Raps und Sonnenblumen, die goldgelben Speiseöllieferanten
Die Ölsaaten in der Schweiz
Die wichtigsten Ölsaaten in der Schweiz sind Raps und Sonnenblumen. Sie dienen vorwiegend der Gewinnung von pflanzlichen Ölen und Fetten oder als Zutat zu anderen Lebensmitteln. Mit einer Fläche von 29 000 Hektaren beanspruchten Raps und Sonnenblumen im Jahr 2020 rund 11% der offenen Ackerfläche.
Die im Inland produzierten pflanzlichen Öle und Fette zur Nahrungsmittelversorgung deckten den inländischen Verbrauch zu 24% (Selbstversorgungsgrad 2020). Der Verbrauch von pflanzlichen Ölen und Fetten betrug rund 17,8 kg pro Person und Jahr, davon 5,9 kg Rapsöl und 5,2 kg Sonnenblumenöl.
Wachstumstrend der Ölsaaten
Der Anbau von Ölsaaten nahm im Laufe des 20. Jahrhunderts deutlich zu (G1). Die wichtigste Ölpflanze ist Raps. Gemäss der eidgenössischen Betriebszählung von 1905 betrug die Rapsfläche damals lediglich 500 Hektaren (G1). Das war weniger als 1% der offenen Ackerfläche in der Schweiz. Während dem zweiten Weltkrieg wurde die Rapsfläche gemäss dem Plan Wahlen gezielt gesteigert um die knappe Versorgung mit Fetten zu sichern. Gleichzeitig ersetzte man Mohn, die bisherige Ölpflanze, durch den ertragreicheren Raps. So betrug die Rapsfläche 1945 rund 2% der offenen Ackerfläche. Das anschliessende weitere Wachstum der Rapsfläche hängte unter anderem mit der Mechanisierung (Mähdrescher für die Ernte) zusammen. 2020 entsprach die Rapsfläche mit rund 24 500 Hektaren (beziehungsweise 9% der offenen Ackerfläche) der Fläche des Neuenburger- und Bielersees zusammen. Damit erreichte die Rapsfläche den bisherigen Höchststand. Im Frühjahr, wenn die Rapsfelder goldgelb blühen, fallen diese Flächen auf.
Die Fläche der Sonnenblumen wird seit 1996 erhoben und nahm seither zu. 2020 betrug sie 4500 Hektaren, was der Fläche des Thunersees entspricht. Die Raps- und Sonnenblumenfläche betrug somit zusammen 29 000 Hektaren und deutlich mehr als die Zuckerrübenfläche (17 600 Hektaren) oder fast dreimal die Kartoffelfläche (11 000 Hektaren) der Schweiz.
Die Fläche von Soja ist viel kleiner, zeigt aber ebenfalls seit 2008 einen Wachstumstrend auf. Sie betrug im Jahr 2020 rund 2000 Hektaren.
Hanf, Lein, Ölkürbisse, Senf, Leindotter, Mohn und Saflor sind weitere Pflanzen, die zu den Ölsaaten zählen aber eher Nischenprodukte darstellen. Regional werden in kleinen Mengen auch Baumnüsse, Haselnüsse oder im Tessin Oliven zur Ölgewinnung angebaut.
6654 Landwirtschaftsbetriebe bauten im Jahr 2020 Raps und 1930 Betriebe Sonnenblumen an. Dies ergab eine durchschnittliche Fläche von fast 4 Hektaren Raps beziehungsweise 2 Hektaren Sonnenblumen pro Betrieb. Der Anbau konzentriert sich auf Regionen im Mittelland. 50% der Rapsfläche befindet sich in den Kantonen Waadt, Bern und Aargau. In einigen Zentralschweizer Kantone (Uri, Obwalden, Nidwalden) und in Appenzell Ausserrhoden wurde in den letzten Jahrzehnten kein Raps produziert. Rund 90% der Ölfrüchte werden in der Talzone angebaut. Raps wächst auch in der Hügelzone, in den Bergzonen werden nur noch marginale Flächen registriert. Soja- und Sonnenblumenflächen befinden sich zu 95% in der Talzone.
Ölsaaten in Bioqualität gibt es in der Schweiz derzeit nur wenig. 2020 wurde rund 5% der Fläche mit Ölsaaten biologisch angebaut. 2% der Rapsfläche und 8% der Sonnenblumenfläche wurden biologisch bewirtschaftet. Hingegen war ein Drittel der Sojafläche biologisch. Bei Ölkürbissen und Öllein beträgt der Bioanteil über 45%, bei Saflor und Leindotter über 70%.
Aussaat, Pflege und Ernte der Ölssaaten
Saatzeit von Raps ist Ende August bis Mitte September. Der sogenannte Winterraps überwiegt. Weniger als 1% der Rapsfläche ist Sommerraps (2020: 72 ha). Die Pflanzen überwintern idealerweise im Rosettenstadium mit acht bis zehn Blättern. Im Frühjahr bilden sich Stängel und im April bis Mai sind die gelben Blüten sichtbar. Nach der Blüte bilden sich Schoten mit kleinen schwarzen Rapssamen. Etwa Mitte Juli werden die Körner mit dem Mähdrescher geerntet.
Der Saatzeitpunkt für Sonnenblumen liegt zwischen April und Mitte Mai. Die Ernte ist im September bis Anfangs Oktober.
Die subtropische Soja-Pflanze konnte dank der Züchtung von neuen Sorten an die schweizerischen Klimabedingungen angepasst werden. Die Saat ist im April und die Ernte erfolgt Mitte September bis Oktober.
Produktion von rund 106 000 Tonnen Ölsaaten
2020 wurden in der Schweiz 88 100 Tonnen Raps, 12 300 Tonnen Sonnenblumen, 5200 Tonnen Soja, 300 Tonnen Öllein und 60 Tonnen Ölkürbisse (Kerne) geerntet. Das sind gesamthaft 106 000 Tonnen Ölsaaten. Zum Vergleich wurden im selben Jahr auf einem Drittel der Fläche fast fünfmal mehr Kartoffeln (490 000 Tonnen) produziert.
Ölsaaten und Agrarpolitik
Ölsaaten werden vom Staat speziell unterstützt. Gemäss Landwirtschaftsgesetz (LwG) werden für Ölsaaten zusätzlich zu den allgemeinen Direktzahlungen Einzelkulturbeiträge ausgerichtet. Damit wird der Anbau dieser Kulturen gefördert und eine sinnvolle Bereicherung der Fruchtfolge unterstützt. Für Raps, Sonnenblumen, Ölkürbisse, Öllein, Mohn und Saflor beträgt der Einzelkulturbeitrag jeweils 700 Franken pro Hektare und Jahr.
Ölsaaten machen rund 13% des Produktionswerts des gesamten Ackerbaus aus
Der Produktionswert widerspiegelt die jährlichen Schwankungen der Anbaufläche, des Ertrags sowie des Preises (G4).
Seit 1985 nahm die Produktionsmenge der Ölsaaten zu, während der Herstellungspreis einen Abwärtstrend aufweist. Nur dank den Flächenbeiträgen (Kasten «Ölsaaten und Agrarpolitik») konnte der Produktionswert gehalten werden. Die Flächenbeiträge wurden ab 1999 ausgerichtet und konnten den Preiszerfall, der mit der Öffnung der Agrarmärkte einherging, abfedern. Der Produktionswert wird 2021 auf rund 107 Millionen Franken geschätzt, wovon 23 Millionen Franken aus den Flächenbeiträgen stammen. Zum Vergleich beträgt der Produktionswert von Kartoffeln im selben Jahr 159 Millionen Franken.
Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (2017–2021) betrug der jährliche Produktionswert der Ölsaaten inklusive Flächenbeiträge rund 99 Millionen Franken. Ölsaaten machen 13% des Produktionswerts des Ackerbaus beziehungsweise 2,4% des Produktionswerts der gesamten Pflanzenproduktion in der Schweiz aus.
Verarbeitung der Ölsaaten zu Speiseöl und anderen Lebensmitteln
Die Mengen, die Übernahme und die Vermarktung der Raps-, Sonnenblumen- und Sojaproduktion werden zum grössten Teil durch Verträge und Vereinbarungen zwischen den verschiedenen Akteuren der Branche geregelt.
2019 waren 25 Arbeitsstätten mit rund 440 Beschäftigten in der Herstellung von pflanzlichen Ölen und Fetten tätig. Neben drei grossen Ölwerken gibt es kleinere regionale Ölmühlen. In den Ölwerken werden die ölhaltigen Samen oder Kerne entweder kalt ausgepresst (Kaltpressung) oder mit Zugabe von Wärme raffiniert (Heisspressung).
Die Ölwerke stellen Speiseöle und Fette her. Des Weiteren produzieren sie Produkte für die Gastronomie und Lebensmittelverarbeitung. Dazu gehören beispielsweise Speisemargarinen, spezielle Backmargarinen, Speisefett zum Frittieren und Braten, Fette zur Schokoladenherstellung, Fette für Säuglingsnahrung, Fette und Öle für Pharma und Kosmetik.
Soja wird zudem zum Lebensmittel Tofu verarbeitet, insbesondere in Bioqualität.
Die Nebenprodukte werden zu wertvollem Futtermittel für Nutztiere
Neben der menschlichen Ernährung dienen die pflanzlichen Öle und Fette auch als Nutztierfutter. Bei der Ölherstellung entstehen Nebenprodukte. Der energiereiche Ölkuchen wird als Futtermittel für Nutztiere verwendet. So wurden 2019 gemäss Futtermittelbilanz 43 800 Tonnen Ölkuchen (Trockensubstanz) als Futtermittel für Nutztiere eingesetzt. Diese inländischen Ölkuchen entsprechen etwa 13% aller verfütterten Ölkuchen beziehungsweise 0,6% der gesamten Futtermittel. Der grössere Anteil von diesem Nutztierfutter wird importiert.
Soja wird grösstenteils direkt im Futtersektor verwendet. Da im Biolandbau biologisches und gentechfreies Futter vorgeschrieben ist, wird vermehrt inländisch erzeugtes Soja verwendet. Dies ist einer der Gründe für den grossen Bioanteil von rund einem Drittel bei inländischem Soja.
Verarbeitung der Ölsaaten zu biogenem Treibstoff
Ein weiterer Verwendungszweck ist die Herstellung von Agrotreibstoff auf der Basis von Rapsöl. In den 1990er-Jahren wurde diese Produktion mit Enthusiasmus und einer Anbaufläche von 1600 Hektaren (G5) gestartet. Man versprach sich eine umweltfreundlichere Energiequelle. Im Jahr 2008 wurde eine Mineralölsteuererleichterung für biogene Treibstoffe Biogene Treibstoffe sind beispielsweise Biogas, Bioethanol, Biodiesel, pflanzliche und tierische Öle. Mit «Bio» wird die Tatsache benannt, dass diese Treibstoffe auf der Basis von Biomasse hergestellt werden. Nicht zu verwechseln mit Bio im Sinne von biologischer Landwirtschaft. eingeführt. Dank dieser rentierte diese Produktion. Anfangs der 2010-er Jahre musste jedoch gemäss Studien der OECD, der Weltbank und der Empa festgestellt werden, dass ein grosser Teil der Agrotreibstoffe aus industriellem Pflanzenanbau ein ökologisch und ökonomisch ineffizienter Ersatz für Erdöl sind und dass der Anbau von Energiepflanzen die Nahrungsmittelproduktion konkurrenziert. In der Folge wurden die gesetzlichen Anforderungen in der Schweiz angepasst. Bei der Herstellung von biogenem Treibstoff aus Raps dürften diese Anforderungen in der Regel nicht erfüllt sein. Deshalb ist Raps als nachwachsender Rohstoff innert kürzester Zeit praktisch verschwunden.
24% Selbstversorgungsgrad von pflanzlichen Ölen und Fetten
Der Inlandanteil (Selbstversorgungsgrad brutto) über alle Nahrungsmittel lag 2020 bei rund 56%. Dieser Anteil betrug für die pflanzlichen Öle und Fette 24%. Wird die Selbstversorgung nach Ölpflanzen gesondert betrachtet, beträgt sie 63% für Rapsöl und 9% für Sonnenblumenöl.
2020 betrug der Verbrauch von pflanzlichen Ölen und Fetten 156 400 Tonnen. Davon machte die Inlandproduktion 36 800 Tonnen aus und stand einer viermal grösseren Importmenge von 149 800 Tonnen gegenüber. Die Exportmenge belief sich auf 33 500 Tonnen, vor allem in Form von verarbeiteten Lebensmitteln.
Konsum von pflanzlichen Ölen und Fetten
1980 lag der Verbrauch von Ölen und Fetten bei 13 kg pro Person (G6). Seither ist der Konsum gewachsen und beträgt 2020 rund 17,8 kg pro Person. Diese Menge entspricht 49 g pro Person und Tag. 2020 war der Verbrauch um 13% höher als im Vorjahr, was auf die veränderten Essgewohnheiten während der Covid-19-Pandemie zurückzuführen ist.
Rapsöl war mit 5,9 kg pro Person im Jahr 2020 das Öl, das in der Nahrung am meisten verwendet wird, gefolgt von Sonnenblumenöl mit 5,2 kg. Der Verbrauch von Palmöl ist zwischen 2017 und 2020 von 3,2 kg auf 2,2 kg pro Person und Jahr zurückgegangen. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Lebensmittelindustrie Palmöl vermeidet. Der Verbrauch von Olivenöl betrug 2,2 kg pro Person. Daneben werden viele weitere Öle in kleineren Mengen verwendet, wie beispielsweise Avocadoöl, Baumnussöl, Distelöl, Erdnussöl, Hanfsamenöl, Haselnussöl, Kokosnussöl, Kürbiskernöl, Leinöl, Mandelöl, Sesamöl, Sojaöl. Bei den pflanzlichen Fetten handelt es ich hauptsächlich um Kakaobutter, Kokosfett und Palmfett.
Datenherkunft
– BFS – Haushaltsbudgeterhebung (HABE)
– BFS – Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR)
– BFS – Landwirtschaftliche Strukturerhebungen
und Betriebszählungen
– BFS – Unternehmensstatistik (STATENT)
– BAZG – Mineralölsteuer
– SBV, Agristat – Nahrungsmittel- und Futtermittelbilanz
– Hans Brugger, Statistisches Handbuch der schweizerischen Landwirtschaft, 1968
– Schweizerischer Getreideproduzentenverband (SGPV)
– Verein Schweizer Rapsöl (VSR)
Ein durchschnittlich grosser Haushalt (2,1 Personen) gab 2019 im Mittel Fr. 14.10 im Monat für Speisefette und -öle (tierische und pflanzliche) aus, davon Fr. 7.40 für Butter. Speisefette und -öle machen somit 2,4% der Ausgaben für Nahrungsmittel aus. Fette und Öle in verarbeiteten Lebensmitteln sind nicht mitgerechnet.