Arbeitsangebot in der Schweiz und den angrenzenden Regionen im Jahr 2022

Zusammenfassung

In der Schweiz ist die Erwerbsbeteiligung höher als in ihren fünf Nachbarländern. Die Erwerbsquoten aller ausländischen Grenzregionen liegen unter jenen der angrenzenden schweizerischen Regionen, aber über dem jeweiligen nationalen Durchschnitt.

In der Schweiz ist der Bedarf an Arbeitskräften hoch: 2022 hatten 373 000 ausländische Staatsangehörige mit Wohnsitz im Ausland eine Stelle in der Schweiz, während 29 000 Personen mit Wohnsitz in der Schweiz einer Berufstätigkeit ausserhalb des Landes nachgingen. Knapp ein Drittel Letzterer arbeitet in Liechtenstein. Nach Grenzregionen betrachtet ist der Anteil der Erwerbsbevölkerung, der in der Schweiz berufstätig ist, mit 8% in der Region Franche-Comté am höchsten. Die Attraktivität der Schweiz zeigt sich auch beim Arbeitsangebot in den Grenzregionen: Sowohl beim Indikator des unausgeschöpften Arbeitskräftepotenzials als auch bei der Erwerbslosenquote gemäss ILO gehören die Werte dieser Regionen zu den tiefsten des Landes und liegen unter den nationalen Durchschnittswerten. Das Niveau der Erwerbslosigkeit in den angrenzenden Regionen war teilweise sogar niedriger als in als in den benachbarten Schweizer Regionen.

2022 lebten insgesamt 25 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter im geografischen Gebiet bestehend aus der Schweiz, ihren elf benachbarten europäischen Regionen und Liechtenstein. Die Erwerbsquote dieses Gebiets lag nahe am Durchschnitt der Europäischen Union (EU), während die Erwerbslosenquote gemäss ILO eher jener der Schweiz entsprach.

1 Einleitung

Der Schweizer Arbeitsmarkt ist eng mit den Nachbarregionen verbunden. Dieses BFS Aktuell untersucht die grenzüberschreitende Arbeitskräftemobilität und die Indikatoren zum Arbeitsmarkt der Schweiz und folgender ausländischer Grenzregionen:

– Deutschland: Freiburg und Tübingen

– Frankreich: Elsass, Franche-Comté und Rhône-Alpes

– Österreich: Vorarlberg und Tirol

– Italien: Aostatal, Lombardei, Piemont und Autonome Provinz Bozen

– Liechtenstein

Die Analyse besteht aus drei Teilen, namentlich einem Vergleich der wichtigsten Arbeitsmarktindikatoren (Kapitel 2), einer Untersuchung der grenzüberschreitenden Bewegungen (Kapitel 3) und der Beschreibung eines auf die Nachbarregionen ausgeweiteten schweizerischen Arbeitsmarkts (Kapitel 4). Die auf der zweiten Ebene der NUTS-Klassifikation Systematik der Gebietseinheiten regionalisierten Ergebnisse stammen im Wesentlichen aus den Arbeitskräfteerhebungen (AKE, europäisches Pendant zur Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung [SAKE]). Aufgrund der unterschiedlichen Grösse der Regionen (zwischen 57 000 Personen im erwerbsfähigen Alter (15–64 Jahre) im Aostatal und 4,5 Millionen in der Lombardei) werden hauptsächlich Anteile verglichen.

2 Regionale Arbeitsmarktindikatoren

Nachfolgend werden die Erwerbsquote, der Anteil Teilzeitbeschäftigter, der Stundenlohn, die Erwerbslosenquote gemäss ILO und das unausgeschöpfte Arbeitskräftepotenzial aus internationaler und regionaler Perspektive analysiert und verglichen.

2.1 Erwerbsbeteiligung

2022 war die Erwerbsbeteiligung der Personen im erwerbsfähigen Alter (15–64 Jahre) in der Schweiz am höchsten (Erwerbsquote von 83,5%). In Deutschland (79,4%), Österreich (77,8%) und Liechtenstein Die Resultate für Liechtenstein beziehen sich auf das Jahr 2021. (78,0%) lag die Quote über jener der Europäischen Union (EU; 74,5%), in Frankreich (73,6%) und Italien (65,5%) war sie hingegen tiefer. In den zehn Jahren zuvor war die Erwerbsbeteiligung sowohl in der Schweiz als auch in den fünf Nachbarländern angestiegen.

Erwerbsquote der Nachbarregionen vergleichbar mit jener der angrenzenden Schweizer Grossregionen

In der Schweiz wurden die tiefsten Erwerbsquoten (15–64 Jahre) im Tessin (75,7% im Jahr 2022) und in der Genferseeregion (77,9%) verzeichnet, die höchsten in der Zentralschweiz (86,6%) und der Ostschweiz (85,1%). Folglich lagen zwischen den Extremen fast 10 Prozentpunkte. Diese Unterschiede haben sich innerhalb von zehn Jahren kaum verändert.

Im Ausland ist die Erwerbsbeteiligung in den Grenzregionen zur Schweiz höher als im nationalen Durchschnitt. So lag die Erwerbsquote der 15- bis 64-Jährigen in den Regionen Freiburg (81,7%) und Tübingen (82,3%) über der gesamtdeutschen Quote. In Österreich verzeichnete das Tirol gar die landesweit höchste Quote (80,4%), gefolgt von jener des Vorarlbergs (79,4%). In Frankreich war der Anteil Erwerbspersonen in der Region Rhône-Alpes (76,2%) am zweithöchsten, im Elsass am dritthöchsten (75,9%). Auch in der Region Franche-Comté (75,1%) übertraf er den nationalen Durchschnitt. Italien schliesslich verzeichnete in den Nachbarregionen zur Schweiz ebenfalls eine Erwerbsbeteiligung, die deutlich über dem Landesdurchschnitt lag (Erwerbsquote zwischen 71,0% im Piemont und 75,8% in der Autonomen Provinz Bozen; Karte G1).

Das beschriebene Bild zeigt sich unabhängig vom Geschlecht: Sowohl Männer als auch Frauen verzeichneten eine höhere Erwerbsquote in der Schweiz gegenüber den fünf Nachbarländern, Werte über dem EU-Durchschnitt für Deutschland und Österreich und unter dem Durchschnitt für Frankreich und Italien sowie eine stärkere Erwerbsbeteiligung in den Nachbarregionen der Schweiz im Vergleich zum nationalen Durchschnitt.

2.2 Vollzeit und Teilzeit

Teilzeitarbeit ist in der Schweiz stark verbreitet. 2022 arbeiteten 37,6% der 15- bis 64-Jährigen mit einem Beschäftigungsgrad unter 100% Eurostat-Definition von Teilzeit , fast zehn Prozentpunkte mehr als in Deutschland (28,0%) und in Österreich (29,7%) sowie ganze zwanzig Prozent mehr als in Frankreich (16,5%) und in Italien (17,9%), die beide nahe am EU-Durchschnitt liegen (17,6%).

In der Schweiz arbeiten sowohl Frauen als auch Männer häufig Teilzeit. Bei den Frauen zeigten sich 2022 grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern (Schweiz: 59,9% der erwerbstätigen 15- bis 64-jährigen Frauen; Frankreich: 25,9%; Italien: 31,7%; Deutschland: 47,2%; Österreich: 50,3%; EU: 28,4%). Ausser in Italien lag der Anteil teilzeiterwerbstätiger Frauen in allen ausländischen Grenzregionen über dem jeweiligen Landesdurchschnitt (Freiburg: 50,8%; Tübingen: 52,3%; Vorarlberg: 52,5%; Tirol: 53,5%; Franche-Comté: 34,3%; Rhône-Alpes: 30,7%; Elsass: 28,8%). Bei den Männern fielen die Werte abgesehen vom hohen Anteil in der Schweiz (17,9%) in allen Ländern relativ ähnlich aus (Deutschland: 11,0%; Österreich: 11,3%; Italien: 7,7%; Frankreich: 7,5%; EU: 8,2%). Der Anteil der teilzeitbeschäftigten Männer lag in neun von elf ausländischen Nachbarregionen unter dem jeweiligen nationalen Durchschnittswert. In Liechtenstein wurden 29,9% der Arbeitsstellen in Teilzeit ausgeübt (bei den Frauen 51,2%, bei den Männern 15,4%).

2.3 Regionale Löhne

Die Lohnvergleiche stützen sich auf die Lohnerhebungen, für die Schweiz auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE). Die regionalisierten Ergebnisse, die nur für die Ebene NUTS I Schweiz: gesamte Schweiz; drei Regionen in Österreich, fünf in Italien, vier-zehn in Frankreich und sechzehn in Deutschland verfügbar sind, beschreiben die Situation von Arbeitnehmenden in Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten in den NOGA-Wirtschaftsabschnitten B bis S Wirtschaftsabschnitte B bis S der Allgemeinen Systematik der Wirtschaftszweige (NOGA), d. h. ohne den Primärsektor (A) und ohne Hauspersonal, das in einem privaten Haushalt angestellt ist (T) , ohne den öffentlichen Sektor. Die folgenden Resultate beziehen sich auf die Arbeitsregion und nicht die Wohnregion. In Deutschland verdienten Arbeitnehmende in Baden-Württemberg (wozu die Region Freiburg gehört) im Jahr 2018 durchschnittlich 21.01 Euro pro Stunde. Dies war landesweit (16 Regionen) der dritthöchste Stundenlohn. In Frankreich betrug der durchschnittliche Stundenlohn 16.20 Euro in der Region Bourgogne-Franche-Comté, 16.66 Euro in der Region Grand-Est (die das Elsass umfasst) und 17.30 Euro in der Region Auvergne–Rhône-Alpes. Damit lagen sie unter den hohen Löhnen der Île de France (22.10 Euro). Was Italien angeht, war der Stundenlohn in der Region Nord-Ovest, zu dem die drei wichtigsten Grenzregionen gehören, landesweit am höchsten (16.17 Euro). In Österreich schliesslich unterschied sich der Lohn in der Region Westösterreich (17.37 Euro) kaum von jenem der anderen Regionen. Alle diese regionalen Löhne liegen weit unter dem durchschnittlichen

Stundenlohn der Schweiz von 38.55 Euro. Umgerechnet in Kaufkraftstandards (KKS) verringern sich die Unterschiede zum Schweizer Stundenlohn (24,72 KKS) jedoch merklich. (Grafik G2)

Medianlohn in der Schweiz tiefer als in Liechtenstein

In Liechtenstein belief sich der monatliche Bruttomedianlohn 2020 auf 6852 Franken. Der schweizerische Bruttomedianlohn betrug 6665 Franken und lag damit 187 Franken bzw. 2,8% unter dem liechtensteinischen. Gemäss einer kürzlich veröffentlichten Analyse des Amts für Statistik des Fürstentums Liechtenstein Lohnstatistik 2020, Fürstentum Liechtenstein, Amt für Statistik ist der Medianlohn in der Ostschweiz rund 578 Franken (9,2%) niedriger als im Fürstentum.

2.4 Erwerbslosigkeit gemäss ILO

2022 waren 4,3% der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 15 und 74 Jahren in der Schweiz erwerbslos gemäss der Definition des ILO. Dies waren mehr als in Deutschland (3,1%), aber weniger als in Österreich (4,8%), Frankreich (7,3%) und Italien (8,1%). Der Unterschied zwischen der schweizerischen Erwerbslosenquote und jener Frankreichs und Italiens ist seit 25 Jahren unverändert hoch, während die Anfang der 2000er-Jahre noch ausgeprägte Abweichung gegenüber der deutschen Quote allmählich schwand und die Schweiz nun seit 2015 gar eine höhere Erwerbslosigkeit aufweist als Deutschland. Die schweizerische und die österreichische Quote waren lediglich 2010 gleich hoch, in den übrigen Jahren verzeichnete die Schweiz stets eine tiefere Quote als Österreich (Grafik G3).

Tiefere Erwerbslosenquote in den angrenzenden Regionen

2022 lagen die Erwerbslosenquoten in Freiburg (2,3%) und Tübingen (2,2%) unter dem deutschen Durchschnitt. Diese günstigere Situation in den an die Schweiz grenzenden Regionen zeigte sich auch in den anderen drei Ländern: Die Erwerbslosenquote war sowohl in den französischen Regionen Franche-Comté (5,9%), Elsass (6,7%) und Rhône-Alpes (6,6%) als auch in Österreich (Vorarlberg und Tirol: je 3,2%) und in Italien (Piemont: 6,5%; Aostatal: 5,4%; Lombardei: 4,9%; Autonome Provinz Bozen: 2,3%) tiefer als der jeweilige nationale Durchschnitt. Das Niveau der Erwerbslosigkeit in den Grenzregionen war teilweise sogar niedriger als in den benachbarten Schweizer Regionen (Tessin: 6,5%; Genferseeregion: 6,9%; Ostschweiz: 3,1%; Nordwestschweiz: 4,3%).

Liechtenstein erhebt nur die registrierten Arbeitslosen. 2022 lag der Anteil der bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum gemeldeten Personen unter jenem der Schweiz (1,3% gegenüber 2,2%). Hier sind jedoch allfällige Unterschiede in den nationalen Vorschriften zu berücksichtigen (Karte G4).

Weniger als 1% Langzeitarbeitslose in den deutschen und österreichischen Nachbarregionen

2022 waren 1,5% der Erwerbsbevölkerung in der Schweiz seit mindestens zwölf Monaten erwerbslos gemäss ILO (35% aller Erwerbslosen). Dies sind mehr als in Deutschland (1,0%; 33% der Erwerbslosen) und in Österreich (1,2%; 25% der Erwerbslosen), aber weniger als in Frankreich (2,0%; 27% der Erwerbslosen) und insbesondere in Italien (4,6%; 57% der Erwerbslosen). Die niedrige Erwerbslosigkeit in den Grenzregionen ging mit tiefen Anteilen an Langzeiterwerbslosen einher, denn auch diese lagen unter dem jeweiligen Landesdurchschnitt (Baden-Württemberg: 0,7%; Rhône-Alpes: 1,3%; Franche-Comté: 1,9%; Lombardei: 2,3%; Piemont: 3,6%; Westösterreich: 0,5%). Einzige Ausnahme bildet das Elsass, wo der Anteil mit dem französischen Durchschnittswert übereinstimmt.

2.5 Unausgeschöpftes Arbeitskräftepotenzial

Der Indikator des unausgeschöpften Arbeitskräftepotenzials betrachtet folgende Personengruppen:

– Erwerbslose gemäss ILO

– Teilzeitbeschäftigte, die mehr arbeiten möchten

– Nichterwerbstätige, die Arbeit suchen, aber nicht verfügbar sind

– verfügbare Personen, die nicht auf der Suche sind

Je höher der Indikatorwert ausfällt, desto grösser ist das unausgeschöpfte Arbeitskräftepotenzial auf dem Arbeitsmarkt.

Leicht grösseres unausgeschöpftes Arbeitskräftepotenzial in der Schweiz als in Deutschland und Österreich

Der Anteil der Bevölkerung Für Vergleiche zwischen diesen vier Gruppen, die nicht alle zur Erwerbsbevölkerung zählen, wird das Konzept der «erweiterten Erwerbsbevölkerung» verwendet. Darunter fallen die Erwerbslosen, die Erwerbstätigen sowie die beiden Kategorien von Nichterwerbstätigen, d. h. jene, die nicht verfügbar sind, aber suchen und jene, die suchen, aber nicht verfügbar sind. Das gesamte Arbeitsmarktdefizit wird in Prozent dieser erweiterten Erwerbsbevölkerung angegeben. , deren Arbeitsnachfrage nicht erfüllt ist, belief sich 2022 in der Schweiz auf 12,5% der 15- bis 64-Jährigen. Dieser Wert liegt unter jenem Frankreichs (14,7%) und Italiens (19,7%), aber über jenem Österreichs (10,0%) und vor allem Deutschlands mit einem unausgeschöpften Arbeitskräftepotenzial von 7,0%.

In der Schweiz variierten die regionalen Werte beim unausgeschöpften Arbeitskräftepotenzial 2022 erheblich: In der Zentralschweiz (8,7%) war der Wert halb so hoch wie im Tessin (19,0%). Die elf ausländischen Grenzregionen verzeichneten – auch unter dem Einfluss der tiefen Erwerbslosigkeit – ein unausgeschöpftes Potenzial unter dem jeweiligen Landesdurchschnitt (Karte G5). Diese Ergebnisse zeigen, dass der benachbarte schweizerische Arbeitsmarkt, der Arbeitskräfte anzieht, Auswirkungen auf die potenziellen Arbeitskraftreserven in den ausländischen Nachbarregionen hat.

3 Grenzüberschreitende Mobilität

Die grenzüberschreitende arbeitsbezogene Mobilität erfolgt zwar hauptsächlich vom Ausland in Richtung Schweiz, dennoch sind auch Verschiebungen in die Gegenrichtung zu beobachten.

Jede dreizehnte Person aus der Region Franche-Comté arbeitet in der Schweiz

2022 pendelten 372 900 Grenzgängerinnen und Grenzgänger (Personen mit einer Grenzgängerbewilligung, Ausweis G) für die Arbeit in die Schweiz. Die meisten Arbeitskräfte kamen aus den drei französischen Nachbarregionen: In der Region Franche-Comté belief sich der Anteil der Grenzgängerinnen und Grenzgänger an der Erwerbsbevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren 2021 auf 8,0%, was 41 800 Grenzgängerinnen und Grenzgängern von insgesamt 525 600 Erwerbspersonen entspricht. Im Elsass betrug der Anteil 4,3% (38 400 von 902 200) und in der Region Rhône-Alpes 3,8% (121 200 von 3,163 Millionen; Grafik G6). Die Verschiebungen in die Schweizer Regionen sind in der Grenzgängerstatistik detaillierter beschrieben. Während die Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus der Franche-Comté fast ausschliesslich in die Schweiz pendelten, begaben sich die Elsässerinnen und Elsässer für die Arbeit auch nach Deutschland und Personen aus der Region Rhône-Alpes nach Italien. Von Deutschland aus ist die grösste Verschiebung in die Schweiz aus der Region Freiburg zu verzeichnen (4,7% der Erwerbsbevölkerung; 55 100 Grenzgänger/-innen von 1,169 Millionen Erwerbspersonen). Lediglich 1465 Grenzgängerinnen und Grenzgänger pendelten aus der Region Tübingen (0,1% von 1,041 Millionen). Auch in Österreich und Italien entfällt die Mehrheit der Verschiebungen jeweils auf eine Region: 3,7% der Erwerbsbevölkerung des Vorarlbergs (7700 von 208 700 Erwerbspersonen) und 1,6% jener der Lombardei (72 200 von 4,538 Millionen) arbeiteten in der Schweiz. Im Tirol und in den drei übrigen Grenzregionen lag der Anteil der Grenzgängerinnen und Grenzgänger 2022 nicht über 0,4% der Erwerbsbevölkerung. Zwischen 2012 und 2022 hat der Anteil der Erwerbsbevölkerung, der in der Schweiz arbeitet, in allen benachbarten Regionen zugenommen. Am ausgeprägtesten war der Anstieg in den Regionen Franche-Comté (+2,4 Prozentpunkte), Rhône-Alpes (+1,1), Elsass und Freiburg (je +0,6).

16 000 schweizerische Staatsangehörige arbeiten in der Schweiz und wohnen im Ausland

16 000 Personen mit Schweizer Staatsangehörigkeit Schweizer Doppelbürgerinnen und -bürger mit der Staatsangehörigkeit eines EU-Landes nicht eingeschlossen wohnen in einem der fünf Nachbarländer – mehrheitlich in Frankreich oder Deutschland – und pendeln aus beruflichen Gründen in die Schweiz (Durchschnitt der Jahre 2017–2019; 2005–2007: 10 000).

29 000 Erwerbstätige mit Wohnsitz in der Schweiz arbeiten im Ausland

2021 arbeiteten 0,6% der erwerbstätigen Personen zwischen 15 und 64 Jahren mit Wohnsitz in der Schweiz ausserhalb des Landes; dies entspricht 29 000 Personen. 42,6% von ihnen übten ihre Berufstätigkeit in Liechtenstein aus (12 000 Personen), 25% in Deutschland (7000 Personen). Der Anteil der in der Schweiz wohnhaften Personen, die in Frankreich, Österreich oder Italien berufstätig waren, überstieg für keines der drei Länder 5%. 19,5% schliesslich arbeiteten in einem Land, das nicht an die Schweiz grenzt.

Ein Drittel der Arbeitsplätze in Liechtenstein entfällt auf Personen mit Wohnsitz in der Schweiz

Mit 33 400 Personen ab 15 Jahren, die 2021 im Fürstentum wohnten, und einer Erwerbsquote von 61,8% reichte die liechtensteinische Bevölkerung nicht aus, um die 41 400 Arbeitsplätze im Land zu besetzen. Über die Hälfte der Stellen (23 200 bzw. 56%) waren entsprechend von Pendlerinnen und Pendlern aus der Schweiz (33%), aus Österreich (21%), aus Deutschland (2%) oder aus einem anderen Land (1%) besetzt. Zudem arbeiteten 11,1% der in Liechtenstein wohnhaften liechtensteinischen Staatsangehörigen ausserhalb des Landes; 10,5% in der Schweiz.

4 Indikatoren eines erweiterten Schweizer Arbeitsmarkts

Für einen europäischen Vergleich kann es aufschlussreich sein, einige Indikatoren für einen auf die elf europäischen Nachbarregionen sowie auf Liechtenstein ausgeweiteten Schweizer Arbeitsmarkt zu berechnen. Dieses grosse geografische Gebiet mit der Schweiz im Zentrum wäre viermal bevölkerungsreicher als die Schweiz alleine, mit 32,8 Millionen Menschen im Alter von 15 Jahren oder mehr im Jahr 2022, davon 24,6 Millionen im erwerbsfähigen Alter (15–64 Jahre).

Erwerbsbeteiligung näher an jener der EU…

Die Erwerbsquote des erweiterten Schweizer Arbeitsmarkts belief sich 2022 auf 76,8% und lag damit zwischen der Schweiz (83,5%) und der EU (74,5%), aber deutlich näher bei Letzterer. Die Erwerbsquote der Männer betrug 81,7% (Schweiz: 87,4%; EU: 79,4%), jene der Frauen 71,9% (Schweiz: 79,6%; EU: 69,5%). Auch der Anteil der Teilzeitarbeit (24,7%) näherte sich eher jenem der EU (17,6%) als jenem der Schweiz an (37,6%), und zwar sowohl bei den Männern als auch den Frauen.

…aber mit weniger verfügbaren Arbeitskräften

Methodik

Internationale Definitionen im Bereich des Arbeitsmarkts Die Definitionen gelten für sämtliche Personen der ständigen Wohnbevölkerung, die mindestens 15 Jahre alt sind und in einem Privathaushalt leben. Sie entsprechen den Empfehlungen des Internationalen Arbeitsamts (ILO). Als Erwerbstätige gelten Personen, die während der Referenzwoche

– mindestens eine Stunde gegen Entlöhnung gearbeitet haben; oder

– trotz zeitweiliger Abwesenheit von ihrem Arbeitsplatz (wegen Krankheit, Ferien, Mutterschaftsurlaub, Militärdienst usw.) weiterhin eine Arbeitsstelle als Selbstständigerwerbende oder Arbeitnehmende hatten; oder

– unentgeltlich im Familienbetrieb mitgearbeitet haben.

Als Erwerbslose gemäss ILO gelten Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren,

– die in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren; und

– in den vier vorangegangenen Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben; und

– die für die Aufnahme einer Tätigkeit verfügbar wären.

Als Nichterwerbspersonen oder beruflich inaktiv

gelten Personen,

– die weder erwerbstätig noch erwerbslos gemäss ILO sind.

Die Zahl der Erwerbspersonen bzw. der beruflich aktiven Personen entspricht der Summe der Erwerbstätigen und der Erwerbslosen gemäss ILO.

Schweizerische Arbeitskräfteerhebung

Die SAKE ist eine telefonische Stichprobenerhebung bei den Haushalten, die seit 1991 jährlich vom Bundesamt für Statistik (BFS) durchgeführt wird. Sie beschreibt die Struktur und die Entwicklung der Erwerbsbevölkerung sowie das Erwerbsverhalten in der Schweiz. Das BFS sorgt für die internationale Vergleichbarkeit der Ergebnisse und stützt sich dabei auf die Empfehlungen des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) sowie auf die Normen von Eurostat zu den Arbeitskräfteerhebungen. Von 1991 bis 2009 wurde die Befragung nur im 2. Quartal durchgeführt. Gemäss dem bilateralen Statistikabkommen zwischen der Schweiz und der EU wird die SAKE seit 2010 kontinuierlich geführt, um Quartalsindikatoren zum Arbeitsangebot zu produzieren. Die SAKE wird von einem privaten Marktforschungsinstitut im Auftrag des BFS durchgeführt. Die jährliche Basisstichprobe umfasst seit 2010 rund 100 000 Interviews pro Jahr. Sie wird ergänzt durch eine Spezialstichprobe von rund 20 000 Interviews mit Ausländerinnen und Ausländern. Grundgesamtheit der SAKE ist die ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren. Von 1991 bis 2020 wurde die SAKE telefonisch durchgeführt. Ab 2021 wurde auf eine Mixed-Mode-Befragung gewechselt (online und per Telefon), wobei die Online-Erhebung bevorzugt wird.

Die Erwerbslosenquote gemäss ILO (4,9%) für den erweiterten Arbeitsmarkt war eher mit jener der Schweiz vergleichbar (0,6 Prozentpunkte höher; 1,3 Prozentpunkte tiefer als in der EU). Das unausgeschöpfte Arbeitskräftepotenzial, d. h. das Potenzial, zusätzliche Arbeitskräfte zu mobilisieren, war kleiner (11,6% der erweiterten Erwerbsbevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren in 2022) als in der Schweiz (12,5%) und der EU insgesamt (12,3%).