Mütter erledigen den Grossteil der Hausarbeit und Kinderbetreuung. Ihr Beitrag steigt mit zunehmender Kinderzahl und ist in ländlichen Regionen und in der Deutschschweiz am höchsten. Insgesamt ist der Zeitaufwand für Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit für Mütter und Väter praktisch gleich gross. Väter wenden aber deutlich mehr Zeit für Erwerbsarbeit auf, während Mütter mehr Zeit in die Haus- und Familienarbeit investieren.
6.1 Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung in Paarhaushalten
Die Hauptverantwortung für die Hausarbeit liegt in den meisten Haushalten bei den Frauen, dies gilt insbesondere für Paare mit Kindern im Haushalt. Bei knapp 70% der Paaren im Alter von 25 bis 54 Jahren mit Kindern wird die Hausarbeit hauptsächlich von der Frau erledigt, bei rund einem Viertel kümmern sich beide Partner gemeinsam darum und nur bei 5% ist hauptsächlich der Mann zuständig. Etwas ausgeglichener ist die Arbeitsteilung bei Paaren ohne Kinder. Dort wird die Hausarbeit bei rund der Hälfte gemeinsam erledigt. In gut 40% ist hauptsächlich die Frau zuständig und in 8% der Mann. Bei Haushalten mit Kindern gibt es einen Trend in Richtung einer etwas gleichmässigeren Aufteilung. 2013 war bei 74% der Paarhaushalte mit Kindern hauptsächlich die Frau für die Hausarbeit zuständig, 2018 noch bei 69%. In Paarhaushalten ohne Kinder blieb die Aufteilung der Hausarbeit zwischen 2013 und 2018 praktisch unverändert.
Bei den verschiedenen Aufgaben im Haushalt gibt es grosse Unterschiede. So sind Putzen, Kochen und Organisieren von Geschenken und Mitbringsel für Freunde und Verwandte typischerweise in Frauenhand, während administrative Arbeiten und kleine Reparaturen eher von den Männern erledigt werden. In Haushalten mit Kindern steigt der Anteil der Haushalte, bei denen hauptsächlich die Frau zuständig ist. Dies hängt insbesondere damit zusammen, dass Frauen mit Kindern häufiger ihr Erwerbspensum reduzieren und Teilzeit erwerbstätig sind als Männer. (siehe Kapitel 5). Es zeigt sich speziell bei den frauentypischen Tätigkeiten. So putzt beispielsweise bei 68% der Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren hauptsächlich die Frau, bei 4% hauptsächlich der Mann und bei 20% kümmern sich beide gemeinsam darum. Bei Haushalten ohne Kinder gibt es mit 44% gut doppelt so viele Paare, die das Putzen gemeinsam übernehmen. Es gilt aber auch für die administrativen Tätigkeiten, die insgesamt häufiger von den Männern als von den Frauen erledigt werden. Auch dort nimmt der Anteil Paare, bei denen hauptsächlich die Frau zuständig ist um rund 10 Prozentpunkte zu, wenn Kinder im Haushalt leben. Im Unterschied zu den frauentypischen Tätigkeiten steigt hier aber bei den Haushalten mit Kindern auch der Anteil Paare, bei denen sich hauptsächlich der Mann darum kümmert (+ 10 Prozentpunkte) und die Aufgabe wird seltener gemeinsam wahrgenommen (23% gegenüber 43% in Haushalten ohne Kinder). Keine Unterschiede zwischen Haushalten mit und ohne Kinder gibt es einzig bei kleineren Reparaturen. Sie werden bei allen Haushalten in fast vier Fünftel der Fälle hauptsächlich vom Mann erledigt (Grafik 6.1).
Es gibt verschiedene Aspekte, die die Aufteilung der Hausarbeit beeinflussen. Eine wichtige Rolle spielt das Erwerbsmodell. So ist in 75% der Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren, in denen der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet, hauptsächlich die Mutter für die Hausarbeit zuständig. Wenn beide Partner Teilzeit arbeiten liegt dieser Anteil bei 55%, und wenn beide Vollzeit erwerbstätig sind bei 47%. Ebenfalls von Bedeutung ist der Bildungsstand der beiden Partner. Der Anteil der Haushalte, in denen hauptsächlich die Mutter die Hausarbeit erledigt, ist am höchsten, wenn der Mann einen Tertiärabschluss hat und die Frau einen Abschluss auf Sekundarstufe II oder einen obligatorischen Schulabschluss (80%). Falls beide Partner einen Tertiärabschluss haben, ist bei 64% der Haushalte hauptsächlich die Mutter für die Hausarbeit zuständig. Hat die Frau einen Tertiärabschluss und der Mann einen tieferen Bildungsstand, sind es 60%. Auch mit zunehmender Kinderzahl verlagert sich die Hausarbeit immer mehr zu den Müttern: Der Anteil Haushalte, bei denen hauptsächlich die Frau für die Hausarbeit zuständig ist, liegt bei Haushalten mit drei oder mehr Kindern um gut 10 Prozentpunkte höher als bei Haushalten mit einem Kind (75% und 63%; Grafik 6.2).
Die Aufteilung der Hausarbeit ist regional unterschiedlich. In ländlichen Gebieten ist die traditionelle Aufteilung stärker verbreitet und bei 74% der Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren wird die Hausarbeit hauptsächlich von der Frau erledigt. In den Grossstädten liegt dieser Anteil bei 61% und in den übrigen städtischen Gebieten bei 68%. Ebenfalls eine Rolle spielt die Sprachregion. In der Deutschschweiz ist die Hausarbeit deutlich häufiger in Frauenhand als in der Westschweiz. Während bei 71% der Deutschschweizer Haushalte hauptsächlich die Frau für die Hausarbeit zuständig ist, liegt der Anteil in der Romandie bei 63% (Grafik 6.3).
Auch bei der Betreuung der Kinder tragen die Frauen mehrheitlich die Hauptverantwortung. Bei drei Viertel der Paarhaushalte mit Kindern unter 13 Jahren bleiben hauptsächlich die Mütter zu Hause, wenn die Kinder krank sind und nur bei 5% der Haushalte hauptsächlich die Väter. Die Mütter kümmern sich auch mehrheitlich darum die Kinder anzuziehen – bzw. bei älteren Kindern darauf zu achten, dass sie richtig angezogen sind (65%), ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen (54%) und sie in die Kindertagesstätte, Schule oder zu Freizeitaktivitäten zu bringen oder sie von dort abzuholen (47%). Hauptsächlich gemeinsam kümmern sich die Eltern darum, mit den Kindern zu spielen, mit ihnen über ihre Probleme zu sprechen und sie ins Bett zu bringen (Grafik 6.4).
Wie bei der Hausarbeit lässt sich auch bei der Kinderbetreuung eine Tendenz feststellen zu etwas mehr Paaren, die sich die Kinderbetreuung aufteilen. So hat sich der Anteil Haushalte, bei denen hauptsächlich die Mutter zu Hause bleibt, wenn die Kinder krank sind von 79% im Jahr 2013 auf 74% im Jahr 2018 verringert. Das Ankleiden der Kinder war 2013 bei 69% der Haushalte hauptsächlich Aufgabe der Mutter und 2018 noch bei 64%.
Die Faktoren, die die Aufteilung der Hausarbeit zwischen den Partnern beeinflussen spielen auch bei der Kinderbetreuung eine Rolle. Wenn der Vater Vollzeit arbeitet und die Mutter Teilzeit erwerbstätig ist, kümmert sie sich deutlich häufiger hauptsächlich um die Kinderbetreuung als wenn beide Eltern Teilzeit oder beide Eltern Vollzeit arbeiten. Der Anteil Haushalte, bei denen hauptsächlich die Frau für die Kinderbetreuung zuständig ist, steigt auch mit der Anzahl der Kinder im Haushalt. Auch die regionalen Unterschiede sind bei der Kinderbetreuung ähnlich wie bei der Hausarbeit: In ländlichen Gebieten sowie in der Deutschschweiz und im Tessin übernehmen die Mütter bei der Kinderbetreuung einen grösseren Anteil.
6.1.1 Zufriedenheit mit der Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung
Die grosse Mehrheit ist sehr zufrieden mit der bestehenden Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung, wobei die Zufriedenheit bei den Männern (Hausarbeit: 72%; Kinderbetreuung: 71%) höher ist als bei den Frauen (Hausarbeit: 53%; Kinderbetreuung: 62%).
Die Aufteilung der Hausarbeit ist für Frauen und Männer mit Kindern im Haushalt etwas weniger befriedigend. Insbesondere bei den Frauen liegt der Anteil der Sehr-Zufriedenen in Haushalten mit Kindern unter 25 Jahren deutlich tiefer (48% im Vergleich zu 63% bei Haushalten ohne Kinder). Bei der Hausarbeit sind die Anteile der Sehr-Zufriedenen sowohl bei den Frauen (40%) wie auch bei den Männern (56%) am tiefsten, wenn sie selbst den Hauptteil der Hausarbeit erledigen. Die Zufriedenheit ist bei beiden Geschlechtern deutlich höher, wenn die Hausarbeit von beiden Partnern gemeinsam erledigt wird (Frauen 74%; Männer 76%) oder wenn hauptsächlich die Partnerin/der Partner zuständig ist (Frauen: 77%; Männer: 67%). Gefragt nach den Änderungswünschen, geben die (eher) nicht zufriedenen Mütter hauptsächlich an, der Partner sollte mehr zur Hausarbeit und zur Kinderbetreuung beitragen. Die Väter möchten vor allem selbst mehr beitragen können.
Bei der Kinderbetreuung sind Eltern, die sich gemeinsam darum kümmern, zufriedener als jene, bei denen hauptsächlich die Mütter zuständig sind (Grafik 6.5).
Weitere Informationen zu Kapitel 6.1:
Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit
Aufteilung der Hausarbeit
6.2 Gesamtbelastung durch Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit
Im Total ist der Zeitaufwand für Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit für 25- bis 54- jährige Frauen und Männer mit je 57 Stunden pro Woche praktisch gleich gross. Mütter und Väter mit Kindern im Haushalt sind deutlich höheren zeitlichen Belastungen ausgesetzt als Personen in Paarhaushalten ohne Kinder oder Alleinlebende. Das betrifft insbesondere Eltern mit kleinen Kindern. In Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 4 Jahren arbeiten sie insgesamt bezahlt und unbezahlt durchschnittlich über 70 Stunden pro Woche (Mütter 75 Std., Väter 74 Std.). Alleinlebende Mütter mit kleinen Kindern im Haushalt sind vergleichbaren zeitlichen Belastungen ausgesetzt (71 Std.).
Männer und Frauen in Paarhaushalten ohne Kinder im Haushalt haben demgegenüber eine zeitliche Gesamtbelastung durch Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit von 53 Stunden, bzw. 50 Stunden pro Woche. Alleinlebende Männer und Frauen setzen insgesamt für Erwerbs- und Hausarbeit 52 Stunden, bzw. 49 Stunden pro Woche ein.
Mit dem Alter des jüngsten Kindes nimmt der Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit sowohl bei den Müttern als auch bei den Vätern ab. In Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 4 Jahren setzen Mütter 61 Stunden und Väter 36 Stunden pro Woche dafür ein. Ist das jüngste Kind zwischen 18 und 24 Jahre alt, sind es noch rund 28 Stunden für Mütter und 15 Stunden für Väter.
Der Anteil von bezahlter Erwerbsarbeit und unbezahlter Haus- und Familienarbeit ist für Mütter und Väter in Paarhaushalten mit Kindern im Haushalt sehr unterschiedlich: Väter wenden durchwegs deutlich mehr Zeit für Erwerbsarbeit auf, wohingegen Mütter deutlich mehr Zeit für Haus- und Familienarbeit investieren. Bei Müttern steigt der durchschnittliche Zeitaufwand für bezahlte Erwerbsarbeit von 13 Stunden pro Woche (bei jüngstem Kind unter 4 Jahren) auf 20 Stunden (bei jüngstem Kind zwischen 18 und 24 Jahren) an; bei den Vätern in vergleichbarer Familiensituation nimmt er von 38 Stunden auf 40 Stunden pro Woche zu.
Verglichen mit 2010 leisten 25- bis 54-jährige Frauen 1,6 Stunden pro Woche mehr bezahlte Erwerbsarbeit und praktisch gleich viel Haus- und Familienarbeit (–0,1 Std). Männer dieser Altersgruppe leisten weniger Erwerbsarbeit und mehr Haus- und Familienarbeit (–0,5 Std., bzw. + 1,7 Std. pro Woche). Mütter in Paarhaushalten mit Kindern unter 25 Jahren im Haushalt wenden sowohl für die Haus- und Familienarbeit als auch für die Erwerbsarbeit mehr Zeit auf (+ 1,1 Std., bzw. + 1,6 Std. pro Woche). Väter in dieser Familiensituation setzen mehr Zeit in die Haus- und Familienarbeit ein, jedoch weniger in die Erwerbsarbeit (+ 2,9 Std., bzw. – 1,5 Std. pro Woche). Bei jüngstem Kind unter 4 Jahren zeigt sich diese Entwicklung am deutlichsten: Verglichen mit 2010 investieren Mütter in Paarhaushalten 3,5 Std. mehr in Haus- und Familienarbeit und 2,5 Std. mehr in Erwerbsarbeit; Väter in dieser Familiensituation investieren ebenfalls 4,5 Std. pro Woche mehr in Haus- und Familienarbeit, jedoch 1,5 Std. weniger in die Erwerbsarbeit. Für alleinlebende Mütter und Väter mit jüngstem Kind unter 25 Jahren im Haushalt zeigt sich verglichen mit 2010 bei beiden eine Zunahme beim Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit, jedoch eine Abnahme bei der Erwerbsarbeitszeit.
Man kann allgemein feststellen, dass sich die Gesamtarbeitszeit von Frauen und Männern und speziell auch von Müttern und Vätern in Paarhaushalten zwischen 2010 und 2016 angeglichen hat. Dies ist vor allem auf die Reduktion der Erwerbsarbeitszeit bei den Vätern bei gleichzeitig höherem Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit zurückzuführen. Bei den Müttern in Paarhaushalten hat sich sowohl die Erwerbsarbeitszeit als auch die Zeit für Haus- und Familienarbeit erhöht.
Die ungleiche Verteilung zwischen unbezahlter Haus- und Familienarbeit und bezahlter Erwerbsarbeit nach Geschlecht bleibt aber bestehen: Mütter in Paarhaushalten mit jüngstem Kind unter 25 Jahren wenden drei Viertel der Gesamtarbeitszeit für Haus- und Familienarbeit auf (74%; 2010: 76%), Väter in dieser Familiensituation hingegen zwei Fünftel (41%; 2010: 37%). Die Anteile von bezahlter und unbezahlter Arbeit bezogen auf die Gesamtbelastung fallen demnach bei den Vätern gleichmässiger aus als bei den Müttern.
In vielen Familien sind heute beide Eltern erwerbstätig und es ist für sie nicht immer einfach, die verschiedenen Aktivitäten zu vereinbaren. Rund ein Sechstel der Frauen und ein Zehntel der Männer mit Kindern unter 25 Jahren im Haushalt, geben an, sie hätten in den vorangehenden zwölf Monaten meistens oder immer das Gefühl gehabt, überlastet zu sein und Schwierigkeiten gehabt, die verschiedenen Aktivitäten unter einen Hut zu bringen. Bei den Frauen mit Kindern unter 4 Jahren im Haushalt sind es sogar 23% gegenüber 15% wenn das jüngste Kind 4 Jahre oder älter ist. Bei den Männern hat das Alter des jüngsten Kindes hingegen keinen Effekt. Die Belastung hängt auch vom Beschäftigungsgrad ab. Aufgrund der geringen Fallzahlen ist es nicht möglich, die Antworten der Männer nach dem Beschäftigungsgrad auszuweisen. Bei den Frauen, die 50% oder mehr arbeiten, sagen 19%, sie hätten meistens oder immer Schwierigkeiten gehabt, die verschiedenen Aktivitäten unter einen Hut zu bringen. Bei den Frauen mit einem Erwerbspensum unter 50% sind es 12%.
Weitere Informationen zu Kapitel 6.2:
Belastung durch Erwerbsarbeit, Haus-/Familienarbeit und Freiwilligenarbeit