gegenüber 4,6%).

6 Berufliche Stellung

Abgesehen von zwei Nationalitäten sind Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz seltener als Selbstständigerwerbende tätig als Schweizerinnen und Schweizer. Von Letzteren sind 84,0% als Arbeitnehmende und 16,0% als Selbstständigerwerbende oder mitarbeitende Familienmitglieder tätig (gleiche Anteile für Erwerbstätige aus dem Vereinigten Königreich). In diesem Kapitel sind die Lernenden in der beruflichen Grundbildung ausgeschlossen. Lediglich Erwerbstätige aus Türkiye (16,5%) und den Niederlanden (20,4%) sind häufiger selbstständigerwerbend. Die tiefsten Anteile Selbstständigerwerbender sind bei Erwerbstätigen aus Nordmazedonien sowie aus den EU-Staaten Ungarn, Portugal, Polen, Rumänien und Spanien zu verzeichnen (weniger als 10%).

Erwerbstätige aus dem Vereinigten Königreich
am häufigsten in Führungsposition

Insgesamt besetzen 28,5% der Erwerbstätigen eine Stelle mit Führungsfunktion. Erwerbstätige aus dem Vereinigten Königreich (44,3%) und aus den Vereinigten Staaten (38,8%) sind ausgesprochen häufig als Arbeitnehmende in einer Führungsposition tätig, sowohl Männer (49,7% bzw. 44,1%) als auch Frauen (33,3% bzw. 31,3%u). Ebenfalls hohe Anteile von rund einem Drittel sind für Erwerbstätige aus gewissen EU-Staaten zu beobachten (Niederlande und Griechenland: je 35,9%; Deutschland: 35,5%; Frankreich: 34,8%; Österreich: 33,1%; vgl. G7). Auch Frauen dieser Nationalitäten weisen hohe Anteile an Führungspositionen auf. Von den Schweizerinnen und Schweizern haben insgesamt 28,7% eine Führungsposition inne (Frauen: 21,6%). Auf der Gegenseite besetzen Arbeitnehmende aus Eritrea (8,3%u) und Sri Lanka (12,1%) vergleichsweise selten eine Führungsposition, egal ob Männer oder Frauen.

7 Wirtschaftssektoren

Nahezu 90% der niederländischen bzw. chinesischen Erwerbstätigen arbeiten im Dienstleistungssektor

Insgesamt arbeiten in der Schweiz 2,2% der Erwerbstätigen im primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft), 20,4% im sekundären Sektor (Industriesektor) und 77,1% im tertiären Sektor (Dienstleistungssektor). Nach Nationalität betrachtet sind Erwerbstätige aus den Niederlanden mit 87,5% am häufigsten im tertiären Sektor tätig, gefolgt von jenen aus China (86,9%), den Vereinigten Staaten (84,4%) und Brasilien (84,2%), was mit einer tiefen Beteiligung im sekundären Sektor einhergeht (vgl. G8). Ebenfalls überdurchschnittliche Anteile von 80% oder mehr Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor weisen Personen aus folgenden Staaten auf: Russland, Griechenland, Rumänien, Vereinigtes Königreich und Frankreich.

Ausländische Arbeitskräfte aus Ex-Jugoslawien sowie aus Portugal sind mit Anteilen von mehr als 30% am häufigsten im Industriesektor tätig, entsprechend ist der Dienstleistungssektor unter diesen ausländischen Nationalitäten am schwächsten ausgeprägt (zwischen 55,2% für Kosovo bis zu 65,9% für Bosnien und Herzegowina).


8 Arbeitsbedingungen

Dieses Kapitel zu den Arbeitsbedingungen behandelt flexible Arbeitszeiten, befristete Arbeitsverträge, Arbeit auf Abruf und atypische Arbeitszeiten (Abend-, Nacht-, Wochenendarbeit). Die Revision der SAKE im Jahr 2021 hat zwischen 2020 und 2022 für einen Teil der Ergebnisse zu einem Bruch in der Zeitreihe geführt. Betroffen sind u. a. die Arbeit auf Abruf und die atypischen Arbeitszeiten. Auch wenn sich dieser Bruch auf die in diesem Kapitel kommentierten Durchschnittswerte 2018–2022 auswirkt, sollte er den Vergleich zwischen den Nationalitäten nicht beeinträchtigen.

In der Schweiz profitieren insgesamt 47,4% der Arbeitnehmenden In diesem Kapitel sind die Lernenden in der beruflichen Grundbildung ausgeschlossen. von flexiblen Arbeitszeiten, 6,6% sind befristet angestellt und 5,4% arbeiten auf Abruf. Regelmässige Abend- und/oder Nachtarbeit leisten 15,4% und regelmässige Wochenendarbeit 18,1% der Erwerbstätigen. Auch diesbezüglich unterscheidet sich die Situation je nach Nationalität stark.

Rund zwei Drittel der Arbeitnehmenden
aus dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten mit flexiblen Arbeitszeiten

Im Allgemeinen verfügen Hochqualifizierte häufiger über flexible Arbeitszeiten als Hilfsarbeitskräfte. So sind die flexiblen Arbeitszeiten bei Ausländerinnen und Ausländern aus dem Vereinigten Königreich (65,9%) und den Vereinigten Staaten (64,7%) am häufigsten anzutreffen. Diese ausländischen Nationalitäten weisen wie bereits erwähnt die höchsten Anteile an Hochqualifizierten auf. Neben Personen aus Russland (61,1%) können mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden aus den EU-Staaten Niederlande (62,5%), Deutschland (57,4%), Österreich (54,6%) und Frankreich (53,6%) ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten. Von den Schweizer Arbeitnehmenden sind es 51,2% (vgl. G9).

Demgegenüber profitieren lediglich rund 10% der Arbeitnehmenden aus Eritrea und Sri Lanka von flexiblen Arbeitszeiten. Bei Arbeitnehmenden aus den Staaten Ex-Jugoslawiens reichen die Anteile zwischen 14,8% (Kosovo) und 20,0% (Serbien) und sind ebenfalls vergleichsweise tief, ähnlich für portugiesische Arbeitnehmende (20,2%).

Arbeitnehmende aus China, den Vereinigten Staaten und Russland am häufigsten befristet angestellt

Bei Schweizer Arbeitnehmenden beläuft sich der Anteil befristeter Arbeitsverträge auf 5,4% (vgl. G10). Die Ergebnisse beziehen sich auf den Durchschnitt der Jahre 2018, 2019, 2020 und 2022, da für das Jahr 2021 die Dauer von «weniger als einem Jahr» nicht ausgewiesen werden kann. Arbeitnehmende aus Kosovo, Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina weisen ähnliche Anteile auf und zählen zu den Nationalitäten mit den tiefsten Anteilen an befristeten Arbeitsverträgen. Im Vergleich dazu sind 23,7%u der Arbeitsnehmenden aus China, 19,7%u aus den Vereinigten Staaten und 16,2%u aus Russland für eine befristete Dauer angestellt. Unter den Ausländerinnen und Ausländern der analysierten EU-Staaten reicht die Spannweite von 5,8%u (Kroatien) bis 14,5%u (Griechenland).

Werden nur befristete Arbeitsverträge mit einer Dauer von weniger als einem Jahr betrachtet, so sieht die Verteilung anders aus: Die höchsten Anteile kurzer befristeter Arbeitsverträge sind bei Arbeitnehmenden aus Eritrea (7,9%u) und Brasilien (5,5%u) zu beobachten, die tiefsten mit weniger als 2% bei jenen aus Österreich, Griechenland, Deutschland und Kroatien. Arbeitnehmende aus Russland und China weisen tiefe Anteile auf (2,7%u bzw. 2,6%u), während jene aus den Vereinigten Staaten mit 3,9%u über dem Schweizer Durchschnitt liegen (2,4%).

Arbeitnehmende aus Sri Lanka arbeiten
am häufigsten auf Abruf

Arbeit auf Abruf wird von 4,9% der Schweizerinnen und Schweizer geleistet (vgl. G11). Diese Arbeitsform kommt bei den
Arbeitnehmenden aus den EU-Staaten Italien, Deutschland und Frankreich weniger häufig vor; auch Arbeitnehmende aus den Vereinigten Staaten sind mit 4,2%u selten auf Abruf tätig.
Deutlich höhere Anteile sind bei Arbeitnehmenden aus Sri Lanka, Nordmazedonien und Eritrea vorzufinden.


Atypische Arbeitszeiten bei Erwerbstätigen
aus Sri Lanka stark verbreitet

Atypische Arbeitszeiten können von den einen als vorteilhaft, von den anderen als nachteilig empfunden werden. Die Gründe für die regelmässige Abend-, Nacht- oder Wochenendarbeit können ebenfalls vielfältig sein. Die Differenzierung nach den detaillierten ausländischen Nationalitäten zeigt, dass die Anteile bei Erwerbstätigen aus Sri Lanka zu den höchsten gehören (vgl. G12). Hohe Anteile haben auch Erwerbstätige aus Eritrea, Brasilien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, der Slowakei und Türkiye. Russinnen und Russen hingegen sind vergleichsweise selten zu atypischen Arbeitszeiten tätig. Bei Arbeitskräften aus den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich sind ebenfalls besonders tiefe Anteile regelmässiger Wochenendarbeit zu vermerken.

Schweizerische Arbeitskräfteerhebung

Die SAKE ist eine telefonische Stichprobenerhebung bei den Haushalten, die seit 1991 jährlich vom Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt wird. Sie beschreibt die Struk-tur und die Entwicklung der Erwerbsbevölkerung sowie das Erwerbsverhalten in der Schweiz. Das BFS sorgt für die internationale Vergleichbarkeit der Ergebnisse und stützt sich dabei auf die Empfehlungen des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) sowie auf die Normen von Eurostat zu den Arbeitskräfteerhebungen. Von 1991 bis 2009 wurde die Befragung nur im 2. Quartal durchgeführt. Gemäss dem bilateralen Statistikabkommen zwischen der Schweiz und der EU wird die SAKE seit 2010 kontinuierlich geführt, um Quartalsindikatoren zum Arbeitsangebot zu produzieren. Die SAKE wird von einem privaten Marktforschungsinstitut im Auftrag des BFS durchgeführt. Die jährliche Basisstichprobe umfasst seit 2010 rund 100 000 Interviews pro Jahr. Sie wird ergänzt durch eine Spezialstichprobe von rund 20 000 Interviews mit Ausländerinnen und Ausländern. Grundgesamtheit der SAKE ist die ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren. Von 1991 bis 2020 wurde die SAKE telefonisch durchgeführt. Ab 2021 wurde auf eine Mixed-Mode-Befragung gewechselt (online und per Telefon), wobei die Online-Erhebung bevorzugt wird.

Definitionen im Bereich des Arbeitsmarkts

Erwerbstätige

Als Erwerbstätige gelten Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die während der Referenzwoche

– mindestens eine Stunde gegen Entlöhnung gearbeitet haben; oder

– trotz zeitweiliger Abwesenheit von ihrem Arbeitsplatz (wegen Krankheit, Ferien, Mutterschaftsurlaub, Militärdienst usw.) weiterhin eine Arbeitsstelle als Selbstständigerwerbende oder Arbeitnehmende hatten; oder

– unentgeltlich im Familienbetrieb mitgearbeitet haben.

Teilzeiterwerbstätige

Als Teilzeiterwerbstätige gelten alle Erwerbstätigen mit einem Beschäftigungsgrad von weniger als 90%. Es wird zwischen Teilzeit I und Teilzeit II unterschieden:

– Teilzeit I: Beschäftigungsgrad von 50–89%

– Teilzeit II: Beschäftigungsgrad von <50%

Erwerbstätigenquote

Erwerbstätige geteilt durch die ständige Wohnbevölkerung

Antwortquoten nach Nationalität, 4. Quartal 2022

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick zur gesamten Antwortquote sowie derjenigen der einzelnen Nationalitäten in der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) im 4. Quartal 2022 (beim ersten Interview):

Antwortquote
Total 63%
Schweiz 69%
Italien 58%
Deutschland 62%
Portugal 51%
Frankreich 59%
Kosovo 39%
Spanien 53%
Türkiye 45%
Nordmazedonien 32%
Serbien 45%
Österreich 56%
Vereinigtes Königreich 54%
Polen 51%
Bosnien und Herzegowina 51%
Kroatien 45%
Ungarn 43%
Rumänien 44%
Sri Lanka 50%
Eritrea 53%
Brasilien 51%
Niederlande 55%
Slowakei 40%
China 59%
Griechenland 57%
Vereinigte Staaten 66%
Russland 56%

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