Arbeitet die «Mitte» mehr als die übrigen Einkommensgruppen? Im Vergleich zu den Einkommensstarken weist die Mitte eine tiefere Arbeitszeit und einen geringeren Anteil an Erwerbstätigen auf. Auch der Anteil Doppelverdienerhaushalte ist geringer als bei den Einkommensstarken. Im Verhältnis zu den Einkommensschwachen sind diese Werte höher. In gewissen Aspekten des Erwerbslebens (flexible Arbeitsbedingungen, subjektive Einschätzungen des Erwerbslebens) ist die Mitte im Vergleich zu den Einkommensstarken dennoch benachteiligt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Mitte nicht homogen ist und es Unterschiede zwischen der oberen und der unteren Mitte gibt.
Das Bundesamt für Statistik (BFS) publiziert seit 2013 regelmäs-sig Analysen zu den mittleren Einkommensgruppen. Im Zentrum standen bisher Fragen zur Erosion der «Mitte» oder zur finanziellen Belastung durch obligatorische Abgaben. Gemäss den vorliegenden Untersuchungen sind dabei weder eine verhältnismässig höhere Belastung der Einkommensmitte noch eine allmähliche Polarisierung der Einkommensgruppen seit 1998 statistisch nachweisbar. Die aktuellsten Analysen sowie sämtliche Publikationen zum Thema sind auf dem Statistikportal aufrufbar (www.statistik.ch → Statistiken finden → Wirtschaftliche und soziale Situation der Bevölkerung → Soziale Situation, Wohlbefinden und Armut → Einkommensmitte). Mit anderen Worten: Die Einkommensmitte in der Schweiz ist in ihrem Umfang weitgehend stabil geblieben.
Insgesamt betrachtet blieb der Bevölkerungsanteil in der mittleren Einkommensgruppe seit 1998 weitgehend stabil. Am stärksten vertreten war sie 2009 mit einem Anteil von 61,3% der Bevölkerung, am schwächsten 2013 mit 56,8%. Über den gesamten Beobachtungszeitraum 1998 bis 2015 hinweg kann jedoch nicht von einer deutlichen Veränderung dieser Gruppe ausgegangen werden. Die in der öffentlichen Debatte viel diskutierte These einer Polarisierung der Einkommensgruppen kann mit den vorliegenden Statistiken nicht bestätigt werden. Ebenso wenig ist eine verhältnismässig höhere Belastung statistisch nachweisbar: Bei den mittleren Einkommensgruppen blieb die Umverteilung durch Steuern, Sozialabgaben und Transfers zwischen 1998 und 2015 insgesamt relativ konstant. Den höchsten Einkommenszuwachs erzielten in diesem Zeitraum die einkommensstarken Haushalte, sie leisteten aber auch überdurchschnittlich mehr Abgaben. Das durchschnittliche verfügbare Äquivalenzeinkommen, welches nach diesen Abzügen für den Konsum und eventuelle Ersparnisse übrig bleibt, verzeichnete gegenüber 1998 in der Mitte und der einkommensstärksten Gruppe den grössten Zuwachs (je 15%), während es bei den Einkommensschwachen um 8% zunahm.
Nicht zuletzt im Zusammenhang mit den im öffentlichen Diskurs oft hervorgebrachten «Abstiegsängsten» der mittleren Einkommensgruppe stellt sich nun die Frage, ob diese Gruppe verhältnismässig mehr leisten muss als die Einkommensstärkeren bzw. -schwächeren, um ihren Besitzstand zu wahren. Thematisiert wurden solche Aspekte in mehreren Studien Vgl. bspw. Patrick Schellenbauer und Daniel Müller-Jentsch (2012), Der strapazierte Mittelstand. Zürich: Avenir Suisse/Verlag NZZ; oder NZZ (2013), Der Mittelstand – Wie es ihm wirklich geht. Zürich: Verlag NZZ Folio, Oktober 2013, Nr. 267. sowie Ende 2016 in zwei Sitzungen der nationalrätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben zur Situation der Mittelschicht in der Schweiz. Die Frage nach der zunehmenden Erwerbsintensität kann jedoch nur in einer Untersuchung im Zeitverlauf beantwortet werden, was aufgrund der Datenlage nicht möglich ist. Um dennoch erste Anhaltspunkte liefern zu können, werden im vorliegenden Bericht die relevanten Fragen zunächst für einen Zeitpunkt analysiert. Für das Jahr 2016 werden folgende Fragen beantwortet: Wie gross ist das Arbeitsvolumen der Einkommensmitte im Verhältnis zu den anderen Einkommensgruppen? Gibt es vergleichsweise mehr Doppelverdienerhaushalte in der «Mitte»? Welche Erwerbsmodelle sind in der mittleren Einkommensgruppe vorherrschend? Schliesslich wird noch näher auf die flexiblen Arbeitsbedingungen und die subjektiven Aspekte der Erwerbs-tätigkeit in den verschiedenen Einkommensgruppen eingegangen: Ist die Einkommensmitte in dieser Hinsicht benachteiligt?
Die in diesem Bericht vorgestellten Auswertungen basieren auf den Daten der Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen SILC 2016 (Statistics on Income and Living Conditions, vgl. Glossar).
Wer bildet die «Mitte»?
Zur mittleren Einkommensgruppe gehören gemäss Definition des Bundesamts für Statistik jene Personen, deren Haushalt über ein Bruttoäquivalenzeinkommen zwischen 70% und 150% des medianen Bruttoäquivalenzeinkommens verfügt (vgl. Glossar). Personen aus Haushalten mit weniger als 70% des Medians werden als Einkommensschwache, solche mit mehr als 150% als Einkommensstarke bezeichnet. Aufgrund der heterogenen Zusammensetzung der mittleren Einkommensgruppe wird für die meisten Analysen zusätzlich zwischen einer unteren und einer oberen Mitte unterschieden. Die Grenze zwischen unterer und oberer Mitte bildet der Median. Nähere Ausführungen zu Definition und Methodik vgl. BFS (2013)
Zur Mitte zählen im vorliegenden Bericht alle Personen, deren Haushalt über ein Bruttoäquivalenzeinkommen zwischen 70% und 150% des Medians verfügt. Personen aus Haushalten mit weniger als 70% des Medians werden als Einkommensschwache, solche mit mehr als 150% als Einkommensstarke bezeichnet. Die Grenze zwischen unterer und oberer Mitte bildet der Median.
Die mittlere Einkommensgruppe umfasst gemäss der hier ver-wendeten Definition 57,3% der Bevölkerung (26,6% untere Mitte, 30,7% obere Mitte, vgl. Grafik G1). Zu ihr gehören im Jahr 2016 beispielsweise Alleinlebende mit einem monatlichen Bruttoeinkommen zwischen 3840 und 8228 Franken oder Paare mit zwei Kindern unter 14 Jahren mit einem monatlichen Haushaltseinkommen von brutto 8063 bis 17 279 Franken (vgl. Tabelle T1).
Grenzbeträge verschiedener Haushaltstypen für die Zuteilung zur mittleren Einkommensgruppe, 2016T1
| Bruttoeinkommen des Haushalts in Franken pro Monat(Basis: Gesamtbevölkerung) |
Äquivalenzgrösse des Haushalts (vgl. Glossar) |
||
|---|---|---|---|
| Untere Grenze | Obere Grenze | ||
| Alleinlebende | 3 840 | 8 228 | 1,0 |
| Paar | 5 760 | 12 342 | 1,5 |
| Paar mit 1 Kind | 6 911 | 14 810 | 1,8 |
| Paar mit 2 Kindern | 8 063 | 17 279 | 2,1 |
| Paar mit 3 Kindern | 9 215 | 19 747 | 2,4 |
|
Einelternhaushalte mit 1 Kind |
4 992 | 10 696 | 1,3 |
|
Einelternhaushalte mit 2 Kindern |
6 143 | 13 165 | 1,6 |
Median: 5485 Franken. Annahme: alle Kinder unter 14 Jahre
Quelle: BFS – Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen
© BFS 2018(SILC) 2016, Version 24.01.2018, ohne fiktive Miete
Da vor allem die Erwerbssituation der verschiedenen Einkommensgruppen interessiert, konzentrieren sich die Analysen im Folgenden auf die erwerbsfähige Bevölkerung der 16- bis 64-Jährigen. Dort zählen 59,2% zur mittleren Einkommensgruppe (25,0% untere Mitte, 34,2% obere Mitte, vgl. Grafik G1).
Verteilung der Einkommensgruppen nach soziodemografischen Merkmalen
Die mittlere Einkommensgruppe als Ganzes zeichnet sich auf den ersten Blick durch ihren «mittleren Bildungsstand» (Sekundarstufe II, vgl. Tabelle T2) und einen hohen Anteil von Personen in traditionellen Familienhaushalten (Paare mit Kindern) aus. Da sie hinsichtlich ihrer soziodemografischen Struktur oft Unterschiede aufweist, ist eine getrennte Betrachtung von unterer und oberer Mitte für die weiteren Analysen unerlässlich.
Verglichen mit der Verteilung der Altersgruppen in der Gesamtbevölkerung ist beispielsweise die Altersgruppe der 25–49-Jährigen in der unteren Mitte stärker vertreten, während die 50–64-Jährigen weniger präsent sind. Die obere Mitte unterscheidet sich diesbezüglich hingegen kaum von der Gesamtbevölkerung. Bei den Einkommensstarken überwiegen schliesslich die 50–64-Jährigen und die unter 25-Jährigen sind deutlich weniger stark vertreten.
Einkommensgruppen nach soziodemografischen Merkmalen, 2016
Prozentanteile der Einkommensgruppen, Wohnbevölkerung 16 bis 64 Jahre in Privathaushalten
T2
|
Gesamt- bevölkerung |
+/–2 | Einkommens- schwach |
+/– | Untere Mitte |
+/– | Obere Mitte |
+/– | Einkommens- stark |
+/– | Obere und untere Mitte kumuliert | +/– | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Altersgruppe | ||||||||||||
| 16–24 Jahre | 15,3 | 0,0 | 19,4 | 1,9 | 16,9 | 1,4 | 16,4 | 1,1 | 8,9 | 1,1 | 16,6 | 0,6 |
| 25–49 Jahre | 54,1 | 0,0 | 54,0 | 2,3 | 58,0 | 1,8 | 53,4 | 1,4 | 51,1 | 1,8 | 55,3 | 0,8 |
| 50–64 Jahre | 30,6 | 0,0 | 26,5 | 2,0 | 25,1 | 1,6 | 30,2 | 1,3 | 40,0 | 1,7 | 28,1 | 0,8 |
| Geschlecht | ||||||||||||
| Frauen | 49,9 | 0,5 | 52,1 | 2,4 | 51,8 | 1,9 | 48,9 | 1,5 | 47,7 | 1,8 | 50,1 | 1,0 |
| Männer | 50,1 | 0,5 | 47,9 | 2,4 | 48,2 | 1,9 | 51,1 | 1,5 | 52,3 | 1,8 | 49,9 | 1,0 |
| Nationalität | ||||||||||||
| Schweizer/innen | 72,0 | 0,3 | 58,9 | 2,3 | 69,5 | 1,7 | 76,8 | 1,3 | 77,8 | 1,5 | 73,7 | 0,8 |
| Ausländer/innen | 28,0 | 0,3 | 41,1 | 2,3 | 30,5 | 1,7 | 23,2 | 1,3 | 22,2 | 1,5 | 26,3 | 0,8 |
| Bildungsstand (Personen ab 18 Jahren) | ||||||||||||
| Obligatorische Schule | 13,5 | 0,7 | 27,7 | 2,3 | 19,0 | 1,6 | 9,1 | 1,0 | 3,3 | 0,7 | 13,3 | 0,9 |
| Sekundarstufe II | 51,3 | 1,0 | 54,0 | 2,5 | 56,5 | 2,0 | 54,9 | 1,6 | 38,6 | 2,0 | 55,6 | 1,3 |
| Tertiärstufe | 35,3 | 0,9 | 18,4 | 1,7 | 24,5 | 1,7 | 36,0 | 1,5 | 58,1 | 2,0 | 31,1 | 1,1 |
| Arbeitsmarktstatus gemäss ILO (International Labour Organization) | ||||||||||||
| Erwerbstätige | 81,5 | 0,8 | 64,8 | 2,4 | 79,4 | 1,8 | 86,7 | 1,1 | 89,0 | 1,3 | 83,7 | 1,0 |
| Erwerbslose | 4,0 | 0,4 | 8,3 | 1,4 | 4,6 | 0,9 | 2,8 | 0,6 | 1,6 | 0,5 | 3,6 | 0,5 |
| Nichterwerbstätige | 14,5 | 0,7 | 26,9 | 2,3 | 16,0 | 1,6 | 10,4 | 1,0 | 9,4 | 1,2 | 12,8 | 0,9 |
| Haushaltstyp 1 | ||||||||||||
| Haushalte ohne Kinder | 42,3 | 0,5 | 37,5 | 2,2 | 30,7 | 1,7 | 41,6 | 1,5 | 59,6 | 1,8 | 37,0 | 1,0 |
|
Einpersonenhaushalte unter 65 Jahren |
18,0 | 0,4 | 26,2 | 2,0 | 16,8 | 1,4 | 16,7 | 1,1 | 15,2 | 1,4 | 16,7 | 0,8 |
| Paare unter 65 Jahren | 22,1 | 0,5 | 8,8 | 1,3 | 11,9 | 1,2 | 22,8 | 1,2 | 42,2 | 1,7 | 18,2 | 0,8 |
| Haushalte mit Kind(ern)3 | 47,8 | 0,5 | 53,3 | 2,3 | 58,3 | 1,9 | 47,5 | 1,5 | 32,9 | 1,7 | 52,1 | 1,0 |
|
Einelternhaushalte mit Kind(ern) unter 25 Jahren |
5,7 | 0,3 | 10,8 | 1,6 | 7,2 | 1,0 | 4,9 | 0,7 | 1,3 | 0,4 | 5,9 | 0,5 |
|
Paare mit Kind(ern) unter 25 Jahren |
42,2 | 0,6 | 42,5 | 2,3 | 51,1 | 1,9 | 42,6 | 1,5 | 31,6 | 1,7 | 46,2 | 1,0 |
| Mit Kind(ern) ab 25 Jahren | 4,0 | 0,4 | 2,3 | 0,6 | 4,5 | 0,8 | 4,6 | 0,7 | 4,0 | 0,8 | 4,5 | 0,5 |
| Übrige Haushaltstypen | 5,8 | 0,5 | 6,9 | 1,2 | 6,4 | 1,1 | 6,3 | 0,8 | 3,6 | 0,8 | 6,4 | 0,6 |
| Wohnstatus 1 | ||||||||||||
| Eigentum | 42,1 | 0,9 | 24,9 | 2,1 | 35,7 | 1,9 | 46,6 | 1,6 | 55,5 | 2,0 | 42,0 | 1,2 |
| Miete | 57,9 | 0,9 | 75,1 | 2,1 | 64,4 | 1,9 | 53,4 | 1,6 | 44,5 | 2,0 | 58,0 | 1,2 |
|
1 Ergebnisse aus einer Personenverteilung 2 Grenzen des Vertrauensintervalls (95%) 3 Personen, die in einem solchen Haushalt leben. Als Kinder gelten alle Personen zwischen 0 und 24 Jahren, die bei ihrem Vater und/oder ihrer Mutter leben.Grau bzw. hellblau übermalt: Wert beträgt mehr als 130% bzw. weniger als 70% jenes der Gesamtbevölkerung |
||||||||||||
Quelle: BFS – Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC) 2016, Version 24.01.2018, ohne fiktive Miete
© BFS 2018
Deutliche Unterschiede zwischen den Einkommensklassen sind vor allem beim Bildungsniveau und bei der Haushaltsstruktur zu beobachten. In der unteren Mitte ist der Anteil Personen mit Bildungsabschluss auf Tertiärstufe (Universitäten, Fachhochschulen und andere gleichwertige Ausbildungen) beträchtlich niedriger als in der Gesamtbevölkerung. Umgekehrt ist der Anteil Personen ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss in der unteren Mitte bedeutend höher, in der oberen Mitte hingegen niedriger als in der Gesamtbevölkerung. In den äusseren Einkommensgruppen akzentuieren sich diese Tendenzen noch.
Deutliche Unterschiede zwischen den Einkommensklassen sind bezüglich des Bildungsniveaus und der Haushaltsstruktur zu beobachten. Ansonsten ist vor allem die heterogene Struktur der «Mitte» hervorzuheben.
Die Haushaltsstruktur der oberen Mitte unterscheidet sich generell kaum von jener der Gesamtbevölkerung. Jene der unteren Mitte ist durch Personen in traditionellen Familienhaushalten (Paare mit Kindern) geprägt. Personen in Paarhaushalten ohne Kinder sind dort hingegen untervertreten. Deren Anteil ist insbesondere unter den Einkommensstarken sehr hoch. Einelternhaushalte und Alleinlebende sind schliesslich vor allem in der einkommensschwächsten Gruppe zu finden.
Arbeitsmarktstatus und Erwerbsumfang
Wie hoch ist der Anteil Erwerbstätiger und der Erwerbsumfang in der Einkommensmitte im Verhältnis zu den anderen Einkommensgruppen? Bei den folgenden Analysen beschränken wir uns auf die Arbeitsstunden bzw. Merkmale der Wohnbevölkerung im erwerbsfähigen Alter (16 bis 64 Jahre).
Arbeitsmarkstatus hängt eng mit Einkommensklasse zusammen
Insgesamt sind 83,9% dieser Bevölkerung im Jahr 2016 erwerbstätig. Im Vergleich zu den Männern (90,3%) sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt mit 77,7% weniger stark vertreten. Hingegen ist der Anteil Nichterwerbspersonen unter den Frauen besonders hoch (18,2%, Männer: 7,0%). Zu diesen gehören Studierende, Personen mit Behinderungen, Hausfrauen sowie weitere unbezahlt Arbeitende.
Der Erwerbsstatus hängt eng mit dem Bildungsniveau und der Einkommensklasse zusammen. Der Anteil Erwerbstätiger steigt von 64,0% bei den Einkommensschwachen auf 92,0% bei den Einkommensstarken.
In der Mitte fällt das Ergebnis unterschiedlich aus: In der unteren Mitte sind 82,8% erwerbstätig, während sich der Anteil in der oberen Mitte mit 89,1% schon eher jenem der Einkommensstarken annähert. Dementsprechend sinkt der Anteil der Nichterwerbspersonen sowie der Erwerbslosen mit höherer Einkommensklasse. Unter den einkommensstarken Männern sind diese beiden Gruppen kaum vertreten.
Der Anteil Erwerbstätiger steigt auch mit zunehmendem Bildungsniveau, von 68,5% bei den Personen mit obligatorischem Schulabschluss auf 89,3% bei jenen mit tertiärer Ausbildung (nicht abgebildet).
Erwerbsumfang in der Mitte niedriger
als bei den Einkommensstärkeren
Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (inklusive Nichterwerbstätige, siehe Grafik G3) arbeitete 2016 durchschnittlich 33,3 Stunden pro Woche. Bei den Männern war dieses Pensum deutlich höher (40,6 Stunden) als bei den Frauen (26,3 Stunden).
Es liegt bei den Einkommensschwachen bei 23,9 Stunden und steigt bei den Einkommensstarken auf 39,3 Stunden. Im Verhältnis zu den Einkommensstarken weist die mittlere Einkommensgruppe mit wöchentlich 31,4 (untere Mitte) bzw. 35,3 Stunden (obere Mitte) ein signifikant niedrigeres Arbeitspensum auf.
Die mittlere Einkommensgruppe arbeitet demnach vergleichsweise weniger als die Einkommensstärkeren, aber mehr als die Einkommensschwachen.
Der Anteil Erwerbstätiger ist in der Einkommensmitte geringer als in der einkommensstärksten und höher als in der einkommensschwächsten Gruppe. Die Einkommensstarken weisen auch den höchsten Arbeitsumfang auf. Die mittlere Einkommensgruppe arbeitet vergleichsweise weniger, jedoch mehr als die Einkommensschwachen.
Auch nach Bildungsniveau differenziert steigt der wöchentliche Erwerbsumfang graduell von durchschnittlich 26,3 (obligatorischer Schulabschluss) auf 37,1 Stunden (Tertiärstufe, nicht abgebildet). Der grosse Einfluss der Bildung auf die Einkommens- und Beschäftigungssituation wird hier ersichtlich.
Bei Betrachten der verschiedenen Haushaltstypen (Grafik G4) fallen Personen in Paarhaushalten ohne Kinder durch ihren überdurchschnittlichen und Einelternhaushalte mit Kind(ern) unter 25 Jahren durch ihren unterdurchschnittlichen wöchentlichen Erwerbsumfang auf (35,8 vs. 28,7 Stunden). Bei Letzteren – vor allem Frauen – dürften die Möglichkeiten, ihr Arbeitspensum und allenfalls ihr Einkommen zu erhöhen, aufgrund ihrer Erziehungsaufgaben beschränkt sein.
Bei weiterer Unterteilung nach Einkommensgruppen sind bei den Alleinlebenden die grössten Unterschiede zu beobachten: In der einkommensschwachen Gruppe arbeiten diese 20,7 Stunden, in der einkommensstarken 45,3 Stunden die Woche. Hier wird der Zusammenhang zwischen Einkommen und wöchentlichen Arbeitsstunden besonders deutlich.
Gründe für niedrigen Beschäftigungsgrad
Im Folgenden interessiert insbesondere, ob gewisse Bevölkerungsgruppen unterbeschäftigt sind und gerne mehr arbeiten würden. Zu niedrigen Beschäftigungsgraden arbeiten überproportional oft Einkommensschwache, Frauen und Personen in Einelternhaushalten (vgl. auch Grafik G5).
Grafik G6 weist die Hauptgründe für niedrige Beschäftigungsgrade aus. 10,2% aller 16- bis 64-Jährigen, die insgesamt weniger als 30 Stunden wöchentlich arbeiten, geben dafür gesundheitliche Gründe an. Bei den Einkommensschwachen sind es doppelt so viele. Der Anteil nimmt mit höherer Einkommensklasse rapide ab, wobei sich die untere Mitte etwas von der oberen unterscheidet. Besonders Personen ab 50 Jahren machen gesundheitliche Gründe geltend, bei ihnen beläuft sich der Anteil auf 15,7% (nicht abgebildet).
12,2% der Personen mit niedrigem Beschäftigungsgrad würden gerne mehr arbeiten. Auch hier sind Einkommensschwache besonders stark betroffen (27,1%), und wiederum sinkt dieser Anteil in den höheren Einkommensklassen, wobei sich untere und obere Mitte jedoch mit je rund 9% kaum unterscheiden. Weiter geben tendenziell vermehrt Männer, Alleinlebende, ausländische Personen und solche ohne nachobligatorischen Schulabschluss Unterbeschäftigung als Hauptgrund für den niedrigen Beschäf-tigungsgrad an. Generell dürfte das Ausmass der Unterbeschäftigung etwas unterschätzt werden, da nur der Hauptgrund für den niedrigen Beschäftigungsgrad erfasst wurde. So könnte es beispielsweise sein, dass gewisse Personen auch trotz den als Hauptgrund angegebenen Haushaltsarbeiten gerne etwas mehr arbeiten würden.
Keine längere Arbeitszeit wünschen andererseits 16,1% der betrachteten Bevölkerung. Es sind dies vor allem Personen in Paarhaushalten ohne Kinder und 50- bis 64-Jährige (je über 30%, nicht abgebildet) sowie die Einkommensstarken (28,6%). Der Anteil steigt stark mit höherer Einkommensklasse und die untere und obere Mitte weisen diesbezüglich mit 11,8% und 20,5% auch signifikante Unterschiede auf.
Zu niedrigen Beschäftigungsgraden arbeiten überproportional oft Einkommensschwache, Frauen und Personen in Einelternhaushalten; die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird denn auch am Häufigsten als Hauptgrund erwähnt. Dies gilt für alle Einkommensgruppen, aber besonders deutlich für die untere Mitte. Ein geringer Beschäftigungsgrad entspricht dabei nicht immer den Wünschen der Betroffenen, von denen insgesamt 12,2% gerne mehr arbeiten möchten: So sind nebst den Einkommensschwachen tendenziell vermehrt Männer, Alleinlebende, ausländische Personen und solche ohne nachobligatorischen Schulabschluss unterbeschäftigt.
Am häufigsten, nämlich von 48,4% der untersuchten Bevöl-kerung, wird Haushaltsarbeit, Betreuung von Kindern oder anderen Personen als Hauptgrund für den niedrigen Beschäftigungsgrad angegeben. Erwartungsgemäss wird dieser Grund vor allem von Frauen, 25–49-Jährigen, schweizerischen Staatsangehörigen und Personen in Haushalten mit Kindern genannt. Von den betrachteten Einkommensgruppen unterscheiden sich nur die untere Mitte (55,8%) sowie am anderen Ende die Einkommensschwachen (35,6%) signifikant von der Gesamtbevölkerung.
13,1% der 16- bis 64-Jährigen, die insgesamt weniger als 30 Stunden wöchentlich arbeiten, geben schliesslich weitere Hauptgründe wie eine laufende Ausbildung o.ä. an.
Erwerbsmodelle in den einzelnen Einkommensgruppen
Nach den beschriebenen Analysen auf Individualebene interessiert im Folgenden, wie es hinsichtlich des Beschäftigungsgrads auf Haushaltsebene aussieht: Gibt es im Vergleich zu den anderen Einkommensgruppen mehr Doppelverdienerhaushalte in der «Mitte»? Welche Erwerbsmodelle sind vorherrschend?
Weniger Doppelverdienerhaushalte in der Mitte
als in der einkommensstärksten Gruppe
Wie aus Grafik G7 ersichtlich, arbeiten in 86,4% aller Paarhaushalte ohne Kinder beide Partner mindestens Teilzeit. Bei den Paarhaushalten mit Kindern unter 25 Jahren sind es etwas weniger, nämlich 80,8%. Diese Anteile steigen mit höherer Einkommensgruppe.
Bei den Paaren ohne Kinder unterscheidet sich die Einkommensmitte insgesamt mit 85,6% signifikant von den Einkommensstarken (94,2%), aber nicht von der Gesamtbevölkerung. Es ist jedoch eine klare Spaltung zwischen oberer und unterer Mitte zu beobachten. Die obere Mitte unterscheidet sich mit 90,5% Doppelverdienerhaushalten nicht signifikant von den Einkommensstarken. Die untere Mitte zählt hingegen deutlich weniger solche Haushalte (72,8%).
Auch in den Paarhaushalten mit Kindern unter 25 Jahren unterscheidet sich die obere Mitte nicht signifikant von den Einkommensstarken (85,5% bzw. 87,9%), allerdings auch nicht von der unteren Mitte (81,7%). Die Einkommensschwachen zählen in beiden untersuchten Haushaltstypen deutlich weniger Doppelverdienende.
Erwerbsmodelle hängen mit Haushaltstyp
und Einkommensklasse zusammen
Bei 42,9 % der Paarhaushalte ohne Kinder arbeiten beide Partner Vollzeit (nicht abgebildet). Bei Paaren mit Kindern sinkt dieser Anteil auf 14,1%, zugunsten des Modells mit vollzeiterwerbstätigem Partner und teilzeiterwerbstätiger Partnerin (58,4%).
Bei den Paaren ohne Kinder zählt die Einkommensmitte insgesamt signifikant weniger Doppelverdienerhaushalte als die Einkommensstarken, bei den Paaren mit Kindern unter 25 Jahren hingegen nicht. Bei Paaren mit Kindern sind auch zwischen unterer und oberer Mitte keine deutlichen Unterschiede zu erkennen, ganz im Gegensatz zu den Paaren ohne Kinder.
Zu den Erwerbsmodellen in den verschiedenen Einkommensgruppen sind statistisch gesicherte Aussagen aufgrund des Stichprobenumfangs nur beschränkt möglich. Tendenziell nimmt in beiden untersuchten Haushaltstypen das Modell mit zwei vollzeiterwerbstätigen Partnern mit höherer Einkommensklasse zu und jenes mit zwei nicht oder Teilzeit erwerbstätigen ab. Bei Paaren ohne Kinder ist dieser Trend ausgeprägter und es bestehen deutliche Unterschiede innerhalb der Mitte.
Flexible Arbeitsbedingungen
Mit der starken Zunahme der Teilzeitarbeit führte der wirtschaftliche Strukturwandel in den letzten Jahrzehnten zu einer gewissen Flexibilisierung der Anstellungsverhältnisse. Zu flexiblen Beschäftigungsformen zählen unter anderem Arbeit auf Abruf, Temporärarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse und Mehrfacherwerbstätigkeit. Beruhen flexible oder atypische Arbeitsbedingungen auf einer freien Wahl, können sie sowohl für Arbeitnehmende wie für Unternehmen vorteilhaft sein. Kritisch zu beurteilen sind die Arbeitsverhältnisse hingegen, wenn sie mit weder erwünschten noch finanziell abgegoltenen Unsicherheiten verbunden sind. Vgl. Statistischer Sozialbericht Schweiz 2015 des BFS, S. 22
Die Grafik G8 weist sieben Beispiele atypischer Arbeitsformen aus. Die Analysen beruhen wiederum auf der im Kapitel «Arbeitsmarkstatus und Erwerbsumfang» beschriebenen erwerbstätigen Bevölkerung von 16 bis 64 Jahren.
Bei 6,9% der Personen ist der Arbeitsvertrag zeitlich befristet. Mit höherer Einkommensklasse nimmt dieser Anteil ab (vgl. G8). Die untere Mitte unterscheidet sich dabei signifikant von der oberen Mitte.
Auch Mehrfachbeschäftigungen kommen in den höheren Einkommensgruppen tendenziell seltener vor, die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen sind jedoch gering und nicht signifikant. Insgesamt gehen 12,1% der untersuchten Bevölkerung mehreren Beschäftigungen nach.
Weit verbreitet ist Wochenendarbeit: 47,7% der Erwerbstätigen arbeiten ab und zu am Samstag oder Sonntag. Der Anteil ist bei den Einkommensschwächsten besonders hoch. Augenfällig ist auch der Unterschied zwischen unterer und oberer Mitte. In der unteren Mitte arbeitet über die Hälfte manchmal am Wochenende, während sich dieser Anteil in der oberen Mitte mit 44,0% kaum von jenem der Einkommensstarken unterscheidet.
14,1% der Erwerbstätigen arbeiten manchmal in der Nacht und 11,6% haben regelmässig wechselnde Arbeitszeiten wie bspw. Schichtarbeit. Die Unterschiede zwischen den Einkommens-gruppen sind in beiden Fällen gering, mit Ausnahme der einkommensstärksten Gruppe, die im Vergleich zu den restlichen Erwerbstätigen bedeutend seltener mit wechselnder Arbeitszeit konfrontiert ist.
Die Einkommensmitte positioniert sich bezüglich der untersuchten Arbeitsbedingungen meist zwischen der einkommensschwächsten und der einkommensstärksten Gruppe. Die Unterschiede zwischen oberer und unterer Mitte können jedoch wie im Falle der befristeten Arbeitsverträge, der Wochenendarbeit und der freiwilligen unregelmässigen Arbeitszeit beträchtlich sein. Hinsichtlich der flexiblen Arbeitsformen am Häufigsten benachteiligt ist allerdings die einkommensschwächste Erwerbsbevölkerung. Umgekehrt sind die Einkommensstärksten deutlich seltener von wechselnden oder unregelmässigen Arbeitszeiten betroffen als die restlichen Einkommensgruppen und können weitaus häufiger frei über ihre Arbeitszeiten bestimmen.
14,2% der Erwerbstätigen haben betriebsbedingt unregelmässige Arbeitszeiten. In der einkommensschwächsten Gruppe ist jeder Fünfte davon betroffen, in der einkommensstärksten jeder Zehnte. Untere und obere Mitte unterscheiden sich hier mit rund 15% kaum voneinander. Anders verhält es sich bei freiwillig gewählten unregelmässigen Arbeitszeiten. Von dieser Möglichkeit profitieren insgesamt 26,4% der Erwerbstätigen. Dieser Anteil steigt markant und kontinuierlich mit höherer Einkommensklasse,
von 12,8% (Einkommensschwache) zu 40,1% (Einkommensstar-ke). Somit hat die einkommensstärkste Gruppe im Gegensatz zu den Einkommensschwächsten neben einer höheren Sicherheit auch mehr Freiraum, ihren Arbeitsalltag zu gestalten. Bei der in dieser Hinsicht gespaltenen mittleren Einkommensgruppe ist dies etwas weniger der Fall. Kaum solchen Freiraum haben im Übrigen auch ausländische und Teilzeit arbeitende, während Vollzeit Arbeitende, Männer, Schweizerinnen und Schweizer sowie Erwerbstätige mit tertiärem Bildungsniveau am ehesten von freiwillig gewählten unregelmässigen Arbeitszeiten Gebrauch machen.
Subjektive Aspekte der Erwerbstätigkeit
Ergänzend zu den vorgestellten objektiven Kennzahlen zeigen die folgenden Analysen zu den subjektiven Bewertungen, wie die Situation am Arbeitsplatz von der Bevölkerung wahrgenommen wird. Ist die Einkommensmitte mit ihrem Erwerbsleben zufriedener als die anderen Einkommensgruppen? Fühlt sie sich nach der Arbeit erschöpfter? Die wichtigsten Resultate sind in Grafik G9 dargestellt. Wie bei den flexiblen Arbeitsbedingungen beruhen die Statistiken auch hier auf der erwerbstätigen Wohnbevölkerung von 16 bis 64 Jahren.
Allgemein betrachtet bekundet rund ein Viertel der erwerbstätigen Bevölkerung eine hohe Zufriedenheit in Bezug auf ihr Erwerbseinkommen. Dieser Anteil steigt mit höherer Einkommensklasse und beläuft sich bei den Einkommensstarken auf das Dreifache des Anteils der Einkommensschwachen (36,6 vs. 13,3%, vgl. Grafik G9). In der Mitte ist etwa ein Fünftel zufrieden mit dem Erwerbseinkommen, die Unterschiede zwischen oberer und unterer Mitte sind nicht signifikant. Werden nur Vollzeiterwerbstätige berücksichtigt, kristallisieren sich aber auch zwischen unterer (16,3% Zufriedene, nicht abgebildet) und oberer Mitte (20,4%) signifikante Unterschiede heraus.
Etwas höher ist die Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen. 35,4% der erwerbstätigen Bevölkerung zeigt sich mit diesen sehr zufrieden, bei den Einkommensstarken steigt der Anteil gar auf 40,3%. Er ist in der oberen und unteren Mitte tendenziell am geringsten und unterscheidet sich dort signifikant von der einkommensstärksten Gruppe.
Am positivsten bewertet die Erwerbsbevölkerung die Atmosphäre am Arbeitsplatz (54,0% Zufriedene) und dessen Sicherheit (53,5% bewerten diese als hoch). Tendenziell ist die Zufriedenheit mit der Arbeitsatmosphäre in der mittleren Einkommensgruppe etwas geringer als in den restlichen Einkommensgruppen. Die Wahrnehmung der Sicherheit des Arbeitsplatzes steigt tenden-ziell leicht mit zunehmendem Einkommen, die Differenzen können jedoch nicht mit der gewünschten statistischen Genauigkeit belegt werden.
Die mittlere Einkommensgruppe bewertet ihre Erwerbstätigkeit relativ einheitlich. Klare Unterschiede im Vergleich zu den anderen Einkommensgruppen (und bei alleiniger Betrachtung der Vollzeiterwerbstätigen auch innerhalb der Mitte) zeigen sich vor allem bezüglich der Zufriedenheit mit dem Erwerbseinkommen. In der Mitte ist etwa ein Fünftel zufrieden mit dem Erwerbseinkommen, in der einkommensschwächsten Gruppe rund ein Achtel und in der höchsten Einkommensklasse rund ein Drittel.
Bei den restlichen Kennzahlen sind nur minime Differenzen zu den anderen Einkommensgruppen erkennbar: Tendenziell ist die Mitte mit ihren Arbeitsbedingungen und der Arbeitsatmosphäre etwas weniger zufrieden, und die Resultate zur Arbeitsplatzsicherheit und zum Vitalitätsgrad nach Feierabend bewegen sich zwischen jenen der beiden anderen Einkommensgruppen.
Nach Feierabend ist die Vitalität der erwerbstätigen Bevölkerung im Allgemeingen eher gering. Nur 11,8% sind nach eigenen Angaben nach der Arbeit nicht zu erschöpft, um noch etwaigen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen. Nur die einkommens-
schwache Gruppe unterscheidet sich dabei mit 16,2% vom Total der Erwerbstätigen. Hier ist allerdings der hohe Anteil der Erwerbstätigen mit niedrigem Beschäftigungsgrad hervorzuheben (29,7% bekunden eine hohe Vitalität am Feierabend) – die Einkommensschwachen sind in dieser Gruppe besonders präsent (vgl. Grafik G5).
Zusammenfassung und Fazit
Die Einkommensmitte arbeitet nicht mehr als die Einkommensstarken. Im Verhältnis zu den Einkommensstarken weist die – in dieser Hinsicht gespaltene – mittlere Einkommensgruppe ein geringeres Arbeitsvolumen auf. Auch der Anteil Erwerbstätiger ist in der Einkommensmitte geringer. Sie arbeitet häufiger zu niedrigeren Beschäftigungsgraden als die Einkommensstarken und weniger häufig als die Einkommensschwachen. Werden in der Bevölkerung und insbesondere in der unteren Mitte meist Haushaltsarbeiten und Betreuung von Kindern oder anderen Personen als Hauptgrund dafür angegeben – besonders von Frauen –, würde in der mittleren Einkommensgruppe doch fast jeder Zehnte gerne mehr arbeiten.
Auch die Erwerbsbeteiligung der Frauen sowie der Anteil Doppelverdienerhaushalte sind in der Mitte nicht höher als in der einkommensstärksten Gruppe. Die mittlere Einkommensgruppe ist dennoch in gewissen Aspekten des Erwerbslebens vergleichsweise benachteiligt. So ist sie öfter mit – mutmasslich nicht frei gewählten – flexiblen Arbeitsbedingungen konfrontiert als die einkommensstarke Gruppe (jedoch seltener als die Einkommensschwachen). Die Unterschiede innerhalb der Mitte können allerdings wie im Falle der befristeten Arbeitsverträge und der Wochenendarbeit beträchtlich sein. Einheitlicher ist in der mittleren Einkommensgruppe die subjektive Bewertung ihrer Erwerbstätigkeit. Tendenziell ist sie mit ihren Arbeitsbedingungen und der Arbeitsatmosphäre etwas weniger zufrieden als die restlichen Einkommensgruppen. Vor allem ist sie weitaus weniger zufrieden mit dem Erwerbseinkommen als die Einkommensstarken. Und dieses hängt stark mit dem Arbeitsumfang, aber auch dem höchsten abgeschlossenen Bildungsniveau zusammen: Eine höhere Bildung ist generell mit einer höheren Arbeitsmarktteilnahme sowie mit höherem Einkommen assoziiert.
Der hohe Stellenwert der Ausbildung und der Erwerbsarbeit und ihre Bedeutung für viele weitere Lebensbereiche wie Familie, Freizeit und subjektives Wohlbefinden kommen hier umso klarer zum Ausdruck.
Glossar
Äquivalenzeinkommen, Äquivalenzgewichtung
Das (Primär-, Brutto- oder verfügbare) Äquivalenzeinkommen wird ausgehend vom (Primär-, Brutto- oder verfügbaren) Haushaltseinkommen berechnet. Dabei wird die Haushaltsgrösse über die Äquivalenzskala des Haushalts einberechnet. Um die Skaleneffekte zu berücksichtigen (eine vierköpfige Familie muss nicht vier Mal so viel ausgeben wie eine Einzelperson, um denselben Lebensstandard zu erreichen), werden die Personen im Haushalt gewichtet: die älteste Person mit 1,0, jede weitere Person ab 14 Jahren mit 0,5 und jedes Kind unter 14 Jahren mit 0,3 (Werte entsprechen der «modifizierten» OECD-Äquivalenzskala). Die äquivalente Haushaltsgrösse entspricht der Summe der Personengewichte.
Bruttoeinkommen
Das Bruttohaushaltseinkommen fasst die Einkommen sämtlicher Mitglieder eines Privathaushalts zusammen. Dazu gehören die Bruttolöhne (vor den Sozialabzügen), die Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit, die Renten, die Zinsen, die Überweisungen von anderen Haushalten, die Naturalbezüge aus dem eigenen Betrieb, die Naturalleistungen des Arbeitgebers, die Produkte aus dem eigenen Garten usw.
Erwerbstätige, Erwerbslose gemäss ILO
Als Erwerbspersonen gelten die erwerbstätigen und die erwerbslosen Personen zusammen. Erwerbstätige sind Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die während der Referenzwoche mindestens eine Stunde gegen Entlöhnung gearbeitet haben, oder trotz zeitweiliger Abwesenheit von ihrem Arbeitsplatz (wegen Krankheit, Ferien, Mutterschaftsurlaub, Militärdienst usw.) weiterhin eine Arbeitsstelle als Selbständigerwerbende oder Arbeitnehmende hatten, oder unentgeltlich im Familienbetrieb mitgearbeitet haben. Als Erwerbslose gemäss ILO (International Labour Organization) gelten Personen im Alter von 15–74 Jahren, die in der Referenzwoche nicht erwerbstätig waren und die in den vier vorangegangenen Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben und die für die Aufnahme einer Tätigkeit verfügbar wären.
Median
Der Median oder Zentralwert teilt die nach Grösse geordneten Beobachtungswerte in zwei gleich grosse Hälften. Die eine Hälfte der Werte liegt über, die andere unter dem Median. Anders als das arithmetische Mittel wird der Median nicht durch Extremwerte beeinflusst.
Nichterwerbspersonen
Als Nichterwerbspersonen gelten Personen, die weder erwerbs-tätig noch erwerbslos gemäss ILO sind (→ Erwerbstätige, Erwerbslose gemäss ILO).
Verfügbares Einkommen
Das verfügbare Einkommen wird berechnet, indem man vom Bruttoeinkommen die obligatorischen Ausgaben abzieht. Dabei handelt es sich um Auslagen wie die Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV-Beiträge, berufliche Vorsorge usw.), die Steuern, die Krankenkassenprämien (Grundversicherung) und die monetären Transferzahlungen an andere Haushalte (z. B. Alimente).
Weiterführende Informationen des BFS
Statistikportal
Publikationen
Wie geht es der «Mitte»? Analysen zur Lebensqualität der mittleren Einkommensgruppen 2013. BFS, Neuchâtel 2016.
Die «Mitte» im Fokus. Die Entwicklung der mittleren Einkommensgruppen von 1998 bis 2009. BFS, Neuchâtel 2013.