Kriminalität und Strafrecht

Kriminalstatistiken widerspiegeln die Verhaltensrealität nur bedingt: Zum einen unterliegen strafrechtliche Normen dem gesellschaftlichen Wandel, zum anderen werden Kriminalstatistiken auch stark durch personelle Ressourcen, Verfolgungsprioritäten, die Effizienz von Polizei und Justiz sowie durch die Anzeigebereitschaft der Bevölkerung beeinflusst. Der Einfluss dieser Faktoren ist jedoch nur schwer zu beziffern.

Verzeigungen

Im Jahr 2019 wurden in der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) gesamthaft 432 000 Straftaten gegen das Strafgesetzbuch (StGB), 75 757 gegen das Betäubungsmittelgesetz (BetmG) und 37 024 gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz (AIG) erfasst. Die Aufklärungsquote von Tötungsdelikten lag bei 94%, diejenige von Vermögensstraftaten dagegen nur bei 24%. Im Bereich der häuslichen Gewalt wurden 19 669 Straftaten polizeilich registriert. Die Hälfte dieser Straftaten ereignete sich innerhalb einer bestehenden Partnerschaft. Die Aufschlüsselung der Beschuldigten nach Nationalität und Aufenthaltsstatus zeigt, dass im StGB-Bereich 49% und im BetmG-Bereich 54% der Beschuldigten Schweizer Staatsangehörige waren. Ausländerinnen und Ausländer mit ständigem Wohnsitz in der Schweiz machten 32% bzw. 23% der Beschuldigten aus, Ausländerinnen und Ausländer der nichtständigen Wohnbevölkerung 20% bzw. 22%. Im Bereich des Ausländer- und Integrationsgesetzes lag der Anteil beschuldigter Personen der nichtständigen Wohnbevölkerung bei 83%.

Verurteilungen

Wurden Mitte der 1980er-Jahre gesamthaft etwas über 45 000 Verurteilungen gegen Erwachsene gezählt, so hat sich deren Zahl seither mehr als verdoppelt. 2019 lag sie bei rund 105 000. Die Entwicklung verlief je nach dem für die Verurteilungen massgebenden Gesetz sehr unterschiedlich. Im Bereich des StGB wurde seit dem Höchstwert im Jahr 2013 eine Abnahme von 13% registriert. Beim Strassenverkehrsgesetz (SVG) führten die immer häufigeren Strassenverkehrskontrollen zwischen 1984 und 2014 zu mehr abgeurteilten Fällen, wobei die Verurteilungszahlen seit 2014 um 6% zurückgegangen sind. Im Betäubungsmittelbereich zeigt sich seit 2015 eine rückläufige Tendenz (–23%). Die Zahl der abgeurteilten Verstösse gegen das Ausländergesetz ist seit 2013 um 15% auf 16 500 Verurteilungen im Jahr 2019 gesunken.


Jugendstrafurteile

Die Anzahl Jugendurteile beläuft sich auf 14 773 im Jahr 2019, was einem Anstieg von 6 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Einen Anstieg gab es bei der Anzahl Urteile aufgrund von Gewaltstraftaten (+11%), aufgrund von Betäubungsmittelhandel (+13%) und wegen Verstössen gegen das Strassenverkehrsgesetz (+13%).

Freiheitsentzug

Am Stichtag, dem 31. Januar 2019, gab es in der Schweiz 102 (meist kleinere) Einrichtungen des Freiheitsentzugs mit insgesamt 7 394 Plätzen. Am gleichen Tag waren 6 943 Plätze von Insassinnen und Insassen belegt. Somit lag die Belegungsrate bei 94%. Von diesen Insassinnen und Insassen waren 66% im Strafvollzug, 27% in Untersuchungshaft, 4% wegen Zwangsmassnahmen nach dem Ausländergesetz und die übrigen 3% aus anderen Gründen inhaftiert.

Rückfall

Die Wiederverurteilungsrate der 2015 wegen Verbrechen und Vergehen verurteilten Erwachsenen lag bei einem Beobachtungszeitraum von drei Jahren (d.h. bis 2016) bei 17%. Die niedrigsten Wiederverurteilungsraten hatten Personen ohne Vorstrafen (13%).

► www.statistik.admin.ch → Statistiken finden → Kriminalität und Strafrecht