Familien- und schulergänzende Kinderbetreuung im Jahr 2018
Grosseltern, Kindertagesstätten und schulergänzende Einrichtungen leisten den grössten Betreuungsanteil
Die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung hilft den Familien, berufliche und familiäre Verpflichtungen besser zu vereinbaren. 64% der Kinder unter 13 Jahren werden in der Schweiz familienergänzend betreut. Am häufigsten durch Grosseltern sowie Kindertagesstätten und schulergänzende Einrichtungen, die für je ein Drittel der Kinder in Anspruch genommen werden. Grosseltern gehören somit genauso zu den Pfeilern der Kinderbetreuung wie Kindertagesstätten und schulergänzende Angebote. Ihre unbezahlte Kinderbetreuungsleistung wird auf 160 Millionen Stunden und einen «fiktiven» Geldwert von 8 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt. Für die kostenpflichtige Kinderbetreuung geben Haushalte im Durchschnitt 4,4% ihres Bruttoeinkommens aus.
1 Einleitung
Die familienergänzende Kinderbetreuung ist eine wichtige Voraussetzung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Damit Eltern von Kindern im Vorschul- sowie im schulpflichtigen Alter einer Erwerbstätigkeit nachgehen können, sind sie meist auf familien-ergänzende Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder angewiesen. Diese können in institutionelle – d. h. private und öffentliche Einrichtungen wie Kindertagesstätten, schulergänzende Kinderbetreuung, in Netzwerken zusammengeschlossene Tagesfamilien – und nicht institutionelle Betreuung – d. h. Privatpersonen wie Grosseltern und andere Personen aus dem familiären und privaten Umfeld, Tagesfamilien, die keiner Organisation angehören, Nannys – gegliedert werden (vgl. Kasten zu den Definitionen).
In den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich in der Schweiz einiges getan. Das Betreuungsangebot wurde erweitert, zusätzliche Plätze in Kindertagesstätten, schulergänzenden Betreuungseinrichtungen und bei Tagesfamilien wurden geschaffen, unter anderem auch dank dem Bundesgesetz über Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung. Ziel des im Jahr 2003 eingeführten Impulsprogrammes des Bundes ist es, die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätze für Kinder zu fördern, damit die Eltern Erwerbsarbeit bzw. Ausbildung und Familie besser miteinander vereinbaren können. https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home/finanzhilfen/kinderbetreuung.html
Nachfrage, Angebot und Nutzung stehen miteinander in Wechselwirkung. Die vorliegende Publikation gibt einen Überblick über die verfügbaren statistischen Informationen zum Thema familien- und schulergänzende Kinderbetreuung. Sie umfassen, auf Nachfrageseite, Angaben zur Nutzung, also zur Frage, ob und wie die Haushalte die vorhandenen Angebote in Anspruch nehmen. Die Angebotsseite, zum Beispiel die Anzahl Plätze und die betreuten Kinder in Einrichtungen oder Tagesfamilien, kann nur für einzelne Städte aufgezeigt werden, weil harmonisierte Daten für die gesamte Schweiz fehlen.
Nach dieser Einleitung befasst sich das Kapitel 2 mit dem Anteil familien- und schulergänzend betreuter Kindern nach verschiedenen Merkmalen wie Alter, Anzahl weiterer Kinder unter 13 Jahren im Haushalt, Herkunft und Erwerbsmodell der Eltern. Die Betreuungsstunden und die Kombination mehrerer Betreuungsformen sind Thema in den beiden darauffolgenden Kapiteln. Kapitel 5 geht auf die Zufriedenheit der Haushalte mit der fami-lienergänzenden Kinderbetreuung ein. Der Anteil betreuter Kinder und die Anzahl der angebotenen Betreuungsplätze in einzelnen Städten der Schweiz sowie die regional unterschiedliche Nutzung der familienergänzenden Kinderbetreuung werden in Kapitel 6 und 7 behandelt. Wie die familienergänzende Kinderbetreuung in Familien mit Migrationshintergrund aussieht, ist in Kapitel 8 dargestellt. Kapitel 9 ist der Enkelkinderbetreuung gewidmet. Es folgt ein Kapitel zu den Kosten der Kinderbetreuung, und zwar zu den Ausgaben der Haushalte und jenen der Kantone für die Tagesbetreuung. Abschliessend wird in Kapitel 11 die familienergänzende Kinderbetreuung im europäischen Vergleich dargestellt und die Nutzung in der Schweiz mit jener in anderen Ländern verglichen.
Definitionen
Die familien- und schulergänzende Kinderbetreuung wird definiert als die regelmässige Betreuung von Kindern durch Einrichtungen bzw. in Vereinen oder Netzwerken organisierten Privatpersonen (institutionelle Betreuung) oder durch in der Regel nicht im Haushalt lebende Privatpersonen (nicht institutionelle Betreuung).
Die institutionelle Betreuung umfasst die privaten oder öffentlichen Einrichtungen, in denen Kinder betreut werden. Es gibt Einrichtungen, die sich um Kinder im Vorschulalter kümmern (Krippen, Kindertagesstätten), Einrichtungen, in denen Kinder im Schulalter betreut werden (Tagesstrukturen, Tagesschulen/-kindergärten), sowie Einrichtungen für Kinder aller Altersstufen. Tagesfamilien sind ebenfalls eine Betreuungsform des institutionellen Bereichs, sofern sie organisiert sind (z.B. in Tagesfamilienvereinen oder -netzwerken). Die institutionellen Betreuungsangebote sind kostenpflichtig und werden in bestimmten Fällen subventioniert.
Die nicht institutionelle Betreuung bezieht sich auf die familienergänzende Kinderbetreuung durch Personen, die keiner Organisation angehören. Dabei kann es sich um Selbstständigerwerbende wie Tagesfamilien oder Nannys handeln (formale Betreuung), aber auch um den Eltern nahestehende Personen oder Bekannte (informelle Betreuung). Im letzten Fall wird die erbrachte Leistung in der Regel nicht bezahlt.
In der vorliegenden Publikation werden die Ergebnisse nach Betreuungstyp (institutionell und nicht institutionell) sowie nach Betreuungsform (Kindertagesstätten, Gross-eltern, Tagesfamilien, usw.) dargestellt. Bei der Unterscheidung nach Betreuungsform beziehen sich die Ergebnisse auf alle Tagesfamilien, unabhängig davon, ob sie in einem Verein bzw. Netzwerk organisiert sind oder nicht.
Die Statistik der familienergänzenden Kinderbetreuung besteht aus Daten zur Nachfrageseite, die die Inanspruchnahme – auch Nutzung genannt – der Betreuungsformen durch Eltern nach verschiedenen Merkmalen des Haushalts und der betreuten Kinder analysieren.
Auf der Angebotsseite umfasst die Statistik, für Kinder im Vorschulalter (0–3 Jahre), die Zahl der zur Verfügung stehenden Betreuungsplätze und die betreuten Kinder in Einrichtungen und Tagesfamilien einiger Schweizer Städte.
Weiterführende Informationen:
Statistik der familienergänzenden Kinderbetreuung. Typo-logie der Betreuungsformen; BFS 2015
2 Familienergänzend betreute Kinder
Knapp zwei Drittel der Kinder unter 13 Jahren (64%) werden in der Schweiz familienergänzend betreut D. h., sie nutzen in einer gewöhnlichen Woche eine oder mehrere familien-ergänzende Betreuungsformen. Darunter fallen Kindertagesstätten, schul-ergänzende Betreuungseinrichtungen wie Horte und Tagesschulen, Tages-familien, Nannys, Au-Pairs, Babysitter, Grosseltern sowie weitere Personen aus dem Umfeld, z. B. andere Verwandte, Freunde oder Nachbarn. . Bei den 0- bis 3-Jährigen sind es 71% und bei den 4- bis 12-Jährigen 60%.
Am häufigsten greifen die Eltern bei der familienergänzenden Kinderbetreuung auf die Grosseltern und auf Kindertagesstätten oder schulergänzende Betreuung wie z. B. Tagesschulen oder Horte zurück. Diese beiden Betreuungsformen werden für je rund ein Drittel der Kinder unter 13 Jahren in Anspruch genommen (Grosseltern 33%, Kindertagesstätte oder schulergänzende Betreuung 32%).
Je rund 60% der von den Grosseltern bzw. in einer Kindertagesstätte oder schulergänzenden Betreuungseinrichtung betreuten Kinder haben nur diese eine Form der familienergänzenden Kinderbetreuung, die übrigen haben zusätzlich eine oder mehrere andere Betreuungsformen.
Die Grosseltern sind insbesondere bei den jüngeren Kindern von grosser Bedeutung: 40% der unter 4-Jährigen werden in einer gewöhnlichen Woche von den Grosseltern betreut. Bei den 4- bis 12-Jährigen sind es 29%. Im Vergleich dazu, sind die Unterschiede bei Kindertagesstätten und schulergänzender Betreuung klein: Bei den unter 4-Jährigen liegt der Anteil bei 34% und bei den 4- bis 12-Jährigen bei 31%.
Weniger verbreitet ist die Betreuung durch andere Personen aus dem Umfeld (ohne die Grosseltern), durch Tagesfamilien Wenn nichts Anderes erwähnt, sind alle Tagesfamilien gemeint, unabhängig davon, ob sie einem Verein oder Netzwerk angehören oder nicht. sowie durch Nannys, Au-Pairs oder Babysitter. Knapp ein Zehntel der Kinder unter 13 Jahren (9,3%) wird von Personen aus dem Umfeld, z. B. von Verwandten (ohne die Grosseltern), Freunden oder Nachbarn betreut und je 5% von einer Tagesfamilie bzw. von einer Nanny, einem Au-Pair oder einem Babysitter.
Ältere Kinder werden tendenziell etwas häufiger von Personen aus dem Umfeld (ohne die Grosseltern) betreut (9,8%; 0–3 Jahre: 8,4%). Tagesfamilien sind hingegen bei den unter 4-Jährigen etwas stärker verbreitet (6,2%; 4–12 Jahre: 4,8%; Grafik G1).
2.1 Einfluss des Haushaltstyps
Die Inanspruchnahme von familienergänzender Kinderbetreuung wird von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Neben der Verfügbarkeit der Betreuungsangebote und den damit verbundenen regionalen Unterschieden, auf die in Kapitel 7 näher eingegangen wird, spielen insbesondere auch die Zusammensetzung des Haushalts, die Herkunft und die Erwerbsbeteiligung der Eltern eine Rolle.
Alleinlebende Eltern nehmen für ihre Kinder häufiger familien-ergänzende Betreuung in Anspruch als Eltern in Paarhaushalten: 77% der Kinder, die in Einelternhaushalten leben, werden fami-lienergänzend betreut, bei den Kindern in Paarhaushalten sind es nur 62%. Alleinlebende Eltern können sich für die Kinderbetreuung nicht auf im Haushalt lebende Partner oder Partnerinnen stützen und brauchen daher eher externe Lösungen. Zudem haben sie häufig einen vergleichsweise hohen Beschäftigungsgrad.
Auch bei den genutzten Betreuungsformen zeigen sich Unterschiede: Die Anteile der Kinder, die in einer Kindertagesstätte oder einer schulergänzenden Betreuungseinrichtung (49%), von einer Person aus dem Umfeld (ohne die Grosseltern, 14%), von einer Nanny, einem Au-Pair oder einem Babysitter (8,5%) oder von einer Tagesfamilie (7,6%) betreut werden, sind bei den Einelternhaushalten höher als bei den Paarhaushalten (Kindertagesstätte, schulergänzende Betreuungseinrichtung 30%; Personen aus dem Umfeld ohne die Grosseltern 8,8%; Nanny, Au-Pair, Babysitter: 4,6%; Tagesfamilie: 5,0%).
Kinder in Paarhaushalten werden dagegen tendenziell häufiger durch die Grosseltern betreut als Kinder von alleinlebenden Eltern. Die Anteile liegen bei 33% bzw. 28% (Grafik G2).
Alleinlebende Eltern haben zwar etwas häufiger Hilfe von Personen aus dem Umfeld (ohne die Grosseltern) und nehmen auch vermehrt Nannys, Au-Pairs und Babysitter sowie Tagesfamilien in Anspruch, die ebenfalls als nicht institutionelle Betreuung gelten, wenn sie keinem Netzwerk angehören 38% der von Tagesfamilien betreuten Kinder, haben solche, die keinem Netzwerk angehören. . Insgesamt stützen sie sich aber etwas stärker auf institutionelle Betreuung (Kindertagesstätten, schulergänzende Betreuungseinrichtungen und Tagesfamilien, die einem Netzwerk angehören) oder auf eine Kombination von institutioneller und nicht institutioneller Betreuung als Paarhaushalte, bei denen der nicht institutionellen Betreuung insbesondere durch die Grosseltern mehr Bedeutung zukommt.
Die Inanspruchnahme von familienergänzender Kinderbetreuung wird auch von der Familiengrösse beeinflusst. Kinder ohne Geschwister oder weiterer Kinder unter 13 Jahren im Haushalt werden etwas häufiger familienergänzend betreut (66%) als Kinder, die mit einem oder mehreren anderen Kindern unter 13 Jahren zusammenleben (63%). Für Kinder von Familien mit nur einem Kind unter 13 Jahren werden häufiger Kindertagesstätten oder schulergänzende Betreuungseinrichtungen sowie Tagesfamilien in Anspruch genommen und sie werden häufiger von Personen aus dem Umfeld (ohne die Grosseltern) betreut. Bei Kindern, die mit anderen Kindern unter 13 Jahren im Haushalt leben, stützen sich die Eltern hingegen tendenziell häufiger auf Betreuung durch die Grosseltern und greifen häufiger auf Nannys, Au-Pairs und Babysitter zurück. Letzteres hängt wohl auch damit zusammen, dass diese Betreuungsform bei mehreren Kindern finanziell attraktiver ist (Grafik G3).
2.2 Einfluss der Herkunft
Kinder mit schweizerischer Staatsangehörigkeit oder mit einer anderen nord- oder westeuropäischen Nationalität werden tendenziell etwas häufiger familienergänzend betreut (65% bzw. 66%) als Kinder mit einer südeuropäischen oder sonstigen Staatsangehörigkeit (59% bzw. 49%). Als nord- und westeuropäische Nationalität gelten Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Irland, Island, Lichtenstein, Luxemburg, Monaco, Niederlande, Norwegen, Österreich und Schweden. Zu den südeuropäischen Nationalitäten gehören Andorra, Griechenland, Italien, Portugal, San Marino, Spanien und Vatikanstadt. Die übrigen ausländischen Nationalitäten fallen unter «übrige Länder».
Werden die einzelnen Betreuungsformen angeschaut, zeigen sich deutliche Unterschiede: So wird für 29% der Kinder mit Schweizer Pass eine Kindertagesstätte oder eine schulergänzende Betreuungseinrichtung in Anspruch genommen, bei den Kindern mit einer anderen nord- oder westeuropäischen Staatsangehörigkeit liegt dieser Anteil mit 50% deutlich höher. Anderseits werden 40% der Kinder mit Schweizer Nationalität von den Grosseltern betreut. Bei den Kindern mit einer anderen nord- oder westeuropäischen Staatsangehörigkeit beträgt dieser Anteil nur 5%. Bei den Kindern mit einer südeuropäischen oder sonstigen Nationalität liegt er je bei 14%. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass die Grosseltern von Kindern mit ausländischer Nationalität häufig in einem anderen Land leben (Grafik G4).
Unterschiede gibt es auch bei Nannys, Au-Pairs und Babysittern sowie bei Personen aus dem Umfeld (ohne die Grosseltern) und Tagesfamilien. Kinder mit einer nord- oder westeuropäischen Staatsangehörigkeit werden fast doppelt so häufig von Nannys, Au-Pairs und Babysittern betreut (8,9%) als solche mit einem Schweizer Pass (4,6%). Kinder, mit südeuropäischer Nationalität werden tendenziell etwas häufiger von Personen aus dem Umfeld (ohne die Grosseltern; 12%) sowie von Tagesfamilien (8,1%) betreut als Kinder mit Schweizer Pass (9,2% bzw. 5,1%).
2.3 Erwerbsbeteiligung der Eltern
Die Inanspruchnahme von familienergänzender Kinderbetreuung ist erwartungsgemäss deutlich höher, wenn die Mutter zumindest teilzeitlich erwerbstätig ist als wenn sie nicht arbeitet. Der Anteil der familienergänzend betreuten Kinder liegt in diesen Familien bei rund drei Vierteln, wobei die Unterschiede zwischen den Erwerbsmodellen gering sind: Tendenziell werden Kinder bei denen beide Eltern Teilzeit arbeiten etwas häufiger familienergänzend betreut (77%) als Kinder bei denen der Vater Vollzeit und die Mutter Teilzeit arbeitet (72%) bzw. bei denen beide Eltern Vollzeit erwerbstätig sind (74%) 26% der Kinder, bei denen beide Elternteile Vollzeit arbeiten, haben keine familienergänzende Kinderbetreuung. Es kann sich dabei z. B. um Eltern handeln, mit atypischen Arbeitszeiten (Nachtarbeit, Arbeit auf Abruf usw.), die abwechselnd zu Hause sind oder die Kinder werden von anderen, in der BFS-Statistik nicht berücksichtigten Akteuren betreut (Hausaufgabenhilfe, Freizeitangebote wie Sport oder Musikstunden u. ä.). Ferner werden die Kinder teilweise wohl auch durch ältere Geschwister betreut, ohne dass dies von den Eltern als familienergänzende Kinderbetreuung deklariert wird. Da es sich um Kinder bis 12 Jahre handelt, gibt es insbesondere bei den älteren Kindern, wohl auch solche, die alleine zu Hause sind, während die Eltern arbeiten. .
Wesentlich tiefer ist der Anteil der Kinder mit familienergänzender Betreuung, wenn die Mutter nicht erwerbstätig ist. Die Tatsache, dass aber auch in diesen Haushalten gut ein Drittel der Kinder familienergänzend betreut werden, deutet darauf hin, dass diese Betreuung nicht ausschliesslich durch die Erwerbstätigkeit bedingt ist. Eltern lassen ihre Kinder auch betreuen, um ausserberuflichen Aktivitäten nachgehen zu können oder um ihnen den Kontakt mit anderen Kindern und mit Familienmitgliedern, z. B. den Grosseltern zu ermöglichen.
Eltern, die beide Vollzeit oder beide Teilzeit arbeiten, nutzen für ihre Kinder etwas häufiger eine Kindertagesstätte oder eine schulergänzende Betreuungseinrichtung als Paare, bei denen der Vater Vollzeit und die Mutter Teilzeit arbeitet oder nicht erwerbstätig ist. Die Anteile der Kinder, die diese Betreuungsformen nutzen liegen bei 41% bzw. 40% wenn beide Eltern Vollzeit bzw. beide Eltern Teilzeit arbeiten und bei 33% wenn die Mutter Teilzeit und der Vater Vollzeit erwerbstätig sind. Arbeitet der Vater Vollzeit und die Mutter nicht, liegt der Anteil bei 15%.
Auf Betreuung durch Grosseltern stützen sich vor allem Paare, bei denen beide Eltern Teilzeit arbeiten oder bei denen der Vater Vollzeit und die Mutter Teilzeit erwerbstätig sind. Die Anteile der durch die Grosseltern betreuten Kinder liegen in diesen Haushalten bei 44% bzw. 42% (Grafik G5).
In den Haushalten in denen beide Eltern Vollzeit arbeiten, sind die Anteile der Kinder, die durch eine Nanny, ein Au-Pair oder einen Babysitter betreut werden mit 11% mehr als doppelt so hoch wie bei den anderen Erwerbsmodellen. Auch Tagesfamilien werden dort tendenziell etwas häufiger in Anspruch genommen. Das könnte insbesondere damit zusammenhängen, dass diese Eltern einen hohen Betreuungsbedarf haben und es organisatorisch oft einfacher ist, diesen durch eine Nanny, ein Au-Pair oder eine Tagesfamilie abzudecken.
3 Anzahl Betreuungsstunden
Kinder unter 13 Jahren, die familienergänzend betreut werden, verbringen durchschnittlich 14,5 Stunden pro Woche in Betreuungseinrichtungen und bei betreuenden Personen.
Je gut zwei Fünftel der Kinder werden 1–9 Stunden (44%) sowie 10–29 Stunden (42%) pro Woche familienergänzend betreut. 14% verbringen 30 oder mehr Stunden in familienergänzenden Betreuungsstrukturen sowie bei betreuenden Personen.
Die Betreuungszeit ist bei den 0- bis 3-Jährigen mit durchschnittlich 21,1 Stunden pro Woche deutlich höher als bei den 4- bis 12-Jährigen mit durchschnittlich 10,7 Stunden.
Bei den unter 4-Jährigen werden 23% der Kinder 1–9 Stunden pro Woche familienergänzend betreut, 50% nutzen während 10–29 Stunden pro Woche familienergänzende Kinderbetreuung und 27% während 30 Stunden oder mehr.
Demgegenüber wird bei den 4- bis 12-Jährigen über die Hälfte, nämlich 57% während 1–9 Stunden pro Woche familienergänzend betreut. 38% haben eine wöchentliche Betreuungszeit von 10–29 Stunden und nur 5,9% von 30 Stunden oder mehr (Grafik G6).
Das hängt insbesondere damit zusammen, dass die älteren Kinder den Kindergarten oder die obligatorische Schule besuchen und während dieser Zeit keine familienergänzende Betreuung brauchen.
Werden die einzelnen Betreuungsformen angeschaut Da die Kinder teilweise mehrere Betreuungsformen haben, entspricht das nicht unbedingt der Gesamtdauer, während der die Kinder, die die entsprechenden Betreuungsformen nutzen, betreut werden. , fällt auf, dass bei den Grosseltern und den anderen Personen aus dem Umfeld die Anteile der Kinder, die 1–9 Stunden pro Woche betreut werden, mit 60% und 81% höher sind als bei den institutionellen Betreuungsformen wie Kindertagesstätten und schulergänzenden Betreuungseinrichtungen (48%), Nannys, Au-Pairs und Babysitter (52%) und Tagesfamilien (54%, Grafik G7). Umgekehrt gibt es nur wenige Kinder, die 30 Stunden oder mehr pro Woche von den Grosseltern (4,9%) sowie von weiteren Personen aus dem Umfeld betreut werden (3,2%). Eine Betreuungsdauer von 30 Stunden oder mehr ist bei Kindertagesstätten und schulergänzenden Betreuungseinrichtungen mit 11% am häufigsten, gefolgt von Tagesfamilien mit 9,7% sowie Nannys, Au-Pairs und Babysittern mit 8,3%. Dies wiederspiegelt sich auch in der durchschnittlichen wöchentlichen Betreuungszeit, die bei Kindertagesstätten und schulergänzenden Betreuungseinrichtungen mit 13,4 Stunden am höchsten ist. Bei den Grosseltern beträgt sie durchschnittlich 9,9 Stunden und bei den anderen Personen aus dem Umfeld 6,3 Stunden.
4 Kombination von mehreren
Betreuungsformen
Die grosse Mehrheit, nämlich knapp drei Viertel der Kinder haben nur eine Form der familienergänzenden Kinderbetreuung (72%), ein Viertel hat zwei Formen und 3,4% haben drei oder mehr. Die Anteile unterscheiden sich kaum nach dem Alter der Kinder.
Die Nutzung von mehreren Betreuungsformen kann für die Eltern mit einem höheren organisatorischen Aufwand verbunden sein und erfordert mehr Flexibilität. Bei den Kindern führt sie zu mehr unterschiedlichen Bezugspersonen.
Alleinlebende Eltern nehmen für ihre Kinder tendenziell etwas häufiger mehrere Betreuungsformen in Anspruch als Paarhaushalte. 27% der Kinder in Einelternhaushalten haben zwei und 6,5% drei oder mehr Betreuungsformen. Bei Kindern in Paarhaushalten sind die entsprechenden Anteile 24% und 3%. Folglich gibt es bei Letzteren mit 72% etwas mehr Kinder mit nur einer Betreuungsform. Bei den Einelternhaushalten sind es 66%. Ferner zeigen sich auch Unterschiede nach der Herkunft: Bei Kindern mit Schweizer Pass hat fast ein Drittel (31%) zwei oder mehr Betreuungsformen, bei Kindern mit einer ausländischen Nationalität sind es nur ein Fünftel. Dementsprechend liegt der Anteil der Kinder mit nur einer Betreuungsform bei ihnen rund 10 Prozentpunkte höher als bei den Kindern mit Schweizer Staatsangehörigkeit (Grafik G8). Dabei gibt es kaum Unterschiede zwischen den ausländischen Kindern mit einer nord- oder westeuropäischen, einer südeuropäischen oder einer anderen Nationalität.
5 Zufriedenheit
Wie hoch die Zufriedenheit der Familien in der Schweiz mit der institutionellen und nicht institutionellen Betreuung ihrer Kinder im Vorschul- und Schulalter ist, wird auf einer Skala von 0 «gar nicht zufrieden» bis 10 «sehr zufrieden» gemessen.
Im Jahr 2018 bezeichneten sich fast neun von zehn Eltern (87%) als «zufrieden» und «sehr zufrieden» (Werte von 8–10) mit den genutzten institutionellen Betreuungsleistungen, d. h. Kindertagesstätten, schulergänzende Betreuungseinrichtungen sowie Tagesfamilien, die einem Netzwerk angehören (Grafik G9).
64% waren «sehr zufrieden» (Werte von 9–10) mit der institutionellen Betreuung. Eine immer noch hohe Zufriedenheit (Wert 8) mit der Betreuung nannten noch etwa ein Viertel (23%) der Eltern. Nur etwa ein Achtel gaben Werte von «mittelmässig zufrieden» (Werte 6–7) über «kaum» bis «nicht oder gar nicht zufrieden» (Werte 5–0) an.
Noch deutlich positiver ist die Zufriedenheit mit der nicht institutionellen Betreuung, also mit den Grosseltern, mit anderen Personen aus dem Umfeld, mit Nannys, Au-Pairs und Babysittern sowie mit Tagesfamilien, die keinem Netzwerk angehören. Ganze 96% der befragten Eltern erteilten der von ihnen genutzten nicht institutionellen Kinderbetreuung Werte zwischen «zufrieden» und «sehr zufrieden» (Werte von 8–10) und nur gerade 4% gaben eine Beurteilung zwischen «mittelmässig» und «gar nicht zufrieden». Im Vergleich der beiden Kinderbetreuungstypen ist die Zufriedenheit mit den nicht institutionellen Betreuungsformen signifikant höher als mit den institutionellen.
Ergänzend wurden die Eltern gefragt, ob für ihre Kinder ein zusätzlicher, ungedeckter Bedarf an institutioneller Betreuung besteht. Für fast 11% der bereits institutionell betreuten Kinder bestand zum Zeitpunkt der Befragung ein solcher zusätzlicher Bedarf. Als Grund für diese Lücke wurden hauptsächlich finanzielle Gründe genannt und etwas weniger häufig das fehlende Angebot.
Für 7% der Kinder, die im Jahr 2018 gar nicht institutionell betreut wurden, bestünde gemäss den Eltern aber ebenfalls ein Bedarf an institutioneller Betreuung. Auch hierfür wurden hauptsächlich finanzielle Gründe angegeben.
6 Betreute Kinder und Betreuungsplätze
in einigen Städten
Die familienergänzende Kinderbetreuung kann auch aus der Angebotsperspektive untersucht werden. Wie einleitend erwähnt, sind zur Angebotsseite Angaben für Städte verfügbar, die an den Projekten Cercle Indicateurs und City Statistics teilnehmen. Es wird ausschliesslich die Betreuung von Kindern im Vorschulalter, d. h. von 0- bis 3-Jährigen, berücksichtigt (siehe Kasten für weitere Informationen dazu).
Der Anteil in einer Einrichtung oder in einer Tagesfamilie betreuter Kinder im Vorschulalter variiert in den untersuchten Städten relativ stark, und zwar von 247 Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren pro 1000 in Bülach wohnhaften Kindern derselben Altersgruppe bis hin zu 945 pro 1000 in Baden (Grafik G10). Baden und Zürich weisen bei Kleinkindern einen sehr hohen Deckungsgrad auf.
Diese Daten zeigen jedoch nicht, wie viele der betreuten Kinder aus der jeweiligen Stadt stammen. Eine hohe Anzahl betreuter Kinder pro wohnhafte Kinder könnte auch darauf zurückzuführen sein, dass in der entsprechenden Stadt viele Kinder betreut werden, deren Eltern dort arbeiten aber nicht dort wohnen. Dies dürfte besonders häufig bei Kindern in Arbeitgeberkrippen zutreffen.
Unter den betrachteten Städten hat Baden auch die höchste Quote an Plätzen, insgesamt sowie subventionierte, pro 1000 Kinder im Vorschulalter (0–3 Jahre, Grafik G11). Illnau-Effretikon hat mit 140 Plätzen insgesamt bzw. 110 subventionierten Plätzen pro 1000 Kinder im Vorschulalter die niedrigste Quote. Seit 2014 ist das Angebot an Plätzen (total und subventioniert) in den betrachteten Städten insgesamt gestiegen.
Die Subventionierung von Kinderbetreuungsplätzen kann verschiedene Formen annehmen, was die Vergleichsmöglichkeiten zwischen den Städten einschränkt. Darüber hinaus berücksichtigt der Indikator weder den Grad der Subventionierung noch die Einkommensschwellen, die den Zugang zu den subventionierten Plätzen bestimmen. Auch die finanzielle Unterstützung von Arbeitgebern für Eltern wird nicht berücksichtigt.
Mehrere Städte wie Bern, Binningen, Bülach, Luzern, St. Gallen und Winterthur betreiben ein System von Betreuungsgutscheinen, das Kinder statt Kinderbetreuungsplätze subventioniert. Dies bedeutet, dass theoretisch alle Kinderbetreuungsplätze subventioniert sein können, da die Eltern den Gutschein in jeder Einrichtung des Systems verwenden dürfen.
Diese Zahlen deuten auf ein regional sehr unterschiedliches Kinderbetreuungsangebot, auf das im nächsten Kapitel aus der Nutzungsperspektive näher eingegangen wird.
Die Erhebung über das Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung wird im Rahmen des Cercle Indicateurs (CI) und der City Statistics (CiStat) bei den Partnerstädten dieser Projekte durchgeführt.
Der Entscheid, die Erhebung auf Kinder im Vorschulalter (0–3 Jahre) zu beschränken, ist auf die grossen Unterschiede zwischen den Kantonen und Städten in der Betreuung von Kindern im Schulalter zurückzuführen.
Die Interpretation der Daten erfordert grosse Vorsicht. Die Partnerstädte der CI- und CiStat-Projekte, die Hauptnutzende der Daten, sind in der Lage, die Daten in den Kontext zu stellen.
7 Unterschiedliche regionale Nutzung
familienergänzender Kinderbetreuung
In den vorangehenden Kapiteln wurde die familienergänzende Kinderbetreuung auf der Ebene der betreuten Kinder untersucht. Im vorliegenden und im nächsten Kapitel wird die Perspektive auf die Ebene der Haushalte gewechselt. Die familienergänzende Kinderbetreuung wird regional sehr unterschiedlich genutzt, was unter anderem mit der Verfügbarkeit von Betreuungsangeboten zusammenhängt.
7.1 Deutschschweiz, Romandie
und italienische Schweiz
In der französischsprachigen Schweiz nehmen fast drei Viertel der Haushalte mit Kindern unter 13 Jahren familienergänzende Kinderbetreuung in Anspruch (72%), in der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz sind es rund zwei Drittel (67% bzw. 64%, Grafik G12).
Über die Hälfte der Familien in der Romandie nutzen institu-tionelle Betreuungsangebote (54%), 31% ausschliesslich und 23% kombiniert mit nicht institutionellen Betreuungsformen. Knapp ein Fünftel (19%) beansprucht ausschliesslich nicht institutionelle Betreuung. Insgesamt nutzen also 42% der Haushalte mit Kindern unter 13 Jahren in der französischen Schweiz nicht institutionelle Betreuung. Im Gegensatz dazu ist in den deutsch- und italienischsprachigen Landesteilen mit je rund der Hälfte der Haushalte (47% bzw. 51%) hauptsächlich die nicht institutionelle Kinderbetreuung vorherrschend. Beide Typen kombiniert kommen in 15% der Haushalte in der Deutschschweiz und in 13% jener der italienischen Schweiz zum Einsatz. Ausschliesslich institutionelle Betreuung wird mit 20% in der Deutschschweiz häufiger genutzt als in der italienischen Schweiz (13%), jedoch deutlich weniger als im französischsprachigen Landesteil (31%).
Diese Ergebnisse widerspiegeln das aus diversen Studien bekannte umfangreichere Angebot in der französischsprachigen Schweiz und werden bei Betrachtung der einzelnen Betreuungsformen bestätigt.
Die am häufigsten in Anspruch genommene Betreuungsform in der Romandie ist diejenige der Kindertagesstätten und schul-ergänzenden Betreuung (48%), die zum Typ der institutionellen Betreuung gehört (Grafik G13). Tagesfamilien werden mit 11% in der französischsprachigen Schweiz ebenfalls mehr genutzt als in der übrigen Schweiz. Mehr als ein Drittel (36% bzw. 37%) der Familien in der Deutschschweiz und italienischsprachigen Schweiz stützen sich bei der Kinderbetreuung in erster Linie auf den nicht institutionalisierten Rahmen ab und lassen ihre Kinder von den Grosseltern betreuen. In der Romandie sind es mit 30% etwas weniger. Unabhängig vom Landesteil kommen für die Betreuung in rund einer von zehn Familien mit Kindern unter 13 Jahren weitere Personen aus dem Umfeld zum Einsatz, beispielsweise andere Verwandte, Nachbarn oder Freunde.
7.2 Grossstädte, städtische und ländliche Gebiete
Ob die Familie in einer Grossstadt, in einer anderen städtischen Gemeinde oder in einem ländlichen Gebiet lebt, beeinflusst die Inanspruchnahme von familienergänzender Kinderbetreuung ebenfalls. Die grosse Mehrheit (81%) der in Grossstädten lebenden Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 12 Jahren lassen ihre Kinder fremdbetreuen (Grafik G14). Deutlich weniger tun es Familien in anderen städtischen und in ländlichen Gebieten: je 66%. Nach Betreuungstyp betrachtet zeigt sich, dass in Grossstädten die institutionalisierte Betreuung am häufigsten genutzt wird: 41% der Familien stützen sich ausschliesslich auf institutionalisierte Kinderbetreuung, 22% nutzen diese kombiniert mit nicht institutionalisierter Betreuung. Ausschliesslich nicht in-stitutionalisierte Betreuung nehmen in Grossstädten nur 17% in Anspruch. In ländlichen Gebieten ist es genau umgekehrt: 38% nutzen ausschliesslich die nicht institutionalisierte Betreuung, 13% kombinieren die beiden Betreuungstypen und nur 16% lassen ihre Kinder ausschliesslich in einem institutionalisierten Rahmen betreuen.
Die Inanspruchnahme der einzelnen Betreuungsformen bestätigt dieses Bild. Haushalte in Grossstädten nutzen deutlich häufiger eine Krippe oder eine schulergänzende Betreuungseinrichtung (62%) als Eltern in anderen städtischen Gemeinden oder in ländlichen Regionen (37% bzw. 24%, Grafik G15). Letztere stützen sich häufiger auf die Grosseltern (40%) im Vergleich zu jenen in anderen städtischen Gebieten (33%) und in Grossstädten (26%). Familien auf dem Land lassen ihre Kinder auch etwas mehr in Tagesfamilien betreuen als Grossstadtfamilien (8,7% bzw. 2,8%).
Familien in der französischsprachigen Schweiz und solche, die in Grossstädten leben, beanspruchen häufiger zwei oder mehr Betreuungsformen als jene von anderen Sprachregionen und anderen städtischen sowie ländlichen Gebieten (Grafik G16).
7.3 Kinderbetreuung in den Kantonen
Die sprachregionalen Differenzen der Nutzung von Kinderbetreuungsformen durch die Familienhaushalte sowie die Unterschiede nach städtischen und ländlichen Gebieten zeigen sich auch in den Ergebnissen nach Kantonen. In französischsprachigen Kantonen, städtischen Kantonen wie Basel-Stadt und Genf sowie Kantonen mit einer Grossstadt wie Zürich nehmen über 70% der Eltern familien- und schulergänzende Kinderbetreuung in Anspruch, hauptsächlich die institutionalisierten Formen (Karte G17), insbesondere die Kindertagesstätten und schulergänzende Betreuung (auf den ersten Stellen GE 61% und BS 56%, Karte G18). In eher ländlichen Kantonen der Deutschschweiz und im Tessin kommt mehrheitlich die nicht institutionalisierte Betreuung zum Zuge (z. B. GR 65% und VS 53%). Dabei greifen die Eltern vor allem auf die Grosseltern zurück: von 26% bzw. 28% in den Kantonen Genf und Waadt bis zu 43% im Kanton Basel-Landschaft (Karte G19). Tagesfamilien werden in den Kantonen Jura (15%) und Waadt (13%) am häufigsten genutzt. Nannys, Au-Pairs und Babysitter sind mit 14% in den Familien des Kantons Genf am weitesten verbreitet. Weitere Personen aus dem Umfeld kommen in den Kantonen Aargau und Bern in rund 14% der Haushalte zum Einsatz und nur in halb so vielen im Kanton Waadt (7%).
8 Familienergänzende Kinderbetreuung
in Familien mit Migrationshintergrund
Haushalte mit Migrationshintergrund nehmen signifikant weniger häufig familienergänzende Betreuung für ihre 0- bis 12-jährigen Kinder in Anspruch als Haushalte ohne Migrationshintergrund (64% gegenüber 71%, Grafik G20). Der Anteil der gemischten Haushalte, die familienergänzende Kinderbetreuung nutzen, ist gleich hoch wie jener der Haushalte ohne Migrationshintergrund.
Haushalte mit Migrationshintergrund werden in der Erhebung zu Familien und Generationen (EFG) wie folgt definiert:
Der Migrationsstatus der Zielperson und derjenige des Partners oder der Partnerin im Haushalt werden berücksichtigt (bei einem Einelternhaushalt wird nur der Migrationsstatus der Zielperson berücksichtigt).
Die Zielperson gilt als ohne Migrationshintergrund, wenn:
– sie von Geburt an Schweizerin ist und mindestens ein
Elternteil in der Schweiz geboren wurde, oder
– sie eingebürgert und in der Schweiz geboren ist und ihre beiden Eltern ebenfalls in der Schweiz geboren sind.
Entspricht sie keinem dieser beiden Fälle, wird sie als Person mit Migrationshintergrund betrachtet.
Der Partner oder die Partnerin im Haushalt gilt als Person ohne Migrationshintergrund, wenn er oder sie von Geburt an Schweizer bzw. Schweizerin ist, und mit Migra-tionshintergrund, wenn er oder sie eingebürgert wurde oder eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt.
Wenn die Zielperson und ihr/e Partner/in einen unterschiedlichen Migrationsstatus haben, werden sie als gemischter Haushalt betrachtet.
Die genutzten Betreuungsformen hängen unter anderem mit den finanziellen Möglichkeiten sowie mit dem familiären und sozialen Umfeld zusammen. Die meistgenutzte Betreuungsform von Haushalten mit Migrationshintergrund mindestens eines der beiden Elternteile sind mit 42% Kindertagesstätten und schulergänzende Kinderbetreuung (Grafik G21). Diese kommen in 30% der Familien ohne Migrationshintergrund zum Zuge. Die bei Letzteren häufigste Betreuungsform sind die Grosseltern (49%), die hingegen für Eltern mit Migrationshintergrund meist nicht verfügbar sind, weil sie nicht in der Nähe wohnen. Nur 16% stützen sich auf Betreuung durch die Grosseltern. In gemischten Haushalten werden sie in 40% der Fälle in Anspruch genommen. Nannys, Au-Pairs und Babysitter gehören zu den deutlich seltener genutzten Formen, kommen aber in Familien mit Migrationshintergrund häufiger zum Einsatz als in jenen ohne (6,7% bzw. 3,6%). Bei den übrigen Betreuungsformen (Tagesfamilien und Personen aus dem Umfeld, ausgenommen Grosseltern) sind keine Unterschiede zwischen Haushalten mit und ohne Migrationshintergrund festzustellen.
9 Enkelkinderbetreuung
Grosseltern leisten in der Schweiz einen sehr grossen Beitrag an die familienergänzende Kinderbetreuung. In den vorangehenden Kapiteln kommt dies sehr deutlich zum Ausdruck. Ein Drittel der Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren können auf regelmässige Betreuung durch ihre Grosseltern zählen: 40% der 0- bis 3-Jährigen und 29% der 4- bis 12-Jährigen (vgl. Kapitel 2). 23% der Ersteren bzw. 17% der Letzteren werden ausschliesslich von ihren Grosseltern betreut, die übrigen 17% und 12% hingegen kombiniert mit einer oder mehreren anderen Betreuungsformen.
Wechseln wir die Perspektive zu den Grosseltern, die ihre Enkelkinder betreuen. Die meisten Grosseltern mit Enkelkindern unter 13 Jahren betreuen diese regelmässig oder gelegentlich (72%): 40% passen mindestens einmal pro Woche auf ihre Enkelkinder auf, 18% mindestens einmal im Monat und 14% weniger als einmal pro Monat oder während den Ferien. Lediglich 28% hüten ihre Enkelkinder nie. Grossmütter betreuen ihre Enkelkinder häufiger als Grossväter (Grafik G22).
Gut die Hälfte der Grosseltern, die ihre Enkelkinder mindestens einmal pro Woche betreuen, wendet dafür wöchentlich zwischen 1 und 9 Stunden auf (52% der Grossmütter und 53% der Grossväter). Knapp ein Fünftel betreut die Enkelkinder während 20 Stunden oder mehr (19% bzw. 18%). Die aufgewendete Zeit variiert nur geringfügig nach Geschlecht (Grafik G23).
In den meisten Fällen erfolgt die Betreuung bei den Grosseltern (60%) oder abwechslungsweise bei den Grosseltern und bei den Enkelkindern (20%). Bei knapp einem Fünftel hüten die Grosseltern ausschliesslich im Haushalt der Enkelkinder (Grafik G24).
Aus makroökonomischer Perspektive belief sich in der Schweiz die unbezahlte Betreuung von Kindern im Rahmen der informellen Freiwilligenarbeit auf 223 Mio. Stunden im Jahr 2016 (Grafik G25). Davon wurden 69 Mio. Stunden von Männern und 153 Mio. Stunden von Frauen geleistet. Das Zeitvolumen der Enkelkinderbetreuung beträgt 160 Mio. Stunden und ist 2,5 Mal so gross wie das für die Betreuung von anderen verwandten oder nicht verwandten Kindern, das sich auf 63 Mio. Stunden beläuft.
Bei geschätzten Arbeitskosten nach vergleichbaren Berufsgruppen von Fr. 50.90 pro Stunde, entsprechen die im Jahr 2016 geleisteten 223 Mio. Stunden unbezahlte Kinderbetreuung einem «fiktiven» Geldwert von 11,3 Mia. Franken. Die Enkelkinderbetreuung alleine wird auf einen Geldwert von über 8 Milliarden geschätzt.
Mit dem «fiktiven» Geldwert der unbezahlten Arbeit wird geschätzt, wie viel die privaten Haushalte einer über den Markt engagierten Person für die Ausführung dieser unbezahlten Arbeiten bezahlen müssten. Als Vergleichsgrössen dienen die durchschnittlichen Arbeitskosten nach Berufsgruppen mit vergleichbaren Tätigkeiten.
10 Kosten der Kinderbetreuung
Die Kosten der familien- und schulergänzenden Kinderbetreuung sind aufgeteilt zwischen öffentlicher Hand, privaten Trägern und den Familien, die diese Betreuungsangebote nutzen. Ein Einblick in drei Teilbereiche der Kosten ist in den folgenden Unterkapiteln dargestellt.
10.1 Die Kosten im Haushaltsbudget
Von allen Haushalten mit Kindern von 0 bis 12 Jahren weisen 41% mindestens eine Ausgabe im Bereich der familienergänzenden Kinderbetreuung auf. Im Durchschnitt belaufen sich diese Ausgaben auf 619 Franken pro Monat und Haushalt. Das entspricht 4,4% des mittleren Bruttoeinkommens dieser Haushalte.
Der Hauptanteil, nämlich durchschnittlich 536 Franken pro Monat und Haushalt, entfällt auf die Kosten für Kindertagesstätten und schulergänzende Betreuungseinrichtungen. Für Tages-familien werden dagegen nur 45 Franken ausgegeben und für Nannys, Au-Pairs und Babysitter 38 Franken pro Monat und Haushalt.
Unter den Haushalten mit mindestens einer Ausgabe für familienergänzende Kinderbetreuung gibt es 85% mit Ausgaben für Kindertagesstätten und schulergänzende Betreuungseinrichtungen, jedoch nur 12% mit Ausgaben für Tagesfamilien bzw. 15% mit Ausgaben für Nannys, Au-Pairs und Babysitter.
Dabei weisen einige der Haushalte auch Ausgaben für zwei oder gar für alle drei Betreuungskategorien auf (Grafik G26).
Teilt man die Haushalte mit mindestens einer Ausgabe für familienergänzende Kinderbetreuung in Einkommensklassen auf, zeigt sich, dass die Höhe dieser Ausgaben sehr stark mit dem mittleren verfügbaren Einkommen zusammenhängt.
Während die Haushalte des untersten Drittels, mit einem mittleren verfügbaren Einkommen von 5825 Franken pro Monat im Durchschnitt 314 Franken für familienergänzende Kinderbetreuung ausgeben, belaufen sich diese Ausgaben beim obersten Drittel, mit einem mittleren verfügbaren Einkommen von 15 280 Franken pro Monat, auf 963 Franken monatlich (Grafik G27).
Die Ausgaben der Haushalte für die familienergänzende Kinderbetreuung basieren auf einer Dreijahresgruppierung der Zahlen der Haushaltsbudgeterhebung 2015 bis 2017.
Bei der Haushaltsbudgeterhebung werden die Ausgaben während eines Monats systematisch erfasst. Das erlaubt neben der Erfassung von regelmässigen Ausgaben auch die Erhebung sporadischer Ausgaben, wie einen aussergewöhnlichen Einsatz eines Babysitters oder eine Mahlzeit in einer Schulkantine, die nur ausnahmsweise anfällt. Deswegen sind bei dieser Betrachtung die Anteile der Haushalte mit Ausgaben für Kinderbetreuung tendenziell eher höher als bei Befragungen, die sich auf eine «gewöhnliche» Woche beziehen.
Bei den Ausgaben werden drei Formen von familien-ergänzender Kinderbetreuung unterschieden, wobei diese drei Formen auch koexistieren können:
– Kindertagesstätte, schulergänzende Betreuungseinrichtungen und Tagesschule (inkl. Mahlzeiten);
– Tagesfamilie (einem Netzwerk angehörend und privat; inklusive Mahlzeiten);
– Nanny, Au-Pair, Babysitter sowie weitere Personen aus dem Umfeld.
Interessanterweise bleibt dabei der Anteil der Ausgaben für familienergänzende Kinderbetreuung am Bruttoeinkommen relativ stabil. Im untersten Drittel machen diese Ausgaben 4,0% des Bruttoeinkommens aus, im mittleren Drittel 4,6% und im obersten Drittel 4,4%.
Auffällig ist ausserdem, dass der Anteil der Haushalte mit Ausgaben für Nannys, Au-Pairs und Babysitter im obersten Drittel mit 22% deutlich höher liegt als bei den anderen beiden Dritteln mit Anteilen von jeweils 11%.
10.2 Die Kosten pro Kind
Betrachtet man die Kosten pro Kind, zeigt sich, dass Haushalte mit Kindern von 0–12 Jahren durchschnittlich rund 465 Franken pro Monat und Kind für deren Betreuung in Kindertagesstätten und schulergänzenden Betreuungseinrichtungen ausgeben (Grafik G28).
Bei der Differenzierung dieser Ausgaben nach Altersklassen und Haushaltseinkommen zeigen sich sehr grosse Unterschiede: Während pro Kind von 0 bis 3 Jahren in einem Haushalt des obersten Drittels im Durchschnitt 1160 Franken pro Monat für die Kategorie «Kindertagesstätte, schulergänzende Betreuung und Tagesschule» ausgegeben werden, beläuft sich dieser Betrag auf 403 Franken pro Monat und Kind in einem Haushalt des untersten Drittels.
Bei den älteren Kindern von 4 bis 12 Jahren betreffen diese Ausgaben vor allem schulergänzende Betreuung wie Tagesschulen, Tagestrukturen und Mittagstische. In dieser Altersklasse sind die Beträge deutlich tiefer; jedoch fallen auch hier die Unterschiede nach Einkommensklasse ins Auge: Pro Kind von 4 bis 12 Jahren in einem Haushalt des obersten Drittels werden hierfür im Durchschnitt 354 Franken pro Monat ausgegeben; der entsprechende Betrag für ein Kind des untersten Drittels beläuft sich auf 158 Franken pro Monat.
10.3 Ausgaben der Kantone
In der Finanzstatistik zu den öffentlichen Bildungsausgaben der Kantone und ihrer Gemeinden sind Angaben über die Tages-betreuung verfügbar. Diese umfasst die ausserfamiliäre Tagesbetreuung, inklusive Verpflegung, von Kindern und Jugendlichen. Kindertagesstätten sind ausgeschlossen. Somit deckt sich diese Definition mit der in der vorliegenden Publikation verwendeten Bezeichnung der schulergänzenden Kinderbetreuung.
Mit dem Ausbau des schulergänzenden Kinderbetreuungsangebots in den letzten Jahren sind die Ausgaben der Kantone deutlich gestiegen. Im Jahr 2017 wendete der Kanton Zürich 3,1% der gesamten Bildungsausgaben für die Tagesbetreuung auf, gefolgt vom Kanton Neuenburg mit 2,9% (Tabelle T1). Die Kantone Genf und Bern gaben mit 2,2% bzw. 2,0% ebenfalls vergleichsweise hohe Anteile aus. In einer Zeitspanne von zehn Jahren, von 2008 bis 2017, sind die Ausgaben je nach Kanton unterschiedlich stark gestiegen. Zürich und Genf hatten schon vor zehn Jahren die anteilsmässig höchsten Ausgaben (1,6% und 1,3%). Die Ausgaben haben sich in allen Kantonen vervielfacht, was mit der allgemeinen (Weiter-)Entwicklung des Kinderbetreuungsangebots und mit dem vom Bund im Jahr 2003 eingeführten Impulsprogramm im Zusammenhang steht. Dieses stellt unter anderem Finanzhilfen für die Schaffung von familienergänzenden Betreuungsplätzen für Kinder im Vorschul- und Schulalter bereit (vgl. Fussnote 1).
Anteil öffentliche Ausgaben für Tagesbetreuung am Total der Bildungsausgaben
der Kantone und ihrer Gemeinden, 2008–2017
In %
T1
| 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Schweiz | 0,5 | 0,6 | 0,7 | 0,9 | 1,1 | 1,2 | 1,4 | 1,4 | 1,5 | 1,6 |
| Zürich | 1,6 | 1,8 | 2,1 | 2,6 | 2,6 | 2,8 | 2,8 | 3,0 | 3,0 | 3,1 |
| Bern | 0,2 | 0,3 | 0,6 | 1,1 | 1,2 | 1,4 | 2,2 | 2,2 | 1,9 | 2,0 |
| Luzern | 0,0 | 0,0 | 0,4 | 0,4 | 0,5 | 0,6 | 0,7 | 0,8 | 0,7 | 0,8 |
| Uri | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,4 | 0,4 |
| Schwyz | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,3 | 0,3 |
| Obwalden | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,3 | 0,4 | 0,4 |
| Nidwalden | 0,1 | 0,2 | 0,4 | 0,3 | 0,4 | 0,5 | 0,5 | 0,6 | 0,6 | 0,6 |
| Glarus | 0,1 | 0,3 | 0,3 | 1,1 | 1,2 | 1,4 | 1,6 | 1,6 | 1,7 | 1,8 |
| Zug | 0,5 | 0,6 | 0,7 | 0,8 | 0,9 | 0,9 | 1,0 | 1,2 | 1,4 | 1,4 |
| Freiburg | 0,3 | 0,3 | 0,3 | 0,4 | 0,4 | 0,6 | 0,7 | 0,8 | 0,8 | 0,9 |
| Solothurn | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,3 | 0,3 |
| Basel-Stadt | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 1,1 | 1,1 | 1,3 | 1,4 | 1,5 |
| Basel-Landschaft | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,3 | 0,4 | 0,6 | 0,7 | 0,7 | 0,8 |
| Schaffhausen | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 |
| Appenzell A.Rh. | 0,2 | 0,3 | 0,3 | 0,3 | 0,3 | 0,5 | 0,5 | 0,5 | 0,6 | 0,6 |
| Appenzell I-Rh. | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 | 0,0 |
| St. Gallen | 0,3 | 0,4 | 0,3 | 0,3 | 0,4 | 0,5 | 0,5 | 0,6 | 0,7 | 0,8 |
| Graubünden | 0,0 | 0,0 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,2 | 0,3 | 0,3 | 0,4 | 0,5 |
| Aargau | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,2 | 0,2 | 0,3 | 0,4 | 0,4 | 0,4 |
| Thurgau | 0,0 | 0,1 | 0,1 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,4 | 0,4 |
| Tessin | 0,8 | 0,8 | 0,9 | 1,3 | 1,3 | 1,4 | 1,7 | 1,8 | 2,0 | 1,9 |
| Waadt | 0,0 | 0,0 | 0,6 | 1,3 | 1,5 | 1,5 | 1,5 | 1,5 | 1,6 | 1,6 |
| Wallis | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,2 | 0,5 | 0,7 | 1,0 | 1,0 | 1,2 | 1,2 |
| Neuenburg | 0,4 | 0,4 | 0,6 | 0,8 | 1,6 | 1,6 | 1,8 | 2,6 | 2,9 | 2,9 |
| Genf | 1,3 | 1,3 | 1,4 | 1,4 | 1,7 | 1,6 | 1,9 | 2,0 | 2,1 | 2,2 |
| Jura | 0,0 | 0,0 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,2 | 0,1 | 0,2 | 0,2 | 0,2 |
Stand: 5.9.2019
Quellen: BFS – Öffentliche Bildungsausgaben (ÖBA); EFV – Finanzstatistik
© BFS 2020
11 Die Kinderbetreuung
im europäischen Vergleich
Kinderbetreuung ist nicht nur in der Schweiz ein wichtiges Thema. Auch in den umliegenden Ländern Europas ist sie von grosser Bedeutung, sei es in Bezug auf den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur oder in Bezug auf Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wo steht die Schweiz heute im Vergleich mit Ländern aus dem europäischen Umfeld, wenn es um Fremdbetreuung geht? Wie stark nutzen Eltern in der Schweiz die verschiedenen Betreuungsmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Ländern Europas?
Dieses Kapitel setzt den Fokus auf die Betreuung von Kindern von 0 bis 2 Jahren, denn das Einschulungsalter bzw. das Schulsystem ist je nach Land sehr unterschiedlich geregelt und hat einen entscheidenden Einfluss auf die Organisation der Kinderbetreuung.
In der Schweiz wird für zwei Drittel (66%) der Kinder unter 3 Jahren kein formelles Betreuungsangebot genutzt, was dem europäischen Durchschnitt (65%) entspricht (Grafik G29).
Demgegenüber werden ein Drittel der 0–2-Jährigen während durchschnittlich 6,4 Stunden pro Woche formell betreut. Mehr als 30 Stunden pro Woche werden in der Schweiz nur 6% der Kinder unter 3 Jahren betreut. Im europäischen Durchschnitt werden zwar etwa ebenso viele Kinder (35%) formell betreut. Die durchschnittliche Dauer pro Woche ist mit 9,8 Stunden jedoch höher als in der Schweiz, was auf den mit 20% beträchtlich höheren Anteil an Kindern, die über 30 Stunden die Woche betreut werden, zurück zu führen ist. Deutlich anders ist es beispielsweise in Dänemark, wo mit 63% viel mehr Kinder unter 3 Jahren als in der Schweiz formell betreut werden. Da 55% mehr als 30 Stunden pro Woche betreut werden, liegt die mittlere Betreuungsdauer pro Woche bei 21,2 Stunden. Ebenfalls ganz anders ist es auch in Österreich. Hier werden mit 20% viel weniger Kinder unter 3 Jahren als in der Schweiz formell betreut. Davon werden auch lediglich 7% länger als 30 Stunden pro Woche betreut, was eine durchschnittliche wöchentliche Betreuungsdauer von 4,7 Stunden ergibt.
Andere Betreuungsformen (Privatpersonen, Grosseltern, unabhängige Tagesfamilien, Au-Pairs, usw.) werden in der Schweiz für 40% der Kinder unter 3 Jahren während einer durchschnittlichen Dauer von 5,8 Stunden pro Woche in Anspruch genommen. Lediglich für 3% der Kinder ist es für 30 Stunden oder mehr pro Woche (Grafik G30). Diese anderen Betreuungsmöglichkeiten spielen in der Schweiz eine bedeutendere Rolle als in anderen Ländern Europas. Im europäischen Durchschnitt werden sie nur für 28% der Kinder genutzt, dies aber mit durchschnittlich 5,5 Stunden pro Woche etwa gleich lang wie in der Schweiz. Einen sehr grossen Unterschied zur Schweiz findet man beispielsweise in Schweden, wo diese anderen Betreuungsmöglichkeiten kaum eine Rolle zu spielen scheinen. So werden sie lediglich für knapp 2% der Kinder während durchschnittlich 0,5 Stunden pro Woche in Anspruch genommen.
Ausschliesslich durch die Eltern werden in der Schweiz 43% der Kinder betreut. Die Schweiz liegt hier nahe am europäischen Durchschnitt (47%). In Deutschland hingegen werden 59% der Kinder und in Portugal 28% der Kinder nur von den Eltern betreut.
Im europäischen Vergleich werden die Begriffe formelle Betreuung (Kindertagesstätten, in einem Netzwerk organisierte Tagesfamilien) und andere Betreuungsmöglichkeiten (Privatpersonen, Grosseltern, unabhängige Tagesfamilien, Au-pair usw.) verwendet. Anders als in den vorangehenden Kapiteln, wird beim Ländervergleich der Schulbesuch zur formellen Kinderbetreuung mitgezählt. Zwecks besserer Vergleichbarkeit liegt der Fokus in diesem Kapitel deshalb auf den Kindern unter drei Jahren, da Kinder in diesem Alter trotz des unterschiedlichen Einschulungsalters in den verschiedenen Ländern in der Regel noch nicht eingeschult sind.
Datenstand
Für sämtliche Auswertungen wurden die aktuellsten Daten benutzt, die bis zum Redaktionsschluss Mitte März 2020 zur Verfügung standen.
Datenquellen
Die Erhebung zu Familien und Generationen (EFG) ist Teil des eidgenössischen Volkszählungssystems. Sie wird vom Bundesamt für Statistik (BFS) seit 2013 in einem Fünfjahresrhythmus durchgeführt; 2018 hat sie zum zweiten Mal stattgefunden. Es handelt sich um eine Stichprobenerhebung anhand von computergestützten, telefonischen Interviews (CATI) und einem anschliessenden schriftlichen Teil (Online- oder Papierfragebogen). Befragt werden Personen der ständigen Wohnbevölkerung in Privathaushalten im Alter von 15 bis 79 Jahren (am Stichtag vom 1. Januar 2018). 16 815 Personen haben an der Erhebung teilgenommen.
Für weitere Informationen: www.efg-d.bfs.admin.ch
Die Erhebung über die Einkommen und Lebensbedingungen (SILC, Statistics on Income and Living Conditions) ist eine europaweit koordinierte Erhebung, die jedes Jahr in über 30 Ländern durchgeführt wird. In der Schweiz basiert die Erhebung auf einer Stichprobe von rund 7000 Haushalten mit etwa 16 000 Personen, die mit einem Zufallsverfahren aus dem Stichprobenrahmen für Personen- und Haushaltserhebungen (SRPH) des BFS gezogen werden. Die Erhebung wird als telefonische Befragung durchgeführt. Grundgesamtheit ist die ständige Wohnbevölkerung in Privathaushalten. Für weitere Informationen:
www.silc.bfs.admin.ch
Das Modul «Unbezahlte Arbeit» wird seit 1997 alle drei bis vier Jahre im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) durchgeführt und erhebt Daten zu Haus-, Familien- und Freiwilligenarbeit in der Schweiz. Es werden die verschiedenen Typen unbezahlter Arbeit und der dafür investierte Zeitaufwand erfasst.
Für weitere Informationen:
www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/erhebungen/sake-ua.html
Mit dem Satellitenkonto Haushaltsproduktion (SHHP) wird der monetäre Wert der unbezahlten Arbeit in Bezug gesetzt zur gesamten Bruttowertschöpfung der Schweiz. Die Basis für das SHHP bilden die produktiven Leistungen der privaten Haushalte, welche nicht über den Markt abgewickelt werden, d. h. der Zeitaufwand für unbezahlte Arbeiten von Privatpersonen (z. B. für Hausarbeit, Betreuungsaufgaben, Freiwilligenarbeit). Diese werden mittels einer Marktkostenmethode mit einem Arbeitskostenansatz monetär geschätzt, damit sie als «fiktiver» Geldfluss mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) verglichen werden können.
Für weitere Informationen:
www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/erhebungen/shhp.html
Die Erhebung über das Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung wird im Rahmen des Cercle Indicateurs (CI) und der City Statistics (CiStat) seit 2014 alle zwei Jahre bei den Partnerstädten dieser Projekte durchgeführt. Ihr Hauptziel ist es, den spezifischen Informationsbedarf dieser beiden Projekte zu decken. Der CI ist ein System von Indikatoren der nachhaltigen Entwicklung für Städte und Kantone und verwendet die Anzahl der subventionierten Kinderbetreuungsplätze pro 1000 Kinder im Vorschulalter (0–3 Jahre) als Indikator für die Bemühungen der Städte, die Chancengleichheit, insbesondere zwischen Frauen und Männern, zu fördern. CiStat – früher Urban Audit – bietet Informationen über die Lebensbedingungen in den Städten auf europäischer Ebene. In der Schweiz dienen die Daten zu den betreuten Kindern im Vorschulalter sowie die Anzahl der Gesamt- und subventionierten Plätze pro 1000 Kinder derselben Altersgruppe als Indikatoren für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Für weitere Informationen:
Cercle Indicateurs: www.cercleindicateurs.bfs.admin.ch
City Statistics: www.urbanaudit.ch
Die Haushaltsbudgeterhebung (HABE) hat zum Ziel, die Haushaltsbudgets der Wohnbevölkerung in der Schweiz detailliert zu erfassen. Die Erhebung läuft seit dem 1. Januar 2000 kontinuierlich. So nehmen auch im aktuellen Monat rund 250 Haushalte daran teil. Sie werden nach einem Zufallsverfahren aus dem Stichprobenregister des BFS ausgewählt. Die Gesamtheit ist die ständig innerhalb der schweizerischen Grenzen wohnhafte Bevölkerung. Die Erhebungseinheit ist der private Haushalt. Die Haushaltsbudgeterhebung wird anhand telefonischer Interviews und schriftlicher Fragebögen realisiert.
Um genügend präzise Resultate für kleinere Bevöl-kerungsgruppen zu erhalten, werden mehrere aufeinanderfolgende Jahre der HABE zusammengelegt, so dass die Stichprobe vergrössert und folglich die Qualität der Ergebnisse verbessert werden kann. Resultate von zusammengelegten Stichproben werden alle drei Jahre publiziert. Die jüngste Serie basiert auf den Jahren 2015 bis 2017 mit 9955 Haushalten.
Für weitere Informationen: www.habe.bfs.admin.ch
Die Statistik der öffentlichen Bildungsausgaben (ÖBA) liefert Informationen zur Bildungsfinanzierung der öffentlichen Hand. Jährlich berechnet und publiziert das BFS Indikatoren und Kennzahlen zur Beteiligung von Bund, Kantonen und Gemeinden an der Finanzierung der 26 kantonalen Schulsysteme. Datengrundlage ist die Finanzstatistik der Eidgenössischen Finanzverwaltung (EFV). Die Daten zu den Ausgaben der Kantone für Tagesbetreuung werden in diesem Detaillierungsgrad von der EFV nicht veröffentlicht. Daher publiziert das BFS die Zahlen nur als Prozentanteile an den gesamten Bildungsausgaben der Kantone und ihrer Gemeinden.
Für weitere Informationen:
www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bildung-wissenschaft/erhebungen/oeba.html