2 Verteilung der Lernenden der obligatorischen Schule

Bevor die Übergänge und die Verläufe in der obligatorischen Schule analysiert werden, gibt dieses Kapitel einen Überblick über ihren Aufbau und die Verteilung der Lernenden nach Unterrichtsart und Stufe aufgeschlüsselt nach Alter.

2.1.1 Zusammensetzung der Bestände

Im Schweizer Bildungssystem Vereinfachte Darstellung: www.statistik.ch → Statistiken finden → Bildung und Wissenschaft → Bildungssystem ist die obligatorische Schule die erste Etappe sämtlicher Bildungsverläufe. Sie wird in der Regel während elf Jahren besucht, von den ersten Schritten im System im Alter von rund vier Jahren bis zum Beginn einer nachobligatorischen Ausbildung im Alter von rund 16 Jahren.

Die obligatorische Schule wird von drei parallel verlaufenden Unterrichtsarten gebildet (siehe Anhang A.1):

– Regelklassen: üblicher Bildungsgang, wird von der grossen Mehrheit der Lernenden besucht

– separativer Unterricht: richtet sich an Lernende, die aufgrund verschiedener Schwierigkeiten, Lücken oder Behinderungen einen besonderen Bildungsbedarf haben (siehe Kasten)

– ausländische Programme: richten sich hauptsächlich an Familien, die möchten, dass ihre Kinder nach dem Bildungssystem ihres Herkunftslands oder in einer internationalen Schule unterrichtet werden

Diese drei Unterrichtsarten sind bis zu einem gewissen Grad durchlässig, denn die Lernenden können in jedem Alter von einer Regelklasse in den separativen Unterricht oder in ein ausländisches Programm wechseln und umgekehrt.

In der Bildungsstatistik www.statistik.ch → Statistiken finden → Bildung und Wissenschaft → Personen in Ausbildung → Obligatorischen Schule (auf dieser Seite sind die ausländischen Programme in den Regelklassen enthalten; für den separativen Unterricht siehe Fussnote 1 unter der Tabelle zu den Beständen) ist die obligatorische Schule in drei aufeinanderfolgende Stufen gegliedert:

– zwei Jahre Primarstufe 1–2 (1. und 2. Programmjahr)

– sechs Jahre Primarstufe 3–8 (3. bis 8. Programmjahr)

– drei Jahre Sekundarstufe I (9. bis 11. Programmjahr)

Im separativen Unterricht ist die Gliederung nach Programmjahr und somit nach Stufe erst seit 2017 vollständig verfügbar. Die in dieser Publikation beschriebene Analyse der Bildungsverläufe ab 2012 beschränkt sich daher auf die Lernenden der Regelklassen. Der separative Unterricht und die ausländischen Programme werden nicht separat untersucht. Sie gelten als unstrukturierte Blöcke und werden nur in Zusammenhang von Wechseln zwischen Regelklassen und diesen beiden Unterrichtsarten behandelt.

Der separative Unterricht umfasst verschiedene Unterrichtsarten ausserhalb der Regelklassen (siehe Anhang A.1). Aufgrund der Vielfalt der Betreuungslösungen für Kinder in Schwierigkeiten ist der separative Unterricht nicht in allen Kantonen gleich ausgestaltet. In allen Altersklassen sind in Bezug auf den Anteil der Lernenden, die separativ unterrichtet werden, erhebliche Unterschiede festzustellen. Grund ist ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die sich aus den Merkmalen der Schulpopulationen und der jeweiligen Bildungs- und Integrationspolitik ergeben.

Darüber hinaus bilden die Lernenden, die gemäss SDL separativ unterrichtet werden, d. h. Sonderklassen und Sonderschulen besuchen, nur einen Teil der Lernenden mit besonderem Bildungsbedarf ab. Für ein vollständiges Bild muss auch der steigende Anteil an Lernenden, die in einer Regelklasse verstärkte sonderpädagogische Massnahmen erhalten oder eine Lehrplananpassung beanspruchen, berücksichtigt werden. In der noch jungen Statistik der Sonderpädagogik ist dies der Fall (siehe unten).

2.1.2 Verteilung der Bestände

Grafik G 2.1.2 C zeigt, wie sich die Lernenden auf die drei Unterrichtsarten und, in den Regelklassen, nach Alter In dieser Publikation entspricht das Alter stets der Anzahl der am 31. Dezember vollendeten ganzen Jahre. auf die drei Stufen verteilen.

2018 Schuljahr 2018/19; das angegebene Jahr bezeichnet stets das Kalenderjahr, in dem das Schuljahr begonnen hat. Die Zahlen beziehen sich alle auf die ständige Wohnbevölkerung, wie in Grafik G 2.1.2 C dargestellt. besuchten rund 942 000 Lernende die obligatorische Schule in der Schweiz:

– 898 000 (95,3%) in den Regelklassen:

– 171 000 (18,1%) auf Primarstufe 1–2

– 490 000 (52,0%) auf Primarstufe 3–8

– 237 000 (25,2%) auf Sekundarstufe I

– 30 000 (3,2%) im separativen Unterricht Gemäss der Statistik der Sonderpädagogik zum Schuljahr 2018/19 (siehe Kasten oben) erhielten 4,8% der Lernenden der obligatorischen Schule verstärkte sonderpädagogische Massnahmen und 4,6% hatten einen angepassten Lehrplan, wobei sich diese Kategorien untereinander und mit den 3,2% der separativ unterrichteten Lernenden überschneiden können (www.statistik.ch → Statistiken finden → Bildung und Wissenschaft → Personen in Ausbildung → Obligatorische Schule → Sonderpädagogik ; siehe auch Lanners, R. (2020), Neue Einblicke in die Schweizer Sonderpädagogik, https://www.szh-csps.ch/z2020-07-06/ ).

– 14 000 (1,5%) in ausländischen Programmen

In den Regelklassen besuchten in jedem Jahrgang rund 83 000 Kinder und Jugendliche eine öffentliche oder private Schule in der Schweiz. Die reguläre Schulpflicht beträgt grundsätzlich elf Jahre. Wie die folgenden Seiten zeigen, dauert sie in der Praxis für viele jedoch länger. Dafür gibt es verschiedene Gründe wie die frühzeitige Einschulung im Tessin, Repetitionen, die Wiederholung eines Programmjahrs auf einem höheren Anspruchsniveau auf Sekundarstufe I oder die Verlängerung der Schulzeit durch einen Wechsel in den separativen Unterricht. Die Gesamtzahl der Lernenden in der obligatorischen Schule entspricht folglich 11,3-mal der durchschnittlichen Grösse eines Jahrgangs. Die Grafik zeigt in einem Längsschnitt den Verlauf der Lernenden:

– Mit drei Jahren werden die ersten Kinder auf Primarstufe 1–2 eingeschult. Dabei handelt es sich hauptsächlich um einen halben Jahrgang im Kanton Tessin, denn dort beginnt die Schule mit drei Jahren mit einem Vorbereitungsjahr, das zwar freiwillig ist, aber von der Mehrheit der Kinder absolviert wird. Da der Stichtag für die Einschulung der 31. Juli ist und das hier angegebene Jahr dem Alter am Ende des Kalenderjahrs entspricht, ist rund die Hälfte der Kinder im Tessin bei der Einschulung drei Jahre und die andere vier Jahre alt.

– Mit vier Jahren ist rund die Hälfte der Kinder auf Primarstufe 1–2 eingeschrieben. Dabei handelt es sich um alle Tessiner Kinder und aufgrund des im Verhältnis zum Kalenderjahr um rund sechs Monate verschobenen Schulbeginns um die Hälfte der Kinder in den anderen Kantonen.

– Mit fünf Jahren besuchen alle Kinder die Primarstufe 1–2.

– Mit sechs Jahren wechselt rund die Hälfte der Kinder auf die Primarstufe 3–8, die andere Hälfte befindet sich weiterhin auf der Primarstufe 1–2.

– Mit sieben bis elf Jahren besuchen praktisch alle Lernenden die Primarstufe 3–8. Eine sehr kleine Anzahl bleibt länger auf Primarstufe 1–2, d. h. befindet sich dort auch noch mit sieben Jahren. Einige Lernende haben wiederum ein Programmjahr übersprungen und beginnen die Sekundarstufe I bereits mit elf Jahren.

– Mit zwölf Jahren wechselt rund die Hälfte der Kinder auf die Sekundarstufe I, die anderen befinden sich weiterhin auf der Primarstufe 3–8.

– Mit 13 bis 14 Jahren besucht die Mehrheit der Jugendlichen die Sekundarstufe I. Ein Teil der Lernenden ist hingegen in Verzug und hat die Primarstufe 3–8 im Alter von 13 Jahren noch nicht beendet.

– Mit 15 Jahren schliessen rund 30% die obligatorische Schule ab.

– Die 16-Jährigen machen nur noch rund 15% eines Jahrgangs auf Sekundarstufe I aus.

– Mit 17 Jahren (manchmal auch mit 18 Jahren) verlassen die letzten Lernenden die Regelklassen der obligatorischen Schule.

Der Anteil der separativ unterrichteten Lernenden erhöht sich mit dem Alter. Er steigt von 0,9% mit fünf Jahren auf 4,0% mit 14 Jahren. Das Gleiche gilt für ausländische Programme, allerdings verläuft der Anstieg dort nicht so steil (5 Jahre: 1,0%; 13 Jahre: 2,0%).

2018 waren 26,0% der Lernenden in der obligatorischen Schule Ausländerinnen und Ausländer. Lernende mit mehrfacher, darunter schweizerischer Staatsbürgerschaft, wurden als Schweizerinnen und Schweizer gezählt. In den Regelklassen belief sich der Ausländeranteil auf 24,6%, im separativen Unterricht (u.a. in Klassen für Fremdsprachige) auf 44,3% und in den ausländischen Programmen auf 78,0%.

Dieses Schema gilt grundsätzlich für alle drei Sprachregionen und für alle Kantone, dennoch zeigen sich vor allem in Bezug auf vier Aspekte Unterschiede:

– Einschulungsalter: ab drei Jahren im Tessin, ab vier Jahren in den anderen Kantonen, wobei die Bestände in einigen Kantonen, die dem HarmoS-Konkordat nicht beigetreten sind (siehe Anhang A.1), kleiner sind

– Dauer der Primarstufe 1–2: nur ein obligatorisches Jahr in neun Zentral- und Ostschweizer Kantonen, zwei Jahre in den meisten anderen Kantonen und drei Jahre im Tessin

– Dynamik des separativen Unterrichts: In einigen Kantonen, insbesondere in der französischen Schweiz, aber mit Ausnahme des Kantons Jura, steigt der Anteil der separativ unterrichteten Lernenden mit dem Alter (bis 9,3% mit 14 Jahren im Kanton Neuenburg). In anderen, mehrheitlich Deutschschweizer Kantonen, liegt dieser Anteil in den Altersklassen der Primarstufe 3–8 am höchsten (er erreicht 10,3% im Alter von sieben Jahren im Kanton Schaffhausen), bevor er erneut sinkt.

– relatives Gewicht der ausländischen Programme: In einigen Kantonen gibt es keine solche Programme, im Kanton Genf hingegen werden sie von 8,9% der im Kanton wohnhaften Lernenden besucht.

Insgesamt lässt sich aus der Verteilung der Lernenden in der obligatorischen Schule nach Unterrichtsart und Stufe schliessen, dass die linearen Verläufe mit elf regulären Jahren zwar überwiegen, die Lernenden aber eine Vielzahl verschiedener Verläufe aufweisen. Nachfolgend werden diese Verläufe und die Übergänge von einer Stufe zur nächsten anhand der Einzeldaten, die seit 2011 in die Bildungsstatistik einfliessen, beschrieben. Der Fokus liegt dabei auf den Regelklassen.