Dieses Kapitel untersucht in einem ersten Teil die Frage, für welche Tätigkeiten Teilzeitstudierende ihre Zeit verwenden und wie hoch ihr Zeitaufwand für das Studium ist. Anschliessend wird die Erwerbstätigkeit der Studierenden genauer betrachtet, wobei neben der Dauerhaftigkeit, dem Umfang und der Art der Erwerbstätigkeit insbesondere auch die Gründe und Auswirkungen für das Studium im Zentrum stehen.
2.1 Zeitbudget
2.1.1 Zeitbudget im Überblick
Die Studierenden wurden gebeten, den zeitlichen Aufwand für verschiedene Aktivitäten während einer für sie typischen Semesterwoche anzugeben. Dazu gehören neben dem Zeitaufwand für das Studium (Besuch von Lehrveranstaltungen, Vor- und Nachbereitung, Erstellen von Studien- und Abschlussarbeiten, Literaturrecherchen, usw.) auch die Zeiten für Erwerbstätigkeit, ehrenamtliche Tätigkeiten (freiwillige Arbeit für Hochschule, Vereine und Organisationen, etc.) sowie Aufwand für den Haushalt und die Kinderbetreuung. Freizeitaktivitäten und Wegzeiten (z. B. zwischen Wohnort und Hochschule) werden nicht erfasst. Der zeitliche Aufwand wird in Stunden pro Woche gemessen. Für Aktivitäten, die nicht ausgeübt werden, ist der Wert Null erfasst. Die Angaben repräsentieren den durchschnittlichen wöchentlichen Zeitaufwand für die einzelnen Aktivitäten.
Der wöchentliche Aufwand der Studierenden für Studium, Erwerbstätigkeit, Haus- und Familienarbeit sowie ehrenamtliche Tätigkeiten beträgt für Vollzeitstudierende im Durchschnitt insgesamt 50,3 Stunden. Teilzeitstudierende wenden mit 52,0 Stunden (Fokus andere Tätigkeiten) bzw. 58,6 Stunden (Fokus Erwerbstätigkeit) mehr Zeit für diese Tätigkeiten auf.
Teilzeitstudierende mit Fokus Erwerbstätigkeit wenden mit 28,9 Stunden deutlich mehr Zeit für die Erwerbstätigkeit als für das Studium (19,7 Stunden) auf. Bei den Teilzeitstudierenden mit Fokus andere Tätigkeiten liegt der Zeitaufwand für das Studium (26,9 Stunden) dagegen über dem Aufwand für die Erwerbstätigkeit (15,8 Stunden).
Beide Gruppen der Teilzeitstudierenden weisen mit 7,8 bzw. 8,5 Stunden einen höheren Zeitaufwand für Haus- und Familienarbeit auf als Vollzeitstudierende (4,6 Stunden). Dies ist darauf zurückzuführen, dass Teilzeitstudierende häufiger Kinder haben als Vollzeitstudierende (siehe Kap. 1.2 und 4.2).
Wird das Zeitbudget der Studierenden mit Kindern mit demjenigen der Studierenden ohne Kinder verglichen, so zeigt sich, dass diese unabhängig von der Studienform ein sehr hohes Zeitbudget von über 60 Stunden ausweisen und davon über ein Drittel für die Haus- und Familienarbeit aufwenden. Unter den Teilzeitstudierenden, deren Fokus auf anderen Tätigkeiten liegt, zeigen sich die folgenden Unterschiede: Jene mit Kinder wenden die Hälfte ihres Zeitbudgets für die Haus- und Familienarbeit auf, gegenüber einem Zehntel bei den Studierenden ohne Kinder. Hingegen weisen Teilzeitstudierende (Fokus andere Tätigkeiten) ohne Kinder mit 16,9 Stunden doppelt so viel Zeit für die Erwerbstätigkeit auf wie jene Studierenden mit Kinder (8,2 Stunden).
Generell steigt mit zunehmendem Alter der Studierenden auch die aufgewendete Zeit für Erwerbstätigkeit sowie Haus- und Familienarbeit an (sowie die zeitliche Gesamtbelastung), während die Anzahl Stunden für das Studium abnimmt. siehe hierzu BFS (2017): Studien- und Lebensbedingungen an den Schweizer Hochschulen. Hauptbericht der Erhebung 2016 zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden an den Schweizer Hochschulen. Neuchâtel: BFS. Seite 54
2.1.2 Zeitaufwand fürs Studium
Beim Zeitaufwand für das Studium kann unterschieden werden zwischen dem Besuch von Lehrveranstaltungen (Vorlesungen, Seminare, Praktika und Übungen) und dem sonstigen studienbezogenen Aufwand (Vor- und Nachbereitung, Erstellen der Studien- und Abschlussarbeiten, Literaturrecherche, der Besuch von Sprechstunden etc.). Diese Unterscheidung ermöglicht einen detaillierten Einblick in die Zeitverwendung für das Studium. Die Wegzeiten (z. B. zwischen Wohnort und Hochschule) sind nicht enthalten.
Der Zeitaufwand für das Studium während einer typischen Semesterwoche beträgt bei den Vollzeitstudierenden an den UH durchschnittlich 38,5 Stunden. Davon entfallen 21,2 Stunden auf den Besuch von Lehrveranstaltungen und 17,3 Stunden auf die Vor- und Nachbereitung, das Erstellen von schriftlichen Arbeiten sowie die Literaturrecherche. An den UH wenden beide Gruppen Teilzeitstudierender durchschnittlich weniger Zeit für den Besuch von Lehrveranstaltungen sowie für den sonstigen Studienaufwand auf als Vollzeitstudierende. UH-Teilzeitstudierende mit Fokus andere Tätigkeiten verwenden in etwa gleich viel Stunden pro Woche für den Besuch von Lehrveranstaltungen wie für den sonstigen Studienaufwand. Weniger als die Hälfte der Stunden investieren hingegen UH-Teilzeitstudierende mit Fokus Erwerbstätigkeit in den Besuch von Lehrveranstaltungen.
An den FH beläuft sich der Studienaufwand der Vollzeitstudierenden im Mittel auf 40,5 Stunden. 26,0 Stunden entfallen auf Lehrveranstaltungen und 14,4 Stunden auf den sonstigen studienbezogenen Aufwand. Beide Gruppen FH-Teilzeitstudierender wenden weniger Zeit für den Besuch von Lehrveranstaltungen (16,8 bzw. 13,7 Stunden) sowie für den sonstigen Studienaufwand (11,8 bzw. 8,5 Stunden) auf als FH-Vollzeitstudierende. Die Stunden für den Besuch von Lehrveranstaltungen machen bei den FH-Teilzeitstudierenden mehr als die Hälfte des Studienaufwandes aus.
An den PH macht der Studienaufwand der Vollzeitstudierenden 34,8 Stunden aus. Davon fallen 23,6 Stunden auf Lehrveranstaltungen und 11,3 Stunden auf übrige mit dem Studium verknüpften Tätigkeiten. PH-Teilzeitstudierende mit Fokus andere Tätigkeiten verwenden mit 13,7 Stunden weniger Zeit für Lehrveranstaltungen als PH-Vollzeitstudierende. Hingegen benötigen sie mit rund 11 Stunden gleich viel Zeit für den sonstigen Studienaufwand wie PH-Vollzeitstudierende. PH-Teilzeitstudierende mit Fokus Erwerbstätigkeit wenden durchschnittlich weniger Zeit sowohl für den Besuch von Lehrveranstaltungen (8,9 Stunden) als auch für den sonstigen Studienaufwand (8,3 Stunden) auf als PH-Vollzeitstudierende. Der Zeitaufwand für Lehrveranstaltungen und für den sonstigen Studienaufwand hält sich somit bei ihnen die Waage.
2.2 Erwerbstätigkeit
Die Erwerbstätigkeit der Teilzeitstudierenden wird in Bezug auf ihr Ausmass, ihre Kontinuität und ihre Art beschrieben. Zusätzlich werden die Gründe für und gegen eine Erwerbstätigkeit beschrieben und die Auswirkungen der Erwerbstätigkeit für das Studium dargestellt.
2.2.1 Ausmass der Erwerbstätigkeit
In Betracht gezogen werden die in den letzten zwölf Monaten vor der Erhebung ausgeübten regelmässigen oder unregelmässigen Erwerbstätigkeiten, inklusive bezahlte Praktika und Assistenzen. Nicht enthalten sind Erwerbstätigkeiten, die vor dem Studienbeginn stattgefunden haben. Der Beschäftigungsgrad bemisst sich anhand des durchschnittlichen Beschäftigungsgrades während der letzten zwölf Monate vor dem Erhebungszeitpunkt.
Das Ausmass der Erwerbstätigkeit wird durch die Erwerbstätigenquote und den Beschäftigungsgrad charakterisiert. Die Erwerbstätigenquote zeigt auf, wie viele der Studierenden neben dem Studium einer Beschäftigung nachgehen. Der Beschäftigungsgrad beschreibt den zeitlichen Umfang der Erwerbstätigkeit.
Definitionsgemäss beträgt die Erwerbstätigenquote der Teilzeitstudierenden mit Fokus Erwerbstätigkeit 100%. Doch auch Teilzeitstudierende mit Fokus andere Tätigkeiten gehen mit 88% häufiger als Vollzeitstudierende (69%) einer Erwerbstätigkeit nach. Das bedeutet anders formuliert, dass 12% der Teilzeitstudierenden mit Fokus andere Tätigkeiten keine Erwerbstätigkeit neben dem Studium ausüben. Bei den Vollzeitstudierenden sind es 31%.
Unterschiede zeigen sich auch beim zeitlichen Umfang der Erwerbstätigkeit: Während 9% der Vollzeitstudierenden einen mittleren Beschäftigungsgrad von mehr als 40% angeben, beträgt dieser Anteil bei den Teilzeitstudierenden mit Fokus Erwerbstätigkeit 91%. Teilzeitstudierende mit Fokus andere Tätigkeiten situieren sich mit 42% zwischen diesen Gruppen.
2.2.2 Kontinuität der Erwerbstätigkeit
Erwerbstätige Teilzeitstudierende sind in aller Regel während des ganzen Studienjahres erwerbstätig. Mehr als 90% gehen sowohl während des Semesters als auch während der Semesterferien einer Erwerbstätigkeit nach. Bei den Teilzeitstudierenden mit Fokus Erwerbstätigkeit liegt der Anteil mit 97% noch etwas höher als bei den Teilzeitstudierenden mit Fokus andere Tätigkeiten (93%). Im Vergleich dazu geben von den erwerbstätigen Vollzeitstudierenden 71% eine kontinuierliche Erwerbstätigkeit während des Studienjahres an.
2.2.3 Art der Erwerbstätigkeit
Die Angaben zur Art der Beschäftigung beziehen sich auf die Haupterwerbstätigkeit. Als Haupterwerbstätigkeit gilt jene Beschäftigung, die die meiste Zeit in Anspruch nimmt.
Bei der Art der Erwerbstätigkeit zeigen sich deutliche Unterschiede nach Studienform: Fünf von sechs Teilzeitstudierenden mit Fokus Erwerbstätigkeit (85%) gehen einer Tätigkeit nach, die eine spezielle Ausbildung erfordert. Auch bei den erwerbstätigen Teilzeitstudierenden mit Fokus andere Tätigkeiten geht mit 52% mehr als die Hälfte einer solchen Erwerbstätigkeit nach. Bei den erwerbstätigen Vollzeitstudierenden beträgt ihr Anteil lediglich ein Viertel (24%).
Teilzeitstudierende absolvieren unabhängig des Fokus seltener obligatorische Praktika als Vollzeitstudierende. Sie gehen zudem auch seltener einer Tätigkeit nach, die keine spezielle Ausbildung erfordert. Teilzeitstudierende mit Fokus Erwerbstätigkeit arbeiten zudem seltener in freiwilligen Praktika oder als studentische Hilfskräfte an den Hochschulen als Vollzeitstudierende oder Teilzeitstudierende mit Fokus andere Tätigkeiten.
Die Gründe für diese Unterschiede liegen bei der Altersstruktur, der Verteilung auf die Hochschultypen und Fachbereiche (siehe Kapitel 1.2 und 1.3) sowie den Erwerbserfahrungen vor Aufnahme des Studiums siehe hierzu BFS (2017): Studien- und Lebensbedingungen an den Schweizer Hochschulen. Hauptbericht der Erhebung 2016 zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden an den Schweizer Hochschulen. Neuchâtel: BFS. Seiten 15 und 16 .
2.2.4 Gründe für und gegen Erwerbstätigkeit
Um Näheres über die Motive der studentischen Erwerbstätigkeit zu erfahren, wurde den erwerbstätigen Studierenden eine Reihe von Aussagen vorgelegt, die sie auf einer fünfstufigen Skala von 1 = «trifft überhaupt nicht zu» bis 5 = «trifft völlig zu» bewerten konnten. Die Palette der Beweggründe umfasst neben ökonomischen Motiven auch solche, die sich auf eine zukünftige berufliche Tätigkeit beziehen. Daneben werden auch soziale und studiumsbezogene Motive abgefragt (sog. Andere Motive). Für jedes Motiv wurde schliesslich der Mittelwert berechnet. Je höher der Mittelwert ausfällt, desto eher begründet das Motiv die Ausübung der Erwerbstätigkeit.
Unter den ökonomischen Gründen sind die Motive «Lebensstandard beibehalten zu können», «Erwerbstätigkeit nötig für Lebensunterhalt» und «Weil ich andere Personen mitfinanziere» für beide Gruppen Teilzeitstudierender im Durchschnitt relevanter als für Vollzeitstudierende. Das Motiv «Erwerbstätigkeit nötig für Lebensunterhalt» spielt insbesondere bei Teilzeitstudierenden mit Fokus Erwerbstätigkeit eine zentrale Rolle. Für Vollzeitstudierende ist hingegen das Motiv «Damit ich mir etwas mehr leisten kann» relevanter als für Teilzeitstudierende. Die Gründe «Um unabhängig von den Eltern zu sein» sowie «Weil ich kein/zu wenig Stipendium/Darlehen erhalte» sind für Teilzeitstudierende mit Fokus andere Tätigkeiten bedeutender als für Teilzeitstudierende mit Fokus Erwerbstätigkeit und Vollzeitstudierende.
Um mittels der Erwerbstätigkeit praktische Erfahrungen zu sammeln, die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen oder Kontakte für eine mögliche spätere Beschäftigung zu knüpfen, sind für Teilzeitstudierende beider Kategorien wichtigere berufliche Motive als für Vollzeitstudierende. Ausserdem spielt das Motiv «Weil mein Interessensschwerpunkt hauptsächlich auf der Erwerbstätigkeit liegt und das Studium nur zweitrangig ist» insbesondere für Teilzeitstudierende mit Fokus Erwerbstätigkeit definitionsgemäss eine grössere Rolle als für Vollzeitstudierende.
Unter den anderen Gründen, die für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit sprechen, sind die folgenden Motive für beide Kategorien Teilzeitstudierender zentraler als für Vollzeitstudierende: «Persönlichen Horizont erweitern», «Weil ich mich dadurch sozial besser integriert fühle» und «Erwerbstätigkeit im Studium vorgeschrieben». Letzteres Motiv ist insbesondere für Teilzeitstudierende mit Fokus Erwerbstätigkeit bedeutend. Die Integrationsfunktion der Erwerbstätigkeit (Motiv «Weil ich mich dadurch sozial besser integriert fühle») ist für Teilzeitstudierende mit Fokus andere Tätigkeiten relevanter als für Teilzeitstudierende mit Fokus Erwerbstätigkeit und Vollzeitstudierende.
Motive für die Erwerbstätigkeit, Mittelwert der erwerbstätigen StudierendenT2.1
(Skala von 1 = trifft überhaupt nicht zu bis 5 = trifft völlig zu)
| Vollzeit | Teilzeit, Fokus andere Tätigkeiten | Teilzeit, Fokus Erwerbstätigkeit | |
|---|---|---|---|
| Ökonomische Motive | |||
| Damit ich mir etwas mehr leisten kann | 3,9 | 3,7 | 3,6 |
| Um unabhängig von den Eltern zu sein | 3,4 | 3,6 | 3,4 |
| Um meinen Lebensstandard beibehalten zu können | 3,3 | 3,4 | 3,8 |
| Weil dies zur Bestreitung meines Lebensunterhaltes unbedingt nötig ist | 3,0 | 3,7 | 4,1 |
| Weil ich kein/zu wenig Stipendium/Darlehen erhalte | 2,9 | 3,1 | 2,8 |
| Weil ich andere mitfinanziere (Partner/in, Kind/er) | 1,3 | 1,5 | 2,0 |
| Berufliche Motive | |||
| Um praktische Erfahrung zu sammeln, die mir im späteren Beruf nützlich sein werden | 3,2 | 3,6 | 3,8 |
| Weil ich hoffe, damit meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen | 2,8 | 3,5 | 3,5 |
| Um Kontakte für eine mögliche spätere Beschäftigung zu knüpfen | 2,5 | 3,0 | 2,9 |
| Weil mein Interessensschwerpunkt hauptsächlich auf der Erwerbstätigkeit liegt und das Studium nur zweitrangig ist | 1,4 | 1,8 | 2,9 |
| Andere Motive | |||
| Um meinen persönlichen Horizont zu erweitern | 3,2 | 3,5 | 3,4 |
| Weil ich mich dadurch sozial besser integriert fühle | 2,4 | 2,8 | 2,7 |
| Weil ich im Studium nicht ausgelastet bin | 1,9 | 2,0 | 1,9 |
| Weil es im Studium vorgeschrieben ist | 1,4 | 1,6 | 2,2 |
Quelle: BFS – SSEE 2016
© BFS 2020
Um Näheres über die Ursachen, weshalb Studierende nicht erwerbstätig sind, zu erfahren, wurde den betroffenen Studierenden eine Reihe von Gründen vorgelegt. Die Studierenden konnten die zutreffenden Gründe ankreuzen.
Rund ein Drittel (31%) der Vollzeitstudierenden ist nicht erwerbstätig, während dieser Anteil mit 12% bei den Teilzeitstudierenden mit Fokus andere Tätigkeiten geringer ausfällt. Unter den Teilzeitstudierenden mit Fokus Erwerbstätigkeit beträgt der Anteil nicht erwerbstätiger Studierender definitionsgemäss 0% bzw. sämtliche Studierende in dieser Kategorie sind erwerbstätig (siehe Kapitel 1.1).
Bei den Vollzeitstudierenden scheint die Studienbelastung mit einem Anteil von 72% die zentrale Hürde für eine Erwerbstätigkeit neben dem Studium zu sein. An zweiter Stelle nennen Vollzeitstudierende die Tatsache, dass eine Erwerbstätigkeit finanziell nicht erforderlich ist (41%). Bei den Teilzeitstudierenden mit Fokus andere Tätigkeiten sind die Ursachen für Nicht-Erwerbstätigkeit anders gelagert. So sagen 42% dieser Studierenden, dass sie infolge Schwangerschaft oder familiärer Verpflichtungen nicht erwerbstätig seien (gegenüber 3% bei den Vollzeitstudierenden). Mit einem Anteil von 36% steht bei den Teilzeitstudierenden mit Fokus andere Tätigkeiten die Studienbelastung erst an zweiter Stelle. Bei allen anderen Gründen lassen sich keine statistisch aussagekräftigen Unterschiede zwischen Teilzeit- und Vollzeitstudierenden feststellen.
2.2.5 Auswirkungen der Erwerbstätigkeit
Um feststellen zu können, in welchen Bereichen und wie stark sich die studentische Erwerbstätigkeit auf das Studium auswirkt, wurde den erwerbstätigen Studierenden eine Reihe von Aussagen vorgelegt, die sie auf einer fünfstufigen Skala von 1 = «trifft überhaupt nicht zu» bis 5 = «trifft völlig zu» bewerten konnten. Die abgefragten Bereiche decken sowohl Aspekte ab, die sich positiv auf das Studium auswirken, als auch solche, die das Studium eher erschweren. Für jede Aussage wurde schliesslich der Mittelwert berechnet. Je höher der Mittelwert ausfällt, desto bedeutsamer ist die Auswirkung auf das Studium.
Sowohl die Doppelbelastung durch Studium und Job als auch der Umstand, aus finanziellen Gründen nicht mehr Zeit für das Studium aufwenden zu können, erachten die Vollzeit- sowie die Teilzeitstudierenden als die beiden relevantesten studiumerschwerenden Aspekte. Beide Gruppen Teilzeitstudierender sehen in diesen zwei Aspekten die grössere Auswirkung auf das Studium als die Vollzeitstudierenden. Aber auch die Folgen der Erwerbstätigkeit auf den Abschluss des Studiums, auf den termingerechten Besuch von Lehrveranstaltungen, auf die Gesundheit sowie auf die Durchführung eines Gastaufenthalts sind für Teilzeitstudierende problematischer als für Vollzeitstudierende.
Auswirkungen der Erwerbstätigkeit, Mittelwert der erwerbstätigen StudierendenT2.2
(Skala von 1 = trifft überhaupt nicht zu bis 5 = trifft völlig zu)
| Vollzeit | Teilzeit, Fokus andere Tätigkeiten | Teilzeit, Fokus Erwerbstätigkeit | |
|---|---|---|---|
| Negative Auswirkung auf das Studium | |||
| Das Nebeneinander von Studium und Erwerbstätigkeit macht mir zu schaffen | 2,3 | 2,7 | 3,0 |
| Ich würde gerne weniger arbeiten, um mehr Zeit für das Studium zu haben, kann es mir aber finanziell nicht leisten | 2,3 | 2,8 | 3,0 |
| Es könnte sein, dass meine Arbeit mich dabei behindert, mein Studium erfolgreich abzuschliessen | 1,9 | 2,3 | 2,6 |
| Ich kann bestimmte Lehrveranstaltungen aus Termingründen nicht besuchen | 1,9 | 2,5 | 2,6 |
| Ich kann einen gewünschten Gastaufenthalt an einer anderen Hochschule nicht durchführen | 1,6 | 2,0 | 2,3 |
| Die Doppelbelastung Studium/Arbeit belastet meine Gesundheit | 1,9 | 2,3 | 2,6 |
| Das Studium ist eigentlich nur noch eine Nebensache | 1,4 | 1,7 | 2,4 |
| Positive Auswirkung auf das Studium | |||
| Ich habe durch die Erwerbstätigkeit Anregungen für das Studium erhalten | 2,4 | 2,9 | 3,3 |
| Ich studiere zielgerichteter, weil ich sehe, worauf es ankommt | 2,5 | 2,9 | 3,3 |
Quelle: BFS – SSEE 2016
© BFS 2020
Neben der Belastung sehen sowohl die Vollzeit- als auch die Teilzeitstudierenden in der Erwerbstätigkeit positive Auswirkungen. Allerdings erzielen die beiden Aussagen «Ich habe durch die Erwerbstätigkeit Anregungen fürs Studium erhalten» sowie «Ich studiere zielgerichteter, weil ich sehe, worauf es ankommt» eine höhere Bewertung unter den Teilzeitstudierenden als unter den Vollzeitstudierenden. Insbesondere Teilzeitstudierende mit Fokus Erwerbstätigkeit streichen diese beiden positiven Aspekte hervor.
Insgesamt kann festgestellt werden, dass sich die negativen Auswirkungen der Erwerbstätigkeit bei den Teilzeitstudierenden stärker als bei den Vollzeitstudierenden bemerkbar machen, während die Teilzeitstudierenden aber auch die positiven Aspekte der Erwerbstätigkeit höher bewerten als die Vollzeitstudierenden.