Im Folgenden werden die Wahlergebnisse der Parteien von 2019 in den einzelnen Kantonen beschrieben. Dabei werden die Kantonsergebnisse der einzelnen Parteien in zweifacher Hinsicht analysiert. Zuerst steht die Stärke der Parteien in den Kantonen im Zentrum (mit Basis Kanton = 100%). Es wird beschrieben, wie stark die Partei im Vergleich zu anderen Parteien ist und wie sich die Parteistärke im Vergleich zu den letzten Wahlen und ausgewählter früherer Wahlen verändert hat.
Darauf wird das nationale Verankerungsmuster der Parteien dargestellt. Dieses zeigt auf, wie stark die einzelnen Kantonalparteien einer bestimmten Partei zu deren nationalem Ergebnis beigetragen haben (mit Basis Partei = 100%). Normalerweise kommen aus den grossen Kantonen (namentlich ZH, BE und VD) mehr Stimmen für eine Partei als aus kleinen Kantonen, was interessanterweise für eine Partei wie die CVP nicht der Fall ist.
Grüne legen vor allem in der Romandie zu
Nach ihren beiden Wahlniederlagen von 2011 und 2015 steigerten die Grünen (GPS) ihre Parteistärke um 6,1 Prozentpunkte auf 13,2%, das beste nationale Wahlergebnis ihrer Geschichte. Die Grünen gewannen in jedem Kanton an Parteistärke hinzu, ausser im Majorzkanton Uri, wo sie 2019 nicht mehr zur Wahl antraten. Aufgrund des demografischen Gewichts sind die Wahlergebnisse in den Kantonen Zürich und Bern für die nationale Parteistärke besonders wichtig. In Zürich steigerten sich die Grünen um 7,2 Prozentpunkte auf 14,1% und in Bern um 5,1 Punkte auf 13,6%.
Besonders stark zugelegt haben die Grünen in den französischsprachigen Kantonen Genf (+13,1 Prozentpunkte), Neuenburg (+11,5) und Waadt (+8,4) sowie im Kanton Zug (+12,1 Punkte). Überdurchschnittlich war die Steigerung auch im Kanton Tessin (+8,6 Punkte auf 12,1%). In Genf sind die Grünen nun mit 24,6% die mit Abstand stärkste Partei. In Neuenburg (20,8%) und in der Waadt (19,7%) sind die Grünen zur zweit- bzw. drittstärksten Partei avanciert. Sehr stark sind die Grünen auch in Zug (19,2%), in Basel-Landschaft (18%) und in Basel-Stadt (17,7%).
Hinsichtlich des nationalen Verankerungsmusters (GPS = 100%) stellen die Grünen in Zürich, Bern und Waadt die wählermässig wichtigsten Stützen der Grünen dar. Bei den Nationalratswahlen 2019 kamen 18,4% aller Wählerstimmen der Grünen aus Zürich, 14,8% aus Bern und 11,3% aus der Waadt. Im Vergleich zu den Nationalratswahlen 2015 hat der Einfluss der Züricher Grünen auf das nationale Ergebnis zugenommen, ebenso der Einfluss der Grünen in den meisten französischsprachigen Kantonen (FR, VS, NE, GE), im Tessin sowie in Zug. An Einfluss auf die nationale Parteistärke eingebüsst haben dagegen die Grünen in den Kantonen Bern und Basel-Landschaft.
Fast jede dritte grünliberale Stimme kommt aus Zürich
Die Grünliberalen (GLP) erzielten bei den jüngsten Nationalratswahlen das beste Wahlergebnis (7,8%) ihrer noch jungen Geschichte. Gegenüber den Wahlen von 2015 steigerten sie ihre Parteistärke um 3,2 Prozentpunkte.
Hochburg der GLP ist Zürich. Sie steigerte sich dort um 5,8 Prozentpunkte auf 14,0%, womit sie mit den Grünen gleichauf ist. In Bern legte die GLP um 3,7 Punkte zu (auf 9,7%). Die GLP vermochte ihre Präsenz in der Romandie zu verbessern. In der Waadt steigerte sie ihre Parteistärke um 4,5 Punkte auf 8,4%, in Neuenburg um 5,7 Punkte auf 9,1% und in Genf um 3,2 Punkte auf 5,4%.
Nach diesen Veränderungen hat sich das nationale Verankerungsmuster der GLP (GLP=100%) leicht verändert. Kamen 2015 29,9% aller GLP-Stimmen aus Zürich, so war dies 2019 bei 31% der Wählerstimmen der Fall. Die GLP-Bern trägt 17,9% zur nationalen Parteistärke bei und die GLP-Waadt 8,1%. Der Einfluss der Waadtländer Grünliberalen ist im Vergleich zu 2015 um 2,1 Prozentpunkte gewachsen.
SVP in 14 Deutschschweizer Kantonen stärkste Partei
Die SVP verlor 3,8 Prozentpunkte und erzielte mit einer Parteistärke von 25,6% das schlechteste Ergebnis seit den Nationalratswahlen 2003 (26,7%). Die SVP wurde in fast allen Kantonen schwächer, ausgenommen in drei Majorzkantonen (OW, AR, AI) sowie in den Kantonen Graubünden, Tessin und Jura, wo sie leicht um 0,2 bis 1,6 Prozentpunkte zulegte.
In ihren Hochburgen Zürich und Bern büsste die SVP 4 bzw. 3,1 Prozentpunkte ein (auf 26,7% bzw. 30%). Für die SVP des Kantons Zürich ist dies das schlechteste Ergebnis seit 1995. Etwas mehr als 5 Prozentpunkte verlor die SVP in den Kantonen Schwyz, Freiburg, Basel-Stadt, Schaffhausen und Waadt. Die stärksten Verluste verzeichnete sie im Kanton Aargau (–6,5 Prozentpunkte) und Neuenburg (–7,7 Punkte). In Neuenburg fuhr die SVP mit 12,7% ihr schlechtestes Ergebnis seit 2003 ein, als sie sich zum ersten Mal an den Nationalratswahlen beteiligte.
Die SVP ist nun noch in 14 Kantonen die stärkste Partei, es sind ausschliesslich Deutschschweizer Kantone. Im Vergleich zu den Wahlen 2015 musste die SVP die Position als stärkste Partei in Luzern wieder an die CVP abtreten und in Freiburg an die SP. Eine Parteistärke von 30% und mehr erreichte die SVP bei den Nationalratswahlen 2019 in Bern, Schwyz, Schaffhausen, St. Gallen, Aargau und Thurgau sowie in vier Majorzkantonen (UR, OW, NW, AR). In Graubünden erreichte sie eine Parteistärke von 29,9%.
Insofern die Stimmenverluste einigermassen flächendeckend erfolgten, änderte sich am nationalen Verankerungsmuster nur wenig: Der Einfluss des Kantons Bern auf die nationale Parteistärke der SVP (SVP=100%) stieg um 1 Prozentpunkt. Bei den Nationalratswahlen 2019 trugen die Kantonalparteien in Zürich und Bern 18,1% bzw. 16,8% der Wählerstimmen zum nationalen Wahlergebnis der SVP bei. Am drittmeisten SVP-Wählerstimmen kamen aus dem Aargau (9,6%), gefolgt von St. Gallen (6,8%), Luzern (5,3%) und der Waadt (5,1%).
SP verliert in ihren Hochburgen
Die SP erzielte mit 16,8% das schlechteste Wahlergebnis ihrer Geschichte. Die Parteistärke liegt 2,0 Prozentpunkte unter jener von 2015 und rund 1,6 Punkte unter den bisher schwächsten Wahlergebnissen der SP von 1987 und 1991 (18,4% bzw. 18,5%).
Die SP büsste in den meisten Kantonen an Parteistärke ein. Gravierend sind die Verluste in den Hochburgen Zürich um 4,1 Prozentpunkte (auf 17,3%), Bern um 2,9 Punkte (auf 16,8%) und Waadt um 1,8 Punkte (auf 20,4%). In 5 weiteren Proporzkantonen wurde die SP um über 2 Prozentpunkte schwächer: in Zug (–4,4) und Schaffhausen (–2,7) sowie in den französischsprachigen Kantonen Freiburg (–3,0), Neuenburg (–7,0) und Genf (–5,2). Gewachsen ist die Parteistärke der SP nur in vier Proporzkantonen: in Schwyz (+0,7 Punkte), Aargau (+0,4), Wallis (+1,8) und im Jura (+3,3). In Luzern stagnierte sie, im Thurgau sank sie um 0,1 Punkte.
Die SP bleibt in Basel-Stadt (32,7%) stärkste Partei. In Freiburg (21,2%) und im Jura (27%) konnte sie die Position der stärksten Partei der SVP bzw. der CVP entreissen.
Werden die Wahlergebnisse der SP von 2019 mit jenen von 2003 verglichen, als die SP das letzte Mal ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis erzielte (23,3%), hat die SP in sieben Kantonen mehr als 8 Prozentpunkte eingebüsst: in Zürich (–8,4), Bern (–11,1), Basel-Stadt, Schaffhausen, im Tessin, in Neuenburg und in Genf. Stärker geworden ist die SP nur in Luzern (um +2,4 Prozentpunkte).
Das nationale Verankerungsmuster der SP hat sich in den letzten Jahren nicht stark verändert. Am meisten zur nationalen Parteistärke der SP trugen bei den Nationalratswahlen 2019 die Kantonalparteien in Zürich (17,8%), Bern (14,3%) und Waadt (9,2%) bei. Im Vergleich zu den 1970er und 1980er Jahren hat die SP Bern ihre führende Position an die SP Zürich abgetreten. Ein grösseres nationales Gewicht hat dagegen die SP-Waadt gewonnen.
Leichte Verluste von FDP in der Mehrzahl der Kantone
2015 konnte die FDP – sie fusionierte 2009 mit der LPS – erstmals seit 1979 wieder bei den Nationalratswahlen gewinnen (+1,3 Prozentpunkte). Bei den Nationalratswahlen 2019 büsste sie jedoch die Gewinne von 2015 wieder ein. Die Parteistärke von 15,1% entspricht derjenigen von 2011 und stellt das schlechteste Ergebnis in der Geschichte von FDP und Liberalen dar.
In nur wenigen Kantonen vermochte sich die FDP zu steigern. Es sind dies die Kantone Schwyz (+2,5 Prozentpunkte), Freiburg (+1,2), Basel-Landschaft und St. Gallen (beide je +0,7) und Graubünden (+0,4) sowie die beiden Majorzkantone Obwalden und Appenzell Ausserrhoden. In Basel-Stadt konnten die FDP und die Liberalen zusammen ihre Parteistärke halten. In 14 Kantonen büsste die FDP dagegen an Wählerstimmen ein, darunter in den bevölkerungsreichen Kantonen Zürich (–1,7 Prozentpunkte), Bern (–1,0) und Aargau (–1,6) sowie in den meisten Kantonen der Romandie (VD: –3,5, VS: –1,7, NE: –2,1, GE: –2,6, JU –7,7) und im Tessin (–3,2).
Die FDP ist noch in drei Kantonen die stärkste Partei: im Tessin (20,5%), in der Waadt (23,3%) und in Neuenburg (22,3%). In Genf mussten sie diese Position an die Grünen abtreten.
Das nationale Verankerungsmuster der FDP (FDP = 100%) hat sich aufgrund der breit gestreuten Verluste nicht grundlegend verändert. Am meisten zur nationalen Parteistärke der FDP trägt weiterhin die FDP-Zürich bei (15,6%). Die wählermässig zweitwichtigsten Kantonalpartei der FDP ist die FDP-Waadt (11,7%), gefolgt von der FDP-Bern (7,9%) und der FDP-Aargau (7,0%).
Im Vergleich zu den Nationalratswahlen 1979, als FDP und LP mit 26,8% ihr bestes Ergebnis der gut letzten achtzig Jahre erzielten, hat die FDP in sämtlichen Proporzkantonen an Parteistärke eingebüsst. In fünf Kantonen wurde sie um 20,5 bis 24,6 Prozentpunkte schwächer (SO, SH, VD, NE, JU), in vier um 15,8 bis 18,1 Punkten (LU, ZG, TI, GE).
Verluste der CVP gebremst
Die CVP erreichte 2019 nach einem leichten Stimmenverlust von 0,3 Prozentpunkten mit 11,4% einen weiteren Tiefststand. Im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten ist die Verlustkurve aber abgeflacht.
Die CVP steigerte sich leicht in 6 Proporzkantonen. In ihren früheren Hochburgen Luzern (+1,6 Prozentpunkte) und St. Gallen (+2,2) vermochte sie nach jahrzehntelangen Stimmenverlusten wieder leicht zuzulegen. Sie wuchs auch in den Kantonen Zürich (+0,2), Schaffhausen (+2,1), Aargau (+1,3) und Neuenburg (+0,6) sowie in 3 Majorzkantonen (UR, OW, NW). In Bern vermochte die CVP ihre Parteistärke zu halten.
Grössere Verluste (zwischen 4,4 und 5,0 Prozentpunkte) erlitt die CVP dagegen in der Romandie (FR, VS, GE, JU) sowie – zwischen 1,1 und 2,7 Punkte – in Schwyz, Zug, Basel-Stadt, Tessin und Waadt. Stärkste Partei ist die CVP noch in vier Kantonen: in Luzern (25,5%), im Wallis (34,8%) sowie in den Majorzkantonen Uri und Appenzell Innerrhoden. Im Vergleich zu 2015 vermochte die CVP in Luzern der SVP die Position als stärkste Partei zu entreissen. Dafür musste sie diese Position im Jura der SP abtreten.
Nach diesen leichten Gewinnen und Verlusten in den Kantonen hat sich das nationale Verankerungsmuster der CVP (CVP=100%) etwas verändert. Den grössten Beitrag zur nationalen Parteistärke leistet weiterhin die CVP-Wallis (15%), gefolgt von der CVP-Luzern (12,3%) und der CVP-St. Gallen (9,1%). Aus den Kantonen Tessin und Zürich kamen für die CVP 7,1% bzw. 6,7% der Wählerstimmen.
Werden die bei den Nationalratswahlen 2019 erzielten Parteistärken der CVP mit ihrem letzten Höchststand von 1979 verglichen, fallen die Stimmenverluste in den Stammlanden und traditionellen Hochburgen der CVP auf: Über zwanzig Prozentpunkte an Parteistärke eingebüsst hat sie in fünf Proporzkantonen: in Luzern (–25,0), Schwyz (–31,0), Freiburg (–22,1), St. Gallen (–25,3) und im Wallis (–24,0). In 7 weiteren Proporzkantonen ist die CVP im Vergleich zu 1979 um 10 bis 20 Prozentpunkte schwächer geworden (ZG, SO, GR, AG, TG, TI, JU).
Rückzug der BDP in die Gründerkantone
Nachdem die BDP bereits 2015 Stimmen verloren hatte (–1,3 Prozentpunkte), büsste sie bei den jüngsten Wahlen nochmals ein (–1,7 Punkte). Mit einer Parteistärke von 2,4% ist die BDP nicht einmal halb so stark wie 2011, als sie sich zum ersten Mal an den Nationalratswahlen beteiligte.
Abgesehen vom Majorzkanton Glarus, wo die BDP stärkste Partei ist, büsste die BDP in sämtlichen Kantonen, in denen sie zur Wahl antrat, an Parteistärke ein. 2 Prozentpunkte oder mehr betrugen die Verluste in Zürich (–2,0), Bern (–3,7), St. Gallen (–3,0) und im Aargau (–2,1). Die BDP verfügt nur noch in den Gründerkantonen (BE, GL) über eine Parteistärke, welche Mandatsgewinne möglich macht.
Mit diesen Veränderungen hat sich das nationale Verankerungsmuster der BDP (BDP=100%) weiter akzentuiert. Fast jede zweite Wählerstimme der BDP kommt nun aus dem Kanton Bern (47,2%). 11,6% der nationalen Parteistärke der BDP stammen aus dem Kanton Zürich, 10,8% aus dem Kanton Glarus, 9,8% aus dem Aargau und 9% aus Graubünden.