4 Finanzielle Situation

4.1 Einnahmen

4.1.1 Gesamteinnahmen

Erhoben wurden die durchschnittlichen Einnahmen pro Monat während des Semesters. Weil die Einnahmenstruktur der Studierenden ausserhalb des Semesters deutlich von derjenigen während des Semesters abweichen kann, können diese Angaben nicht auf ein Jahr hochgerechnet werden.

Die Gesamteinnahmen ergeben sich aus folgenden vier Einnahmequellen: Beiträge der Familie, Einkommen aus Erwerbstätigkeit, Stipendien/Darlehen und andere Quellen (Details dazu siehe Kapitel 4.1.2).

Das monatliche Medianeinkommen während des Frühjahrssemesters 2020 liegt bei 2110 Franken. Während ein Viertel der Studierenden mit einem Einkommen von höchstens 1500 Franken auskommen muss (1. Quartil), verfügt ein weiteres Viertel der Studierenden über mindestens 3100 Franken im Monat (3. Quartil). Studierende, die bei den Eltern leben, verfügen mit einem Medianeinkommen von 1695 Franken über geringere Gesamteinnahmen als Studierende ausserhalb des Elternhaushaltes mit 2453 Franken. Auch das Alter der Studierenden steht mit der Höhe der Einnahmen in einem Zusammenhang. Mit zunehmendem Alter steigt die Höhe der Einnahmen an. Dies lässt sich auch anhand der Höhe der Ausgaben und Struktur der Ausgaben nachvollziehen (siehe Kapitel 4.3).

Seit der Erhebung 2005 ist das Medianeinkommen der Studierenden unter Berücksichtigung der Teuerung laufend angestiegen: von 1838 Franken (2005) auf 1990 Franken (2013) und 2048 Franken (2016) bis auf 2110 Franken (2020). Es ist kein direkter Vergleich mit der Erhebung 2009 möglich, weil bei dieser Erhebung jene Studierende, die mit Partnerin oder Partner und / oder Kindern im Haushalt leben, nicht zu ihren Einnahmen befragt wurden. Diese Entwicklung gilt für Studierende im Elternhaus ebenso wie für Studierende, die nicht bei den Eltern leben.


4.1.2 Zusammensetzung der Einnahmen

Die Einnahmequellen wurden für die nachfolgenden Analysen wie folgt zusammengefasst:

– Familie: Unterstützung durch die Eltern, die Partnerin oder den Partner sowie durch andere Familienmitglieder

– Erwerbstätigkeit: Einnahmen aus aktueller Erwerbstätigkeit oder Mittel, die vor dem Studium im Rahmen einer Erwerbstätigkeit angespart wurden sowie finanzielle Unterstützung durch den (aktuellen oder ehemaligen) Arbeitgeber

– Stipendien und Darlehen: Stipendien und Darlehen der öffentlichen Hand (Schweiz oder Ausland), der Hochschulen oder privater Organisationen ohne Erwerbszweck

– Andere: Darlehen bei der Familie, Bankkredit oder Kapital, das nicht aus einer früheren Erwerbstätigkeit stammt sowie andere Einnahmen aus öffentlicher oder privater Quelle (z. B. Erbe, Rente)

Die Studierenden konnten mehrere Einnahmequellen angeben.

30% der Studierenden bestreiten ihren Lebensunterhalt mit den Einnahmen aus einer einzigen Quelle. Die Mehrheit (53%) der Studierenden verfügt über zwei Einnahmequellen. 16% beziehen Einnahmen aus mindestens drei verschiedenen Quellen.

83% der Studierenden geben als eine ihrer Einnahmequellen die Unterstützung von der Familie an. Für 17% der Studierenden ist die familiäre Unterstützung die einzige Einnahmequelle. Rund drei Viertel (73%) verfügen über Einkünfte aus eigener Erwerbstätigkeit. 12% der Studierenden finanzieren sich vollständig über diese. 11% geben Beiträge aus Stipendien oder Darlehen als eine ihrer Einnahmequellen an. Für 1% der Studierenden handelt es sich dabei um ihre einzige Einnahmequelle.

Für die weiteren Analysen der Einnahmen wurde für jede Studentin und jeden Studenten der prozentuale Anteil der vier Einnahmequellen an seinen Gesamteinnahmen berechnet und anschliessend über alle Studierenden gemittelt.

Im Durchschnitt macht die Unterstützung durch die Familie rund die Hälfte (52%) der Einnahmen der Studierenden aus. Aber auch der Anteil der eigenen Erwerbstätigkeit deckt mit 39% einen bedeutenden Anteil der Einnahmen ab. Stipendien und Darlehen entsprechen im Durchschnitt 4% der Einnahmen, sind jedoch von grosser Bedeutung für die Bezügerinnen und Bezüger. Weitere 5% werden durch Einnahmen aus anderen Quellen abgedeckt. Verglichen mit der Erhebung 2016 ist der Anteil Stipendien und Darlehen um 1 Prozentpunkt gesunken. Verglichen mit anderen europäischen Ländern liegt der Anteil der Einnahmen durch die eigene Erwerbstätigkeit in der Schweiz leicht über dem europäischen Durchschnitt, der Anteil Stipendien/Darlehen hingegen darunter. Die Unterstützung durch die Familie liegt über dem europäischen Durchschnitt. German Centre for Higher Education Research and Science Studies (2021): Social and Economic Conditions of Student Life in Europe. Eurostudent VII Synopsis of Indicators 2018–2021. Bielefeld: WBV. Seite 178. www.eurostudent.eu → results → comparative and national reports

Die Haupteinnahmequelle hängt vom Alter der Studierenden ab: Während die Unterstützung durch die Familie bei jüngeren Studierenden (bis 25 Jahre) mehr als die Hälfte der Einnahmen ausmacht, decken ältere Studierende (ab 26 Jahren) ihre Ausgaben hauptsächlich mit Einnahmen aus eigener Erwerbstätigkeit.

Die Zusammensetzung der Einnahmen hängt auch von der sozialen Herkunft ab. Bei Studierenden, die aus einem Elternhaus stammen, in dem mindestens ein Elternteil über einen Hochschulabschluss verfügt, macht die Unterstützung durch die Familie rund zwei Drittel (60%) ihrer monatlichen Einnahmen aus. Der Anteil aus eigener Erwerbstätigkeit beträgt ein Drittel. Bei Studierenden, deren Eltern einen tieferen Bildungsabschluss besitzen, deckt die Unterstützung durch die Familie hingegen weniger als die Hälfte der Einnahmen ab. Mit eigener Erwerbstätigkeit generieren diese Studierenden rund 40% oder mehr ihrer Einnahmen. Der Anteil Stipendien und Darlehen beträgt bei Studierenden, deren Eltern keinen Hochschulabschluss aufweisen, zwischen 3% und 9% (keine nachobligatorische Ausbildung 9%; Sekundarstufe II 5% bzw. 7%; Höhere Berufsbildung 3%) gegenüber 3% bei jenen mit Hochschulabschluss). Die geringere finanzielle Unterstützung durch die Familie wird durch eigene Erwerbstätigkeit sowie durch Stipendien und Darlehen kompensiert.

Die wichtigste Einnahmequelle unterscheidet sich nach Hoch­schultyp. Während bei den UH-Studierenden die Mehrheit der Einnahmen von der Familie stammt (60%, Erwerbstätigkeit: 31%), verdienen FH-Studierende die Hälfte ihrer Einnahmen durch die eigene Erwerbstätigkeit (51%, Familie: 39%). An den PH halten sich diese beiden Einkommensquellen die Waage (44% von der Familie, 48% aus Erwerbstätigkeit). PH-Studierende beziehen zudem einen kleineren Anteil ihrer Einnahmen aus Stipendien und Darlehen (PH: 3%, UH: 4%, FH: 5%). Diese Unterschiede lassen sich nur teilweise auf unterschiedliche Altersstrukturen an den Hochschultypen zurückführen. Weitere Erklärungsfaktoren sind berufsbegleitende Studiengänge an den FH sowie die häufigere Berufserfahrung vor Studienbeginn der FH-Studierenden.  

Einnahmequellen der Studierenden nach Fachbereich(sgruppe), in %T4.1

Familie Erwerbs-tätigkeit Stipendien
und
Darlehen
andere
UH
Total UH 60 31 4 5
Technische Wissenschaften 70 20 5 5
Medizin und Pharmazie 69 23 4 4
Exakte und Naturwissenschaften 67 23 5 6
Recht 57 36 3 5
Wirtschaftswissenschaften 56 34 4 5
Geistes- und Sozialwissenschaften 51 39 4 6
Interdisziplinäre und andere 50 41 4 5
FH/PH
Total FH/PH 41 50 4 5
Design 60 25 7 8
Land- und Forstwirtschaft 53 33 7 7
Architektur, Bau- und Planungswesen 49 40 5 6
Chemie und Life Sciences 48 38 7 7
Musik, Theater und andere Künste 48 36 11 6
Gesundheit 47 38 7 8
Lehrkräfteausbildung 44 48 3 5
Sport 42 49 3 6
Angewandte Linguistik 41 45 7 8
Technik und IT 41 50 4 5
Soziale Arbeit 33 58 4 5
Wirtschaft und Dienstleistungen 31 64 2 3
Angewandte Psychologie 29 64 2 5

Variationskoeffizient < 2,5%
 a Variationskoeffizient ≥ 2,5% und < 5%
 b Variationskoeffizient ≥ 5%

Quelle: BFS – SSEE 2020

© BFS 2021

Es zeigen sich auch Unterschiede nach Fachbereich(sgruppe). So liegt an den UH der Anteil der Unterstützung durch die Familie in den Fachbereichsgruppen Technische Wissenschaften, Medizin und Pharmazie sowie Exakte und Naturwissenschaften über dem UH-Durchschnitt von 60%. Der Anteil der eigenen Erwerbstätigkeit ist in diesen Fachbereichsgruppen dagegen geringer als im UH-Durchschnitt (31%). Dieser Befund korrespondiert mit der Feststellung, dass in diesen drei Fachbereichsgruppen der Zeitaufwand für das Studium über dem UH-Durchschnitt liegt (siehe Kap. 3.2.3). In den Wirtschaftswissenschaften, den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in der Fachbereichsgruppe Interdisziplinäre und andere übersteigt der Anteil der eigenen Erwerbstätigkeit den UH-Durchschnitt, während die Unterstützung durch die Familie unter dem UH-Durchschnitt liegt.

Auch an den Fachhochschulen gibt es grössere Unterschiede nach Fachbereich: Während in den Fachbereichen Soziale Arbeit, Wirtschaft und Dienstleistungen sowie Angewandte Psychologie und rund 60% der Mittel aus eigener Erwerbstätigkeit stammen, liegt dieser Anteil in den Fachbereichen Design sowie Land- und Forstwirtschaft bei rund 30%. Dies ist tendenziell auf die unterschiedliche Erwerbsbeteiligung in den Fachbereichen (siehe Kapitel 3.1.4) zurückzuführen. Im Fachbereich Musik, Theater und andere Künste ist bei den Einnahmequellen ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Stipendien und Darlehen zu verzeichnen (11%).

Je nachdem, welche Einnahmequellen den Studierenden zur Verfügung stehen, variieren die Anteile an den Gesamteinnahmen. Studierende, die keine finanzielle Unterstützung der Familie erhalten, decken 84% ihrer Einnahmen über die eigene Erwerbstätigkeit. Aber auch die Anteile der Ausbildungsbeiträge und der anderen Einnahmen sind bei dieser Gruppe höher als bei den Studierenden, deren Familie sie finanziell unterstützt.

Bei den Studierenden ohne Einnahmen aus eigener Erwerbstätigkeit macht die finanzielle Unterstützung der Familie 83% der Gesamteinnahmen aus. Auch die Anteile der Ausbildungsbeiträge und der anderen Einnahmen liegen bei dieser Gruppe höher als bei den erwerbstätigen Studierenden.

Während der Anteil der Ausbildungsbeiträge an den Gesamteinnahmen bei allen Studierenden 4% beträgt, ist diese Quelle für die Bezügerinnen und Bezüger sehr wichtig. Sie macht mit 38% den bedeutendsten Anteil der Gesamteinnahmen dieser Gruppe von Studierenden aus. Im Vergleich mit Studierenden, die keine Ausbildungsbeiträge erhalten, ist der Anteil der Unterstützung durch die Familie mit 35% kleiner (Studierende ohne Beiträge: 54%). Auch die eigene Erwerbstätigkeit deckt mit 22% einen geringeren Anteil der Gesamteinnahmen ab (Studierende ohne Beiträge: 41%).

4.2 Stipendien und Darlehen

Als Ausbildungsbeiträge gelten in diesem Kapitel alle Stipendien und Darlehen, die von der öffentlichen Hand (Bund, Kanton, Gemeinde oder ausländische Instanz), von Hochschulen sowie von privaten Organisationen ohne Erwerbszweck gewährt werden. Während Darlehen nach Abschluss des Studiums zurückbezahlt werden müssen, ist dies bei Stipendien nicht der Fall. Nicht berücksichtigt werden Mobilitätsstipendien (z. B. Erasmusstipendien) und private Bankkredite.

Die Vergabe der Ausbildungsbeiträge der öffentlichen Hand ist kantonal geregelt. Einen Überblick über die jährlich von den Kantonen gewährten Stipendien und Darlehen gibt die Publikation «Kantonale Stipendien und Darlehen» des BFS. BFS (2020): Kantonale Stipendien und Darlehen 2019. Neuchâtel: BFS Die im vorliegenden Hauptbericht ausgewiesenen Ausbildungsbeihilfen decken sich nicht mit der kantonalen Stipendienstatistik, da auch Ausbildungsbeihilfen der Hochschulen und privater Organisationen sowie anderer Akteure der öffentlichen Hand (Bund, Gemeinden, Beihilfen aus dem Ausland) zu den Einnahmen der Studierenden beitragen.

4.2.1 Antragsverhalten

Im Frühjahrssemester 2020 erhielten 11% der Studierenden einen Ausbildungsbeitrag. Weitere 2% hatten einen solchen für das Studienjahr 2018 / 2019 erhalten, der inzwischen ausgelaufen war, und 2% warteten noch auf den Entscheid über ihr Gesuch. 12% hatten ein Gesuch um Beiträge eingereicht, das jedoch abgelehnt wurde. Von den 27% der Studierenden, die ein Gesuch um Ausbildungsbeiträge eingereicht hatten, haben 43% einen Ausbildungsbeitrag erhalten. Knapp drei Viertel (73%) der Studierenden hatten kein Gesuch um Ausbildungsbeiträge gestellt.

Entwicklung Antragsstatus, in %T4.2

2005 2009 2013 2016 2020

Quellen: BFS – 2005, 2009, 2013, 2016, 2020

© BFS 2021

Der Anteil der Studierenden, die kein Gesuch gestellt hatten, ist seit 2005 von 63% auf 73% angestiegen. Entsprechend sind seit 2005 die Anteile der Studierenden, die Beiträge erhalten, deren Gesuch noch ausstehend ist oder abgelehnt wurde, rückläufig. Im Zeitverlauf praktisch unverändert ist jedoch das Verhältnis von Studierenden, deren Gesuch abgelehnt wurde, zu jenen, die einen Ausbildungsbeitrag erhalten haben.

Das Antragsverhalten der Studierenden weist deutliche Unterschiede nach höchstem Bildungsabschluss der Eltern auf. Während 19% der Studierenden, deren Eltern über einen Hochschulabschluss verfügen, einen Antrag für einen Ausbildungsbeitrag stellten, taten dies zwischen 24% und 46% derjenigen Studierenden, deren Eltern einen tieferen Bildungsabschluss besitzen. Studierende, die aus einem Elternhaus ohne Hochschulabschluss und ohne höhere Berufsbildung stammen, haben häufiger einen Ausbildungsbeitrag zugesprochen erhalten (zwischen 13% und 21%) als Studierende, deren Eltern über einen solchen Abschluss verfügen. Das Verhältnis von Studierenden, die einen Beitrag erhalten haben, zu denjenigen Studierenden, deren Gesuch abgelehnt wurde, ist dabei in allen Gruppen ähnlich.

Studierende, die für das Studienjahr 2019 / 2020 kein Gesuch um einen Ausbildungsbeitrag gestellt hatten, wurden nach den Gründen für diese Entscheidung gefragt. Knapp zwei Drittel (64%) dieser Studierenden geben die finanzielle Situation der Eltern bzw. der Partnerin oder des Partners als Grund an. Verglichen mit der Erhebung 2016 (66%) wird dieser Grund seltener genannt. 36% der Studierenden erklären, keine finanzielle Unterstützung zu benötigen. Dieser Grund wird verglichen mit 2016 (29%) häufiger angegeben. 22% nennen die persönliche finanzielle Situation als Grund und 19% möchten keine Schulden machen. 14% wussten nicht, an wen sie sich für finanzielle Unterstützung wenden sollten und 11% gaben als Grund ein berufsbegleitendes Studium oder Teilzeitstudium an (2016: 9%). Zwischen der Erhebung 2013 und 2016 sind die Anteile der Gründe stabil geblieben.   

Drei Viertel der Studierenden (74%), deren Anträge für Ausbildungsbeiträge abgewiesen wurden, geben an, dass der Hauptgrund dafür die finanzielle Situation der Eltern bzw. der Partnerin oder des Partners war. Die eigene finanzielle Situation gab nur bei 7% den Ausschlag.

Studierende, deren Beitragsgesuche abgelehnt wurden, wurden zu den Konsequenzen dieser Ablehnung für ihre Studiensituation befragt. Zwei Drittel (61%) dieser Studierenden geben an, dass sie aufgrund der Ablehnung finanziell von den Eltern abhängig sind. Verglichen mit der Erhebung 2016 (66%) wird dieser Grund seltener genannt. Über die Hälfte (53%) erklärt, als Folge der Ablehnung mehr Zeit für die Erwerbstätigkeit aufwenden zu müssen. Ein Viertel (25%) hat sich bei den Eltern oder Freunden Geld geliehen. 18% rechnen mit einer Verlängerung der Studiendauer. 10% haben aufgrund der Ablehnung beschlossen, ein berufsbegleitendes Studium aufzunehmen. In der Erhebung 2016 wurde diese Konsequenz halb so oft genannt (5%). 9% geben als Folge die finanzielle Abhängigkeit von der Partnerin oder dem Partner an. Weitere 9% antworten, dass die Ablehnung ihres Antrags keine Konsequenzen für die Fortsetzung ihres Studiums hat. 5% spielen mit dem Gedanken, ihr Studium aufzugeben.

Art der bezogenen Beiträge, in % der Studierenden mit AusbildungsbeitragT4.3

2005 2009 2013 2016 2020
nur Stipendien 76% 81% 84% 86% 84%
Stipendien und Darlehen 16% 11% 9% 8% 8%
nur Darlehen 8% 8% 7% 7% 8%

Quellen: BFS – 2005, 2009, 2013, 2016, 2020

© BFS 2021

4.2.2 Merkmale der Ausbildungsbeiträge

Die Ausbildungsbeiträge unterscheiden sich nach Art, Herkunft (öffentliche Hand, Hochschule, private Organisation), Vergabepraxis und Umfang. 84% der Studierenden mit einem Beitrag beziehen ein Stipendium und 8% ein Darlehen. Die verbleibenden 8% erhalten sowohl ein Stipendium als auch ein Darlehen.

Im Vergleich mit den Erhebungen 2005 und 2009 ist der Anteil der Bezügerinnen und Bezüger, die ausschliesslich Stipendien erhalten gestiegen. Dies geht mit einem Rückgang der gemischten Beiträge von 16% auf 8% einher. Der Anteil der Bezügerinnen und Bezüger, die ausschliesslich ein Darlehen erhalten, ist über die Erhebungsjahre hinweg stabil geblieben.

An der Herkunft der Ausbildungsbeiträge hat sich seit der Erhebung 2005 wenig verändert: Sowohl bei den Stipendien als auch bei den Darlehen erhält die Mehrheit der Bezüger innen und Bezüger 2020 einen Beitrag der öffentlichen Hand (69% bei den Stipendien bzw. 77% bei den Darlehen). Der Anteil der Beiträge von Seiten der Hochschulen und privater Organisationen liegt zwischen 9% und 16%.

86% der Bezügerinnen und Bezüger von Ausbildungsbeiträgen geben an, dass diese aus der Schweiz stammen. 12% beziehen Ausbildungsbeiträge aus dem Ausland. Für 2% ist das Herkunftsland der Beiträge unklar.

Stipendien der öffentlichen Hand stammen zu 88% aus der Schweiz und zu 10% aus dem Ausland. Bei Stipendien von privaten Organisationen verhält es sich ähnlich. Von Hochschulen ausgerichtete Stipendien stammen zu 79% aus der Schweiz und zu 19% aus dem Ausland. Darlehen der öffentlichen Hand stammen zu 67% aus der Schweiz und zu 30% aus dem Ausland. Bei Darlehen von privaten Organisationen zeigt sich ungefähr die selbe Verteilung: 68% stammen aus der Schweiz und 25% aus dem Ausland.

Die Vergabepraxis der Ausbildungsbeiträge ist je nach Art und Herkunft des Beitrages unterschiedlich: Sowohl Stipendien als auch Darlehen der öffentlichen Hand hängen mit 78% bzw. 69% meistens vom Einkommen der Familie (Eltern oder Partner / in) ab. Bei den Stipendien und Darlehen der Hochschulen oder der privaten Organisationen ist dies mit 42% bzw. 43% seltener der Fall.

Für Studierende mit Ausbildungsbeiträgen liegt der mittlere monatliche Betrag bei 610 Franken (Median). Für die Höhe der Beiträge werden Stipendien und Darlehen zusammen betrachtet, weil die Fallzahlen der Darlehensbezüger innen und -bezüger für eine detailliertere Analyse nicht ausreichen. Vergleicht man die Beträge zu den Preisen 2020, so sind sie gegenüber den Erhebungen 2005, 2013 und 2016 stabil geblieben. Es ist kein direkter Vergleich mit der Erhebung 2009 möglich, weil bei dieser Erhebung Studierende, die mit Partnerin oder Partner und / oder Kindern im Haushalt leben, nicht zu ihren Einnahmen befragt wurden.

Die Höhe der Ausbildungsbeiträge hängt unter anderem mit dem Alter und der Wohnform zusammen. Bezügerinnen und Bezüger bis 20 Jahre erhalten mit 500 Franken einen unterdurchschnittlichen Betrag, während Studierende der Altersgruppen 26–30 Jahre sowie 31–35 Jahre mit 838 bzw. 1000 Franken einen überdurchschnittlichen Betrag erhalten. Die restlichen Altersgruppen unterscheiden sich nicht signifikant vom Median aller Studierenden. Bei Bezüger innen und Bezügern, die ausserhalb des Elternhaushalts wohnen, liegt der mittlere Betrag mit 800 Franken höher als bei Bezügerinnen und Bezüger im Elternhaus (500 Franken).

   

Herkunft des Beitrages nach Art des Beitrages,
in % der Studierenden mit Ausbildungsbeitrag

(Mehrfachantworten möglich)

T4.4

Stipendium Darlehen
öffentliche Hand 69% 77%
Hochschule 15% 9%
private Organisation 16% 11%

Quelle: BFS – SSEE 2020

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4.3 Ausgaben

Erhoben wurden die durchschnittlichen Ausgaben pro Monat während des Semesters.

4.3.1 Gesamtausgaben

Die Ausgaben der Studierenden variieren nach Alter und Wohnform, in geringerem Umfang auch nach Hochschule. In diesem Kapitel wird der Einfluss dieser drei Faktoren auf die Ausgaben untersucht.

Der Median der monatlichen Gesamtausgaben aller Studierenden liegt bei 1745 Franken. Ein Viertel der Studierenden gibt höchstens 1250 Franken aus (1. Quartil), während ein weiteres Viertel mindestens 2400 Franken ausgibt (3. Quartil).

Studierende, die ausserhalb des Elternhaushalts wohnen, geben 2061 Franken (Median) aus. Ein Viertel dieser Studierenden gibt höchstens 1623 Franken aus (1. Quartil), während ein weiterer Viertel mindestens 2744 Franken aufwendet (3. Quartil).

Für Studierende, die im Elternhaushalt wohnen, fallen meist keine Wohnkosten an. Die Medianausgaben dieser Studierenden liegen daher tiefer und belaufen sich auf 1248 Franken pro Monat. Von den im Elternhaus wohnenden Studierenden geben 25% monatlich höchstens 935 Franken aus (1. Quartil), und 25% mindestens 1691 Franken (3. Quartil).

Bei den Studierenden, die ausserhalb des Elternhauses wohnen, hat zudem der Haushaltstyp einen Einfluss auf die Höhe der Ausgaben. So haben Studierende in Wohnheimen und Wohngemeinschaften durchschnittlich tiefere Ausgaben als alle Studierende ausserhalb des Elternhauses. Studierende, die allein oder mit Partnerin oder Partner und/oder Kindern wohnen, geben dagegen mehr aus.

Neben der Wohnform hat das Alter der Studierenden einen Einfluss auf die Höhe der Ausgaben. Mit zunehmendem Alter steigen auch die Ausgaben. Dies ist unter anderem auf den Auszug aus dem Elternhaus und auf steigende Kosten für einzelne Budgetposten ab gewissen Altersgrenzen (z. B. Krankenkasse, Abonnemente für öffentliche Verkehrsmittel, Telekommunikationsangebote mit Altersbeschränkung) zurückzuführen.

Die Medianausgaben der Studierenden an den UH liegen mit 1680 Franken unter jenen der Studierenden an den FH (1896 Franken) und den PH (1824 Franken). Zwischen den beiden letztgenannten Hochschultypen gibt es jedoch keine signifikanten Unterschiede. Ebenfalls keine Unterschiede sind bei den Ausgaben nach Geschlecht auszumachen.

Der leichte Anstieg der Medianausgaben (1924 Franken) im Masterstudium gegenüber dem Bachelorstudium (1660 Franken) lässt sich auf das höhere Alter der Studierenden zurückführen. Zudem wohnen Master-Studierende häufiger ausserhalb des Elternhauses und haben deshalb höhere Wohnkosten.

Zwischen den UH sind deutliche Unterschiede zu erkennen, die zum Teil durch die unterschiedlich hohen Studiengebühren bedingt sind. Der Median der Gesamtausgaben liegt bei den universitären Fernstudien Schweiz (FS-CH; 3915 Franken), am Hochschulinstitut für Internationale Studien und Entwicklung (IHEID; 2000 Franken) und an den Universitäten St. Gallen (UNISG; 2020 Franken), Luzern (UNILU; 1880 Franken), der Università della Svizzera italiana (USI; 1866 Franken) und Zürich (UZH; 1756 Franken) über dem Median aller UH zusammengenommen (1680 Franken). An den Universitäten Genf (UNIGE; 1428 Franken) und Neuenburg (UNINE; 1470 Franken), der EPFL (1517 Franken) und der Universität Lausanne (UNIL; 1527 Franken) liegt der Median der Gesamtausgaben unter dem Median aller UH zusammengenommen.

Bei den FH ist der Median der Gesamtausgaben an der privaten Kalaidos Fachhochschule (KAL; 4154 Franken) viel höher als an den öffentlichen FH. Dies ist zum Teil auf die ausserordentlich hohen Studiengebühren zurückzuführen (siehe Kapitel 4.3.3). Auch an der Fachhochschule Zentralschweiz (FHZ; 2079 Franken), der Zürcher Fachhochschule (ZFH; 2031 Franken), der SUPSI (2024 Franken) und an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW; 2002 Franken) liegt der Median der Gesamtausgaben über dem Median aller FH/PH-Studierenden (1883 Franken). An der HES-SO fällt der Median mit 1592 Franken dagegen deutlich tiefer aus.

Wenn die Ausgaben 2005, 2013 und 2016 zu den Preisen von 2020 berücksichtigt werden, sind die Medianausgaben der Studierenden 2020 gegenüber 2005, 2013 und 2016 stabil geblieben. Es ist kein direkter Vergleich mit der Erhebung 2009 möglich, weil bei der Erhebung 2009 Studierende, die mit Partnerin oder Partner und/oder Kindern im Haushalt leben, nicht zu ihren Ausgaben befragt wurden.

 

4.3.2 Struktur der Ausgaben

Die Studierenden wurden gebeten, detaillierte Angaben zu ihren monatlichen Ausgaben während des Semesters zu machen. Dabei wurden sowohl die Ausgaben der Studierenden selbst als auch Beträge, die die Eltern oder die Familie der Studierenden übernehmen, erfasst. Für die nachfolgenden Auswertungen wurden einige der Ausgabeposten wie folgt gruppiert: Nahrung und Bekleidung sind zusammen dargestellt, Studiengebühren und andere Studienkosten werden zu «Studienkosten» zusammengefasst und Beträge für Freizeit und andere Ausgaben als «übrige Ausgaben» aufgeführt.

Die Analyse der Ausgabeposten gibt zunächst einen detaillierten Überblick über das Budget der Studierenden. Seit 2005 sind folgende Tendenzen zu beobachten: Die Gesundheits- und Transportkosten sind angestiegen, während die Ausgaben für Telekommunikation und die übrigen Ausgaben gesunken sind, und zwar sowohl für die Studierenden, die bei ihren Eltern wohnen, als auch jene, die ausserhalb des Elternhauses leben. für eine Entwicklung der verschiedenen Ausgabeposten siehe BFS (2017): Studien- und Lebensbedingungen an den Schweizer Hochschulen. Neuchâtel: BFS. Seite 73   

Ausgabeposten der Studierenden nach Wohnform, Mittelwert in Franken pro MonatT4.5

Total nicht bei den Eltern bei den Eltern
Unterkunft 509 818 44
Nahrung und Bekleidung 459 489 412
Studienkosten 210 220 193
Gesundheit 265 260 272
Transport 180 172 190
Telekommunikation 59 62 55
Kinder 20 33 1
übrige Ausgaben 287 307 252
Total der durchschnittlichen ­monatlichen Ausgaben 1 989 2 361 1 418

Variationskoeffizient < 2,5%
 a Variationskoeffizient ≥ 2,5% und < 5%
 b Variationskoeffizient ≥ 5%

Quelle: BFS – SSEE 2020

© BFS 2021

Weiter hilft diese Betrachtung der Ausgabenposten zu verstehen, warum die im Elternhaushalt lebenden Studierenden deutlich tiefere Ausgaben haben als Studierende, die nicht bei den Eltern wohnen. Hauptgrund ist der hohe Anteil der Wohnkosten (35%) an den Gesamtausgaben der Studierenden ausserhalb des Elternhauses Ausserdem sind die Wohnkosten für Studierende ausserhalb des Elternhauses seit 2013 sowohl in absoluten Zahlen als auch als Anteil an den Gesamtausgaben gestiegen. Für eine detaillierte Analyse der Wohnkosten siehe BFS (2017): Studien- und Lebensbedingungen an den Schweizer Hochschulen. Neuchâtel: BFS. Seiten 73–75 . Folglich fällt das relative Gewicht der übrigen Ausgabeposten an den Gesamtausgaben tendenziell geringer aus als bei den Studierenden, die bei den Eltern wohnen. Absolut gesehen wenden die Studierenden ausserhalb des Elternhauses hingegen höhere Beträge für Nahrung und Bekleidung, Telekommunikation und für Kinder auf als Studierende im Elternhaushalt. Letztere verfügen in Bezug auf ihr Budget über etwas mehr Flexibilität, was sich am Anteil der übrigen Ausgaben von 18% (im Vergleich mit 13% bei den Studierenden ausserhalb des Elternhauses) zeigt.

4.3.3 Studiengebühren

Im Rahmen der Erhebung wurden die Studierenden nach der Höhe der Studiengebühren für das Frühjahrssemester 2020 gefragt. Sie wurden gebeten, neben den Immatrikulationsgebühren auch die Prüfungsgebühren, Gebühren für Diplome usw. zu berücksichtigen.

Im Frühjahrssemester 2020 bezahlen die Studierenden an den Schweizer Hochschulen im Durchschnitt 936 Franken Studiengebühren. Diese machen 9% der gesamten Ausgaben der Studierenden aus. Einige Hochschulen erheben je nach Nationalität und Bildungsherkunft unterschiedliche Gebühren: Teilweise bezahlen Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer deutlich höhere Gebühren als Studierende, die den Schweizer Pass besitzen oder ihren Hochschulzulassungsausweis in der Schweiz erworben haben (Schweizer/innen und Bildungsinländer/innen). Entsprechend bezahlen Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer im Durchschnitt 1289 Franken Studiengebühren pro Semester, was 11% ihrer gesamten Ausgaben entspricht. Schweizerinnen und Schweizer oder Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer entrichten mit 877 Franken deutlich niedrigere Studiengebühren (8% ihrer Gesamtausgaben).

An den UH liegen die Gebühren an der IHEID (akkreditierte private Institution), der USI, der UNISG, den FS-CH (akkreditierte private Institution) sowie an der UNIBE über dem Durchschnitt aller UH. An den Universitäten in der Romandie und an den ETH betragen sie dagegen weniger als der UH-Durchschnitt. Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer bezahlen an der USI, der UNISG und der IHEID deutlich höhere Gebühren. Auch an der UNILU, UZH und UNINE liegen ihre Gebühren über denjenigen der Schweizerinnen und Schweizer oder Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer. An der UNIGE hingegen sind ihre Studiengebühren tiefer als die von Studierenden mit Schweizer Zulassungsausweis. Der Unterschied erklärt sich dadurch, dass Studierenden mit ausländischem Hochschulzulassungsausweis die Studiengebühren häufiger teilweise oder vollständig erlassen werden und sie daher weniger Studiengebühren zahlen.

An den FH und PH betragen die Gebühren an der KAL ein Vielfaches der durchschnittlichen Gebühren. Diese Hochschule ist ein Sonderfall: Sie ist eine seit 2005 vom Bund akkreditierte private Hochschule, an der die überwiegende Mehrheit der Studierenden berufsbegleitend Wirtschaft und Dienstleistungen studiert. Auch an der SUPSI liegen die Gebühren über dem Durchschnitt der FH und PH. An der BFH, der FHNW, der ZFH sowie den anderen PH-I fallen die Gebühren dagegen tiefer aus als dieser Durchschnitt. Bildungsausländerinnen und Bildungsausländer bezahlen an der SUPSI und der HES-SO deutlich höhere Gebühren als ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen.

Im Vergleich mit der Erhebung 2005 fallen die durchschnittlichen Studiengebühren pro Semester 2020 mit 936 Franken deutlich höher aus als 2005 mit 770 Franken (konstante Preise, Referenzjahr: 2020). Dies ist auf einen Anstieg der Gebühren an verschiedenen Hochschulen, auf neue private Hochschulen mit tendenziell höheren Gebühren sowie auf die höheren Einschreibegebühren für Studierende mit ausländischem Zulassungsausweis zurückzuführen. Abbildung G4.13 zeigt die Entwicklung der Studiengebühren für jede Hochschule zwischen 2005 und 2020. An den Hochschulen unterhalb der Geraden sind die Studiengebühren im Jahr 2020 niedriger als 2005, an den Hochschulen oberhalb der Geraden höher. Bei den UH sind die Studiengebühren an der USI und der Universität St. Gallen UNISG sowie in geringerem Masse an der UNIBE, der UNIFR und der EPFL angestiegen. An den FH/PH zahlten die Studierenden an der HES-SO, der SUPSI und der FHO höhere Gebühren.   

Die Studierenden wurden gefragt, ob ihnen die Gebühren vollständig oder teilweise erlassen werden und falls ja, aus welchem Grund. Die Studierenden konnten als Gründe für den Erlass soziale oder finanzielle Gründe, reduzierte Studienintensität oder andere Gründe angeben.

Die meisten Hochschulen kennen Möglichkeiten des Gebührenerlasses. Allerdings profitiert nur 1% der Studierenden von einem vollständigen Gebührenerlass. An den UH geben insgesamt 6% der Studierenden an, dass ihnen die Gebühren ganz oder teilweise erlassen wurden. Die IHEID (34%), die UNIGE (13%), die UNIL (12%), die USI (11%) und die UNISG (9%) erlassen häufiger Gebühren. Die Gründe dafür variieren ebenfalls nach Hochschule. Während beispielsweise an den UNIL der Erlass mehrheitlich aus sozialen und finanziellen Gründen erfolgt, ist an der UNISG häufiger die reduzierte Studienintensität ausschlaggebend. An den FH und PH werden die Gebühren mit 4% insgesamt etwas seltener ganz oder teilweise erlassen als an den UH.


4.4 Finanzielle Schwierigkeiten

Im Rahmen der Erhebung wurden die Studierenden gefragt, ob sie zurzeit finanzielle Schwierigkeiten haben. Sie konnten ihre Situation auf einer Skala von 1 = «überhaupt keine Schwierigkeiten» bis 5 =«sehr grosse Schwierigkeiten» bewerten.

39% der Studierenden haben überhaupt keine finanziellen Schwierigkeiten. 48% geben kleine und mittlere finanzielle Schwierigkeiten an, während 13% grosse oder sehr grosse Schwierigkeiten erleben.

Die finanzielle Situation der Studierenden hat sich zwischen 2016 und 2020 signifikant verbessert. Im Jahr 2016 gaben beispielsweise 31% der Studierenden an, keine finanziellen Schwierigkeiten zu haben, während 16% über grosse oder sehr grosse Schwierigkeiten berichteten. Diese positive Entwicklung der finanziellen Situation der Studierenden spiegelt sich auch in anderen Indikatoren wider. So ist der Anteil der verschuldeten Studierenden seit 2016 deutlich zurückgegangen (siehe Kapitel 4.5). Studierende, die keine Stipendien oder Darlehen beantragt haben, geben nun häufiger an, dass sie keinen Antrag gestellt haben, weil sie keine finanzielle Unterstützung benötigen (2020: 36%, 2016: 29%; siehe Kapitel 4.2.1).

Abhängig von der Altersgruppe treten finanzielle Schwierigkeiten unterschiedlich häufig auf: Während die Hälfte der Studierenden bis 20 Jahre keine finanziellen Schwierigkeiten hat, nimmt dieser Anteil mit zunehmendem Alter ab und sinkt bei den 31- bis 35-Jährigen auf 26%. Bei den ältesten Studierenden (über 35 Jahre) steigt der Anteil jedoch wieder auf 42%.

FH-Studierende erleben mit 15% häufiger grosse oder sehr grosse finanzielle Schwierigkeiten und seltener (33%) keine Schwierigkeiten als UH-Studierende (12% bzw. 43%). PH-Studierende liegen zwischen den beiden Gruppen: 37% der Studierenden haben überhaupt keine finanziellen Schwierigkeiten. Dieser Anteil unterscheidet sich deutlich von jenem der FH- und UH-Studierenden.

Betrachtet man die finanziellen Schwierigkeiten der Studierenden nach höchster sozioprofessioneller Kategorie der Eltern zur Konstruktion der sozioprofessionellen Kategorien siehe Kapitel 1.4.1 , so zeigt sich, dass die Studierenden seltener von finanziellen Schwierigkeiten betroffen sind, wenn mindestens ein Elternteil den Kategorien Oberstes Management, Freie und gleichgestellte Berufe sowie Akademische Berufe und oberes Kader angehört. Zwischen 46% und 55% von ihnen begegnen keinen finanziellen Schwierigkeiten, gegenüber 22% bis 29% der Studierenden, deren Eltern zu den Kategorien Ungelernte Angestellte und Arbeiterinnen und Arbeiter, Qualifizierte manuelle Berufe und Qualifizierte nicht-manuelle Berufe zählen. Letztere haben jedoch häufiger grosse oder sehr grosse finanzielle Schwierigkeiten (18% bis 26%) als Studierende mit Eltern aus den Kategorien Oberstes Management, Freie und gleichgestellte Berufe sowie Akademische Berufe und oberes Kader (zwischen 8% und 10%).

Studierende mit Migrationshintergrund haben häufiger finanzielle Schwierigkeiten als Schweizer Studierende. So liegt der Anteil der Studierenden ohne finanzielle Schwierigkeiten in allen drei Kategorien mit Migrationshintergrund (zweite Generation, erste Generation mit Schweizer Hochschulzulassungsausweis und erste Generation mit ausländischem Zulassungsausweis) zwischen 31% und 37% und damit unter demjenigen der Schweizer Studierenden (42%). Zudem treffen Studierende mit Migrationshintergrund häufiger auf grosse oder sehr grosse Schwierigkeiten (zwischen 18% und 20%) als Studierende ohne Migrationshintergrund (10%).

Studierende, die im aktuellen Semester einen Teil ihres Einkommens aus Ausbildungsbeiträgen (Stipendium oder Darlehen) beziehen, geben häufiger an, finanzielle Schwierigkeiten zu erfahren: 25% haben grosse oder sehr grosse Schwierigkeiten. Bei den Studierenden ohne Ausbildungsbeiträge beträgt dieser Anteil 11%. Lediglich 22% der Studierenden mit Einkommen aus Ausbildungsbeiträgen haben keine Schwierigkeiten, während der Anteil bei den Studierenden ohne Einkommen aus Stipendien oder Darlehen bei 42% liegt. Die Ausbildungsbeiträge erlauben es ihren Bezügerinnen und Bezüger also nicht, ihre schlechtere ökonomische Startsituation vollständig auszugleichen. Ein Teil von ihnen studiert trotz Unterstützung unter finanziell schwierigen Bedingungen.

Auch die Partnerschaft der Eltern der Studierenden hat einen Einfluss auf deren finanzielle Situation. Studierende, deren Eltern in getrennten Haushalten leben, erfahren mit 16% deutlich häufiger grosse oder sehr grosse Schwierigkeiten als Studierende, deren Eltern in einem gemeinsamen Haushalt wohnen (11%). Sie geben zudem mit 34% seltener an, keine finanziellen Schwierigkeiten zu haben als ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen mit gemeinsamen Elternhaushalten (41%).

  

4.5 Verschuldung

Die Studierenden verfügen mehrheitlich über genügend Ressourcen, um ihre Ausgaben zu decken. 9% der Studierenden geben jedoch an, Schulden im Zusammenhang mit ihrer Situation als Studierende zu haben. Der Anteil der verschuldeten Studierenden ist seit 2016 (12%) deutlich zurückgegangen und bestätigt den seit 2009 beobachteten Abwärtstrend.

Während die Studierenden bis 25 Jahre seltener Schulden haben (bis 20 Jahre: 2%; 21–25 Jahre: 6%), berichten Studierende ab 26 Jahren häufiger über Schulden. Insbesondere in der Altersgruppe der 31- bis 35-Jährigen ist der Anteil mit 22% doppelt so hoch wie der Durchschnitt aller Studierenden.

Neben dem Alter spielen die Wohnform und der Migrationshintergrund bei der Verschuldung eine Rolle. 5% der Studierenden, die bei den Eltern wohnen, geben an, im Zusammenhang mit ihrem Studium verschuldet zu sein. Bei den übrigen Wohnformen liegt dieser Anteil zwischen 10% und 15%. Studierende mit Migrationshintergrund, insbesondere jene der ersten Generation (13% mit Schweizer Zulassungausweis und 14% mit ausländischem Zulassungsausweis) haben häufiger Schulden als Studierende ohne Migrationshintergrund (8%). Die Ausbildungsbeiträge, die Studierende der ersten Migrationsgeneration mit ausländischem Hochschulzulassungsausweis beziehen, stammen mehrheitlich aus dem Ausland. Insbesondere Darlehen der öffentlichen Hand kommen häufiger aus dem Ausland als Stipendien der öffentlichen Hand (siehe Kapitel 4.2.2).

Die Hälfte der Studierenden mit Schulden hat bei der Familie Geld geliehen (49%), weniger als ein Drittel (28%) hat Rechnungen noch nicht bezahlt, ein Fünftel (19%) hat bei Freunden Geld geliehen und etwa ein Viertel (23%) hat ein Darlehen der öffentlichen Hand, der Hochschule oder einer Stiftung erhalten. 15% der verschuldeten Studierenden haben ein privates Bankdarlehen aufgenommen, was 1% aller befragten Studierenden entspricht.

Bei 43% der Studierenden beträgt die Verschuldung maximal 5000 Franken. Ein Fünftel (21%) hat Schulden in Höhe von 5001 bis 10 000 Franken, ein Sechstel (16%) in Höhe von 10 001 bis 20 000 Franken. Bei 19% der verschuldeten Studierenden belaufen sich die Schulden auf mehr als 20 000 Franken. Im Vergleich mit der Erhebung 2016 hat sich der Anteil der verschuldeten Studierenden mit mehr als 20 000 Franken Schulden nicht wesentlich verändert.