4 Finanzierung der F+E in der Schweiz

Bisher wurde die Rolle der verschiedenen Sektoren bei der Durchführung der F+E analysiert. Zur Vervollständigung der Analyse geht es nun darum, die Herkunft der für die Forschung in der Schweiz verwendeten Gelder zu untersuchen. Die untersuchten Akteure sind die gleichen, wobei auf der staatlichen Ebene hier nicht nur der Bund, sondern auch die Kantone betrachtet werden.

4.1 Struktur der F+E-Finanzierung in der Schweiz

Die Grafik G4.1 illustriert die verschiedenen Finanzflüsse zwischen den F+E-Sektoren in der Schweiz im Detail. Zudem werden die Flüsse aus dem bzw. ins Ausland abgebildet.

2019 investierten die Privatunternehmen 21,6 Milliarden Franken in F+E-Aktivitäten, was 71% der gesamten F+E-Finanzierung in der Schweiz ausmacht. Von diesen von den Unternehmen entrichteten Mitteln flossen 6,8 Milliarden ins Ausland. Wie im vorangehenden Kapitel erwähnt wurde, gingen drei Viertel dieses Betrags an ausländische Tochterunternehmen, die zur gleichen Unternehmensgruppe gehören.

Die zweitwichtigste Finanzierungsquelle ist der Staat, der im Jahr 2019 F+E-Aktivitäten mit 7,1 Milliarden Franken unterstützte. Ein Grossteil dieser Mittel wurde an Hochschulen entrichtet. Zudem finanzierte der Staat Forschungsaktivitäten im Ausland mit 853 Millionen Franken, hauptsächlich im Rahmen von internationalen F+E-Programmen/Projekten.

Die F+E-Aktivität von Privatunternehmen in der Schweiz wurde mit über einer Milliarde Franken aus dem Ausland finanziert. 255 Millionen Franken flossen zudem in die Forschungstätigkeiten der Hochschulen.

Die Tabelle T4.1 zeigt die Finanzierungsquellen der verschiedenen F+E durchführenden Sektoren (Privatunternehmen, Hochschulen und Bund) im Jahr 2019.

Struktur der Finanzierung der in der Schweiz durchgeführten F+E nach Sektor, 20191

In Millionen Franken zu laufenden Preisen und Anteile in %

T4.1

Privatwirtschaft Hochschulen Bund
In Millionen Franken Anteile In Millionen Franken Anteile In Millionen Franken Anteile
Total Intramuros F+E Aufwendungen in der Schweiz 15 454 6 606 214
Interne Finanzierung 13 387 89% 324 5% 199 93%
Externe Finanzierung 2 067 11% 6 282 95% 15 7%
davon
Privatwirtschaft 684 31% 686 11% 6 41%
Bund 115 4% 3 008 48%
Kantone 125 5% 2 313 37% 0.2 1%
Hochschulen 8 1% 1 10%
POoE und andere 52 3% 19 0.3% 5 32%
Ausland 1 083 56% 255 4% 2 16%

1 Da die Werte zu den POoE auf Schätzungen basieren, wird dieser Sektror in der Tabelle ausser Achtgelassen

Quelle: BFS – Forschung und Entwicklung (F+E) Synthese Schweiz (FE Schweiz)

© BFS 2021

Die Privatunternehmen bevorzugen für ihre in der Schweiz durchgeführten F+E-Aktivitäten die Selbstfinanzierung. Sie belief sich auf 13,4 Milliarden Franken, was 89% der Gesamtfinanzierung des Sektors Privatwirtschaft entspricht.

Auch der Bund finanziert seine F+E-Aktivitäten in erster Linie selbst. Die Selbstfinanzierung machte mit 199 Millionen Franken 93% der Gesamtfinanzierung des Sektors aus.

Im Sektor Hochschulen war die Situation umgekehrt. Nahezu alle F+E-Aktivitäten (95%) wurden mit externen Mitteln finanziert.

Wichtigste Finanzierungsquelle der Hochschulen war mit 5,3 Milliarden Franken der Staat (Bund und Kantone). Davon stammten 3 Milliarden vom Bund und 2,3 Milliarden von den Kantonen. Dieser Betrag entspricht 81% der gesamten F+E-Aufwendungen der Hochschulen.

Auch die Unternehmen leisteten 2019 mit 686 Millionen Franken einen Beitrag zur Finanzierung der F+E-Aktivitäten der Hochschulen. Dieser Betrag entspricht 11% der fremdfinanzierten F+E-Aktivitäten der Hochschulen.

4.2 Staatliche F+E-Mittelzuweisungen

Während der Staat (Bund und Kantone) bei der Durchführung von F+E-Aktivitäten eine geringfügige Rolle spielt, hat er bei der F+E-Finanzierung sehr grosses Gewicht, wie das Diagramm der Finanzflüsse zeigt.

Anhand der staatlichen F+E-Mittelzuweisungen (GBARD) kann das Gewicht der öffentlichen Finanzierung für die F+E in der Schweiz insgesamt gemessen werden.

Die öffentliche Finanzierung der F+E, d.h. die GBARD, deckt nicht nur die vom Staat finanzierten und in öffentlichen Einrichtungen durchgeführten F+E-Aktivitäten ab, sondern auch die vom Staat finanzierten und in den anderen drei Sektoren (Unternehmen, POoE, Hochschulen) sowie im Ausland (einschliesslich internationale Organisationen) durchgeführten Tätigkeiten.

Im Jahr 2019 entsprachen die GBARD 7,03 Milliarden Franken, was gegenüber 2017 einer Zunahme von 524 Millionen entspricht. Wie Grafik G4.2 zeigt, erhielten die internen (d.h. in der Schweiz ansässigen) Einrichtungen, die F+E durchführen, über zwei Drittel (69%) der öffentlichen Finanzierung. Dabei handelt es sich hauptsächlich um allgemeine Hochschulforschungsmittel, um Intramuros-F+E des Bundes und Beiträge an andere Einrichtungen in der Schweiz (ausgenommen Innosuisse und der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, SNF).

Die nationalen F+E-Programme/Projekte machen knapp 20% der öffentlichen Finanzierung aus. Sie umfassen hauptsächlich die F+E-Beiträge für Förderagenturen (Innosuisse und SNF) sowie die staatlichen Aufträge.

Was die öffentliche Finanzierung im Ausland betrifft, fliesst der Grossteil in internationale Programme/Projekte, z.B. in das Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union (FRP) oder die Europäische Weltraumorganisation (ESA). Die Beiträge für internationale F+E-Programme/Projekte beliefen sich auf 753 Millionen Franken, was 11% der gesamten GBARD entspricht.

Die übrige öffentliche Finanzierung (1%) umfasst Beiträge für zwischenstaatliche F+E-Einrichtungen wie etwa das Europäische Labor für Teilchenphysik (CERN) oder die Europäische Organisation für astronomische Forschung (ESO).

Die Schweiz im internationalen Vergleich

Um das Gewicht der öffentlichen Finanzierung der F+E auf internationaler Ebene zu vergleichen, werden die GBARD-Beträge in Prozent des BIP eines Landes ausgedrückt. So können internationale Vergleiche erstellt werden, die die wirtschaftlichen Grössenunterschiede zwischen den Ländern berücksichtigen.

Tabelle T4.2 gibt an, wie viel ein Land gemessen an der gesamten Volkswirtschaft anteilsmässig für die Finanzierung von F+E ausgibt. In der Schweiz belief sich die öffentliche Finanzierung der F+E 2019 auf 0,97% des BIP und damit 0,03 Prozentpunkte höher als 2017. Damit positioniert sich die Schweiz oben in der Rangliste, etwa auf gleichem Niveau wie Deutschland. Zur besseren Lesbarkeit wird in Tabelle T4.2 lediglich eine Auswahl an Ländern dargestellt.

Staatliche Mittelzuweisungen für F+E (GBARD),
internationaler Vergleich, 2019

In % des BIP

T4.2

Länder 2019
Südkorea 1,09
Deutschland 0,98
Schweiz 0,97
Dänemark 0,88
Finnland 0,84
Japan 0,77
Österreich 0,76
Schweden 0,74
Niederlande 0,70
Grossbrtannien 0,56
Frankreich 0,55

Quellen: OECD – MSTI Datenbank, März 2021; BFS – FE Schweiz

© BFS 2021

Entwicklung der GBARD seit 2008

Die gute Positionierung der Schweiz auf internationaler Ebene ist einer konstanten Zunahme der öffentlichen Finanzierung der F+E seit 2008 zu verdanken. Wie Grafik G4.3 zeigt, stieg diese zwischen 2008 und 2019 von 0,67% auf 0,97% des BIP an. Dank dieses Wachstums legte die Schweiz im internationalen Vergleich deutlich zu.

Dieser Trend entspricht der politischen Bereitschaft, in den Forschungsbereich zu investieren, wie das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation schreibt: Der Politikbereich «Bildung, Forschung und Innovation» (BFI) trägt wesentlich zum Wohle von Individuum, Gesellschaft und Wirtschaft eines kleinen Landes bei und geniesst deswegen in der Schweiz eine hohe Priorität.