1.1 Kontext
Drei Viertel der Studierenden sind neben dem Studium berufstätig und gut 5% haben Kinder, die sie betreuen müssen. BFS (2017): «Studien- und Lebensbedingungen an den Schweizer Hochschulen. Hauptbericht der Erhebung 2016 zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden»; siehe auch den Themenbericht zur Erhebung 2016 «Teilzeitstudierende an den Schweizer Hochschulen» (BFS 2020). Diese Verpflichtungen, aber auch andere Faktoren wie beispielsweise Krankheiten können dazu führen, dass es den Studierenden nicht möglich ist, ein Hundertprozentpensum an der Hochschule zu absolvieren. Im Dezember 2018 hat swissuniversities deshalb dieses Thema aufgegriffen und Empfehlungen zu Flexibilisierung und Teilzeitstudium veröffentlicht. www.swissuniversities.ch/fileadmin/swissuniversities/Dokumente/Lehre/Flexibilisierung.pdf Swissuniversities kommt zum Schluss, dass die Diversität der Studierendenschaft zugenommen hat, und dass es deshalb flexiblere Studienmodelle braucht, die Teilzeitstudien ermöglichen.
Bereits heute gibt es an den Hochschulen viele Teilzeitstudierende und eine grosse Palette verschiedener Möglichkeiten, wie ein Studium neben anderen Verpflichtungen organisiert werden kann. Grob gesagt kann der Umgang mit Teilzeitstudierenden an den Hochschulen in drei Kategorien eingeteilt werden:
1. Die Hochschulen konzipieren spezielle Teilzeitstudiengänge. Dies kommt an vielen Fachhochschulen
www.studium-schweiz.ch/de/info/teilzeitstudium.html
(FH) und pädagogischen Hochschulen (PH) vor.
2. Teilzeitstudien sind grundsätzlich möglich, es gibt aber keine separaten Studiengänge. Die Studierenden sind bei der Gestaltung des Studiums flexibel und können ihr Pensum semesterweise ändern. Dieses Modell wird an den universitären Hochschulen (UH) oft angewendet.
z. B. Universität Zürich (www.studienberatung.uzh.ch/de/hilfezurstudienwahl/gestaltungdesstudiums.html )
3. Die Hochschulen verlangen von ihren Studierenden eine hundertprozentige Anwesenheit.
z. B. ETH Zürich (www.schweizamwochenende.ch/nachrichten/die-teilzeit-elite-131069360 )
Das angewandte Modell hängt oft sowohl von der Hochschule, wie auch von der Studienrichtung oder der Studienstufe ab.
1.2 Ziele
Ziel dieser Publikation ist es, innerhalb der grossen Variabilität der Studienmodelle ein detailliertes Bild zur Studienintensität an den Schweizer Hochschulen zu zeichnen. An welchen Hochschulen und in welchen Studiengängen wird mit welcher Intensität studiert? Ist die Studienintensität beispielsweise bei den Frauen höher als bei den Männern oder gibt es Unterschiede nach Alter oder Bildungsherkunft der Studierenden?
Es wird gezeigt, ob sich die Studienintensität im Laufe des Studiums ändert und wie hoch die Studienintensität im Mittel über eine ganze Studienphase ist.
Die Publikation soll somit zu einem besseren Verständnis der Studienrealität in der Schweiz beitragen. Zudem liefert sie den Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in den Hochschulen, der Politik und der Verwaltung Informationen darüber, wo und unter welchen Bedingungen die von swissuniversities geforderte flexible Gestaltung des Studiums bereits heute stattfindet.
Zur Studien- und Lebenssituation der Teilzeitstudierenden gibt die Befragung des Bundesamtes für Statistik zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden Auskunft Informationen zur Befragung siehe: www.studierende-stat.admin.ch . Der Themenbericht «Teilzeitstudierende an den Schweizer Hochschulen» mit Informationen aus der Befragung 2016 ergänzt die hier präsentierten Daten optimal.
Der Bericht basiert auf einer Selbstdeklaration der Studierenden und beschreibt die Studien- und Lebenssituation der Teilzeitstudierenden an den Schweizer Hochschulen, die er mit derjenigen der Vollzeitstudierenden vergleicht. Es wird beispielsweise aufgezeigt, inwiefern sich das Zeitbudget oder die finanzielle Situation von Teilzeit- und Vollzeitstudierenden unterscheidet, oder wo die Chancen und Schwierigkeiten eines Teilzeitstudiums liegen.
1.3 Datenbasis
Um trotz der grossen Variabilität der Studienmodelle (vgl. Kapitel 1.1) die Studienpensen abbilden zu können, wurde das Projekt «Anpassung der Studierendenstatistik an das Bologna-System» (ASBOS) lanciert. Im Jahr 2002 begann die Umsetzung der Bologna-Reform an den Schweizer Hochschulen. Die Einführung der Bachelor-Master-Studiengänge bewirkte eine starke strukturelle Veränderung der schweizerischen Hochschullandschaft. Sie war unter anderem verbunden mit der Modularisierung der Studiengänge und der Zunahme der Interdisziplinarität. Die Einführung des ECTS-Kreditpunktesystems machte es zudem möglich, das Studienverhalten besser zu verfolgen und zu messen. Basierend auf den evaluierten ECTS-Punkten erhebt ASBOS seit 2013/14 die Arbeitspensen der Studierenden, ausgedrückt in Vollzeitäquivalenten (VZÄ), aufgeschlüsselt nach Fachrichtung und Studienort. Die Erhebung wird an den UH und PH durchgeführt. Aufgrund von systembedingen Unterschieden werden die Studienleistungen an den FH momentan nicht erhoben.
Für die Publikation werden die ASBOS-Daten der akademischen Jahre 2013/14 bis 2017/18 verwendet. Sie enthalten alle an Schweizer universitären Hochschulen (UH) und pädagogischen Hochschulen (PH) erbrachten Leistungen von Studierenden, die zu diesem Zeitpunkt an einer Schweizer Hochschule auf Bachelor- oder Masterstufe oder in einem Diplomstudiengang der Lehrkräfteausbildung für die Sekundarstufe II (Diplom Sek. II) immatrikuliert waren. Die Studienleistungen, die an einer Fachhochschule evaluiert wurden, können jedoch nicht berücksichtigt werden, da sie nicht Teil der Erhebung sind. Das gilt auch, wenn die Leistungen an den FH von Studierenden erbracht werden, die an einer UH oder PH immatrikuliert sind.
1.4 Darstellungsformen
Die Studienintensität wird in Form von Vollzeitäquivalenten (VZÄ), d.h. als Arbeitspensum prozentual zu einem Vollzeitstudium, ausgewiesen. Dabei entspricht ein VZÄ von 100% einer Studienleistung von 60 evaluierten ECTS pro Jahr (vgl. Anhang für mehr Details).
In der Regel werden die Mittelwerte der Studienintensität angegeben. Diese sagen jedoch nichts über die Verteilung der Werte aus. In einigen Kapiteln wird die Studienintensität deshalb in drei Klassen eingeteilt. Die Klassen wurden so gewählt, dass die Interpretation möglichst einfach ist. Die Klasse «Studienintensität 90% und mehr» entspricht einem Vollzeitstudium, die Klasse «Studienintensität 50% bis 89%» einem Teilzeitstudium mit Fokus auf dem Studium, die Klasse «Studienintensität bis 50%» einem Teilzeitstudium mit Fokus auf Aktivitäten neben dem Studium.
Zeitreihen auf Fachbereichs- oder gar Fachrichtungsebene, können wegen der relativ geringen Fallzahlen grössere Schwankungen aufweisen. Diese sind oft bedingt durch externe Faktoren wie beispielsweise die Neuorganisation von Prüfungssessionen und haben nur bedingt etwas mit dem Verhalten der Studierenden zu tun. Es wird deshalb auf die Darstellung von Zeitreihen nach Fachbereich verzichtet. Die Informationen nach Fachbereich werden nur für das letzte verfügbare akademische Jahr (2017/18) oder gemittelt über die ganze Studienphase dargestellt.