2 Haushalte und Lebensformen

Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren machen in der Schweiz knapp ein Drittel der Privathaushalte aus. Die grosse Mehrheit der Kinder lebt mit beiden Eltern zusammen. Kinder, die in Einelternhaushalten oder in Fortsetzungsfamilien (Patchworkfamilien) aufwachsen, bilden mit 13% und 6% eine Minderheit. Bei vier Fünftel der Kinder lebt eines oder mehrere Geschwister im Haushalt.

2.1 Haushalte

In der Schweiz gibt es rund 3,8 Mio. Privathaushalte. In gut einem Drittel dieser Haushalte lebt nur eine Person, das entspricht knapp 20% der ständigen Wohnbevölkerung die in einem Einpersonenhaushalt leben. 27% der Haushalte sind Paare ohne Kinder und 29% Familienhaushalte mit Kindern unter 25 Jahren. Obwohl die Familienhaushalte mit Kindern weniger als ein Drittel der Haushalte ausmachen (29%), leben 41% der Bevölkerung in diesem Haushaltstyp (Grafik 2.1).

Je nach Region gibt es erhebliche Unterschiede bei der Haushaltszusammensetzung: Während der Anteil Einpersonenhaushalte im Kanton Basel-Stadt 47% und in Neuenburg 40% ausmacht, liegt er in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Freiburg und Uri bei rund 30%. Der Anteil der Familienhaushalte mit Kindern unter 25 Jahren ist in den Kantonen Freiburg (35%), Genf und Waadt (je 33%) am höchsten. Anteilsmässig am wenigsten Familienhaushalte mit Kindern gibt es in den Kantonen Basel-Stadt (23%), Graubünden (26%), Bern, Nidwalden und Schaffhausen (je 27%). Entsprechend variiert auch die durchschnittliche Haushaltsgrösse, während in Basel-Stadt im Durchschnitt nur 1,9 Personen in einem Haushalt leben, sind es in Appenzell Innerrhoden, Genf und Freiburg 2,4.

2.1.1 Familienhaushalte mit Kindern

Die grosse Mehrheit der Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren sind verheiratete Paare (74%). Dabei handelt es sich bei 96% um Erstfamilien, 4% sind Fortsetzungsfamilien, auch Patchworkfamilien genannt. Es sind Haushalte, bei denen mindestens ein Elternteil ein Kind aus einer früheren Beziehung in die neue Familie hineingebracht hat. Bei knapp einem Zehntel der Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren (9%) leben die Eltern in einer Konsensualpartnerschaft. Der Anteil Fortsetzungsfamilien ist hier deutlich höher als bei den Ehepaarhaushalten: Rund 30% aller Konsensualpaare mit Kindern sind Fortsetzungsfamilien.

Die Einelternhaushalte machen 16% der Familienhaushalte mit Kindern aus. Es sind mehrheitlich alleinlebende Mütter (83%), bei rund einem Sechstel (17%) handelt es sich um alleinlebende Väter. Etwa 0,1% der Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren sind gleichgeschlechtliche Paare (Grafik 2.2).

In den Familienhaushalten mit Kindern unter 25 Jahren leben durchschnittlich 1,8 Kinder. Dabei machen die Haushalte mit einem und mit zwei Kindern je gut 40% aus. In knapp einem Sechstel der Haushalte leben drei oder mehr Kinder (16%). In Einelternhaushalten ist die durchschnittlich Kinderzahl etwas tiefer (1,5) als in Paarhaushalten (1,8).

Bei den Paarhaushalten mit Kindern (nur Erstfamilien) lässt sich zudem ein Unterschied zwischen Ehe- und Konsensualpaaren feststellen: Während bei den verheirateten Eltern durchschnittlich 1,9 Kinder im Haushalt leben, sind es bei den unverheirateten nur 1,6.

Auch bei den Familienhaushalten gibt es beträchtliche regionale Unterschiede. Die traditionelle Haushaltsform der verheirateten Paare mit Kindern ist in den Kantonen der Zentralschweiz am stärksten verbreitet. In den Kantonen Uri, Schwyz, Zug, ­Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden machen die verheirateten Paare einen Anteil von 80% oder mehr aus. Am geringsten sind die Anteile in Neuenburg mit 65%, in Waadt mit 68% sowie in Genf und Jura mit je 69% (Grafik 2.3).

In den Westschweizer Kantonen sowie im urbanen Kanton Basel-Stadt sind nicht-traditionelle Haushaltsformen häufiger. Der Anteil Einelternhaushalte liegt in Neuenburg bei 22%, in Genf bei 21% und in Basel-Stadt, Waadt und Tessin bei je 20%, während er in Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Appenzell Ausser­rhoden, Appenzell Innerrhoden und Zug weniger als 13% ausmacht (Grafik 2.4). Bei den Konsensualpaaren mit Kindern ergibt sich ein ähnliches Muster. Ihre Anteile sind in Neuenburg und Jura (je 13%), Waadt (12%) und Freiburg (11%) am höchsten.

2.1.2 Entwicklung seit 1970

Von 1970 bis heute ist die Anzahl Haushalte schneller gewachsen als die Bevölkerung. Allerdings verliefen die Entwicklungen je nach Haushaltstyp sehr unterschiedlich: So nahm die Zahl der Haushalte mit Kindern unter 25 Jahren nur halb so stark zu wie die Bevölkerung (+ 19% gegenüber + 39%), während sich die Haushalte ohne Kinder mehr als verdoppelt haben (Zunahme um + 141%; Grafik 2.5).

Diese überproportionale Zunahme der Haushalte ohne Kinder ging hauptsächlich auf das Konto der Einpersonenhaushalte, die sich seit 1970 mehr als verdreifacht haben (Zunahme um 240%). Die Paare ohne Kinder haben sich innerhalb desselben Zeitraums verdoppelt (Zunahme um 109%).

Die Zahl der Paarhaushalte mit Kindern unter 25 Jahren ist zwischen 1970 und 2010 praktisch unverändert geblieben und hat seit 2010 wieder etwas zugenommen (Zunahme um 11% seit 2010). Dagegen hat die Zahl der Einelternhaushalte mit Kindern unter 25 Jahren seit 1970 um 166% zugenommen (Grafik 2.6). Ihr Anteil an allen Privathaushalten hat sich zwischen 1970 und 2019 leicht erhöht, von 3,3% auf 4,7%, während der Anteil der Paarhaushalte mit Kindern unter 25 Jahren im gleichen Zeitraum von 42% auf 24% zurückgegangen ist.

2.2 Kinder in Familienhaushalten

Obwohl sich die Familienformen durch die Zunahme von Einelternhaushalten und Fortsetzungsfamilien gewandelt haben, leben vier Fünftel der Kinder unter 25 Jahren nach wie vor in einer Erstfamilie. Es werden nur unter 25-Jährige berücksichtigt, die noch zu Hause wohnen. Bei 93% dieser Kinder sind die Eltern verheiratet und bei 7% leben sie in einer Konsensualpartnerschaft. Kinder, die in Einelternhaushalten oder Fortsetzungsfamilien aufwachsen, bilden mit 13% bzw. 6% eine Minderheit. Die Mehrheit der Kinder in Einelternhaushalten leben mit der Mutter zusammen (84%) und nur 16% mit dem Vater. Oft wohnen diese Kinder auch zeitweise beim anderen Elternteil, siehe Kapitel 13). Etwa 0,1% der Kinder unter 25 Jahren leben in Haushalten mit gleichgeschlechtlichen Paaren (Grafik 2.7).

Die Mehrheit der Kinder unter 25 Jahren hat eines oder mehrere Geschwister – Halb- und Stiefgeschwister eingeschlossen – im Haushalt, rund ein Fünftel (21%) lebt in einem Haushalt ohne Geschwister. Der Anteil der Kinder, die ohne Geschwister aufwachsen wird in diesen Daten etwas überschätzt. Dies insbesondere, weil bei den jüngeren Kindern häufig zu einem späteren Zeitpunkt noch Geschwister geboren werden. Zudem kann bei der Haushaltsstatistik nur die zum Erhebungszeitpunkt bestehende Haushaltszusammensetzung erfasst werden und nicht die Anzahl Kinder, die insgesamt in diesem Haushalt gelebt haben. Vor allem die älteren Kinder haben möglicherweise Geschwister, welche den Elternhaushalt bereits verlassen haben. Kinder, die in Einelternhaushalten leben, haben eine grössere Wahrscheinlichkeit, ohne Geschwister aufzuwachsen (38% gegenüber 18% der Kinder in Paarhaushalten). Umgekehrt verhält es sich bei den Kindern, die mit zwei oder mehr Geschwistern zusammenleben. Dort liegt der Anteil in Paarhaushalten mit 33% fast doppelt so hoch wie bei den Einelternhaushalten (18%).

Bei den Kindern unter 4 Jahren haben noch mehr als ein Drittel (36%) keine Geschwister, dieser Anteil sinkt bei der Altersgruppe der 4- bis 11-jährigen und der 12- bis 17-jährigen auf weniger als einen Sechstel (14% bzw. 15%). Der Anteil der Kinder mit zwei oder mehr Geschwistern steigt mit zunehmendem Alter. Während nur ein Fünftel der unter 4-Jährigen mit zwei oder mehr Geschwistern zusammenleben, sind es in den Altersgruppen der 12- bis 17-jährigen und 18- bis 24-jährigen über ein Drittel (34% bzw. 37%). Kinder, die in der Stadt leben wachsen häufiger ohne Geschwister auf als Kinder auf dem Land. In den sechs Grossstädten Basel, Bern, Genf, Lausanne, Winterthur, Zürich haben 26% der Kinder unter 25 Jahren keine Geschwister im Haushalt, während es in den ländlichen Regionen nur 18% sind. Die übrigen städtischen Gebiete liegen mit 21% dazwischen. Gerade umgekehrt verhält es sich bei den Anteilen der Kinder, die mit zwei oder mehr Geschwistern zusammenleben. In ländlichen Gebieten haben 36% der Kinder zwei oder mehr Geschwister im Haushalt. Dieser Anteil liegt in den Grossstädten und den übrigen städtischen Gebieten nur bei 29% (Grafik 2.8).

2.2.1 Kinder in Haushalten mit Migrationshintergrund

Knapp die Hälfte der Kinder unter 25 Jahren lebt in einem Haushalt ohne Migrationshintergrund (49%). Rund ein Drittel wachsen in einem Haushalt mit Migrationshintergrund (35%) auf und 16% in einem gemischten Haushalt, bei dem nur ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat. In den Haushalten mit verheirateten Eltern ist der Anteil der Kinder in Haushalten mit Migrationshintergrund etwas höher (35%) als wenn die Eltern in einer Konsensualpartnerschaft leben (26%). Sind die Eltern nicht verheiratet gibt es hingegen etwas mehr Kinder in gemischten Haushalten, bei denen nur ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat (23% gegenüber 19% in Ehepaarhaushalten). Bei den Kindern in Einelternhaushalten leben 59% bei einem Elternteil ohne Migrationshintergrund und 41% bei einem Elternteil mit Migrationshintergrund (Grafik 2.9). 

Migrationsstatus

Der Haushalt hat keinen Migrationshintergrund, wenn keiner der beiden Partner eines Paares im Ausland geboren ist oder eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt.

Der Haushalt hat einen Migrationshintergrund, wenn beide Partner eines Paares im Ausland geboren sind oder eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen.

Ein gemischter Haushalt mit/ohne Migrationshintergrund liegt vor, wenn einer der beiden Partner eines Paares im Ausland geboren ist oder eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt und der andere nicht.

2.2.2 Kinder mit fremdsprachigen Eltern

Knapp ein Sechstel der Kinder unter 25 Jahren (15%) leben in einem Haushalt, bei dem kein Elternteil die Lokalsprache als Hauptsprache hat. Bei weiteren 13% hat ein Elternteil die Lokalsprache als Hauptsprache angegeben und der andere nicht. In Haushalten mit unverheirateten Eltern liegt der Anteil der Kinder, bei denen nicht beide Eltern die Lokalsprache als Hauptsprache angeben tiefer. Bei 11 bzw. 12% der Kinder, deren Eltern in einer Konsensualpartnerschaft leben, haben beide Eltern bzw. ein Elternteil eine andere Hauptsprache als die Lokalsprache. In Haushalten mit verheirateten Eltern sind es 15 bzw. 16%. Knapp ein Fünftel der Kinder in Einelternhaushalten (18%) leben bei einem Elternteil, für den die Lokalsprache keine Hauptsprache ist (Grafik 2.10).

Bei der Mehrheit (60%) der unter 25-Jährigen wird zuhause eine einzige Sprache gesprochen. Quelle: Erhebung zur Sprache, Religion und Kultur 2019; Deutsch und Schweizerdeutsch bzw. Italienisch und Tessiner oder bündneritalienische Dialekte werden als jeweils eine Sprache gezählt. Knapp ein Drittel kommt zuhause aber mit zwei, 8% sogar mit drei oder mehr verschiedenen Sprachen in Kontakt. In der Gesamtbevölkerung fällt der Anteil Personen mit mehr als einer zuhause gesprochenen Sprache deutlich geringer aus (32%). Dies hängt auch damit zusammen, dass unter 25-Jährige eher in grösseren Haushalten leben. Der Anteil Haushalte, bei denen zu Hause mehrere Sprachen gesprochen werden, steigt mit zunehmender Haushaltsgrösse.

Weitere Informationen zu Kapitel 2:
Haushalte
Formen des Familienlebens