Religionszugehörigkeit in der Schweiz
Religionszugehörigkeit in der Schweiz

Religionszugehörigkeit in der Schweiz

Bevölkerung ohne Religionszugehörigkeit

In der Schweiz gibt es immer mehr Personen, die keiner Religion angehören. Die Bevölkerung ohne Religion ist generell eher jung, verfügt über einen höheren Bildungsstand und lebt tendenziell im städtischen Raum. Sie verzichtet aber nicht gänzlich auf ein spirituelles oder religiöses Leben. Vielmehr unterscheiden sich die Glaubensformen sowie die religiösen und spirituellen Praktiken der Bevölkerung ohne Religionszugehörigkeit nicht immer grundlegend von jenen der Personen mit Religionszugehörigkeit.

1 Einleitung

In der Schweiz werden im Alltag viele Religionen nebeneinander gelebt. Der Anteil der religiösen – ursprünglich vor allem christlichen – Bevölkerung ist im Laufe der Jahrzehnte zugunsten der Personen ohne Religion gesunken. Vor 50 Jahren machten diese Personen rund 1% der Bevölkerung aus. 2021 stellten sie mit 32% die zweitgrösste Gruppe nach der katholischen Gemeinschaft (33%).

Als «ohne Religion» gelten Personen, die angeben, keine Religionszugehörigkeit zu haben. Einige hatten nie eine Religion, während andere ihre frühere Religion aufgegeben haben. Wieder andere gehören zwar offiziell noch einer Religion an, bezeichnen sich aber lieber als keiner Religion zugehörig.

Die zunehmende Tendenz, sich nicht mehr mit einer Religion zu identifizieren, ist auch auf internationaler Ebene und insbesondere in den Nachbarländern zu beobachten. Als Ursachen nennt die soziologische Forschung die wachsende Modernisierung und Säkularisierung der Gesellschaft, die zu einer Distanzierung – oder Gleichgültigkeit – gegenüber dem Religiösen und besonders religiösen Institutionen führt.

Die Säkularisierung zeigt sich nicht nur bei der Religionszugehörigkeit, sondern vor allem auch in der Art und Weise, wie die Menschen mit der Religion leben. Religion dient insbesondere dazu, Lebenssinn zu stiften und Alltagsereignisse oder ausserordentliche Phänomene zu erklären. Einige Personen schöpfen daraus ein Gefühl der Sicherheit in schwierigen Zeiten. Für Personen ohne Religion dienen religiöse Glaubensformen nicht mehr zwingend als Unterstützung, Bezugs- oder Deutungsrahmen; sie sind deswegen aber nicht unbedingt Atheistinnen und Atheisten.

Inwiefern unterscheiden sich die Glaubensformen und die religiösen und spirituellen Praktiken der Personen, die sich als «ohne Religion» bezeichnen, von jenen mit einer Religion? Gibt es nach Meinung der Personen ohne Religion trotzdem einen Gott oder mehrere Götter? Glauben sie an eine andere als die materielle Wirklichkeit? Beten oder meditieren sie? Anhand der Daten aus der Strukturerhebung 2021 (SE) und der Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur 2019 (ESRK) lässt sich der Teil der Bevölkerung ohne Religionszugehörigkeit charakterisieren und in Bezug auf die genannten Fragen mit der Bevölkerung mit Religionszugehörigkeit vergleichen.

Personen ohne Religionszugehörigkeit werden zunächst nach geografischer Verteilung, Altersklasse und weiteren relevanten soziodemografischen Merkmalen beschrieben und mit den Personen mit Religionszugehörigkeit verglichen. Anschliessend werden Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Gruppen punkto Religiosität und Spiritualität, Rolle von Religion und Spiritualität in ihrem Leben, Glaubensformen sowie spiritueller und religiöser Praktiken untersucht.

2 Bevölkerung ohne Religionszugehörigkeit

In den vergangenen Jahrzehnten hat der Anteil der Bevölkerung ohne Religionszugehörigkeit in der Schweiz stetig zugenommen. Während 1970 noch rund 98% einer christlichen Glaubensgemeinschaft angehörten und nur rund 1% keine Religionszugehörigkeit hatte, wuchs diese Gruppe bis zur Jahrtausendwende bereits um mehr als das Zehnfache auf rund 11%. Weitere zehn Jahre später hatte sich ihr Anteil auf rund 20% verdoppelt und 2021 gehörte bereits knapp ein Drittel der Bevölkerung ab 15 Jahren keiner Religionsgemeinschaft mehr an (Grafik G1). 

Trotz dieser Zunahme bleibt der Anteil Personen ohne Reli­gionszugehörigkeit im Vergleich zu einigen europäischen Ländern wie z. B. Frankreich (57%) in der Schweiz eher tiefer vgl. Balazka, Dominik (2020): Mapping Religious Nones in 112 Countries. An Overview of European Values Study and World Values Survey Data (1981–2020). Trento. .

2.1 Geografische Verteilung

Personen ohne Religionszugehörigkeit sind in der Schweiz nicht überall gleich präsent. So gehört in den Kantonen Basel-Stadt (56%) und Neuenburg (52%) die Mehrheit keiner Religionsgemeinschaft an, in den Innerschweizer Kantonen Nidwalden (23%), Obwalden (20%) und Uri (18%) sind es hingegen anteilsmässig nicht einmal halb so viele (Grafik G2). 

Generell ist der Anteil ohne Religionszugehörigkeit in länd­lichen Gebieten der Schweiz tiefer (27%) als im städtischen Raum (35%). Die grössten Städte der Schweiz mit über 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern (Zürich, Genf, Basel, Lausanne, Bern und Winterthur) haben allesamt einen überdurchschnittlich grossen Bevölkerungsanteil ohne Religionszugehörigkeit (zwischen 34% und 57%). Allerdings zeigen sich auch je nach Stadt deut­liche Unterschiede: In Sion (22%) oder Emmen (23%) wohnhafte Personen gehören beispielsweise nur zu gut einem Fünftel keiner Religion an. In Yverdon-les-Bains ist es knapp ein Drittel (33%), was etwa dem gesamtschweizerischen Durchschnitt entspricht und in den ebenfalls französischsprachigen Städten Genf (48%), Neuchâtel (53%) und La Chaux-de-Fonds (53%) hat rund die Hälfte der ständigen Wohnbevölkerung keine Religionszuge­hörigkeit. Spitzenreiter unter den Städten ist Basel mit einem Anteil von 57% ohne Religionszugehörigkeit.

Nach Sprachgebiet betrachtet lässt sich feststellen, dass der Anteil ohne Religionszugehörigkeit in der rätoromanischsprachigen Region der Schweiz mit 16% am tiefsten liegt. Im französischen Sprachgebiet gehören anteilsmässig am meisten Personen keiner Religion an (37%), während sich die deutsche und italienische Sprachregion dazwischen positionieren (31% bzw. 26%).

2.2 Gesellschaftliches Profil

Männer haben etwas häufiger keine Religionszugehörigkeit als Frauen. Während die weibliche Bevölkerung zu 30% keiner Religion angehört, beläuft sich dieser Anteil bei den Männern auf rund 35%.

Die Bevölkerung ohne Religionszugehörigkeit ist im Vergleich zur Bevölkerung mit Religionszugehörigkeit ausserdem signifikant jünger. Die erste Gruppe ist durchschnittlich rund 45 Jahre alt, bei Personen, die einer Religion angehören, liegt das Durchschnittsalter bei 50 Jahren. Bei der Bevölkerung ab 75 Jahren gehören nur rund 15% keiner Religion an während der Anteil Personen ohne Religionszugehörigkeit in der jeweils nächstjüngeren Gruppe stetig grösser wird (mit Ausnahme der jüngsten Altersklasse). Anteilsmässig am stärksten vertreten sind Personen ohne Religionszugehörigkeit in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen (41%, Grafik G3). 

In Verbindung mit dem durchschnittlich tieferen Alter der Personen ohne Religionszugehörigkeit lassen sich auch Unterschiede bezüglich ihres Zivilstands beobachten. So ist der Anteil Verheirateter unter denjenigen, die keiner Religion angehören deutlich kleiner als in der Bevölkerung mit Religionszugehörigkeit (41% vs. 53%). Ledige sind dafür mit 44% übervertreten im Vergleich zu Personen mit Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft (32%).

Zudem haben Personen, die keiner Religion angehören, durchschnittlich einen höheren Bildungsstand als die ständige Wohnbevölkerung ab 25 Jahren mit Religionszugehörigkeit Auch dies steht teilweise in Zusammenhang mit dem tieferen Alter der Perso­nen ohne Religionszugehörigkeit (höherer Anteil Hochschulabschlüsse bei jüngeren Generationen als bei älteren). Multivariate Analysen haben das Alter als dasjenige Merkmal ermittelt, das von den betrachteten Faktoren den besten Hinweis auf das Fehlen einer Religionszugehörigkeit gibt (BFS 2004: Eidgenössische Volkszählung 2000. Religionslandschaft in der Schweiz. Neuchâtel). (51% mit Tertiärabschluss gegenüber 36%). Der Anteil ohne Religionszugehörigkeit ist bei der Bevölkerung mit einer abgeschlossenen Ausbildung auf Tertiärstufe so auch überdurchschnittlich hoch und liegt mit 40% höher als bei Personen mit abgeschlossener Sekundarstufe (30%) oder ohne nachobligatorische Ausbildung (23%).

Nach Staatsangehörigkeit betrachtet zeigen sich ebenfalls Unterschiede zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen ohne bzw. mit Religionszugehörigkeit. Während in der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren mit Religionszugehörigkeit rund 77% Schweizerinnen und Schweizer sind, beläuft sich dieser Anteil bei den Personen ohne Religionszugehörigkeit auf tiefere 71%.
Dafür gibt es unter der Bevölkerung ohne Zugehörigkeit zu einer Religion mehr Staatsangehörige aus der EU und EFTA (22% gegenüber 14%). Ausländerinnen und Ausländer dieser Kategorie gehören insgesamt zu 43% keiner Religion an, französische bzw. deutsche Staatsangehörige zu 65% bzw. 56%. Italienerinnen und Italiener oder Personen mit portugiesischer Staatsangehörigkeit, die ebenfalls stark vertreten sind unter der ausländischen Wohnbevölke­rung in der Schweiz, gehören hingegen in unterdurchschnittlichem Ausmass keiner Religion an (26% und 30%). Unabhängig ihres Herkunftslandes haben Personen mit Migrationshintergrund der ersten Generation zu 38% keine Religionszugehörigkeit. Unter der Bevölkerung mit Migrationshintergrund der zweiten Generation beläuft sich dieser Anteil auf etwas tiefere 32% und bei Personen ohne Migrationshintergrund auf 29%.

2.3 Religiöser Werdegang

Die religiöse Sozialisierung erfolgt häufig durch die Eltern, und daher ist die (fehlende) Religionszugehörigkeit einer Person oft vergleichbar mit jener ihrer Eltern. vgl. BFS (2018): Die Religion, eine Familiengeschichte? Analyse von Daten aus der Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur 2014. Neuchâtel. Bei über der Hälfte der Personen, die nie einer Religion angehört haben, hatten in der Kindheit beide Elternteile keine Religion. Bei weiteren 17% hatte zumindest ein Elternteil keine Religion.

In der Schweiz gehörten rund zwei Drittel der Personen ohne offizielle Religionszugehörigkeit in der Kindheit einer Religion an. Dies legt nahe, dass sich viele beim Erwachsenwerden von der Religion abgewandt haben. Die Hälfte der Personen, die ihre Religion aufgegeben haben, gehörte davor der römisch-katholischen Kirche und 40% der evangelisch-reformierten Kirche an. Bei 86% der Personen, die aus ihrer Religion ausgetreten sind, gehörten beide Elternteile einer Religion an.

Möglicherweise entsprechen im Zuge der Modernisierung die Prinzipien der Kirche nicht mehr den heutigen Überzeugungen der aus der Religion ausgetretenen Personen. Der Austritt ist tatsächlich häufig darauf zurückzuführen, dass die betroffenen Personen mit den öffentlichen Stellungnahmen der früheren Religionsgemeinschaft nicht einverstanden sind (29%). Oft wird jedoch auch der Bezug zum Glauben genannt. Der Hauptbeweggrund der Ausgetretenen ist, dass sie den Glauben verloren oder gar nie einen Glauben gehabt haben (15% bzw. 17%; Grafik G4). 

Einige Personen verlassen die Religion zwar nicht offiziell, scheinen sich ihr aber nicht verbunden zu fühlen. 27% aller Personen, die sich spontan als «ohne Religion» bezeichnen, gehören offiziell einer Religion an.

3 Religiosität und Spiritualität der Personen ohne Religion

Um sich als religiös und/oder spirituell zu bezeichnen, muss man keiner Religion angehören. Personen ohne Religion sind naheliegenderweise weniger religiös als Personen mit einer Religion, aber nicht unbedingt viel weniger spirituell. Dies zeigt sich darin, wie sie selbst ihre Religiosität und Spiritualität, die Rolle von Religion und Spiritualität in ihrem Leben sowie ihren Glauben und ihre religiösen und spirituellen Praktiken beurteilen.

3.1 Religiosität und Spiritualität

Gegenüber den Personen mit einer Religion bezeichnet sich wenig überraschend ein kleinerer Anteil der Personen ohne Religion als religiös. Rund die Hälfte der Bevölkerung mit einer Religion ist religiös, verglichen mit 6% der Personen ohne Religion.

Obwohl sich die meisten Personen ohne Religion als weder religiös noch spirituell bezeichnen (67%), halten sich 26% eher oder sicher für spirituell. 14%  der Bevölkerung mit einer Religion bezeichnen sich nur als spirituell; ein Viertel schätzt sich eher oder sicher als spirituell und religiös ein (Grafik G5). 

3.2 Rolle der Religion und Spiritualität

Religion oder Spiritualität spielen im Leben der Personen ohne Religion eine kleinere Rolle als bei Personen mit einer Religion. Allerdings haben Religion oder Spiritualität in bestimmten Situationen auch für Personen ohne Religion eine Bedeutung.

Religion oder Spiritualität kommen bei Personen ohne Religion in schwierigen Momenten des Lebens oder im Falle einer Krankheit zum Tragen. Unter solchen Umständen denken 28% bzw. 22% von ihnen, dass Religion oder Spiritualität eine eher oder sehr wichtige Rolle spielen. Unter den einer Religion angehörenden Personen messen 62% in schwierigen Lebenssituationen und 51% im Krankheitsfall der Religion oder Spiritualität eine eher oder sehr grosse Bedeutung bei.

In Bezug auf die Einstellung gegenüber Natur und Umwelt spielt Religion oder Spiritualität für ein Viertel der Personen ohne Religion eine eher wichtige oder sehr wichtige Rolle. Bei Personen mit einer Religion erreicht dieser Anteil 46%.

Schliesslich sind Religion und Spiritualität Aspekte der Erziehung, die auch die Weitergabe von religiösen oder spirituellen Werten an die nächste Generation umfasst. Der Stellenwert von Religion oder Spiritualität in der Erziehung variiert deutlich nach Religionszugehörigkeit. Nur 17% der Personen ohne Religion denken, dass die Religion oder Spiritualität in der Kindererziehung eine mehr oder weniger wichtige Rolle spielt; bei Personen mit einer Religion ist es die Hälfte (Grafik G6). 

Mit Blick auf die Vermittlung von (religiösen, spirituellen oder sonstigen) Werten legen 2% der Bevölkerung ohne Religion Wert darauf, die Kinder dennoch nach religiösen Grundsätzen zu erziehen. Ein höherer Anteil (13%) möchte spirituelle Werte weitergeben. Die Mehrheit (65%) will Werte vermitteln, die weder religiös noch spirituell sind. Personen mit einer Religion wählen – trotz ihrer Religionszugehörigkeit – auch mehrheitlich (36%) die letztere Antwort. Einem knappen Drittel der Bevölkerung mit einer Religion ist daran gelegen, die Kinder nach den Grundsätzen ihrer Religion zu erziehen, und 15% möchten spirituelle Werte vermitteln.

3.3 Glaubensformen

Bei bestimmten Glaubensformen bilden die Personen mit und jene ohne Religion deutliche Gegenpole, während andere Glaubensformen weniger polarisieren.

Unter den Personen ohne Religion besteht bezüglich des Glaubens an einen oder mehrere Götter keine Einigkeit. Sie lassen sich mehr oder weniger gleichmässig auf drei Kategorien verteilen. Rund ein Drittel glaubt nicht an einen oder mehrere Götter, sondern vielmehr an eine höhere Macht. 38% geben an, weder an einen noch an mehrere Götter noch an eine höhere Macht zu glauben. 22% wissen nicht, ob es einen oder mehrere Götter gibt, und glauben nicht, dass man dies wissen kann. Unter den Personen mit einer Religion ist das Meinungsspektrum ebenfalls relativ breit. Die Hälfte der Personen mit einer Religion erklärt, an einen einzigen Gott zu glauben. Die übrigen glauben mehrheitlich (24%) weder an einen einzigen Gott noch an mehrere Götter, aber an eine höhere Macht. 16% geben an, dass sie es nicht wissen und dass man es nicht wissen kann. Damit lassen sich ähnliche Anteile an Personen mit und ohne Religion als agnostisch beschreiben (d. h. sie wissen nicht, ob es einen oder mehrere Götter gibt) bzw. als Personen, die nur an eine höhere Macht glauben (Grafik G7). 

Beim Glauben an die Existenz von Engeln oder übernatür‑
lichen Wesen sind die Unterschiede deutlicher. 25% der Personen ohne Religion glauben eher oder sicher daran; bei den Personen mit einer Religion sind es doppelt so viele (52%).

Ähnlich glaubt in der Bevölkerung ohne Religion ein signifikant niedrigerer Anteil an die Existenz einer höheren Macht, die unser Schicksal lenkt, als bei den Personen mit einer Religion (28% gegenüber 59%).

28% der Personen ohne Religion halten ein Leben nach dem Tod für eher möglich oder sicher. Daran glauben vor allem die Personen mit einer Religion und zwar über die Hälfte.

Die Mehrheit der Bevölkerung in der Schweiz hält die Evolutionstheorie für die schlüssigste Erklärung für den Ursprung des Menschen. 69% der Personen ohne Religion sind eher oder sicher dieser Auffassung; 17% glauben nicht daran und 14% wissen es nicht. Unter den Personen mit einer Religion sind Vorbehalte gegenüber der Evolutionstheorie stärker verbreitet: Die Hälfte von ihnen vertraut der Theorie, doch mehr als ein Viertel glaubt eher oder sicher nicht daran. 23% der Personen mit einer Religion wissen nicht, ob diese Theorie die schlüssigste Erklärung für die Entstehung des Menschen ist.

Personen ohne Religion glauben eher, dass es neben der materiellen Welt keine andere Wirklichkeit gibt. 27% dieser Personen stimmen der Aussage zu, dass es keine andere Wirklichkeit gibt; unter den Personen mit einer Religion sind es 18%. Die Mehrheit der Bevölkerung der Schweiz hält es für (eher) unglaubwürdig, dass keine andere Realität als die materielle Welt existiert (51% bzw. 58%). Rund ein Viertel ist unentschieden.

Über ein Drittel der Personen ohne Religion glaubt eher oder sicher an die Gabe des Heilens oder Hellsehens. Bei Personen mit einer Religion steigt dieser Anteil auf 48% an (Grafik G8). 

Beim Glauben an die Wiedergeburt und daran, dass wir mit den Geistern von Verstorbenen Kontakt aufnehmen können, gibt es kaum Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Religion. Die Mehrheit der Bevölkerung glaubt (eher) nicht an diese Aussagen. Nur 20% der Personen mit und 19% derjenigen ohne Religion glauben an die Wiedergeburt. 21% der Personen mit einer Religion und 18% derjenigen ohne Religion halten es für möglich, mit den Geistern von Verstorbenen in Verbindung zu treten.

3.4 Praktiken

Nur ein geringer Teil der Bevölkerung übt spirituelle oder religiöse Praktiken aus. Bei vielen dieser Praktiken wie dem regelmässigen Lesen von Büchern über Spiritualität oder Esoterik, der Nutzung von Horoskopen oder dem Aufsuchen von Hellseherinnen und Hellsehern oder Heilerinnen und Heilern bestehen kaum Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Religion.

Beim Lesen von religiösen Büchern oder heiligen Schriften wie der Bibel oder dem Koran zeigen sich etwas deutlichere Unterschiede. 5% der Personen ohne Religion lesen diese regelmässig, gegenüber 20% der Personen mit Religion.

Bei der spirituellen Ausübung von Bewegungs- oder Atmungstechniken verläuft die Tendenz umgekehrt. 30% der Personen ohne Religion praktizieren Bewegungs- oder Atmungstechniken wie Yoga, Tai-Chi oder Qigong auf spirituelle Weise. Von den Personen mit Religionszugehörigkeit tun dies lediglich 22%.

Der Trend zu Methoden, die auf Selbsterfahrung und Veränderung abzielen, scheint sich in der Schweiz zu verbreiten: 23% der Bevölkerung wenden sie an, wobei sie bei Personen ohne Religion am meisten Anklang finden. 29% von ihnen haben Schritte in Richtung Persönlichkeitsentwicklung unternommen; bei Personen mit einer Religion sind es nur 20%.

Gegenstände, denen glücks-, schutz- oder heilbringende Wirkung zugeschrieben wird, z. B. Steine, Kristalle, Glücksbringer und Amulette, sind bei knapp 23% der Personen mit einer Religion beliebt, während lediglich 19% der Personen ohne Religion solche verwenden (Grafik G9). 

Lediglich 19% der Personen ohne Religion beten mindestens einmal jährlich. Bei den Personen mit einer Religion sind es über zwei Drittel. Meditation ist in beiden Gruppen gleich verbreitet: 40% haben in den zwölf Monaten vor der Erhebung mindestens einmal meditiert.

Datenquellen

Strukturerhebung (SE)

Die Religionszugehörigkeit wird jährlich per Fragebogen bei einer Stichprobe von mindestens 200 000 Personen der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren erhoben. Die Strukturerhebung ist damit die Quelle für die offiziellen Zahlen zur Religionszugehörigkeit in der Schweiz.

Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur (ESRK)

Die Erhebung liefert alle fünf Jahre detailliertere Informationen zu den religiösen Praktiken der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren. Der Stichprobenumfang beträgt mindestens 10 000 Personen.

Religionszugehörigkeit in der SE und in der ESRK

In der ESRK werden die spontane und die offizielle Zugehörigkeit unterschieden. Die spontane Zugehörigkeit bezieht sich auf das Zugehörigkeitsgefühl statt auf die offizielle Religion. Um diese Information zu erhalten, wird die folgende Frage gestellt: «Würden Sie sagen, dass Sie eine Religion haben und wenn ja, welche?» Bei den Personen, die eine Religion angeben, lautet die Fragestellung: «Gehören Sie dieser Religion offiziell an?» Bei den Personen, die keine Religion angeben, lautet sie wie folgt: «Gehören Sie offiziell trotzdem einer Religion an?».

Die Strukturerhebung nuanciert nicht zwischen offiziell und spontan. Um die Religionszugehörigkeit zu bestimmen, wird die folgende Frage gestellt: «Welcher Kirche oder Religionsgemeinschaft gehören Sie an?»

Weitere Informationen zu diesen Erhebungen finden sich unter www.statistik.ch Grundlagen und Erhebungen Erhebungen, Statistiken.

Schliesslich besucht die Mehrheit der Personen ohne Religion (63%) nie einen Gottesdienst. Ein knappes Drittel wohnt ein- bis fünfmal pro Jahr einem Gottesdienst bei. 42% der Personen mit einer Religion nehmen mit dieser Häufigkeit an religiösen Veranstaltungen teil (knapp ein Viertel nimmt nie daran teil). In beiden Gruppen besuchen 85% der Personen, die weniger als fünfmal pro Jahr einem Gottesdienst beiwohnen, nur zu Anlässen wie Hochzeiten oder Beerdigungen religiöse Veranstaltungen.